Vor- und Nachteile von Sat-Antennen gegenüber Sat-Schüsseln

Aufrufe 3 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Vor- und Nachteile von Sat-Antennen gegenüber Sat-Schüsseln

In der heutigen Zeit gibt es kaum noch Haushalte, in denen nicht mindestens ein Fernsehgerät steht. Das liegt natürlich auch an den inzwischen moderaten Preisen. Moderne Flachbild-Fernseher lassen sich zudem wesentlich einfacher und schöner in die eigene Wohnlandschaft integrieren als die recht klobigen Röhrenfernsehern, die noch bis vor wenigen Jahren den Markt dominiert haben.

Einen ebenfalls nicht unerheblichen Einfluss hat die aktuelle Fernsehlandschaft mit den zahlreichen Sendern, die für ein immens breites Spektrum an Unterhaltung sorgen, sodass praktisch jeder auf seine Kosten kommt - von der Sportsendung über verschiedenste Familienserien bis hin zu Spielfilmen und aufwendig produzierten Dokumentationen. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie man sich die Programme sozusagen ins Haus auf den eigenen Fernseher holt.

Kleiner Rückblick

Im Jahr 1982 war es das französische Unternehmen Eutelsat (European Telecommunications Satellite Organization), das die Pionierarbeit in Bezug auf den Satelliten-Rundfunk übernahm: Die Sendeleistung der ersten Satelliten waren noch zu schwach für einen Direktempfang und im Prinzip gedacht wie ein Autobahn-Zubringer für den terrestrischen Empfang. Der Direktempfang wurde erst mit dem Eutelsat ECS 1 möglich, allerdings gab es dafür noch keine fertigen Sat-Schüsseln auf dem Markt, insofern war dieser Bastlern vorbehalten, die sich mit der Thematik auskannten und dadurch die Möglichkeit hatten, Empfangsschüsseln unter Eigenregie zu konstruieren.

Der erste echte Durchbruch in Bezug auf den Satelliten-Rundfunk gelang dann der Firma SES Astra mit für die damalige Zeit leistungsstarken Satelliten für den Direktempfang. Die Sat-Schüsseln - dabei handelt es sich genau genommen um Parabolantennen - hatten noch einen Durchmesser, der bei bis zu knapp zwei Meter liegen konnte. Aufgrund der Baugröße kam es zu dieser Zeit zu massiven Diskussionen bezüglich der Optik - an vielen Mehrfamilienhäusern waren mehr Sat-Schüsseln zu sehen, als Bäume im Garten standen. Es handelte sich also vor allem auch um eine Diskussion um die städtebauliche Ästhetik.

Die Heutigen Sat-Schüsseln

Heutige Sat-Schüsseln haben in der Regel einen Durchmesser zwischen 60 cm und 120 cm. Die Größe ist durchaus mit entscheidend für die Empfangsqualität, aus mehreren Gründen: Je größer die Empfangsfläche des Parabolspiegels selbst ist, desto höher ist die sogenannte Empfangsenergie - diese wächst im Quadrat zum Durchmesser. Eine Sat-Schüssel mit 90 cm Durchmesser hat also die doppelte Kapazität wie das gleiche Produkt mit einem Durchmesser von 60 cm. Dies spielt vor allem deshalb eine Rolle, da die Ausstrahlung im verwendeten KU Frequenzbereich durch Feuchtigkeit (Regen, Nebel) stark beeinträchtigt wird - je größer der Durchmesser, desto geringer der Ausfall in Schlechtwetter-Phasen.

Wer sich intensiver mit dem Kauf einer Sat-Schüssel beschäftigt hat, wird längst festgestellt haben, dass die neuen Varianten nicht mehr rund sind, sondern in ovaler Form gebaut werden - in diesem Fall spricht man von Offset-Antennen wie sie zum Beispiel Kathrein oder Gibertini herstellen, um nur zwei Beispiele zu benennen. Zwei Vorteile bei dieser Bauart stechen besonders hervor:

  1. Ein die Qualität beeinflussender Schattenwurf des Feedarms wird vermieden, da durch die Stellung nur noch der obere Bereich des Parabolspiegels verwendet wird.
  2. Zwar liegt die Empfangsrichtung für die Parabolantenne im europäischen Raum in einem circa 30 Grad nach oben gerichteten Winkel, jedoch wird die Offset-Antenne dennoch fast senkrecht montiert, sodass sich kein oder nur wenig Schnee im Spiegel ansammeln kann, der den Empfang empfindlich stört. Im Vergleich ein Vorteil gegenüber den sogenannten Flachantennen, natürlich Abhängig vom Ort der Montage im Außenbereich.

