Voce V5 Orgel-/Hammond-Modul

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Voce V5 Hammond-/Orgel- Modul

 

Generell

Die Voce V5 ist ein schon etwas älteres Hammond-Imitat, das diesen Klang auf puristische Weise simulieren soll. Sehr gut ist die kompakte Größe, die es ermöglicht, den kleinen Kasten problemlos auf die allermeisten Keyboards zu stellen, und die direkte Bedienbarkeit durch richtige Zugriegel (das könnte sich Clavia gerne abschauen). Ebenfalls sehr übersichtlich sind die weiteren Bedienelemente für Percussion und Vibrato/Chorus.

Bis hierhin entspricht alles einer normalen Hammond, d.h. Zugriegel, Percussion und Vibrato/Chorus sind den Vorbildern C3, A100, M3 etc. nachgebildet. Als zeitgemäße Erweiterungen finden wir an dem Modul neben den Midi In/Out-Buchsen und der Midi-Kanalanwahl (per kleinem Drehschalter von 1-16) :

Die Parameter Volumen, Keyklick, Leakage und Distortion, welche sich mit 4 großen Drehreglern einstellen lassen. Außerdem kann man mit einem kleinen Poti an der Rückseite die Stimmung verändern. Und zum Schluss haben wir 7 Speicherplätze für Eigenkreationen zur Verfügung. Das war´s schon, daher meine Formulierung "puristisch".

 

Zum Sound

Der ist schlicht und einfach gut, nicht überragend, aber auch nicht lediglich ausreichend. Falls man das Modul zuerst über einen normalen Verstärker spielt, ist man ziemlich enttäuscht. Aber nach dem Anschluss an ein richtiges Leslie könnte man fast begeistert sein, wenn nicht - wie in meinem Fall - eine richtige C3 daneben stünde.

Die Zugriegel bilden den originalen Sound gut nach. Nur ein Schwachpunkt fiel mir auf: Wenn man bei einer echten Hammond z.B. einen weiteren Zugriegel mit 2 Stufen zum bestehenden Sound hinzufügt, dann hört man das (zumindest, wenn man alleine spielt). Nicht so bei der Voce. Hier muss man schon mit mindestens 3 bis 4 Stufen arbeiten, um einen Unterschied zu hören. Das aber heisst theoretisch und in der Praxis, dass das Modul nicht die unglaublich vielen, feinen Sound-Schattierungen produzieren kann wie eine echte Hammond. Sie wirkt somit soundmäßig grober einstellbar.

Nun kommen wir zu zwei eindeutigen Schwachpukten: Die Percussion ist viel zu leise und entspricht bei normaler Lautstärke in etwa der Percussion Soft - Einstellung einer richtigen Hammond (wenn überhaupt). Daher kann ich mich auch nicht weiter zum Klang der Percussion äußern. Man hört sie in der Mischung mit einem Zugriegelsound nicht gut genug. - Ein weiterer Minuspunkt besteht in der Vibrato/Chorus-Abteilung. Die klingt eindeutig zu flach, so dass man schon auf die stärksten Einstellungen V3/C3 gehen muss, um von Modulation reden zu können. Die dezenteren Abstufungen stellen sich als eindeutig zu schwach dar. Nun hat Voce bei der V5 ganz bewusst auf eine Leslie-Simulation verzichtet. Falls man aber die V5 über einen normalen Verstärker spielen möchte (oder per Submischer in die PA), bräuchte man eine gute Vibrato/Chorus-Abteilung. Da die ihren Job aber viel zu unauffällig macht, ist etwas zusätzlich Leslieartiges absolute Pflicht!

 

Weitere Merkmale

Die V5 macht viel Druck. Das Volumen, was aus der kleinen Kiste kommt, ist erstaunlich. Das ist wirklich positiv. Negativ dagegen ist das externe Netzteil, aber das dürfte bei einem derart kleinen Hersteller wegen der damit verbundenen Kostenreduktion verständlich sein.

