Volvo 240

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Habe in den letzten 15 Jahren mehrere Volvo's vom Typ 240 gefahren und dabei insgesamt eher positive Erfahrungen gemacht.

0.Zuverlaessigkeit
100%.Pannen mit Abschleppbedarf gab es auf rd. 300.000 km genau Null. Einmal war ein Krafstofffilter verstopft, aber das lag eindeutig an der dreckigen Bruehe, die mir eine Autobahntankstelle verkauft hatte. Ansonsten sprangen Diesel wie Benziner unter allen Wetter- und Temperaturbedingungen bis hinunter zu minus 22 Grad immer an.

1. Sicherheit
die lange Schnauze, der Seitenaufprallschutz und eine beinharte Fahrgastzelle bieten trotz fehlender Airbags bei Unfaellen ein akzeptables Sicherheits-Niveau.
Bei 2 Auffahrunfaellen blieb von den Wagen der Unfallgegner nur Totalschaden uebrig, waehrend wir abgefallene Zierleisten in den Kofferraum steckten und weiter fuhren.

2.Korrosion
Waehrend es bis zum Baujahr 1980 einigen Aerger mit Rost gab, haben Wagen der spaeteren Baujahre verglichen mit Durchschnittsfahrzeugen eher wenig Probleme mit Rostbefall, wenn Halter und Werkstatt angemessen damit umgehen. Einer der wenigen neuralgischen Punkte liegt bei Kombis z.B. unter der Heckklappe im Bereich der Heckschuerze.
Was beachtet werden sollte, ist z.B. das regelmaessige Einfetten der Motorhaubenscharniere und des Haubenzuges. Bei nassen Teppichen sofort mit dem Gartenschlauch nach der Eindringstelle suchen, sonst ist der Wagen bald nichts mehr wert.

3.Motoren
D24 ist nur im Flachland zu empfehlen lohnt sich wg.der KFZ-Steuer selbst bei hohen Jahreskilometerleistungen kaum, es gibt auch nur noch sehr wenige Fahrzeuge mit weniger als 7 Erd-Umrundungen auf dem Kilometerzaehler.
Mit typischen knapp 8 Litern fuer das Fahrzeuggewicht recht sparsam, kann er mit seinen 60 kW am Berg leider mit neueren Fahrzeugen nicht mithalten und bereitet trotz seiner 6 Zylinder daher nur wenig Fahrspass , einen Abgasturbolader gibts nur beim Bruder der Serie 740/940.
Unter 300.000km geht der D24 ohne Turbo in der Regel nur kaputt, wenn Inspektionsintervalle (Zahnriemen:120.000) ueberschritten wurden oder uralte Kopfdichtungen , Kuehler oder Thermostate bis zum geht-nicht-mehr gefahren werden.  Der Austausch der letzten beiden Gluehkerzen unter der Einspritzpumpe hat schon so manchen zum Wahnsinn gebracht und an den vorderen Zahnriemen sollte man sich nur mit Erfahrung und passendem Werkzeug wagen.

B230 hat zwar nicht gerade den ruhigsten Leerlauf, wird oberhalb 130 lauter als Verwandte aus Sueddeutschland und ist nichts fuer Ignoranten, die meinen, trotz inzwischen sicher auf uns zukommender Klimaerwaermung 200 fahren zu muessen. Der B230 wird aber auch nicht zum Schluckspecht, wenn damit wie in Schweden gefahren wird, also nicht schneller als 120. Mehr als 9 Liter auf 100 km muessen nicht sein und ueber 10 Liter/100 km deuten auf einen Kerpener Gasfuss oder einen Defekt hin. Kilometerleistungen von 300.000 sind bei Nicht-Rasern die Regel, 500.000 nicht sehr ungewoehnlich. Mein jetziger braucht - bei 300.000 km bisher unueberholt - 8 bis 9 Liter Super auf 100km und 1 Liter Oel auf 5000 bis 10.0000 km.
Bei der Umweltbilanz muss eingerechnet werden, dass bei der Herstellung eines Neufahrzeuges grob ein Drittel des aufzuwenden Gesamtenergieverbrauchs eines PKW's mit ein zu rechnen sind. Ein Volvo 240 landet wie seine Stuttgarter Verwandten nur selten vor dem 20. Lebensjahr auf dem Autofriedhof, wird damit eher doppelt so alt wie der Schnitt und kann - vernuenftig gefahren - nicht nur ein versnobtes Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft, sondern durchaus eine umweltfreundliche Alternative sein. Der B230 kann uebrigens preiswert auf Euro2 umgeruestet werden.

4. Preise
Die seit 1993 nicht mehr hergestellten Fahrzeuge sind wg. der nach wie vor hohen Nachfrage durch eine grosse Fan-Gemeinde in der Regel deutlich teurer als die in EU gebauten Konkurrenten der US-Hersteller. Trotzdem kann man fuer 2000 Euro einen Wagen erstehen, der noch ein paar Jahre haelt. Da die Fahrzeuge von 1974 bis 1993 in vielen Bereichen (Bremskloetze passen sogar noch vom Vorgaenger 140) baugleich sind, gibt es auch fuer Wagen jenseits der 20 alle wichtigen Ersatzteile und wenn nicht neu, dann zumindest gebraucht.
Einige Ersatzteilpreise ab Originalhersteller deklassieren allerdings den Gang zur Apotheke zum eher preiswerten Vergnuegen fuer arme Leute.
Gluecklicherweise gibt es Distributoren wie z.B. www.w-und-g.de in Hamburg, die vieles sehr preisguenstig liefern koennen.

Wer sich so ein Stueck Schwedenstahl weitgehend rostfrei und unmisshandelt anschaffen konnte und dann noch Verschleissteile selbst austauschen kann, gibt bei durchschnittlicher Kilometer-Rate insgesamt weitaus weniger fuers Autofahren aus, als der Leasingraten zahlende Nachbar mit seinem neuen Direkteinspritzer-Diesel . Warum? 24.000 Euro Anschaffungspreis fuer einen Mittelklasse-Kombi in 4 Jahren abzubezahlen heisst 500 Euro pro Monat zahlen, ohne einen Meter gefahren zu sein (und wer die nicht monatlich zahlt, erlebt dann beim naechsten Fahrzeugwechsel die boese Ueberraschung). Fuer 500 Euro kann man fuer seinen Volvo 240 dagegen Sprit fuers naechste Vierteljahr kaufen.

G.Pillunat, Schleiden/Nationalpark Eifel
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