Um Irritationen bei der Begrifflichkeit zu vermeiden, ist mit der Sat-Antenne genau genommen die sogenannte Sat-Flachantenne gemeint, was bereits auf die Bauweise hindeutet. Diese könnten eine Lösung für Sie sein, wenn Ihnen der Hausbesitzer oder die Hausverwaltung generell untersagt, eine herkömmliche Schüssel an der Außenfassade zu montieren. Zur Not lassen sich Flachantennen hinter einer Fensterscheibe mit einem Standfuß aufstellen, sofern die Ausrichtung des Fenstern Richtung Süden geht und es sich um eine Einfachverglasung handelt - eine Sat-Schüssel möchte man dagegen eher nicht im Wohnbereich stehen haben.

Die Empfangsqualität

In Bezug auf die Empfangsqualität sind Flachantennen zumindest im Kernbereich klassischen Sat-Schüsseln ebenbürtig, die Unterschiede treten allerdings dann zutage, wenn Sie sich eher am Rand der Ausleuchtungszone eines Satelliten befinden. Dies ist ein Thema, wenn eine mobile Sat-Flachantenne unterwegs in Verbindung mit einem Campingwagen verwendet wird. Vor dem Kauf eines entsprechenden Produkts sollten Sie die Bedingungen an Ihrem Wohnort oder in den von Ihnen bevorzugten Reiseländern in Bezug auf dieses Kriterium prüfen, damit es nicht zu unerwünschten Überraschungen kommt.

Konstruktionsbedingt gibt es neben der Form noch einen weiteren Unterschied zwischen den beiden Empfangsgeräten: Für die Flachantenne wird kein zusätzlicher Feedarm benötigt, die Empfangsköpfe (LNB = Low Noise Block - LNC = Low Noise Converter) sind in der Antenne selbst integriert. Der Vorteil ergibt sich dabei natürlich in der flachen Bauweise, bringt allerdings auch einen Nachteil mit sich: Flachantennen sind nicht multifeedfähig. Bei der klassischen Sat-Schüssel lassen sich über den Feedarm zwei oder mehr Empfangsköpfe installieren, um eine entsprechende Anzahl unterschiedlicher Satelliten zu empfangen wie etwa Astra oder Hotbird und einige weitere. Eine besondere Variante ist dabei der Monoblock LNB, bei dem bereits zwei Empfangsköpfe integriert sind. Für diesen Fall muss natürlich ein größerer Durchmesser der Parabolantenne in Kauf genommen werden, um bei der "schielenden" Variante einen guten Empfang zu haben.

Anzahl der Receiver

Wie viele Receiver an eine Sat-Anlage angeschlossen werden können, hängt von der Art des verwendeten LNBs ab, dabei kann grundsätzlich unterschieden werden zwischen:

In diesem Zusammenhang bietet sich zum Beispiel die Möglichkeit, in einem Mehrfamilienhaus eine Gemeinschaftsanlage zu installieren, sodass eben nicht pro Teilnehmer jeweils eine Schüssel an der Außenfassade montiert werden muss - möglicherweise eine Lösung, die der Vermieter oder Hausbesitzer in Betracht ziehen könnte. Bis vor kurzem waren die Optionen bei den Sat-Flachantennen noch deutlich eingeschränkt in diesem Zusammenhang, mittlerweile gibt es auch für diese Variante Lösungen zum Beispiel von Selfsat, bei der über einen Multischalter ebenfalls bis zu acht Teilnehmer angeschlossen werden können.