Nun aber zu heftigen Minuspunkten: Die Distortion erinnert an schlimmste Big Muff-Zeiten und klingt nach allem, nur nicht nach Röhre. Aber was noch schlimmer ist: sie lässt sich nicht richtig einstellen. Wenn man den großen Distortion-Regler nur ein paar Millimeter aufgedreht hat, ist das Zerren schon unerträglich - der Sound wird völlig zerschreddert. Wahrscheinlich würden selbst Death Metal Musiker dieses Poti meiden (oder Jon Lord Fans....). Die Distortion ist also völlig missraten. Das Gleiche lässt sich über das Leakage sagen. Damit soll ja das Übersprechen oder der allgemeine Geräuschpegel des Tongenerators imitiert werden. Auch hier gilt: völlig missratener Regelweg - also unbrauchbar.

Wesentlich besser ist da der Keyklick geraten, der einen praxisnahen Regelweg und eine gute Imitation bietet. Wegen der schwachbrüstigen Percussion steht dieses Poti bei mir immer auf 100%, so dass ich etwas mehr Schmatzen im Sound habe.

Die V5 bietet genau den Tonumfang einer großen Hammond, also 5 Oktaven. Das ist zwar völlig in Ordnung, was aber geschieht jenseits dieses Umfangs? Nichts! Voce dehnt den Tonbereich nicht weiter aus und verzichtet auf eine Tonrepetition der Außenoktaven. Das sollte man wissen, wenn man ein größeres Masterkeyboard spielt. Schlägt man dabei eine Taste außerhalb des fünfoktavigen Bereichs an, erklingt im wahrsten Sinn des Wortes nichts.

Wenn man die V5 z.B. mit Midi-Kanal 1 ansteuert, entspricht das dem Obermanual einer Orgel. Dieses lässt sich "realtime" mit allen vorhandenen Drawbars, Schaltern und Reglern soundmäßig beeinflussen. Gleichzeitig könnte man auf Kanal 2 das Untermanual und auf Kanal 3 das Pedal abrufen. Damit ergibt sich die schöne Möglichkeit, eine komplette Hammond abzubilden, wenn man denn 2 Tastaturen, ein Pedal und die dafür erforderliche Miditechnik zur Verfügung hat. Ein Nachteil besteht nur darin, dass man für das Untermanual und das Pedal lediglich eine einzige Registrierung speichern kann, die im Live-Betrieb nicht mehr "realtime" veränderbar ist.

 

Fazit

Die Voce V5 ist trotz aller Mängel eine gute Hammond-Imitation, aber ohne ein echtes Leslie oder zumindestens eine sehr gute Leslie-Simulation halte ich sie für nicht brauchbar. Die Roland VK-8 bietet im direkten Vergleich einen etwas dünneren Klang, lässt sich durch den eingebauten Leslie-Effekt aber ganz gut ohne die Rotoren spielen und wirkt dadurch "kompletter".

Bezüglich Zuverlässigkeit kann ich nichts Negatives berichten. Zum Glück, denn einen deutschen Vertrieb gibt es seit einiger Zeit nicht mehr. Und was das für das Besorgen von Ersatzteilen bedeutet, muss ich sicherlich nicht gesondert anmerken.

Ich spiele die Voce als quasi zweite Hammond neben meiner C3. Dabei nutze ich häufig die Möglichkeit, ihren Klang mit Synthiesounds zu mischen. Wenn es aber zu prägnanten Hammond-Stellen kommt, spiele ich natürlich die C3. Für diese Aufgabenteilung ist die V5 vollauf ausreichend. Und wie könnte man sie bewerten, wenn sie quasi die einzige Hammond in der Keyboardanlage darstellt? Falls man nicht ständig Nummern von Emerson, Jimmy Smith oder Joey de Francesco spielt, wenn die V5 also überwiegend füllen und weniger in der ersten Reihe stehen soll, dann bietet sie auf jeden Fall genügend Hammond-Charakter und ist uneingeschränkt zu empfehlen - aber nur mit Leslie oder Leslie-Simulation.

Voce soll die o.a. Schwachpunkte erkannt und bei der Nachfolgerin V5+ verbessert haben. Da ich die Plus-Version nicht probiert habe, kann ich nichts über den Wahrheitsgehalt berichten. Allerdings frage ich mich, wieso die Minuspunkte der V5 nicht bereits vor deren Produktion erkannt wurden. Man hätte vielleicht einmal einen kompetenten Musiker zu Rate ziehen sollen, denn mit guter Percussion und besserem Vibrato/Chorus wäre die V5 ein sehr guter Hammond-Clone, der alle mir bekannten Imitate hinter sich lassen würde.

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