Videorecorder – und wie man lange was davon hat!

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für VHS, S-VHS, VHS-C, Video8, Hi8, Digital8, MiniDV

       

Abb.1: EV-S 1000 (V8 und Hi8), ein Klassiker der Hi8 Video Nachbearbeitung

Abb.2: EV-S 700 (V8), der erste und kompakteste V8 Recorder mit Multi PCM 

Abb.3: EV-S 9000 (V8 und Hi8), der Gigant unter den Hi8 Recordern mit Time Base Corrector, PCM und RTC 

Abb.4: EV-C 500 (V8 und Hi8), kompaktes Design im Mini Format

Abb.5: SLV-T 2000 (V8, Hi8 und VHS), Kopftrommel und Bandführung beim Hi8 Laufwerk

Ich schreibe dies, weil ich Videorecorder sammle. Meine Spezialität sind die relativ seltenen Video8 Geräte, welche die meisten Benutzer als Videocamera oder Camcorder kennen. In einem meiner anderen Ratgeber berichte ich von der Vielfalt der V8 Videorecorder Modelle Sony Video8 Modelle sowie ihren technischen und qualitativen Besonderheiten V8 Ratgeber. Mit Videorecordern hat man heutzutage vielleicht die letzte Möglichkeit sich an analogen Bild- und Tonaufzeichnungen zu erfreuen. (Ganz korrekt ist diese Aussage nicht, da die letzten technischen Entwicklungen dieser Art (Digital8, MiniDV) bereits digitale Signale aufzeichnen. Das übrigens ist wieder ein Argument FÜR das Band: es passen einfach mehr Daten drauf als bei einer DVD)!
Ich bin immer wieder fasziniert wenn ich sehe, wie bei einem Videorecorder die Cassette  in das Laufwerk integriert wird, das Band um die Kopftrommel geschlungen wird und von Zauberhand um der hochfrequent rotierende Kopftrommel geführt wird! Wie langweilig und wenig herausfordernd sind dagegen die Bewegungen einer drehenden Scheibe, die von einem Laserstrahl abgetastet wird, der ihr dann gleichzeitig auch noch die richtige Rotation mitteilt. Es ist vergleichbar mit dem Unterschied zwischen Kettenkarussell und Achterbahn! Bei dem einem wird einem schwindelig, bei dem anderen bekommt man Lust auf mehr! Entgegen der üblichen Expertenmeinung ist die Bandaufzeichnung noch längst nicht vom Aussterben bedroht und ich verrate hier mal, wie man noch lange Zeit an ihr Freude haben kann.
 
1. Einführen der Cassetten
Es ist nicht zu glauben, aber der größte Teil aller Probleme mit Videorecordern fängt schon beim Einlegen der Cassetten an. Es liegt leider in der Natur einer rechteckigen Videocassette, dass sie auf mindestens acht verschiedene Arten in den Cassettenschacht eingeführt werden kann. Und leider gibt es auch Cassetteneinzugsmechaniken, die es ermöglichen bei dieser einen Möglichkeit noch weitere Fehler zu machen. So kann man die Cassette schräg oder nur auf einer Seite in das Gerät hineindrücken und schon gerät der Einzugsmechanismus außer Kontrolle! Die beste Methode: Cassette gleichmäßig nur etwa 2cm in den Schacht stecken, dabei beide Hände benutzen. Danach je 4 Finger auf den Gerätedeckel legen. Die Daumen drücken dann gleichmäßig die Cassette beidseitig in den Schacht. Die Beschriftung der Cassette sollte dabei grundsätzlich lesbar nach oben zeigen. Die beiden erkennbaren Mulden für die beiden in der Cassette befindlichen Wickelspulen sind grundsätzlich auf der Unterseite der Cassette! Wenn das Gerät eingeschaltet ist, wird die Cassette in der Regel automatisch eingezogen!

2. Dauernd am Netz
Darunter leidet jedes technische Gerät mit Schaltnetzteil! Dort entsteht mehr oder weniger viel Wärme und dort sind leider auch wärmeempfindliche Bauteile, die dann nach einigen Jahren ihren Geist aufgeben. Anders verhalten sich Geräte, die durch einen Hauptschalter wirklich vom Netz getrennt werden. So was wird aber seit einigen Jahrzehnten nicht mehr gebaut! Also entweder einen simplen Schnurschalter oder eine schaltbare Mehrfachsteckdose einsetzen!

3. Staubige Umgebung
Den Staubtod stirbt nicht nur so manches kleine Lebewesen wie z.B. Spinnen, Milben oder Silberfische, wenn man sie dorthin vertreibt, sondern auch so manches elektronische Gerät. Besonders gefährlich sind bodennahe Standorte. Sie glauben nicht, was ich schon an Wollläusen, Tierhaaren und ähnlichen Staubträgern aus Videorecordern herausbefördert habe! Auch Tabakrauch ist Staub und dazu noch ein interessanter Halbleiter, wenn er in größeren Dosen von solch einem Gerät inhaliert wird! Die Wärme erzeugenden Teile des Videorecorders verhalten sich ähnlich wie ein kleiner Heizkörper. Sie sorgen durch die Wärme für eine Luftzirkulation und saugen sich dabei dann entsprechend mit Staubteilchen voll!

4. Im angenehmen Temperaturbereich
Das gilt sowohl für den Standort Schrank (wenn das Gerät ständig am Netz hängt und den allmählichen Wärmetod stirbt) als auch für die Lagerung von nicht mehr benötigten Geräten auf heißen Dachböden (im Winter auch bei Minusgraden!) oder im feuchten Keller. Darunter leiden insbesondere viele mechanische Verbundstoffe im Laufwerk, wie z.B. Plastik-Metall Teile die sehr engen Kontakt miteinander haben. Da brauchen dann nur mal Temperaturunterschiede von ca. 60°C entstehen und schon platzt das Plastik ab, oder es reißt, oder eine geklebte Stelle wird brüchig! Die schöne neue Medienwelt hat leider von Haltbarkeit oder bewährten alten Konstruktionsmethoden nicht viel gelernt!

5. Bänder zurückspulen und nach Gebrauch aus dem Laufwerk nehmen
Staub wirkt auf den weichen glatten Oberflächen eines Videobandes wie ein Mini- Sandstrahlgebläse. Videobänder sind leider sehr empfindlich gegen Staub und mechanische Belastungen. Deshalb sind sie ja auch vollständig in der Cassette verborgen und geschützt vor Staub und fettigen Fingern! Nach dem Gebrauch entweder vor- oder zurückspulen und aus dem Gerät nehmen.

6. Köpfe reinigen
... aber bitte richtig! Eine Reinigung wird nötig wenn das Bild von unscharfen waagerechten Streifen durchsetzt wird. In der Anfangsphase tauchen kleine Lichtblitze im Bild auf. Diese Symptome können allerdings auch durch zunehmenden Kopfverschleiss verursacht werden! Bei Systemen mit relativ schmalen Bändern kann es durch verschmutzte Köpfe auch zum völligen Bild- und Tonausfall kommen! Auf keinen Fall Nassreinigungssysteme benutzen. Diese in Cassetten integrierten Systeme haben schon so manchen Videokopf zerstört oder einen Trommelwickler verursacht. Die beste Form der Kopfreinigung erfolgt mit Trockenreinigungsbändern, wie sie von namhaften Herstellern angeboten werden. Die noch bessere Form der Reinigung erfolgt (aber bitte sehr vorsichtig!!!) mit einem in Alkohol getauchten Ledertuch!

7. Abgestellte Geräte und alte Bänder
Jedes halbe Jahr sollte man ein stillgelegtes Gerät einmal für etwa 60 Minuten ans Netz anschließen und eine Cassette abspielen. Videocassetten sollten ebenfalls alle ca. 3Jahre umgespult werden, damit die eng aneinander liegenden Bandlagen auch mal etwas Frischluft abbekommen, nicht miteinander verkleben und auch mal etwas anders über- und untereinander liegen. Also möglichst nicht Vorspulen und wieder zurücklaufen lassen, sondern nur auf die andere Spule bis zum Ende abwickeln lassen und dann die Cassette entnehmen!

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