Vintage-Pullover & -Strick für Männer aus vergangenen Jahrzehnten

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Vintage Pullover & Strick für Männer: Kultige Strickmode aus vergangenen Jahrzehnten

Der nächste Winter kommt bestimmt, wird sicher kalt – und falls Sie es dann ganz gemütlich, wenig förmlich sowie warm haben wollen und am liebsten ein Kaminfeuer anzünden möchten, ist Pulloverzeit. Wenn Sie einen Pulli überziehen, bedeutet das meist etwas Angenehmes: Keine Arbeit, sondern Freizeit für Sie; kuschelige Wärme, ein Höchstmaß an Bequemlichkeit, da Strickwaren von Natur aus flexibel sind. Die passen sich Ihnen an und zwingen Sie nicht umgekehrt, sich dem Kleidungsstück anzupassen. Allein deshalb sollten Sie Pullover in Ihrem Kleiderschrank beziehungsweise in Ihrer Garderobe haben. Im Lauf der Jahre hat die Mode ganz unterschiedliche Modelle herausgebracht für ganz unterschiedliche Zwecke.

Retro oder Vintage? Was trägt man(n)?

Zunächst einmal: Erlaubt ist, was Ihnen gefällt. So und nicht anders sollten Sie Ihre Garderobe zusammenstellen. Aber warum dabei das Rad ständig neu erfinden? Es gibt nicht nur in der Automobilszene oder bei Möbeln echte Klassiker. So etwas existiert auch im Bereich der Bekleidung. Gerade im Modesegment „Pullover" kann man etliche bewährte Modelle der letzten Jahre und Jahrzehnte finden, mit denen Sie heute passend zu vielen Anlässen gut angezogen sind.

Das englische Wort "vintage" bedeutet übrigens übersetzt im Deutschen „alt, altehrwürdig". Synonym können Sie auch den Begriff „retro" aus dem Lateinischen verwenden, was wörtlich übersetzt „rückwärts" heißt. Vintage- oder Retro-Mode greift auf Stilelemente vergangener Zeit zurück, transponiert sie in moderne Materialien und schafft so hochwertige Kleidungsstücke mit großem Tragekomfort.

Wolle, Cashmere oder Kunstfaser?

Ein Pullover besteht immer aus einem Maschengewebe, das enorm elastisch ist. Der ganz edle Pulli wird natürlich von Hand gefertigt. Solche Pullover sind Unikate, denn jedes so hergestellte Werk ist wirklich unterschiedlich ausgearbeitet. Aus Island stammend, das eine echte Pullovertradition besitzt, können Sie handgestrickte Island-Pullover erwerben, in die sogar wie eine Signatur des Künstlers ein Label mit dem Namen der Strickerin oder des Strickers integriert ist – jawohl, auf Island stricken auch Männer! Die hauptberuflichen und nebenberuflichen Pulloverfabrikanten sind sogar in einer Strickvereinigung organisiert.

Die meisten Pullover auf dem gesamten Modemarkt sind allerdings maschinengestrickt. Das macht sie nicht automatisch weniger hochwertig – es kommt eben ganz darauf an, was Sie für sich persönlich suchen. Feinstrickpullover kann man nämlich nur bis zu einer gewissen Fadenstärke überhaupt von Hand fertigen. Wird das Garn zu dünn, muss es mit einer Strickmaschine verarbeitet werden, sonst gerät auch bei der begabtesten Strickerin das Maschenbild zu unregelmäßig.

Bei jedem Pullover, egal ob Vintage-Style oder Latest Look, ist entscheidend, aus welchem Material er gefertigt ist. Natürlich gibt es zahlreiche Kunstfasern, die sich zur Herstellung von Strickgarnen eignen. Sie haben etliche Vorteile. So sind künstlich hergestellte Strickgarne teilweise sehr verschleißfest. Sie neigen nicht dazu, die für Naturfasern typischen kleinen Knötchen zu bilden, die auf der Oberfläche von Lieblingspullovern bisweilen sehr deutlich anzeigen können, dass es sich dabei um wirklich alte Schätzchen handelt. Der große Nachteil bei Kunstfasern im Pullover ist der, dass es einen regelrechten Hitzestau im Pulli geben kann: Ihnen wird unter Umständen in solch einem Kleidungsstück bei Temperaturschwankungen sehr warm, Sie beginnen zu schwitzen und dann nehmen Kunstfasern, von wenigen speziellen Ausnahmen abgesehen, keine Feuchtigkeit auf.

