Versteckte Gebühren bei Geldautomaten

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Geldautomaten

Versteckte Gebühren machen Bargeld teuer

 

 

 

Überall auf der Welt können Kunden Bargeld ohne Gebühren abheben – das jedenfalls versprechen

viele Banken. Ein Test von WELT ONLINE beweist das Gegenteil. Außerhalb der EuroZone

werden

Gebühren oft im Umrechnungskurs versteckt. Nur drei Geldinstitute sind wirklich weltweit kostenlos.

 

 

Geld aus dem Automaten kann im Ausland richtig teuer sein

"Weltweit kostenlos Geld abheben" – damit werben zurzeit viele Banken um neue Kunden. Sie bieten

zusätzlich zum Girokonto eine Kreditkarte, mit der Bargeld an jedem Geldautomaten erhältlich sein

soll – ohne Gebühren zu zahlen. Doch spätestens sobald man die EuroZone

verlässt, ist das

Versprechen nicht mehr viel wert. Die „Welt am Sonntag" testete zehn deutsche Girokonten an

Geldautomaten in der Schweiz. Das verblüffende Ergebnis: Ausgerechnet wenn man die angeblich

gebührenfreien Kreditkarten etwa von Audibeziehungsweise

VWBank,

INGDiba

oder Citibank

einsetzt, fallen versteckte Gebühren an, und zwar bis zu vier Prozent. Deutlich günstiger als mit den

vermeintlich kostenlosen Kreditkarten fährt man in vielen Fällen ohnehin mit einer ECKarte.

 

Während einige Banken mit dem Zauberwort „kostenlos" um neue Kunden buhlen, verweigern vor

allem die großen Spieler wie Sparkassen oder Volksbanken solche Angebote. Ihr Argument: Sie

bieten ein dichtes Netz von Geldautomaten. Das sei einerseits guter Service, andererseits aber auch

kostspielig. In einer vierteiligen Serie bringt WELT ONLINE Licht in das schwer durchschaubare

Dickicht aus Gebühren und Karten.

Beim Automatentest in der Schweiz zogen wir bei der UBS Bank in St. Margarethen mit 13

verschiedenen Karten jeweils 600 Schweizer Franken aus dem Geldautomaten. Am schlechtesten

schnitt dabei die Citibank ab. Hier zahlen Kunden knapp 15 Euro mehr als bei der Deutschen

Kreditbank (DKB), die den Umtauschkurs der Kartengesellschaft tatsächlich ohne Aufschlag

weitergibt.

 

Nur drei Institute sind wirklich weltweit kostenlos

Andere Anbieter, wie die WüstenrotBank,

schlagen zwar 99 Cent auf den Umrechnungskurs, weisen

dies aber wenigstens offen in der Abrechnung aus. Keinen Aufschlag erheben neben der DKB die

Comdirect und SKGBank.

Nur diese drei Geldhäuser dürften also wirklich von „weltweit kostenlos"

reden. Wobei für Comdirect eine Einschränkung gilt: Gebührenfreiheit mit deren VisaKarte

gibt es nur

im Ausland. In Deutschland kann man sich gebührenfrei nur bei den 7000 Geldautomaten der CashGroup

mit deren ECKarte

bedienen.

Mittlerweile sind dem schlechten Beispiel von VWBank,

INGDiba

und Citibank noch eine ganze

Reihe anderer Banken gefolgt, die ebenfalls mit angeblich weltweit kostenloser Bargeldversorgung werben, in Wirklichkeit jedoch außerhalb der EuroZone

verschieden hohe Prozentsätze bei der

Währungsumrechnung aufschlagen: Die Commerzbank bietet eine EbayMastercard

und schlägt 2,00

Prozent auf, die HypoVereinsbank macht bei ihrer ReiseCard Gold zumindest in einer Fußnote auf ein

Auslandseinsatzentgelt von 1,75 Prozent aufmerksam. 1,65 Prozent beträgt der Aufschlag beim

soeben neu geschaffenen GiroStarGehaltskonto

der SEB (Motto: „Italiener können küssen.

Schweden können Konten").

 

Verbraucherschützer hält Vorgehen der Banken für wettbewerbswidrig"

Unter den großen überregionalen Banken bieten also nur noch Deutsche Bank und Dresdner Bank

keine Kreditkarte mit kostenloser Zahlungsfunktion an. „Wegen dieser irreführenden Werbung muss

man den Banken den Vorwurf machen, sie verführen ihre Kunden, im NichtEuroraum

die falsche

Karte zu benutzen, um Gebühren zu schneiden", meint Hartmut Strube, Finanzexperte der

Verbraucherzentrale NordrheinWestfalen

in Düsseldorf. Er hält das Vorgehen dieser Banken für

„wettbewerbswidrig".

„Die Ergebnisse Ihrer Recherchen haben uns überrascht", sagt Ulrich Ott, Pressesprecher der INGDiba.

„Dies ist natürlich nicht in unserem Sinne, und wir haben diese Gebühr sofort auf nur noch 1,25

Prozent gesenkt. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass unsere Kunden auch im NichtEuroRaum

mit der VisaKarte

immer am günstigsten zu Bargeld kommen."

 

Citibank hat bereits auf Untersuchung reagiert

Noch einen Schritt weiter ging die Citibank, als ihr die Ergebnisse vorgelegt wurden. Seit vergangenen

Donnerstag heißt es nun korrekt auf der Internetseite: „Kostenlos Bargeld abheben in der EuroZone

mit Ihrer goldenen MasterCard."

Wenig Einsicht zeigt dagegen Matthias Blank, Pressesprecher der VWBank,

der die versteckten

Gebühren so verteidigt: „Die diesbezügliche Informationsvermittlung seitens der Volkswagen Bank

direct ist transparent. Kunden erhalten sowohl im Preisund

Leistungsverzeichnis als auch auf den

entsprechenden monatlichen Kontoauszügen konkrete Angaben zu dieser Gebühr." Doch da irrt

Blank. Auf dem Kontoauszug wird kein Gebührenbetrag gesondert ausgewiesen.

 

„Grundsätzlich sind wir für Transparenz. Kosten müssen also, soweit sie anfallen, dem Kunden klar

und deutlich offengelegt werden. Bei den versteckten Gebühren ist das nicht der Fall", sagt Achim

Tiffe, stellvertretender Leiter des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF). „Ich verstehe

die Banken nicht. Es würde doch vollkommen ausreichen, wahrheitsgemäß damit zu werben, dass bei

ihnen die Bargeldversorgung im gesamten EuroRaum

kostenlos ist."

Dass so viele Banken mittlerweile mit „weltweit kostenlosem Bargeld" werben, hat vor allem einen

Grund: das rasante Wachstum der DKB. Diese Direktbank wirbt mit großem Erfolg für ihr

Onlinegirokonto. Der Kundenstand bei Einführung dieser Gebührenfreiheit am 1. Januar 2005:

150.000 Kunden. Heute sind es bereits über 700.000.

 

 

 

 

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