Viel Leistung für wenig Geld - Grafikkarten Tuning

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Einleitung
Die Spitzenmodelle der aktuellen Grafikgeneration von Nvidia und ATI kosten weit mehr als 500 Euro, einen Preis für den man schon einen guten Mittelklasse Rechner kaufen kann. Allerdings benötigen nur die wenigsten User so viel Grafikpower.

Deshalb herrscht ein harter Kampf um den Midrange Bereich für Grafiklösungen. Diese teils deutlich billigeren Karten bieten oftmals die selben Features wie die großen Brüder (z. B. DX9 oder ShaderModel 3.0). Oftmals haben sie aber noch viel mehr gemein: Aus Kostengründen verkaufen die Hersteller Grafikchips, die den hohen Anforderungen einer Highend Grafikkarte nicht genügen, als langsamere Modelle. In eben diese Modelle schlummert dadurch aber oftmals ein ein riesiges Leistungspotential.


Tricks der Grafikkartenhersteller
Die Herstellung eines modernen Halbleiter-Chips (z. B. CPU, GPU) ist teuer und nicht alle Produkte arbeiten so wie sie es sollen.
Ein moderner Grafikprozessor besteht aus unabhängigen Einheiten zur Berechnung der Texturen. Während der Fertigung müssen diese Berechungseinheiten einigen Qualitätsprüfungen stand halten. Genügen eine oder zwei von etwa 20 bis 30 Einheiten nicht den Ansprüchen (was nicht heißt, dass sie wirklich defekt sind!), wäre es eine wirtschaftliche Katastrophe, alle diese Grafikchips einfach zu verschrotten.

Deshalb haben sich die Hersteller etwas einfallen lassen: Besitzt ein Grafikchip solche "schlechten" Einheiten, werden diese einfach im Bios der Grafikkarte deaktiviert. Das kostet natürlich Leistung und somit kann der Chip nicht im vorgesehenen Spitzenmodell verbaut werden. Diese Chips werden nun für den mittleren und unteren Preisbereich der Grafikkarten verwendet.
Allerdings haben findige Tüftler Möglichkeiten entwickelt, um die Beschränkungen der Hersteller zu umgehen. Somit lässt sich aus einer Grafikkarte für 150 bis 200 Euro eine 500 Euro teures Spitzenmodell tunen.
Noch besser: Nicht immer wurden diese so genannten Pipelines deaktiviert, weil sie defekt sind. Recht häufig bestimmt die Nachfrage, welche Grafikchips benötigt werden, so dass man auch auf einer Grafikkarte mit einem günstigen Grafikchip unter Umständen alle der deaktivierten Pipelines problemlos wieder zuschalten kann.


Performance-Steigerung: Takt oder Pipelines?
Je nach Modell kann der User verschiedene Wege gehen, um die Leistung (und Wert) seiner Grafikkarte zu steigern. Günstigere Grafikkarten haben oft folgende Eigenschaften:

  • Beschränkung (Maskierung) der eigentlich verfügbaren Berechnungseinheiten (Pixel-Pipelines & Vertex-Shader)
  • geringerer GPU/Core Takt
  • geringerer RAM Takt

Besonders NVidia hat bei seiner 68xx Serie die ungenügenden Grafikchips als "billigere" Versionen auf den Markt gebracht. So stammen die 6800LE, 6800, 6800GS und 6800GT alle von der großen 6800ULTRA ab.
Ein Beispiel zur Drosselung gefällig? Die 6800ULTRA verfügt über 16 Pixel- und 6 Vertex-Pipelines, 425 MHz GPU- und 1100 MHz RAM-Takt. Dagegen besitzt das kleinste Modell der Serie - die 6800LE - nur 8 Pixel- und 4 Vertex-Pipeline und einen Takt von 300 MHz für GPU und 700 MHz für den RAM. Allerdings verwenden beide Modelle den identischen Grafikchip.
Ähnliches kann man bei ATI vermelden: So besitzen die X850XT PE (ca. 400 Euro) und die X800 GTO (ca. 150 Euro) den selben Grafikkern.

Für beide genannten Fälle gibt: Hier kann man durch Freischaltung einen Batzen Geld sparen.


Für NVidia Karten: Rivatuner 15.4 oder Bios Update
Für Furore sorgte kurz nach Launch der 6800er Serie ein kleines Tool namens RivaTuner. In der neuesten Version erkennt es die Maskierten Pipelines und kann diese per Mouse-Klick freischalten. Ebenso kann auch der Takt hochgezogen werden.

Dieser Trick funktioniert für alle Karten der 6800er Serie und dürfte wohl mit einer neuen Version des RivaTuners auch für die teure 7800er Serie funktionieren. Eine detaillierte Anleitung zur Verwendung des RivaTuners findet ihr auf www.pc-erfahrung.de/Index.html?ArtikelGrafikkarteGeforce6800LE_PP.html.

Alternativ kann auch das Bios der Grafikkarte verändert werden. Dafür braucht ihr das Bios einer 6800ULTRA Grafikkarte und ein spezielle Bios-Fash Programm. Allerdings sollte vorher per RivaTuner getestet werden, welche Pipeline und Takt Konfiguration auf eurer Karte machbar ist. Ich persönlich rate allerdings vom Bios Update ab, da somit eure Garantie auf die Karte erlischt.


Für ATI Karten: ATI-Tool oder Bios Update
Nicht ganz so einfach ist die Sache bei ATI. Mit Hilfe der freien Software ATI-Tool kann jeder ohne Probleme den Takt seiner Karte anheben.
Um allerdings die gesperrten Pipelines freizuschalten, kann man hier nur über den oben genannten Weg eines Bios Updates gehen. Hierbei geht zwar die Garantie verloren, aber gerade bei den neueren Midrange Produkten wie einer X800 GTO ist der erfolg ziemlich wahrscheinlich, denn ATI will die X800 Chips aus den Lagern bekommen um für die X1xxx Serie vorbeireitet zu sein.
Gerade die o.g. X800 GTO ist hierbei ein Schnäppchen Garant. Liegt hier der Standard-Takt ja satte 150 MHz unter dem der gleichbestückten X850XT PE! Bei einem Derivat von Sapphiere namens GTO2 bietet der Hersteller sogar ein fertiges vorgetunes Bios auf der Homepage an. Beim Flash bleibt dann sogar die Garantie erhalten.


Fazit
Gerade bei der Grafikkarte kann der clever und informieret Käufer eine Euro sparen. Durch leichte Modifikationen kann man viel Leistung aus seiner günstigen Grafikkarte herausholen. Voraussetzung hierzu: Die Grafikkarte muss von den Highend Produkten abstammen. Damit eignen sich Modelle wie NVidias 6600GT oder ATIs X600 & X1600 nicht zum Übertakten, da diese eine etwas andere Architektur und ein kleines Speicherinterface verfügen.

Bei aller Euphorie über die vielversprechende Mehrleistung, sollte ein wichtiger Aspekt berücksichtigt werden: Nicht in allen Fällen ist das tunen der Grafikkarte erfolgreich. Gerade beim Freischalten gesperrter Pipelines kann es zu Verzerrungen im Bild kommen, da die Pipelines nicht ordnungsgemäß arbeiten. Hier muss ein Kompromiss zwischen Leistung und Qualität gefunden werden. Weiterhin ist zu beachten, dass die Übertaktung des Chips zwar effektiv ist, aber nicht alle GPUs verkraften die hohen Taktraten der Spitzenmodelle.
Und nicht zuletzt sollte der drohende Garantieverlust immer im Hinterkopf bleiben.

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