Very British: Herrenmode aus Tweed im modernen Landhaus-Stil

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Very british: So kombinieren Sie Herrenmode aus Tweed im modernen Landhaus-Stil

Viele Sakko- und Anzugträger wissen eventuell gar nicht, dass die heute gängige gehobene Garderobe zum größten Teil einer britischen Tradition entstammt. In der Tat gelten im Bereich der Herren Bekleidung landläufig die Normen der alten englischen Adelsklasse bzw. deren im Laufe von Jahrhunderten herausgebildeter Kleidungsstil. Deutlich wird das in den Bezeichnungen: Die Begriffe „Trenchcoat" oder „Blazer" gehen offensichtlich auf eine britische Herkunft zurück, zumal die meisten englischen Bezeichnungen eins zu eins übernommen wurden.

Im Zentrum der britischen Mode steht eine Stoffart, deren Verarbeitung vornehmlich zu Sakkos geschieht: Es handelt sich um den sogenannten Tweed. Damit ist eine besonders widerstandsfähig verwebte Wolle gemeint, deren Haptik durch Griffigkeit und Robustheit überzeugt. Hinzu kommt als attraktiver Nebeneffekt eine herausragende Stoffdicke, die eine Jacke aus Tweed als klassisches Herbst- bzw. Winterutensil ausweist. Derartige Kleidungstücke werden in allen Preisklassen und in unzähligen Mustern und Farbtönen vertrieben. Neben dem Sakko als klaren Favoriten sind neben diversen Accessoires wie Schals auch komplette Anzüge erhältlich. Doch wie so oft und gerade dann, wenn es sich um Kleidung dreht, steckt der Teufel im Detail, genauer: in der korrekten Einordnung. Denn was wirklich als originaler Tweedstoff durchgeht und nicht bloß ein etwas gröber gewebtes Baumwollexemplar darstellt, entscheidet grundsätzlich die Herkunft bzw. der Standort der Weberei.
Unternehmen Sie anhand dieses Ratgebers eine spannende und informative Reise in den Kosmos der britischen Herrenmode. Erweitern Sie ihren ästhetischen Horizont um substanzielle Neuigkeiten und bereichern Sie im Anschluss Ihre Garderobe um die ein oder andere Tweed-Variante. Das breit aufgestellte Sortiment an entsprechenden Teilen auf eBay bietet diesbezüglich wertvolle Optionen.

Am Anfang stand das Original: Tweed aus Schottland

Ohne Kopien und Nachahmungen würde die Modewelt alt aussehen, daran ist nicht zu rütteln. Demgemäß finden sich an den echten Tweedstoff angelehnte Kleidungsstücke überall auf der Welt; längst gehören sie zum Kanon der internationalen Herrengarderobe. Kein Gentleman von Tokio bis Melbourne hat nicht zumindest schon einmal vom urigen Tweed und dem von ihm repräsentierten Landhausstil gehört. So international sich der grobe Stoff auch gibt, ganz unverfälscht und am Ursprungsort ist er nur in Schottland, genauer: auf den Äußeren Hybriden. So lautet der Name einer weit westlich vor dem schottischen Festland gelegenen Inselkette, auf der im frühen 19. Jahrhundert die Tweed-Fertigung erfunden wurde. Durch die sich rasant durchsetzende Industrialisierung gewann das Gewebe aus der Provinz schnell an Weltgeltung. Der Name der Ortschaft mit der ersten und bis heute erhaltenen Weberei lautet „Harris"; die dazugehörige Marke vertreibt bis heute unter dem Label „Harris Tweed" erfolgreich am Modemarkt ihre Erzeugnisse. Nur was auch tatsächlich im Nordwesten Schottlands hergestellt wurde, darf auch die Bezeichnung der weltweit ersten und ältesten Tweed-Weberei tragen. Die „Harris"-Produkte gehören zum gehobenen Standard und finden auch nach über hundert Jahren Firmengeschichte ihre Kundschaft.
Aus Gründen der Authentizität schätzt das Stammpublikum besonders die einzelnen Schritte der Handverarbeitung. Zwar hielten auf den Äußeren Hybriden im Laufe der Jahrzehnte auch einige Neuerungen in Sachen Webprozess Einzug, die detailreiche Näharbeit wird aber auch im 21. Jahrhundert noch primär nach althergebrachten Konventionen des Schneiderhandwerks praktiziert. Wer nicht unbedingt Willens ist, die doch recht stattlichen Preise für einen echten „Harris" zu zahlen, dem sei das vielfältige Alternativsortiment diverser Hersteller empfohlen. Schließlich ist der Stoff bzw. die rustikale Webart rechtlich nicht geschützt, sondern findet ihre zahlreichen Nachahmer in allen Segmenten der Kleidungsindustrie - übrigens auch im Damenbereich.

Der Klassiker zur kalten Jahreszeit: mit Tweed gegen Minusgrade

Seiner Herkunft nach liegt dem Tweed-Sakko eine auffallend wärmende Funktion nahe, mit Leinen oder Seide wäre den rauen schottischen Witterungsbedingungen kaum standzuhalten. Dass es in einem solchen Fall nicht zwangsweise ein unförmiger Mantel mit Überlänge sein muss, beweisen Wintermäntel aus Tweed in jeder Saison aufs Neue. Ganz nach dem übrigen Kleidungsstil gerichtet, bieten sich entweder Mäntel in der entspannten Variante mit einer Länge bis zu den Waden an oder deutlich sportlicher in einer kürzeren Ausführung, die meist auf Gesäßhöhe endet. Der typische Tweed ist im Grunde genommen Schurwolle, deren besondere Verarbeitung erst die unverwechselbare Haptik und Optik erzeugt. Für alle Tweed-Kleidungsstücke gilt ein deutlich spürbares Gewicht, das nach Möglichkeit oder Geschick der Fertigung direkt am Körper anliegt und den Eindruck des nicht richtigen Sitzes erst gar nicht aufkommen lässt. In der Farbgestaltung werden fast ausschließlich gedeckte Töne verwendet, allen voran die leicht zu kombinierenden Erdtöne. Braun in all seinen Schattierungen stellt bekanntermaßen eine besonders harmonische Option bei der Zusammenstellung des Outfits dar. Gerade mit blauen Hemden lasen sich so exzellente und doch unaufdringliche Ergebnisse erzielen. Das traditionelle Oberhemd der Herrengarderobe in Reinweiß kommt ebenso im Tweed zur Geltung, hier ist allerdings der Anlass genau abzuwägen.
Außerhalb der Freizeit oder des Büros stößt der Gebrauch von Tweedsakkos schnell an seine normativen Grenzen. Als Ersatz für den dunklen Anzug fungiert der rustikale Herbst- und Winterstil keineswegs, auch wenn er gelegentlich mit Krawatte und weißem Hemd eine seriöse Figur abgeben kann. In der Hauptsache dient Tweed als Material für das bessere Outfit jenseits festlicher Anlässe. Das liegt auch in seiner Zugehörigkeit zu anderen Webarten mit ganz ähnlichen Charakteristika begründet. Cord zum Beispiel findet sich oft als Applikation oder Verstärkung in Tweedjacken wieder, auch das benachbarte Flanell wird gerne kombiniert. Allen Materialien gemein ist die Ausstrahlung des Kernigen und Wärmenden. Ein Tweedsakko kann durchaus den Wintermantel ersetzen, leichtere Versionen haben sich niemals richtig durchgesetzt. Ein Sommeroutfit mit dunklen Farben, wolliger Aufmachung und dem Tweed typischem Fischgratmuster würde selbst an modeuninteressierten Herren negativ auffallen.

Sportlich, stilvoll und zeitlos: Tweed als unverzichtbare Wahl für die Freizeit

Der Griff zum Tweed-Utensil ist eine sichere Sache. Auch oder gerade für Herren, deren Ambitionen bezüglich eines ausgesuchten Kleidungsstils nicht sonderlich ausgeprägt sind. Ein Jackett aus Tweed bringt auch unsichere Kandidaten souverän durch die kalte Jahreszeit. Neben den bereits erwähnten positiven Eigenschaften im funktionellen Bereich (Wärme, Langlebigkeit, Tragekomfort) erfüllt Tweed zusätzlich die Ansprüche einer gediegenen Erscheinung. Hinzu tritt der Aspekt der Neuinterpretation und die damit einhergehenden originellen Abwandlungen der überlieferten Merkmale.
Gerade italienische Hersteller verstehen sich darauf, den groben Tweed an den richtigen Stellen zu verfeinern, ohne ihm seine Eigenart zu nehmen. Regelmäßig finden sich an den Kleiderstangen deutlich weniger grobe Webungen, anstelle dieser fällt der Stoff leichter und besticht durch eine flauschige Haptik. Die Gestaltung der Muster wird dann weitgehend übernommen und drückt sich vor allem durch die Abwesenheit greller und heller Farben aus – für den Winter ist der Kreis der infrage kommenden Farben natürlich eingeschränkter als die Wahlmöglichkeiten an Mustern. Bei Letzteren steht in der Herrengarderobe ohnehin nur eine überschaubare Auswahl zur Verfügung, weshalb die eigentlichen Unterschiede zwischen Sommer und Winter über die Farbgebung geregelt werden. Als ebenso unabhängig von allen Moderichtungen haben sich zwei Musterungen als Dauerbrenner schlechthin herauskristallisiert. Die Rede ist zum einen von „Donegal" mit seiner eleganten Noppenanordnung und zum anderen von „Herringbone", das auf unnachahmliche Weise für das wohl berühmteste Muster der Herrenkleidung sorgt, den sogenannten „Fischgrat". Im Wortsinne zeichnen sich dabei kleine Fischgräten auf dem Stoff ab; dieses Dessin hat mittlerweile sogar seinen Weg in die gehobene Anzugklasse gemacht.

