Urlaube planen mit Timeshare-Produkten

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Wichtige Tipps für die Auswahl von Timeshare-Produkten

Wer nach einer Alternative zu Pauschalreisen als Möglichkeit der Feriengestaltung sucht, wird vielleicht bei Timeshare-Angeboten fündig. Seit über 50 Jahren kaufen sich Reisende über sogenannte Timeshare-Verträge (zu Deutsch: Ferienwohnrecht) das Recht auf einen bestimmten Urlaubszeitraum – üblicherweise eine Woche – in einer bestimmten Ferienwohnung.
Nach dem Erwerb des Ferienwohnrechts sind für den Urlaub nur die jährlich vereinbarten Servicekosten und -leistungen zu bezahlen, die teilweise Flug, Reinigung, Verpflegung und örtliche Sport- und Freizeitangebote beinhalten. Das Ferienwohnrecht kann auf Dritte übertragen werden, ist vererbbar und kann wieder verkauft oder getauscht werden.
Im Laufe der Jahre haben sich Timeshare-Konzepte von starren Nutzungsverträgen hin zu flexibleren Nutzungsmodellen entwickelt. So kann man immer noch einen fixen Zeitraum im Jahr in einer bestimmten Ferienanlage erwerben, es gibt aber auch die Möglichkeit, den Zeitraum von Jahr zu Jahr flexibel zu gestalten. Eine weitere Variante bietet der Erwerb von Ferienpunkten bei einem Timeshare-Anbieter, die als Währung bei diesem Anbieter für dessen Leistungen fungieren und somit einen höheren Grad an Flexibilität in der Urlaubsplanung darstellen.
Auch Austauschprogramme, die den Tausch des eigenen Timeshare-Kontingents mit anderen Timeshare-Nutzern ermöglichen, stehen zur Auswahl.

Vorteile der Urlaubsgestaltung mit Timeshare

Die Vorteile von Timeshare ergeben sich für Sie gerade durch geringere Kosten, da der Erwerb eines Timeshare-Rechts deutlich billiger als der Kauf einer Ferienwohnung ist. Da sich die Nebenkosten anteilig für den Nutzungszeitraum der Wohnung oder des Apartments im Jahr ergeben, liegen die jährlichen Kosten meist unter denen einer herkömmlichen Urlaubsreise.
Durch das langfristig erworbene Ferienwohnrecht sind Sie in Ihrem Urlaub zudem unabhängig von Ferienanlagen- und Hotelpreissteigerungen. Sind Sie über den Timeshare-Vertrag an eine Tauschorganisation angebunden, können Sie Ihr Ferienwohnrecht tauschen und somit Urlaubsort und -zeitraum jedes Jahr neu gestalten. Oft sind viele Leistungen in Ferienanlagen (z.B. Sport- und Freizeitaktivitäten, Restaurants, Animations- oder Fitness/Beauty-Angebote etc.) nur Timeshare-Nutzern zugänglich oder werden diesen zu deutlich günstigeren Konditionen angeboten.
Da es sich bei der Ferienwohnung oder dem Ferienobjekt, für das Sie per Timeshare ein Teilzeitwohnrecht erstehen, um eine gemeinsam genutzte Anlage von verschiedenen Parteien handelt, ist die Auslastung und die Pflege des Objekts vergleichbar hoch, da alle Nutzer einen Ansporn haben, die Qualität des Objekts zu erhalten.

Nachteile von Timeshare

Die Nachteile im Bereich der Timeshare-Produkte sind zunächst darin zu finden, dass es viele unseriöse Anbieter auf diesem Markt gibt. Oft wird versucht, den unbedarften Käufern mit unsauberen Verkaufstricks überteuerte Verträge anzudrehen oder mit zweifelhaften Prämien Anzahlungen auf mögliche Verträge zu erwirken. Durch die gestiegene Problematik in diesem Bereich wurde eine EU-weite Richtlinie erlassen, die das Recht der Käufer bei Timeshare-Vertragsabschlüssen stärkt.
Ein weiteres Problem im Rahmen der Timeshare-Nutzung ist die schlechte Möglichkeit, sein einmal erstandenes Timeshare-Recht wieder zu verkaufen. Theoretisch ist der Wiederverkauf rechtlich sauber und ohne Probleme zu veranlassen, da aber vor allem auf dem Markt der Timeshare-Wiederverkäufe viele Betrugsfälle und -versuche aufgetreten sind, ist es sehr schwierig geworden, einen Käufer für sein Timeshare-Recht zu finden. Auch die oft angepriesene Flexibilität durch Tauschmöglichkeiten oder „Floating Week“-Konzepte stößt immer wieder an seine Grenzen, da sich nicht immer die gewünschten Tauschmöglichkeiten finden lassen und sich die Nutzungsanfragen in beliebten Urlaubszeiträumen häufen, sodass man oft sein Wunschziel oder seinen Wunschzeitraum nicht bekommt.
Auch die geringen Urlaubskosten, die sich durch Timeshare-Nutzung gegenüber herkömmlichen Urlaubsreisen ergeben, haben nicht immer Bestand, da ein stetiger Anstieg der Nebenkosten nach einer Zeit dazu führen kann, dass man mehr für seinen Timeshare-Urlaub zahlt. Gerade in Verbindung mit der Wiederverkaufsproblematik ist dies ein äußerst ärgerlicher Umstand, da man sein Timeshare-Recht dann nicht so schnell wieder los wird.