Baumwoll- und Leinenpullis

Typisch für Vintage-Mode ist es, dass sie auch auf klassische Materialien setzt. Im Falle von Pullovern heißt das: Es werden Baumwoll- oder Leinengarne für jene Kleidungsstücke verwendet, die Sie vor allem als sogenannte Sommerpullis tragen. Die zeichnen sich dadurch aus, dass sie leicht und kühl sind, gegebenenfalls Schweiß gut absorbieren und nicht wirklich wärmen. Es gibt – auch in der Herrenmode – Pullover, denen Seidengarne beigemischt sind. Seide hat die sehr geschätzte Eigenschaft bei Kälte zu wärmen, bei Hitze dagegen zu kühlen. Seidengarne haben aber auch den Nachteil, dass sie sehr weich sind und schnell verschleißen: Ellenbogen und Bündchen eines Pullovers sieht man ihr Alter immer zuerst an.

Alpaka-Pullover

Ganz edel und besonders warm fällt der Pulli aus, wenn Alpakawolle zum Stricken verwendet wurde. Die südamerikanischen Alpakas geben eine besonders hochwertige, sehr leichte Wolle, die einen einmaligen Tragekomfort garantiert.

Schurwollpullover

Schurwollpullover - darunter versteht man generell Strickwaren aus Schafwolle - sind warm, jedoch nicht zu warm. Die Wolle lässt sich in vielfältigen Formen zu Garnen verspinnen, sodass ein Schurwollpullover von Feinstrick bis Grobstrick ausfallen kann. Retro-Puristen legen sogar Wert darauf, dass ihre Strickwaren in traditionellen Färbeverfahren mit natürlichen Farbstoffen getönt werden. Deshalb tauchen Vintage-Pullover sogar in Öko-Kollektionen auf.

Cashmere-Pullover

Wer es ganz edel mag, trägt Cashmere-Pullover. Diese Ziegenwolle von Tieren, die in ihrer Hochgebirgsheimat im Himalaja nie frieren, ist superleicht und sehr warm – allerdings auch empfindlich: Setzen Sie sich besser nicht in einem reinen Cashmere-Pulli an den Schreibtisch, denn an den Ellenbogen des Kleidungsstückes werden Sie schon nach wenigen Arbeitsstunden bemerken, dass Reibung Cashmerewolle schnell anzusehen ist.

Sehr empfehlenswert für Strickwaren sind zudem Mischgewebe: Wählen Sie Pullover mit einem Anteil an Naturfasern für den gewünschten Tragekomfort und einem weiteren Bestandteil aus Kunstfasern. Wie die Zusammensetzung genau ausfallen sollte, ist Geschmackssache, aber der Kunstfaseranteil sollte 50 Prozent nicht überschreiten, sonst überwiegen auch die damit verknüpften Eigenschaften.

Waschmaschine oder Handwäsche?

Die Beimengung von künstlich hergestellten Faseranteilen hat übrigens einen hübschen Nebeneffekt: Die so gestrickten Pullover lassen sich leichter pflegen, sind unter Umständen sogar im Wollprogramm maschinenwaschbar. Achten Sie beim Kauf Ihrer Pullis unbedingt auf die Pflegehinweise, wenn Sie nicht zur Reinigung gehen und auch nicht von Hand waschen wollen! Und wenn Sie Ihren Pulli lieben, lassen Sie ihn immer an der Luft trocknen, geben Sie ihn nie in einen Wäschetrockner!

Ein paar Klassiker unter den Pullovern

Im Prinzip sind Sie mit einem Vintage-Pullover zu vielen Gelegenheiten gut angezogen, weil die Stilrichtung grundsätzlich für guten Geschmack und Qualität bürgt. Aber - wie immer bei der Wahl Ihrer Garderobe - auch hier müssen Sie mit Fingerspitzengefühl vorgehen. Wenn Sie Retro- oder Vintage-Mode tragen, kommt es stets auf die Umgebung an, zu der Sie Ihren Pullover passend auswählen sollten: Ein Norwegermodell ist im Golfclub bei Männern ebenso fehl am Platze wie beim Tennisspielen. In einem rustikalen Landgasthaus können Sie so etwas tragen, nicht jedoch in einem Sterne-Restaurant.