Ähnlich populär sind natürlich auch unifarbene Tweedjacken, wenn auch die Musterung mit Abstand die Beliebtheitsskala anführt. Interessant nimmt sich die Entstehungsweise des Musters aus. Keinesfalls ist es aufgedruckt oder etwa aufgenäht, sondern wird im Fertigungsprozess selber durch eine entsprechende Anordnung der Webbahnen hergestellt. Die so verbürgte Originalität trifft sich mit der einhergehenden Belastbarkeit, die ein dicht gewebter Jackenstoff von sich aus bietet. Sich auflösende Nahtstellen kennt das Tweed-Kleidungsstück im Grunde nicht.

Hosen zum Tweedjacket – die passende Kombination will gefunden werden

Die Faustregel einer gelungenen Kombination lautet: Stets Stücke aus ähnlichen Materialien kombinieren. Hierbei unterscheidet sich der Freizeitbereich nicht vom Dresscode außergewöhnlicher Anlässe. Im Idealfall sind Cordhosen die Ergänzung, ebenso eignen sich Jeans. Beide Hosenvarianten bieten die erforderliche Materialähnlichkeit mit all ihren Vorzügen der Stärke und Belastbarkeit – auch die perfekte Passform muss nicht ausgeschlossen sein. Zwar tendieren viele Träger im eher lässigen Casual-Look zu einer großzügigeren Weite, was aber keinesfalls den gelungenen Sitz verhindern muss. So wie die Taillenweite eines Tweedjacketts keinen strengen Vorgaben unterworfen ist, so sehr lassen sich die ganz persönlichen Präferenzen des Trägers umsetzen. Auch die glatte Stoffhose kann als Kombinationsmöglichkeit ins Spiel gebracht werden, hierbei sollten Sie unbedingt darauf achten, dass eine Bügelfalte fehlt – ansonsten entsteht schnell der Eindruck, aus Versehen die gute Anzughose zum legeren Sakko aufgetragen zu haben.
Ein weiteres Merkmal von sportlichen Sakkos im Allgemeinen und Tweeds im Besonderen stellen die aufgesetzten Taschen dar. Sie unterstreichen noch einmal die Ungezwungenheit der Tragesituation, indem sie gut sichtbar unmittelbar auf dem Stoff aufgenäht sind und durch die fehlenden Taschenklappen jede Verschlossenheit vermissen lassen. Hinzu tritt die durch jene aufwendigen Musterungen hervorgerufene Buntheit. Dank der auffälligen, aber jederzeit angemessenen Muster wird der sonst bei Sakkos leicht aufkommende Grau-in-grau-Effekt von vornherein ausgeschlossen.

Der Umgang mit Tweed will gelernt sein

Sofern Sie bislang keine Erfahrungen mit Tweed gemacht haben, ist ein schrittweises Vorgehen angebracht. Vor allem die innerhalb geschlossener Räume schnell ansteigende Körpertemperatur sollte von Neulingen nicht unterschätzt werden. Bei einem kompletten Anzug aus Tweed birgt das Beinkleid ein bislang ungekanntes Risiko, nämlich die Hautreizung durch den ungewohnt groben Tweedstoff. Goldrichtig liegen Sie mit einem durchschnittlichen Tweedsakko der mittleren Preisklasse. Nach einem Herbst Trage- und Eingewöhnungszeit steht dann der Investition in ein schottisches Original nichts mehr im Weg.

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