Verschiedene Griffweisen bei Blockflöten

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Dem Blockflötenlaien begegnen gewöhnlich zwei verschiedene Griffweisen bei Blockflöten: Die deutsche und die barocke Griffweise.
Letztere wird seltener auch als 'deutsches, barockes System' bezeichnet, im Englischen nennt man sie 'english fingering' im Gegensatz zum 'german fingering'.
Daneben werden auch in der schon etwas höheren Preisklasse verschiedene Renaissance Griffweisen angeboten, die meist der barocken Griffweise ähneln.
Wenige kleine Blockflötenmanufakturen stellen teils auch Blockflöten mit originalen, mittelalterlichen Griffweisen her.

Im Folgenden gehe ich auf die beiden populären Griffweisen, deutsch und barock, näher ein.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte die zwischenzeitlich komplett durch die durchsetzungsfähigeren Querflöten verdrängte Blockflöte ihr großes Comeback. Damals wurde die deutsche Griffweise erfunden - sie sollte das Flötenspiel erleichtern, da nun der Ton F bei Sopran und entsprechende Töne bei den anderen Stimmlagen (Sopranino, Alt...) ohne Gabelgriff (wie beispielsweise für das B auf einer Sopranblockflöte) spielbar wurden.
Wie erst später auffiel, geht diese deutsche Griffweise leider mit einer mangelhaften Intonation einher. Das heißt, nicht alle Töne sind sauber spielbar, sie fallen teils zu hoch oder zu tief aus. Ein weniger schönes Klangbild einiger Töne ist der Preis für die etwas leichtere Greifbarkeit eines einzigen Tones.
Es liegt auf der Hand, dass passionierte Blockflötenspieler die deutsche Griffweise ablehnen und auch Schulkindern die barocke Griffweise empfehlen. So wird die deutsche Griffweise auch höchstens noch für den Schulbereich hergestellt, denn dort hat sie auch noch bis auf den heutigen Tag ihre stärksten Befürworter - sehr zum Leidwesen aller ernsthaften Blockflötenspieler, die völlig zurecht das durch die schief klingenden Schulblockflöten geprägte, schlechte Image ihrer Instrumente anprangern.

Erwachsenen Blockflötenspielern empfehle ich grundsätzlich die barocke Griffweise, bei (Grund-)Schulkindern sehe ich das differenzierter. Man sollte sich zunächst erkundigen, welche Griffweise beim geplanten Unterricht gelehrt wird. Nun ist es nicht unmöglich, gegenüber dem Pädagogen, der die deutsche Griffweise favorisiert, durchzusetzen, dass die eigenen Kinder die barocke Griffweise nutzen dürfen, aber vor einem solchen Schritt sollte man überlegen, ob das Kind damit zurechtkommt, es etwas schwieriger als alle anderen zu haben. Gelingt eine Übung nicht, kann ganz leicht die "doofe" Griffweise daran schuld sein und das Interesse am Instrument schwindet. Bei entsprechend motivierten und talentierten Kindern wird das weniger problematisch.
Ein späteres Umlernen von deutsch auf barock kann wiederum demotivieren, denn bei der deutschen Griffweise wurde die Beweglichkeit der Finger der rechten Hand zu wenig trainiert.
Hier gibt es leider keine Faustregel und man muss mit Fingerspitzengefühl entscheiden, welche Griffweise das Kind erlernen soll, wenn im Unterricht die deutsche Griffweise erwünscht ist.

Zugegeben, es gibt wahre Schätzchen unter den Blockflöten mit deutscher Griffweise, deren Klang einfach zauberhaft ist. -
Wußten Sie schon, dass es möglich ist, ein solches Instrument auf barocke Griffweise umzubohren?
Es ist allemal eine Überlegung wert, diesen Schritt zu gehen, wenn man eine ideell oder real wertvolle, ältere Blockflöte besitzt, sich aber zu sehr über die Griffweise ärgert...



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