Wie bereits erwähnt, sind Sat-Empfangsschüsseln Vermietern und Hausbesitzern oftmals ein Dorn im Auge, im Prinzip natürlich verständlich - hat man als Mieter ohne vorherige Absprache eine Anlage montiert, kann der Besitzer durchaus die Demontage einfordern.

Optionen ergeben sich, wenn ein genügend großer Balkon vorhanden ist: Die Schüssel lässt sich dabei so aufstellen oder montieren, dass nur noch Teile des Parabolspiegels zu sehen sind und dadurch die Optik des Gebäudes kaum beeinträchtigt wird. Einzig muss beim Aufstellen darauf geachtet werden, dass das Geländer nicht den Empfangsbereich verdeckt. Theoretisch lässt sich die Anlage auch im Garten aufstellen, wenn dafür ein unauffälliger Platz vorhanden ist, dabei sollte jedoch unbedingt beachtet werden, dass eine Erdung gegeben ist, zudem fallen noch die Kosten an für die Kabelverbindung mit einem Receiver.

Wer handwerklich begabt ist und das gestalterische Gespür hat, kann natürlich auch eine Art Tarn-Ummantelung für die Schüssel selbst bauen, Ideen dazu finden sich über die Suche im Internet.

Gebühren?

Unabhängig davon, ob Sie sich für eine Sat-Antenne oder eine Sat-Schüssel entscheiden - für die Aufstellung ist in beiden Fällen keine Gebühr mehr zu entrichten, weder eine einmalige noch eine die in einem bestimmten Turnus fällig wird. Diese Tatsache ist auf eine gesetzliche Regelung aus dem Jahr 1991 zurückzuführen, seit der es nicht mehr wie zuvor notwendig ist, eine gebührenpflichtige Anmeldung zu tätigen. Zuständig war das ehemalige Bundesministerium für Post und Telekommunikation, das im Jahr 1998 in dieser Form aufgelöst wurde.

Im Gegensatz dazu werden bei Kabelanschlüssen monatliche Gebühren fällig, was nicht zu verwechseln ist mit Pay-TV, es handelt sich vielmehr um Nutzungsgebühren für die Bereitstellung der technischen Infrastruktur durch die jeweiligen Anbieter (mehr dazu im letzten Abschnitt).

Guter Empfang auch unterwegs

Ein Thema vor allem für alle Camper, die auch unterwegs nicht auf ihr Lieblings-Fernsehprogramm verzichten möchten. Viele Anbieter haben sich längst auf dieses Segment eingestellt, da sich die Reiseart des Campens immer größerer Beliebtheit erfreut. Ursprünglich wurden die Flachantennen genau für diese Zielgruppe auf den Markt gebracht, mittlerweile gibt es jedoch auch sogenannte Camping-Sat-Anlagen, die sich ebenfalls sehr gut für unterwegs eignen. Die Modelle sind in der Regel so aufgebaut, dass sich bei einem veränderten Standort nach der Weiterreise ein erreichbarer Satellit sowie die jeweiligen Sender durch automatische Suchfunktionen recht problemlos neu justieren lassen.

Um die Signale der Satelliten zu empfangen, benötigen Sie einen Receiver entweder mit dem DVB-S Standard oder noch besser DVB-S2 für das sogenannten HDTV (High Defintion) in Verbindung mit Sat-Schüssel oder Sat-Antenne. Sofern die Möglichkeit eines Kabelanschlusses vorhanden ist, werden entsprechende DVB-C-Receiver benötigt. Für die dritte Variante, den terrestrischen Empfang (DVB-T) benötigt man eine eigene und speziell für diese Empfangsart entwickelte DVB-T Antenne, die sich für die Verwendung innerhalb der Wohnräume eignet. Allerdings sollte man sich zuvor erkundigen, ob man innerhalb eines Sendegebietes wohnt und welche Sender empfangen werden können, da hier generell mit Einschränkungen zu rechnen ist.

Was die Alternativen anbetrifft, gibt es mittlerweile auch zahlreiche Fernsehgeräte mit integrierten Triple-Tunern, die die drei genannten Empfangsarten ermöglichen, sodass dadurch kein externer Receiver benötigt wird.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden