Von Druiden und Kriegern - keltische Münzen und ihre Herkunft

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Von Druiden und Kriegern - keltische Münzen und ihre Herkunft

Da die Kelten nur eine sehr kurze Zeit Münzen prägten, gibt es nicht allzu viele davon. Die Erforschung der keltischen Münzen stellt wie die Münzen des Altertums einen eigenen Zweig der Numismatik dar.

Die Kelten waren in der Eisenzeit, etwa ab dem 8. Jahrhundert vor Christus, eine Volksgruppe im europäischen Raum. Sie bildeten jedoch nie ein geschlossenes Volk, sondern bestanden aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen, die allenfalls nur die Kultur gemeinsam hatten. Verbreitet waren die Kelten im Westen bis Südostengland, Nordspanien und Frankreich, im Osten bis Westungarn und Nordkroatien. In der Nord-Südachse waren sie vom nördlichen Rand der deutschen Mittelgebirge im Norden bis nach Oberitalien im Süden angesiedelt. Die bekanntesten keltischen Kulturen stellen dabei die Hallstattkultur und die La-Tène-Kultur dar. Beide wurden nach den Fundorten benannt, an denen in der Mitte des 19. Jahrhunderts reiche Funde gemacht wurden. Die Kelten unterhielten intensive Beziehungen zu den anderen Kulturen ihrer Zeit, unter anderem zu den germanischen Stämmen im Norden, den Etruskern im Süden, und den griechischen, thrakischen und skythischen Kulturen im Südosten, und deswegen wurden auch die keltischen Münzen und Kunstobjekte von diesen Kulturen stark beeinflusst.

Die Kultur der Kelten, Druiden und keltische Fundstücke

Es ist sehr wenig über die Kultur der keltischen Stämme bekannt, da diese es ganz bewusst vermieden, Informationen über die Traditionen, die Gesellschaft oder ihre Religion dauerhaft niederzuschreiben. Diese Inhalte wurden vor allen Dingen mittels ihrer Kunstwerke weitergegeben. Des Weiteren sind Schriftstücke von anderen Kulturen über die Kelten gefunden und ausgewertet worden. So kann man mithilfe zahlreicher Funde in Mitteleuropa ein lebendiges Bild der keltischen Kulturen zeichnen. Die meisten Fundstücke stammen dabei aus den Hügelgräbern, in denen die hochgestellten Stammesmitglieder bestattet wurden. Neben den reich ausgestatteten Hügelgräbern der männlichen Kelten existieren auch Gräber von höhergestellten Frauen, die ebenso reich ausgerüstet worden sind. Auch die Münzen der Kelten bieten dabei einen kleinen Einblick in ihr Leben. Über die Druiden der damaligen Kelten ist nur so viel bekannt, wie man bei römischen Quellen nachlesen kann. Laut Cicero sollen es naturwissenschaftliche Gelehrte und Philosophen gewesen sein. Unter Augustus wurde den Galliern die Religionsausübung verboten, während sein Nachfolger Tiberius die Druiden abschaffte. Am längsten überlebte der ursprüngliche Druidenkult in Britannien, wobei aber im Jahr 60 in einem Rachefeldzug der Römer ihr Hauptheiligtum und eine ihrer wichtigsten Schulen zerstört wurden.

Die keltische Hallstattkultur und La-Tène-Kultur

Die Hallstattkultur hat ihren Namen von ihrem Fundort, dem österreichischen Hallstatt im Salzkammergut. Die Hallstattkultur steht für die Zeit von 800 bis 475 v. Chr., der älteren Eisenzeit. Diese Kultur wird eingeteilt in einen östlichen und in einen westlichen Wendekreis, wobei zum Osthallstattkreis Mähren, das westliche Ungarn, Teile von Slowenien, Ungarn und Österreich gezählt werden. Zum Westhallstattkreis zählen Nordost-Frankreich, Süddeutschland, Böhmen und Oberösterreich. Diese Zuordnung erfolgte dabei nicht willkürlich, sondern aufgrund der materiellen Kultur und der Bestattungsbräuche. So wurden zum Beispiel im Westen wichtige Stammesmitglieder mit Schwertern oder Dolchen bestattet, während es im Osten eine Streitaxt als Grabbeigabe gab.

Die La-Tène-Kultur, die ihren Namen La Tène am Neuenburgersee erhielt, war die Nachfolgerin der Hallstattkultur. Sie dauerte von 480 bis ungefähr Christi Geburt. Sie kann dabei grob in drei Abschnitte eingeteilt werden, in Früh-La-Tène, Mittel-La-Tène und Spät-La-Tène. In der Früh-La-Tène-Zeit kann man griechische und etruskische Importe feststellen, die nachgeahmt wurden und wobei sich ein eigener Kunststil entwickelte. Während des Mittel-La-Tène kann man erste Ansätze der Geldwirtschaft feststellen. Hierbei sind allerdings die Mehrheit der Münzen Nachahmungen von griechischen oder römischen Prägungen. Im Spät-La-Tène finden sich zudem vermehrt römische Produkte als Grabbeigaben der Kelten.

Keltische Münzprägungen bis 50 vor Christus

Da die Kelten auf ihren Wanderungen durch Europa auch die Bekanntschaft mit anderen Völkern machten, kamen sie in Kontakt mit deren Münzen. Besonders in Gallien stieß der zu dieser Zeit übliche Tauschhandel auf Probleme, weil sich im Einzugsgebiet der Griechen bereits das Münzwesen durchgesetzt hatte. Daneben wurde der Sold der römischen oder griechischen Söldner in Münzen ausbezahlt. Wahrscheinlich waren diese Umstände der Grund, warum die Kelten damit begannen, Münzen zu prägen. Dabei wurden das Metall, das Münzbild, der Münzfuß, die Legenden auf den Münzen und das Prägeverfahren nachgeahmt. So sind je nach Region unterschiedliche Münzgruppen und Untergruppen entstanden und auch das Metall, entweder Silber oder Gold, war unterschiedlich. Die ersten Münzen bestanden noch aus Gold und dienten wahrscheinlich nur zum Informationsaustausch und als Schatzgeld. Silbermünzen wurden ab der Mitte des 2. Jahrhunderts vor Christus bis zur Eroberung durch die Römer geprägt. Die Zeit, in der die Kelten eigene Münzen prägten, dauerte allerdings nur etwa hundert Jahre und endete um 50 vor Christus. Um die Entstehungszeiten der einzelnen Münzen einschätzen zu können, ist man auf andere Gegenstände im gleichen Fund angewiesen.

Der Potin – eine Münze der Westkelten

Im gallischen Bereich, das heute ganz Frankreich mitsamt den Beneluxländern umfassen würde, sind drei Münzgruppen zu finden. Im Zentralmassiv wurde der goldene Philipperstater nachgeahmt. Der Philipperstater, eine der Goldmünzen der Griechen, wurde von Makedonenkönig Philippos II. geprägt. Hierbei wurden der Kopf des Apollo auf der Vorderseite und das Wagenlenkergespann auf der Rückseite abgeändert und einiges wurde auch ganz weggelassen. Dafür kamen keltische Elemente hinzu, bis man das einstige Vorbild gar nicht mehr in Verbindung mit den Münzen bringen konnte. Auf diese Art wurden der Goldstater, der Parisii oder der Treveri umgestaltet. Diese Münzen erreichten den Süden der britannischen Insel, wo sie noch mehr umgestaltet wurden. Hierbei ging vor allem das Gold in der Legierung verloren und wurde zunehmend durch Kupfer ersetzt, bis die Münzen fast nur noch aus reinem Kupfer bestanden.

Bei den Westkelten waren neben den Münzen aus Gold oder Kupfer auch Silbermünzen in Gebrauch. Diese fanden ihren Anfang im Süden Galliens und wurden in ihrem Aussehen von den phönikischen Städten Emporion und Rhoda beeinflusst. Diese Beeinflussung wird besonders deutlich bei den sogenannten Tectosagen-Kreuzmünzen, die eine Abwandlung der Silbermünzen von Rhoda darstellen. Eine der am weitesten verbreiteten Münzen war eine Nachahmung eines römischen Denars. Dieser Kaletedou Quinar ist dabei massenhaft produziert und in Umlauf gebracht worden. Eine andere Münze, die weit verbreitet war, ist der Potin. Dieser wurde jedoch nicht wie die anderen Münzen geprägt, sondern gegossen.