Timeshare-Varianten

Die Timeshare-Variante, für die Sie sich entscheiden sollten, hängt von Ihrer bevorzugten Urlaubsform ab. Es gibt viele verschiedene Timeshare-Produkte, deren Modalitäten von Fall zu Fall unterschiedlich sind und vor einem möglichen Kauf genau geprüft werden sollten. Generell können die Timeshare-Produkte grob in drei Varianten eingeteilt werden: „Fixed Week“, „Floating Week“ und Erwerb von Timeshare nach einem Aktien- oder Punkte-System.

Timeshare-Variante – Fixed Week

Das 'klassische' Timeshare-Modell ist die sogenannte „Fixed Week“-Variante. Sie erwerben für einen Festbetrag das Recht, die Ferienwohnung für eine feste Woche im Jahr nutzen zu können. Die Dauer des Rechts beträgt mindestens ein Jahr und kann, je nach Vertrag, bis zu 99 Jahre oder gar unbefristet andauern.
Das Timeshare-Modell ist jedoch nicht nur auf Ferienwohnungen oder Apartments beschränkt. So können Campingplätze, Boote, Wohnmobile usw. mit diesem Modell mit anderen Nutzern geteilt werden. Mögliche Timeshare-Angebote für diese Variante finden Sie bei eBay.

Timeshare-Variante – Floating Week

Etwas flexibler als die „Fixed Week“-Variante ermöglicht die „Floating Week“-Variante, die Woche, in der das Ferienobjekt genutzt werden kann, von Jahr zu Jahr neu festzulegen. Bei den meisten Timeshare-Angebote können Sie zwischen einer „Fixed Week“ und einer „Floating Week“-Variante wählen.

Timeshare-Variante – Aktien/Punkte-System

Eine deutlich andere Variante als die Timeshare-Nutzung nach „Fixed Week“ oder „Floating Week“-Prinzip, ist der Erwerb von Urlaubspunkten, Aktien oder Clubanteilen. Hierbei erwerben Sie Punkte bzw. Ansprüche bei einem bestimmten Urlaubsanbieter, mit denen Sie dann vergünstigte Urlaube über diesen Anbieter buchen können. Diese Variante bietet die größte Flexibilität, da Sie von Jahr zu Jahr nicht nur den Urlaubszeitraum, sondern auch das Urlaubsziel neu festlegen können.

Worauf man beim Timeshare-Vertragsabschluss achten sollte

Generell sollten Sie sich ein Bild von der Seriosität und dem Ruf des Anbieters machen. Der Anbieter muss beim Angebot und der Vertragsanbahnung bestimmte rechtliche Vorschriften einhalten (siehe Timeshare-Rechtslage). Zudem sollten Sie die Verwaltungssituation der zum Verkauf stehenden Immobilie in Erfahrung bringen. Es muss nicht immer der Verkäufer für die Verwaltung und Pflege des Objekts verantwortlich sein.
Es sollte auch eine Regelung für den Fall geben, dass der Verkäufer oder der Verwalter in Insolvenz geht. Für den hoffentlich unwahrscheinlichen Fall einer gerichtlichen Auseinandersetzung sollten Sie den Ort des Gerichtsstandes klären. Idealerweise liegt dieser in Ihrem Heimatstaat.

Timeshare-Rechtslage

Um Käufer, die sich für den Kauf eines Ferienwohnrechts entscheiden, ausreichend vor Betrugsversuchen zu schützen, gibt es seit 2009 eine EU-Richtlinie, die in den jeweiligen EU-Staaten bis Anfang 2011 in national geltendes Recht umgesetzt werden musste. Dies ist mit einigen Verzögerungen auch geschehen, wodurch sich Verbraucher auf folgende Rechtsansprüche beim Abschluss eines Timeshare-Vertrags berufen können:

Informationsrecht

Sie müssen vor Vertragsabschluss Informationen über die zu erwerbenden Immobilien erhalten und ausreichend über Ihre Rechte sowie die mit der Vereinbarung in Verbindung stehenden Kosten informiert werden. Insbesondere müssen Sie über Ihr Widerrufsrecht, die dafür geltende Frist und die Bedingungen zur Ausübung dieses Rechts informiert werden. Die Bereitstellung dieser Informationen ist fester Vertragsbestandteil und muss daher gewährt werden.

Die Informationen müssen unentgeltlich auf einem festen und dauerhaften Datenträger mitgeteilt werden und deutlich, verständlich und korrekt sein. Die Informationen müssen auf einem von der EU vorgeschriebenen Formblatt zusammengefasst sein. Sie haben die Wahl, in welcher Sprache der Vertrag verfasst werden soll – entweder die Sprache des EU-Mitgliedsstaats, in dem Sie Ihren Wohnsitz haben oder dessen Staatsangehöriger Sie sind. Es muss sich allerdings um eine Amtssprache der Europäischen Union handeln.

Das Recht auf dieses Informationen gilt auch, wenn Sie im Rahmen von Werbeaktionen oder Verkaufsveranstaltungen angesprochen werden.

Widerrufsrecht

Sie können den abgeschlossenen Timeshare-Vertrag innerhalb von 14 Kalendertagen ohne die Angabe von Gründen beenden. Mit der Ausübung des Widerrufsrecht werden auch alle akzessorischen Verträge – also dem Hauptvertrag untergeordnete Verträge – mit beendet. Die Widerrufsfrist gilt ab dem Tag der Unterzeichnung oder dem Erhalt eines rechtlich bindenden Dokuments im Rahmen des Vertragsabschlusses.

Aufgrund des Informationsrechts müssen Sie ausreichend über Ihr Widerrufsrecht und die Modalitäten der Anwendung in Kenntnis gesetzt worden sein. Ist dies nicht der Fall, verlängert sich die Widerrufsfrist auf ein Jahr und 14 Tage.

Vertragsabschluss und Zahlung

Der Vertrag muss schriftlich in Papierform oder auf einem anderen dauerhaften Datenträger verfasst werden. Sie können die Vertragssprache wählen, wobei die Vorschriften des Mitgliedstaats, in dem Sie Ihren Wohnsitz haben, ausschlaggebend für die Vertragsformulierung sind. Der Kaufvertrag muss Name und Wohnsitz des Verkäufers und des Eigentümers der zum Verkauf stehenden Immobilie enthalten.
Das zu erwerbende Nutzungsrecht und das betreffende Wohngebäude müssen genau beschrieben sein. Neben den Gesamtkosten für den Erwerb des Nutzungsrechts muss der Verkäufer die Zusage machen, dass zu den im Vertrag genannten Kosten und Verpflichtungen keine weiteren hinzukommen. Des Weiteren müssen Sie über Ihr Widerrufsrecht in Kenntnis gesetzt werden.

Beim Vertragsabschluss müssen Sie Zeitpunkt und Ort der Unterzeichnung schriftlich bestätigen und mindestens eine schriftliche oder auf einem dauerhaften Datenträger befindliche Kopie des Vertrags erhalten.

Bei Verträgen über langfristige Urlaubsprodukte erfolgt die Zahlung in jährlichen Ratenzahlungen gestaffelt, die alle den gleichen Betrag haben müssen. Ab der zweiten Ratenzahlung können Sie den Vertrag ohne Vertragsstrafen, wenn Sie innerhalb von 14 Kalendertagen nach dem Erhalt der Aufforderung zur nächsten Ratenzahlung agieren.

Keine Anzahlung

Anzahlungen oder Sicherheitsleistungen sind vor Ablauf der Widerrufsfrist untersagt. Bei Wiederverkaufsverträgen sind Anzahlungen vor dem eigentlichen Verkauf widerrechtlich.

Lassen Sie sich ausreichend Zeit vor einem Timeshare-Vertragsabschluss

Sie sollten den Kaufvertrag niemals unter Zeitdruck unterzeichnen. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, den Vertrag und seine Modalitäten sowie den Anbieter genau zu überprüfen. Vergewissern Sie sich, dass alle oben genannten rechtlichen Anforderungen erfüllt sind. Lassen Sie sich nicht durch Sonderangebote, Rabatte oder Prämien zu einem schnellen Vertragsabschluss oder der Teilnahme an einer Verkaufsveranstaltung überreden.

Zusatz- und Nebenkosten abschätzen

Zunächst sollten Sie sich im Rahmen der Vertragsanbahnung sämtliche Nebenkosten, die mit der Nutzung der Urlaubswohnung in Verbindung stehen, aufschlüsseln lassen. Vergewissern Sie sich zudem, wie hoch die jährlichen Zusatzkosten sein werden, die Sie mit Erwerb des Timeshare-Rechts tragen werden müssen. Überlegen Sie daher auch, welche Leistungen nicht in den Nebenkosten oder Jahres-Beiträgen enthalten sind (z.B. Betriebsausgaben, Clubbeiträge, Kurtaxe, Verwaltung, Instandhaltung), die sie evtl. zusätzlich erwerben müssen.
Sind An- und Abreise nicht im Paket enthalten, sollten Sie eine Abschätzung der Reisekosten vornehmen, die Sie erwarten, wenn Sie in dem von Ihnen geplanten Urlaubszeitraum verreisen. Auch sollten Sie sich vergegenwärtigen, dass Betriebs- und Instandhaltungskosten nicht über die Jahre konstant bleiben, sondern eher steigen werden. Erfragen Sie zur Abschätzung der zu erwartenden Kostensteigerung eine Auflistung der Kostensteigerung in den letzten Jahren.

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