Verbessertes Klangvolumen & Co: Darum sind Röhren wieder im Kommen

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Verbessertes Klangvolumen & Co.: Darum sind Röhren nach jahrelanger Abstinenz wieder in

Die Vermutung, dass echte Klangenthusiasten in einer Art eigenem Universum leben, hat mit Sicherheit seine Gründe – unabhängig davon, ob es um den ungetrübten Hörgenuss geht oder darum, als Musiker selbst das Beste aus der verwendeten Hardware herauszuholen. Gerade Gitarristen sind es, die mit leuchtenden Augen über Röhrenverstärker berichten, die einen warmen und zugleich weichen Sound mit einer unerreichten Dynamik bieten und dabei noch extrem rauscharm sind. Sicherlich schwingt hier viel Nostalgie mit – wie viel Wahres tatsächlich dahintersteckt, ist immer auch eine Frage des eigenen Hörempfindens.

Was in diesem Zusammenhang insgesamt noch dazukommt, sind die unzähligen Fachbegriffe, die einem sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes zu Ohren kommen. Die wichtigsten werden im nachfolgenden Ratgeber aufgeführt und erläutert, sodass Sie sich einen besseren Überblick verschaffen können, wenn es darum geht, etwa eine Soundanlage für das Wohnzimmer aufzubauen, die einen tollen Klanggenuss verspricht – ob auf Basis von Röhren und/oder Transistoren.

Die Geschichte der Röhren

Die Geschichte der Röhren, genauer gesagt der Elektronenröhren, beginnt fast zeitgleich im Jahr 1906 in den USA sowie in Österreich: Der Physiker Robert von Lieben meldete im März das Patent für einen Röhrenverstärker an, im Oktober folgte Lee de Forest mit einem eigenen Patent in den USA. Ziel beider Kontrahenten war es, einen Verstärker für Telefonverbindungen zur Marktreife zu bringen und zu produzieren, was letztlich ab 1912 auch gelang.

Die erste industriell gefertigte Radioröhre ist auf den österreichischen Unternehmer Eduard Schrack zurückzuführen, der dadurch mit zu den Gründern der Radioindustrie zählt. In den darauffolgenden Jahren wurde die Technik stets weiterentwickelt und die anspruchsvollen Produktionsmethoden verfeinert – die Lebensdauer einer Röhre hängt dabei maßgeblich von der Sauberkeit der Produktionsumgebung ab.

Ab Mitte der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts kamen die ersten Transistoren auf den Markt, Röhren wurden mehr und mehr ersetzt – es begann ein schleichender Verdrängungsprozess. Der Transistor ist ein elektronisches Bauelement, das, wie auch die Röhre, der Verstärkung elektrischer Signale dient. Aktuell erfahren die Röhren allerdings eine Art Renaissance und erfreuen sich wieder wachsender Beliebtheit vor allem im High-End-Bereich.

Die Bauart: Röhren und Transistoren im Vergleich

So einige Leserinnen und Leser werden noch – oder als Sammler wieder – etwas mit Begriffen wie der Musiktruhe anfangen können. Musiktruhen waren im Grunde komplette Möbelstücke mit Radio und zum Teil mit integriertem Plattenspieler, die eine gewisse Größe mit sich brachten. Im Gegensatz dazu sind selbst die ersten Transistorradios, die auf den Markt kamen, echte Winzlinge, die zumeist leicht tragbar waren. Transistoren, als elektronische Bauteile, ermöglichten also eine wesentlich geringere Baugröße, was für mehr und mehr Menschen ein wichtiges Kaufkriterium darstellte. Die Größe spielt aktuell eher eine untergeordnete Rolle. Kriterien wie das Klangvolumen und der damit verbundene Sound stehen wieder deutlich mehr im Vordergrund.

Bei ähnlicher oder gleicher Klangqualität kann allerdings auch heute noch das Design eine entscheidende Rolle spielen: Viele Hersteller setzen die Röhren bewusst als gestalterisches Element ein und verbauen diese gut sichtbar auf dem Gehäuse selbst, für entsprechende Liebhaber ein unvergleichlicher Anblick, wenn diese bei entsprechenden Lichtverhältnissen zusätzlich zu leuchten beginnen; gerade im hochpreisigen High-End-Bereich ein beliebtes Stilmittel und somit ist der Verstärker letztlich auch ein echtes Schmuckstück für die eigenen vier Wände.

