Vom Statussymbol zum Handwerkszeug

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Laptop, Handy und Zugriffsmöglichkeiten von außerhalb auf das Firmennetzwerk waren früher Führungskräften vorbehalten. Oder Mitarbeitern, die für eine außergewöhnliche Leistung belohnt wurden. Doch wer heute produktiv arbeiten will, kann auf die Status-Symbole von einst kaum mehr verzichten. 

  

Durchschnittlich 61 Prozent der europäischen Arbeitnehmer erhalten von ihren Arbeitgebern keinerlei Mobilsysteme für flexibles Arbeiten außerhalb des Büros. Dabei schneidet Deutschland im europäischen Vergleich noch ganz gut ab: In Italien sind es 76 Prozent, in Großbritannien 62 Prozent, in Frankreich 62 Prozent und in Deutschland 46 Prozent der Arbeitnehmer, die weder Handy, noch Laptop, noch einen Zugang von außerhalb auf das Firmennetz haben.

Zu diesen Ergebnissen kommt der Hersteller von Kommunikationslösungen Avaya. Für die Studie wurden Mitte März 2003 jeweils 250 Arbeitnehmer in den oben genannten Ländern befragt. "Ich bin überrascht über diese Aussagen als globale Einschätzung", kommentiert Stefan Pfisterer die Studienergebnisse von Avaya. Pfisterer ist beim Brachenverband Bitkom für das Referat Bildung und Personal zuständig. In der IT-Industrie würden die Prozentzahlen wesentlich höher liegen; vor allem dort, wo Beratungsdienstleistungen und intensiver Kundenkontakt im Mittelpunkt stehen, meint der Verbandsmann.

IT-Branche sieht Trend zum flexiblen Arbeitsplatz

"Wir sehen den Trend, dass viele Unternehmen ein Interesse daran haben, die Arbeitsplatzsituation zu flexibilisieren", so Pfisterer. Die Unternehmen wollen einerseits Büroflächen eher verkleinern, mobile Arbeitsplätze in den Betrieben zur Verfügung stellen, gleichzeitig aber auch einer zunehmenden Zahl von Mitarbeitern das Arbeiten vom Home-Office aus ermöglichen.

Nach Pfisterers Meinung haben die Unternehmen darüber hinaus ein ureigenes Interesse darin, ihre Mitarbeitern mit Laptops auszustatten, weil sie dann auf Reisen, im Hotel oder auch von zu Hause ihre Daten uneingeschränkt nutzen können. Der nächste konsequente Schritt wird nun sein, auch über breitbandige Zugänge zu Unternehmensnetzen dies Art des Arbeitens effektiver zu gestalten. Davon geht der Bitkom-Mann aus. Die infrastrukturellen Voraussetzung seien weitgehend geschaffen, zumindest bei einem Personenkreis mit einer mittleren bis oberen Qualifikation, meint Stefan Pfisterer.

Sinkende Preise fördern die Entwicklung

Nach Einschätzung von Pfisterer werden immer mehr Mitarbeiter mit dem Equipment für mobiles Arbeiten ausgerüstet werden. Denn die Anschaffungskosten gehen kontinuierlich zurück, weil die Geräte immer günstiger werden. Die Kosten stehen aber ohnehin hinten an. Viel wichtiger und entscheidend ist die steigende Produktivität, durch die Investition sehr schnell amortisiert werden.

Flexiblem Arbeiten gehört nach Auffassung vom Bitkom aus weiteren Gründen die Zukunft: Es gibt kaum noch Jobs, wo um 9:00 Uhr der Rechner hochgefahren und um 17:00 Uhr ausgeschaltet wird. "Ein Mitarbeiter, der sich als eigenverantwortliches Teil eines Teams sieht, muss flexibel agieren können", so Pfisterer. Solche Leute würden schon mal in der Freizeit ein Projekt fertig stellen.

Erfolgs- statt Anwesenheitskontrolle

Zudem hat bei vielen Vorgesetzten ein Umdenken stattgefunden. Kontrolle findet nicht mehr über Präsenz sondern über Arbeitsergebnisse statt. Um gute Ergebnisse zu erzielen, muss der Mitarbeiter aber nicht im Büro sitzen. So sind die Entwicklungen im Bereich der beruflichen und fachlichen Weiterbildung darauf zugeschnitten, dass der Arbeitgeber eine Lernumgebung bereit stellt, die vom Mitarbeiter in der Freizeit genutzt wird. "Es greift alles ineinander, an starren Formen festzuhalten macht keine Sinn mehr", orakelt Pfisterer.

Bei Fujitsu Siemens Computers (FSC) läuft schon sehr viel auf der mobilen Schiene: Von den rund 7000 Mitarbeitern hat die Hälfte ein Notebook und ebenso viele können beispielsweise über VPN auf das Intranet zugreifen. Weit über 2000 der Mitarbeiter haben Handys. "An den Zahlen sieht man, dass bei uns ein mobiler User nichts Exotisches ist", so Klaus Richter, der bei FSC für IT-Infrastruktur und Sicherheit zuständig ist. "Es wäre absurd, wenn wir Mobility nicht selbst leben würden, als eines unserer Standbeine", begründet der Manager. Ein Verkäufer müsse einfach mobil arbeiten können, um auf Daten im Intranet zugreifen zu können. "Wenn nicht, kann er seinen Job nicht machen", so Richter.
 

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