Violine & Bratsche: Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beliebten Streichinstrumente

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Violine & Bratsche: Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beliebten Streichinstrumente

Der Begriff „Violine" bedeutet ursprünglich „kleine Viola". Im deutschen Sprachraum wird die Violine auch als Geige bezeichnet. Früher wurden auch andere Streichinstrumente wie Bratsche, Cello und Kontrabass Geige genannt.

Aufbau, Geschichte und Funktionsweise der Violine

Streichinstrumente sind in Europa erst seit dem Mittelalter bekannt. Die Violine, wie man sie heute kennt, entstand aus einer Reihe von Entwicklungen. Die „Viola da Braccio" aus dem Jahr 1520 hatte 3 bis 4 Saiten und war bereits in Quinten gestimmt. Um 1550 entwarf Andrea Amatti die erste Geige mit dem heutigen Aufbau. Er optimierte die Bauweise und erreichte so einen kräftigeren und besseren Klang. Sein Schüler Antonio Stradivari perfektionierte die Geige weiter und fertigte jedes Einzelteil mit großer Sorgfalt an. Dadurch fanden seine Violinen rasch in ganz Europa Anerkennung, auch heute noch spielen viele bekannte Geiger ein Instrument von Stradivari. Um 1840 wurde der Bau der Geige weiter verändert, um sie lauter zu machen. Dadurch konnten sie auch vor größerem Publikum gespielt werden.

Resonanzkörper, Boge und Saiten

Den größten Teil der Violine nimmt der Resonanzkörper ein. Er ist hauptsächlich für den Klang des Instruments verantwortlich. Am Korpus ist der Hals der Geige befestigt. Dieser dient zum einen als Griff, außerdem hält er auch die vier Saiten der Violine. Ein Steg aus Ahornholz hält die Saiten im richtigen Abstand und überträgt die Schwingung der Saiten auf die Decke. Ähnlich wie bei einer Gitarre und anderen Saiteninstrumenten lässt sich auch die Violine durch das Drehen von Knöpfen am oberen Hals stimmen.

Wenn Sie über die Saite einer Geige streichen, klebt die Saite an den Bogenhaaren fest, wird mitgenommen und löst sich plötzlich wieder. Sie schnellt wieder in die ursprüngliche Position zurück, dieser Vorgang wiederholt sich stets. Die Schwingung der Saite wird auf den Steg und von dort aus auf die Decke übertragen. Durch Bassbalken und Stimmstock wird sie weiter auf Decke und Boden übertragen. Der Geigenkörper verstärkt den Ton, der nun durch die F-Löcher nach außen austritt.

Eine Violine besitzt vier Saiten, die mit den Tönen g, d‘, a‘ und e‘‘ gestimmt sind. Die Geige kann sowohl solistisch verwendet werden, als auch im Rahmen von verschiedenen Ensembles. Ob beim Streichquartett oder beim Orchester – Violinen sind dabei unverzichtbar. Wenn Sie Geige spielen, können Sie also sowohl solistische Werke spielen, aber auch in verschiedenen Orchestern und Streichergruppen mitwirken. 

Wissenswertes über die Bratsche

Die Bratsche oder Viola ist im Wesentlichen eine etwas größere und tiefer klingende Bauform der Violine. Auch die Proportionen des Instruments weichen leicht von denen einer Violine ab. Während die Violine die Sopranlage spielt, ist die Bratsche für die Alt-Stimme zuständig. Der Name Bratsche leitet sich vom italienischen „Viola da braccio", was Armviola bedeutet, ab. Der Aufbau der Viola ähnelt dem der Geige, auch die Tonerzeugung erfolgt genauso. Der Korpus ist lediglich etwas größer und die Saiten sind eine Quinte tiefer gestimmt. So finden Sie auf einer Viola die Saiten c, g, d‘ und a‘. Der Klang der Bratsche ist dadurch etwas dunkler und weicher als der eine Violine. Die tiefste C-Saite klingt im Forte wild, rau und etwas drohend – diese Eigenschaft wird häufig in Opern und der Filmmusik genutzt. Dieser eigentümliche Klang der Bratsche kommt auch von der Bauweise. Der Korpus der Bratsche ist eigentlich für ihre Stimmung zu klein, wenn sie das gleiche Verhältnis von Frequenzumfang und Größe hätte wie die Violine, wäre sie 54 cm lang. Die meisten Bratschen besitzen aber lediglich einen Korpus mit etwa 40 bis 43 cm Länge.