Pullover aus dem hohen Norden

Der aus Skandinavien stammende Norwegerpulli war ursprünglich immer aus reiner Schafwolle, hat eine Rundpasse, in die nahe seinem Rundhalsausschnitt Muster eingestrickt sind. Damit ist schon klar: Der Norwegerpulli ist mehrfarbig. Farbkombinationen in Erd- und Naturtönen herrschen vor, aber es gibt diese Pullover, deren Muster oft stilisierte Schneeflocken zeigen, mittlerweile auch in Blau- oder sogar in Rot- beziehungsweise Grüntönen. Der Norwegerpulli ist ein sportliches Kleidungsstück. Am besten tragen Sie ihn auf der Skihütte, beim Aprés-Ski, Wandern oder Eislaufen.

Der Island-Pullover unterscheidet sich auf den ersten Blick wenig vom Norweger: Auch er ist mit einer Rundpasse aus einem Stück gestrickt, warm und ausgesprochen sportlich. Die Muster sind allerdings andere. Beim Islandpulli herrschen Zickzack-Muster vor. Für die Farbgebung gilt Ähnliches wie für den Norweger.

Der echte Island- oder Norwegerpullover besteht aus reiner Schafwolle. Aber natürlich gibt es heutzutage auch Modelle mit Mischgeweben. Da Wolle grundsätzlich den Wind nur wenig abhält, sind mittlerweile auch Pullover auf dem Markt, die eine sogenannte Windbreaker-Membrane unter der Wolloberfläche enthalten: Die oft aus Goretex bestehende Schutzschicht ist winddicht, wasserdicht sowie atmungsaktiv und kombiniert die klassischen Eigenschaften eines Pullovers so mit denen eines Anoraks.

Muster ohne Farbe, dafür mit Struktur

Indem man Wollgarne einfärbt, können Muster in einen Pullover eingestrickt werden. Aber es gibt noch eine weitere Methode, Wollgewebe mit Mustern attraktiver zu gestalten. Die funktioniert allerdings nur bei dickeren Garnen, da sonst die eingearbeiteten Strukturen nicht deutlich genug hervortreten. Das bekannteste Muster ist sicher das Zopfmuster, aber es gibt auch Rauten oder eine Art von Karostruktur. Gern werden zum Beispiel im Zusammenhang mit Landhausmoden irische Modelle mit traditionellen Musterstrukturen - meist in Wollweiß getragen. Auch diese Grobstrickpullover eignen sich als passende Garderobe nur in einer wenig förmlichen Umgebung.

Nicht nur für Existenzialisten: der Rollkragenpullover

In den 50er Jahren war der schwarze Rollkragenpullover das Kennzeichen der Existenzialisten. Auch nicht bei allen Anlässen gesellschaftsfähig, können Sie einen solchen Pullover jedoch durchaus häufiger tragen als eines der oben genannten sportiven Modelle. Längst ist Schwarz nicht mehr die einzige Farbe, in der Rollkragenpullover angefertigt werden. Aber wenn Sie einen solchen Existenzialistenpulli in seinem ursprünglichen Schnitt tragen, signalisieren Sie durchaus intellektuelles Flair und dass Sie sich mit Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Albert Camus schon einmal beschäftigt haben.

In dünnem Garn gearbeitet, mit einem V-Ausschnitt, Hemd darunter und Krawatte, darf der Pullover mittlerweile vom Mann sogar ins Büro ausgeführt werden – wenn er uni und in nicht zu progressiven Farben gehalten ist.

Tennispulli fernab des Tennis- oder Segelclubs tragen

Der klassische Tennispulli ist weiß, hat gegebenenfalls dunkelblaue Ringe um Ausschnitt, Ärmel- und Taillenbündchen. Die leichten Baumwollpullis haben längst den Ausbruch aus dem Tennisgelände geschafft. In der Retro-Form werden sie immer noch gern in Weiß getragen und sind einfach chic als leichte Freizeitbekleidung. Auch wenn die Farbkombination sozusagen umgekehrt ist, sodass Dunkelblau vorherrscht und Weiß sparsam eingearbeitet ist, erkennt man das ursprüngliche Tennisplatzmodell. Das Flair des früheren Nobelsports Tennis haftet dieser Garderobe immer noch an. Ähnlich verhält es sich bei Seglerpullovern, die ebenfalls in Weiß und typisch marinem Dunkelblau gehalten sind. Wenn Sie sich für Tennis- oder Seglerpullis im Vintage-Look entscheiden, dann tragen Sie auch das Selbstbewusstsein der Oberklasse, die früher buchstäblich exklusiv diese Sportarten ausübte, zur Schau.

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