Der Klang: Röhren und Transistoren im Vergleich

Verfolgt man Testberichte und Diskussionen, wird man schnell feststellen, dass die Meinungen in Bezug auf Röhren und Transistoren relativ weit auseinandergehen und es keine „absolute Wahrheit" gibt. Zudem kommen noch viele blumige Begriffe ins Spiel wie etwa hell, harsch, trocken, scharf und viele weitere, die veranschaulichend klingen, oft allerdings subjektive Empfindungen ausdrücken.

Ein möglicher Ausgangspunkt bei der Entscheidung zwischen einem Röhrenverstärker und einem Transistorverstärker könnte in der Musik selbst liegen. Wie eingangs erwähnt, greifen Gitarristen gerne zu den Röhrenmodellen, ebenso gilt dies für Liebhaber klassischer Musik oder Jazzmusik. Die Begründung liegt in der unverfälschten und echt klingenden Wiedergabe der verwendeten Instrumente, deren realen und unmittelbaren Klang man häufig bereits kennt. Des Weiteren kommt hinzu, dass Transistoren, die eigentlich eine Art Stromschalter sind, von Haus aus deutlich träger auf Impulse reagieren als Röhren und es dabei zum Verschlucken von Signalen kommen kann und somit Details bei der Wiedergabe verloren gehen können.

Ein weiteres Kriterium sind etwa die sogenannten Oberwellen oder auch Obertöne: Jedes Musikinstrument wie etwa die bereits erwähnte Gitarre erzeugt zunächst einen Sinus-Grundton, dem die Oberwellen folgen, die letztlich für die Klangfarbe zuständig sind – ohne wäre der Klang ganz einfach dünn und wenig attraktiv.

Über die Verstärker – ob Röhre oder Transistor – entstehen bei der Ausgabe zusätzliche Oberwellen unterschiedlicher Art, die den ursprünglichen Ton des Instruments oder der Instrumente verändern. Prinzipiell erzeugen Transistorverstärker dabei vor allem unlineare Oberwellen, die letztlich für den Klirrfaktor zuständig sind, der als unangenehm steril und kalt empfunden wird – vor allem, wenn das Gerät übersteuert wird. Röhrenverstärker hingegen weisen zwar einen grundsätzlich höheren Klirrfaktor auf, allerdings im Bereich linearer Oberwellen, die bei einer weichen Übersteuerung als warm und voll empfunden werden – diesen Vorteil spielt der Röhrenverstärker bei zunehmender Lautstärke aus.

Selbstverständlich wird der zuvor beschriebene Effekt bei hochwertigen Transistorverstärkern durch eine Gegenkoppelung verringert oder gänzlich ausgeschaltet, was für den Hifi-Bereich ein durchaus taugliches Verfahren ist, wenn die eigentliche Leistungsgrenze weit genug gesteckt ist. Wer allerdings noch im Besitz einer anspruchsvollen Sammlung an Vinyl-Schallplatten ist, sollte auf einen Röhrenverstärker zurückgreifen, um die volle Klangvielfalt genießen zu können, dafür muss allerdings ein Phono-Eingang vorhanden sein, ansonsten ist ein spezieller Phono-Vorverstärker (Phono-Preamp) notwendig.

Vorverstärker, Endverstärker und Vollverstärker

Im nachfolgenden Abschnitt werden die Begrifflichkeiten etwas näher erläutert. Vorausgehend gilt es noch anzumerken, dass die Bezeichnung Amp oder Amplifier die englische Bezeichnung für einen Verstärker ist – in der Regel ist dabei der Endverstärker gemeint.

Dem Vorverstärker (Pre-Amp) kommt vor allem die Aufgabe zu, Eingangssignale unterschiedlicher Quellen, wie etwa DVD-Player, Schallplattenspieler oder ähnlicher Geräte, aufzunehmen, anzupassen und zu steuern. Waren früher noch Regler angebracht, über die etwa Höhen-, Mitten- und Tiefentöne reguliert werden konnten, finden Sie an modernen Vorverstärkern zumeist nur noch zwei Drehregler für die Lautstärke sowie für die Kanalwahl.

