Versandabzocke und der Schaden für die Allgemeinheit

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Liebe Community,
seit etwas über sechs Jahren bin ich nun Mitglied bei Ebay. Bis jetzt hatte ich, wenn überhaupt, nur geringfügige Probleme mit der Plattform.

Letzte Woche bin ich auf folgende Lücke in den Ebayrichtlinien gestoßen. Diese ist nahezu jedem Käufer bekannt.

Verkäufer bietet die Ware -vermeindlich- günstig an, berechnet allerdings pro weiteren Artikel extra Versandkosten in selber Höhe.
Ein Beispiel: Sie kaufen sich zehn Momorycards á 10 Euro, an sich sehr leicht und nicht schwer zu verpacken.
Der Käufer gibt als Versandart Warensendung an. Die Höhe für den Versand beträgt allerdings 4,90 Euro (von Ebay akzeptiert) und nicht die tatsächlichen Versandkosten einer Warensendung von 90 Cent zzgl. Aufwand,Verpackung etc. (z.B. Gesamtpreis 2 Euro). Wenn man in der Beschreibung weiterliest, erfährt man, dass jeder weitere Artikel zzgl. 4,90 Versand kostet. Das heißt, Sie bezahlen für die Ware 100 Euro und dazu noch 49 Euro Versand- und Verpackungskosten.
Überlegen wir nun mal, was der Verkäufer in diesem Fall an Ihnen verdient hat. Gewählte Versandart wird wohl nicht über ein Maxibrief hinausgehen, also max. 2,20 Euro. Aufwand und weitere Kosten max. 5 Euro. Insgesamt komme ich so auf 7,20 Euro. 49 Euro - 7,20 Euro = 41,80 Gewinn, allein am Versand!!!

Eine Nachfrage beim Verkäufer wird bestimmt Klarheit schaffen. Gesagt, getan! Ein Anruf bei einem dieser Verkäufer bringt Folgendes zu Tage:

Wenn ich (Verkäufer) Ihnen nicht bei jedem Artikel die Versandkosten zzgl. berechne, mache ich pro Artikel einen Verlust von zwei Euro.
Was heisst das?Ich frage nach-> "Wollen Sie damit sagen, dass Sie die Ware, die Sie z.B. für zehn Euro anbieten, für 12 Euro einkaufen?"
So ist es.
"Wie kann das dann sein, dass Sie sie günstiger anbieten? Schadet es Ihnen nicht?"
Was dann kommt, ist eine Viertelstunde Gerede über Marketingtechniken...
Dabei stellt sich heraus, dass Verkäufer auf diese Art den Kunden anlocken wollen, da dieser nach dem niedrigstem Preis sucht, um diesen dann an den Versandkosten eiskalt abzuzocken. Man würde ja sonst Verlust machen. UND:
Viele andere -größere- Anbieter machen dies ebenso. Wieso? Weil Ebay das zulässt!
Mir wurden einige Links von Anbietern zugeschickt, die genauso vorgehen und in der Tat, ergab eine Email an diese, dass dies der Tatsache enspricht.

Meine Frage: Warum tut Ebay nichts dagegen? Wieso wird ein ahnungsloser Kunde am Versand abgezockt? Spricht dies nicht gegen den Verbraucherschutz der EU?
Meine Antwort: Solange die EU nichts macht, rührt Ebay (paradoxerweise-> dazu gleich) keinen Finger -dies war auch früher so! Große Anbieter bringen viel Geld mit sich. Da darf man auch ein oder gleich beide Augen zudrücken.

Dabei sollte gerade Ebay das verhindern.
Wenn also ein oder mehrere Anbieter so vorgehen, kommen Nachahmer ins Spiel. Was folgt ist, dass nun nicht ein paar Anbieter niedrigere Verkaufspreise fordern und am Versand abkassieren, sondern vergleichsweise viele. Denkt man in größeren Sphären, so können mehrere Millionen Euro !täglich! nicht mit Provision durch Ebay belastet werden. Denn jeder Euro, der am Versand kassiert wird, entgeht der Ebaygebühr, da Versand bekanntlich nicht durch Ebay belastet wird - was auch sinnvoll ist.

Ein anderer Aspekt wäre die unrechtmäßige Bereicherung.
Man nehme das Beispiel von oben und multipliziere auf 100.000 Auktionen im Jahr. Da nicht jeder Käufer zehn Teile kauft, nehme ich einen Durchschnitt von zwei Teilen. Das macht zwei mal 4,90 Euro, also 9,80 Euro an Versand pro Kunde. Beim Versand als Warensendung von 0,90 Euro zzgl. Aufwand etc. sind wir bei 2,90 Euro. Von 9,80 Euro werden diese zwei Euro, die tatsächlich als Kosten auf den Verkäufer zukommen, subtrahiert. Am Ende steht ein Betrag von 6,90 Euro, der beim Verkäufer verbleibt. Multiplizieren wir diesen mit 50.000 Artikeln (da 100.000:2 (weil im Durchschnitt jeder Käufer zwei Artikel kauft)), so macht dies 345.000 Euro, die der Verkäufer unrechtmäßig an Gewinn erwirtschaftet. Was an dieser Zahl wichtig ist, ist, dass dieser Betrag als Versandkosten berechnet wird, also diese nicht in der Bilanz als "erwirtschaftetes Geld" des Unternehmens auftauchen muss. Dies wäre dann richtig, wenn 4,90 Euro den tatsächlichen Versandkosten (+Aufwand etc.) entsprechen würden. Da dies hier NICHT der Fall ist, erinnert mich das an eine Art von Steuerhinterziehung. Denn was nicht als Einnahme ausgestellt wird, kann/muss auch nicht versteuert werden. So gesehen, schädigen solche schwarzen Schafe das Allgemeinwohl, denn dem Staat geht wichtiges Geld (STEUERN!) verloren.

Zum Schluss ein Tipp: VEMEIDET EINEN KAUF BEI DIESEN ABZOCKERN, AUCH WENN ES SCHWER FÄLLT, denn viele namhafte Anbieter nutzen diese "Grauzone"! Der Schaden, der damit gemacht wird, ist immens. Sollten diese Anbieter -durch Ihr Nicht-Kaufen- nicht aussterben, werden sie vermehrt Kunden von klein- und mittelständischen Unternehmen anlocken. So kann es zur Machtkonzentration am Markt kommen. Die Folge ist jedem bekannt und lautet Oligopol-, Monopolbildung sowie der damit verbundene Preisanstieg. Gerade das wollte man allerdings mit Ebay u.a. vermeiden.


Das gegebene Beispiel soll das Problem veranschaulichen. Produkt und Produktpreis sind frei gewählt - NICHT die Versandkosten!

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