So wird die Bratsche gespielt

Die Bratsche wird grundsätzlich auf die gleiche Art gespielt wie die Violine. Sie wird dazu am Hals eingeklemmt und nach vorne gehalten. Cello und Kontrabass werden dagegen aufgestellt und von hinten gespielt. Durch den größeren Korpus der Bratsche wird der Halteapparat des Rücken- und Schulterbereichs stärker beansprucht. Auch die Arme werden etwas stärker belastet, was leichter zu Überlastungen und Muskelverhärtungen führen kann. Wenn Sie Bratsche spielen wollen, müssen Sie immer einen Kompromiss zwischen Klang, technischer Beherrschung und Gesundheit bei längerer Benutzung eingehen. Je größer die Bratsche ist, desto schwieriger ist sie zu spielen und desto leichter können körperliche Beschwerden auftreten. Allerdings ist der Klang einer größeren Bratsche auch besser als bei kleineren Exemplaren.

Auch mit der Bratsche können Sie durchaus auch solistisch aktiv werden. Wenngleich die solistische Bedeutung nicht mit der einer Violine mithalten kann, gibt es dennoch einige bedeutende Solostücke für das Alt-Instrument. Auch in der Kammermusik und in Orchestern sind Bratschen unverzichtbar. Ihre Bedeutung wird oftmals verkannt und der Anteil an Violinisten in der Bevölkerung ist ungleich höher als der von Bratschisten. 

Die Bögen für Violine und Bratsche – notwendig für die Tonerzeugung

Ohne den Bogen können Sie weder bei einer Violine noch bei einer Bratsche einen guten Klang erzeugen. Ein hochwertiger Geigenbogen besteht meistens aus Pernambuk-Holz. Da das Holz jedoch selten und teuer ist, sind günstigere Bögen meist aus Brasilholz gefertigt. Berufsgeiger verwenden zunehmend auch Bögen aus Kohlefaser. Auf den Bogen sind etwa 200 Haare vom Hengstschweif gespannt. Vor dem Spielen müssen Sie den Bogen durch eine Schraube in Spannung versetzen. Durch kleine Widerhaken an den Haaren werden die Saiten des Instruments in Schwingung versetzt. Dafür müssen Sie aber die Haare vor dem Spielen mit Kolophonium einem natürlichen Balsamharz, einstreichen. Dieses Harz können Sie übrigens für jedes Streichinstrument verwenden, auch Bögen von Cello und Kontrabass benötigen Kolophonium.

Der Bratschenbogen gleicht prinzipiell dem Bogen einer Violine. Er ist allerdings etwas länger und 10 bis 15 Gramm schwerer. Meist besitzt er darüber hinaus auch eine abgerundete Kante. Dabei können Sie hochwertige Pernambuk-Bögen oder Modelle aus Kohlefaser erwerben. Jedoch erhalten Sie auch günstigere Exemplare aus Brasilholz. 

Die verschiedenen Notenschlüssel der beiden Streichinstrumente

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal von Violine und Viola ist der Notenschlüssel, in dem die Stimmen üblicherweise notiert sind. Die Violine gibt dem Violinschlüssel den Namen. Hier entspricht die zweite Notenlinie von unten der Note g‘, diese wird durch ein geschwungenes G am Anfang der Zeile angezeigt. Auch für viele andere Instrumente werden die Noten im Violinschlüssel notiert. Meistens erlernt man als Erstes, den Violinschlüssel zu lesen. Um Bratsche zu spielen, müssen Sie den Altschlüssel lesen. Dieser wird sonst nur noch für die Altposaune verwendet und auch häufig Bratschenschlüssel genannt. Bei diesem Notenschlüssel liegt das c‘ auf der dritten Notenlinie. Wenn Sie bereits andere Instrumente gespielt haben, wird Ihnen das Lesen des Bratschenschlüssels anfangs etwas schwer fallen. Mit der Zeit und nach etwas Übung werden Sie sich aber auch an diesen Notenschlüssel gewöhnen.

Was für das Erlernen einer Violine und was für die Bratsche spricht

Die meisten Bratschisten lernen als Kind zuerst Geige und wechseln erst später zur Viola. Manchen gefällt der Klang der Bratsche oder die tiefere Lage besser, weswegen sie die Bratsche der Violine vorziehen. Oft legen Geigenlehrern Schülern mit großen Händen und langen Armen den Wechsel auf die größere Bratsche nahe. Lange Zeit stand die Bratsche im Schatten der Violine und Sololiteratur war vergleichsweise selten. Auch heute noch lernen viel mehr Personen, Violine zu spielen als Bratsche. Falls Sie ein guter Bratschist sind, sind Sie ein sehr gefragter Musiker. Viele Orchester besitzen eine Fülle an Geigern, aber ihnen fehlen Bratschisten. Wenn Sie kurze Arme und kleine Hände haben, sollten Sie eher Violine spielen, da das Bratschespielen dann auf Dauer zu Überlastungserscheinungen führen kann. Welches Instrument Sie erlernen wollen, bleibt Ihren persönlichen Vorlieben überlassen. Am besten lassen Sie sich auch von einem Musiklehrer beraten, was er für Sie geeignet findet. Zur Auswahl nehmen Sie jedes Instrument auch einmal in die Hand und halten Sie es richtig, um zu sehen, mit welchem Streichinstrument Sie sich wohler fühlen. Junge Kinder sollten prinzipiell zuerst mit der Violine beginnen, da die Bratsche anfangs noch zu schwer und zu groß ist.

Das unterscheidet teure Violinen und Bratschen von günstigen Exemplaren

Der Kauf einer Geige oder Bratsche ist nicht ganz günstig und dem Preis sind nach oben hin fast keine Grenzen gesetzt. Zu Beginn oder wenn Sie hauptsächlich hobbymäßig spielen, können Sie auch auf günstigere Exemplare zurückgreifen. Wenn Sie dann höhere Ambitionen hegen oder besseren Klang erreichen wollen, bieten sich Geigen und Bratschen mit etwas höherer Qualität an. Diese betrifft zum einen das Material. Schon das richtige Holz spielt eine wichtige Rolle bei der Geige. Es sollte eine gute Struktur besitzen, richtig gelagert und frei von Fehlern sein. Auch der Erhaltungszustand spielt eine Rolle. Risse, Wurmbefall und unsachgemäße Reparaturen schaden dem Klang und der Qualität eines Streichinstrumentes. Auch die Optik und Ästhetik bestimmt die Qualität und den Preis einer Violine oder Bratsche. Darüber hinaus ist auch der Lack für den optischen Eindruck und für den Klang entscheidend. Beim Kauf sollten Sie auch weiterhin die Herkunft der Geige achten. Mit sehr günstig produzierten Instrumenten aus Asien werden Sie wenig Freude haben. Sie sollten deshalb Instrumente aus ausgewählten europäischen Werkstätten vorziehen. 

Passendes Zubehör für Violinen und Bratschen

Natürlich erhalten Sie auch passendes Zubehör für die beiden Streichinstrumente. So können Sie zum einen zahlreiche Violin- und Bratschennoten erwerben. Falls Ihnen einmal eine Saite reißt, erhalten Sie einzelne Saiten für Violinen und auch Bratschensaiten. Mit einer sogenannten Violinschule erhalten Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um das Instrument zu erlernen. 

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