Die nachgemachten Tetradrachmen der Ostkelten

Das ostkeltische Reich würde heute im Grenzbereich von Bulgarien, Jugoslawien und Rumänien liegen. Hier wurde im dritten Jahrhundert vor Christus damit begonnen, die Tetradrachmen Philipps II. nachzuprägen. Diese zeigen im Original auf der Vorderseite einen Zeuskopf und auf der Rückseite einen Reiter. Die Münzen der Ostkelten entfernten sich dabei wie die Münzen der Westkelten immer mehr vom Vorbild. Da von den Ostkelten weder Namen noch Standorte der Siedlungen überliefert sind, werden die Münzen nach den Darstellungen darauf oder nach den Fundorten benannt. Deswegen gibt es Münzen namens Entenschnäbler oder Kroisbacher. Es wurden aber auch andere Münzen imitiert, so die Tetradrachme von Alexander III. oder die Tetradrachme der Insel Thasos.

Tetradrachmen als Großsilbermünzen im Noricum

Das keltische Königreich Norikum lag im Bereich des heutigen Österreichs, Bayerns und Sloweniens. Im Süden grenzte Norikum an Italien, im Osten an Pannonien und im Westen an Raetien. Später wurde das Königreich zu der römischen Provinz Regnum Noricum. Wegen dieser Eingliederung in das Römische Reich helfen römische Überlieferungen bei der Einordnung der Münzen. Die Noriker werden dabei in die Ostnoriker und die Westnoriker eingeteilt. Dabei waren die Ostnoriker im Gebiet des heutigen Sloweniens beheimatet und die Westnoriker nördlich der Karawanken.

Die Ostnoriker brachten Tetradrachmen als Großsilbermünzen heraus. Auf diese waren am Anfang wie bei der originalen Tetradrachme auf der Vorderseite ein Apollokopf und auf der Rückseite ein Pferd dargestellt. Diese Darstellungen wurden jedoch bald kräftig umgestaltet. Auch die Westnoriker hatten eine Großsilbermünze, diese hatte allerdings auf der Rückseite einen Reiter. Bald kamen auf der Rückseite die Namen der jeweiligen keltischen Herrscher dazu. In beiden Teilen des Norikums wurden zudem kleine Silbermünzen im Umlauf gebracht. Anfangs war vorne ein Kopf dargestellt, der bald zu einem bildlosen Buckel wurde, und auf der Rückseite war ein Pferd abgebildet.

Statermünzen aus Gold und Silber bei den Boier

Die Boier, die nahe dem böhmischen Stradonitz ansässig waren, begannen ebenfalls im Jahr 150 v. Chr. damit, die Stater Alexanders III. nachzuprägen. Zu Beginn zierten dabei der behelmte Kopf Athenas die Vorderseite und die geflügelte Nike die Rückseite der Münze. Die Münze wurde wie die anderen Münzen so lange verändert, bis sie aus einem Buckel auf der Vorderseite und einer muschelförmigen Vertiefung auf der Rückseite bestand. Es wurden zudem kleinere Werte dieser Münze ausgegeben, wie ein Drittel-, Achtel-, Zwölftel- und Vierundzwanzigstelstater. Eine der bekannten Statermünzen des Altertums ist der Rolltierstater, auf dem vorne eine mit einem Kreuz verzierte Axt zu sehen ist und auf der Rückseite ein drachenartiges Tier mit aufgerissenem Maul, das sich um eine eckige Vertiefung ringelt. Diese Motive finden sich zudem auf den Münzen der Vindeliker wieder. Und wieder endeten die Münzen der Boier und Vindeliker mit schlechtem Gold und unkennbaren Stempeln.

Nachdem die Boier wegen der einwandernden Markomannen von Böhmen in das Gebiet um Bratislava ausgewandert waren, fingen sie auch hier damit an, Münzen zu prägen. Allerdings bestanden die Münzen aus Silber statt aus Gold. Wie die Noriker versahen sie die Rückseite der Münzen mit den Namen ihrer Fürsten. Die Vorderseite zieren ein bis zwei Köpfe und die Rückseite oft Jagddarstellungen oder Fabelwesen. Von diesen Münzen gibt es auch niedrige Werte, die nach ihrem Fundort als Kleingeld vom Simmeringer Typ bezeichnet werden. Auf der Vorderseite ist ein breiter Lorbeerkranz, auf der Rückseite ein Pferd dargestellt.

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