Der Endverstärker – auch als Endstufe bezeichnet – hat letztlich die Aufgabe, die Signale des Pre-Amps so zu verstärken, dass am Ende auch Klänge aus dem Lautsprecher kommen oder, anders gesagt, die Membran des jeweiligen Lautsprechers zum Schwingen gebracht wird.

Der Vollverstärker beinhaltet beide Komponenten in einem Gehäuse: den Vorverstärker sowie den Endverstärker. Technisch ist dies in der Regel kein Problem, da für einen Vorstärker nur relativ wenige Baukomponenten notwendig sind. Für welche Kombination Sie sich entscheiden, hängt dabei vor allem vom persönlichen Geschmack ab. Beachtet werden sollte jedoch, dass Vorverstärker ohne größeren Qualitätsanspruch die Sound-Qualität durchaus mindern können.

Der Hybrid-Verstärker

Eine besondere Bauform in technischer Hinsicht stellt der Hybrid-Verstärker dar: Der aus dem Lateinischen abgeleitete Begriff steht für eine Kreuzung bzw. eine Mischform – und genau dies ist der Fall. Im Hybridverstärker wird sowohl die Röhren- als auch die Halbleitertechnik eingesetzt. In der Regel handelt es sich dabei um einen Röhrenvorverstärker, der zunächst die eingehenden Signale als eher warme Klangtöne an den Endverstärker weitergibt, der dann auf die Transistorentechnik zurückgreift.

Im Heimkino-Bereich etwa können die Hybriden durchaus das Klangerlebnis erhöhen und frische Akzente setzen, wenn Verstärker und Boxen perfekt aufeinander abgestimmt sind. Kommt dann noch ein gelungener Surround-Sound mit dazu, ist dies umso besser.

Der Lautsprecher als Lautsprecher?

Laut vieler Aussagen ist der Verstärker das Herzstück der Anlage, was grundsätzlich richtig ist – ohne passende Lautsprecher hilft aber alles nichts: Vereinfacht gesagt wandelt der Lautsprecher letztlich den Strom in Schallwellen um, die man dann akustisch wahrnehmen kann. Bei dem Schall handelt es sich um Luftdruckschwankungen innerhalb einer Zeiteinheit, die auf das Trommelfell treffen. Umgesetzt wird dies bei Lautsprechern durch die Koppelung von Membranen mit Spulen, die durch die Stromzufuhr ein ständig wechselndes Elektromagnetfeld erzeugen.

Bei den Kennzahlen weist die Watt-Angabe auf die Leistungsfähigkeit hin und zeigt an, wie viel elektrische Energie in Klang und auch in Wärme umgewandelt werden kann. Die Lautstärke selbst wird in Dezibel (dB) angegeben, zum Vergleich: 75 dB entsprechen etwa Verkehrslärm, 130 dB kommen einem Düsenjet recht nahe. Wie viele Lautsprecher insgesamt – inklusive Subwoofer – aufgestellt werden sollen, hängt von den persönlichen Bedürfnissen nach einem möglichst perfekten Raumklang ab.

Aufbau einer Soundanlage

Gut zu wissen ist, dass sich Störfrequenzen über die gesamte Soundanlage hinweg aufaddieren können – wichtig ist also, die einzelnen Komponenten sorgfältig aufeinander abzustimmen. Der Weg der Musik geht dabei von der Quelle (beispielsweise ein Schallplattenspieler) über den Vorverstärker bis hin zum Endverstärker, der die Signale letztlich an den Lautsprecher weitergibt. Hilfreich bei der Zusammenstellung können Fachzeitschriften sein, in denen die vielen Geräte in ausführlichen Testberichten vorgestellt werden.

Fazit: Welche Lösung für wen?

Eine absolut klare Antwort darauf kann es nicht geben, aus einem einfachen Grund: Jeder Mensch hat ein subjektiv unterschiedliches Hörgefühl – die einen legen Wert auf den Röhrensound, die anderen auf die Klänge aus Transistorenverstärkern. Wer es sich technisch zutraut, kann sich einen Röhrenverstärker zudem per Bausatz selbst aufbauen.

Im Prinzip spielen noch viele weitere vor allem technische Faktoren eine Rolle. Diese alle aufzulisten, würde den Rahmen des Ratgebers sprengen, vielmehr dient er einer ersten Orientierung, wenn Sie sich aktuell mit dem Thema beschäftigen und sich zunächst einen Eindruck über die Klangkriterien machen möchten.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden