Unsinnige Einschreiben

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Jetzt bitte einmal Hand aufs Herz. Wieviel Geld haben wir alle abgesehen von Warenlieferungen ins In- oder Ausland schon für Einschreiben oder gar Einschreiben mit Rückschein ausgegeben? Es kommen neben dem nötigen Briefporto höchstwahrscheinlich astronomische Summen im weit vierstelligen Bereich zusammen. Immer treu nach Ratgebern im Funk und Fernsehen oder spätestens nach Panikmache am Postschalter bezahlen wir, im Glauben das Richtige zu tun, gerne für Einwurfeinschreiben (Post garantiert den Einwurf im Briefkasten), dem leicht teureren klassischem Einschreiben (Empfänger muss dies quittieren), oder gar der teuersten Art dem Einschreiben mit Rückschein (man erhält eine vom Adressaten unterschriebene Postkarte (Rückschein) zurück).
Viele sind der Meinung mit einem Einlieferungsbeleg automatisch bei einem Rechtsstreit einen Beweis für die Zustellung in den Händen zu halten. Schließlich kam der Brief mit der Kündigung oder Zahlungsaufforderung ja eingeschrieben. Beweisen kann man mit diesen Einlieferungsbelegen aber nur, dass der Empfänger einen Brief erhalten hat. Der Inhalt ist juristisch dabei völlig irrelevant. Es schindet zwar eine Menge Eindruck bei manchen Adressaten und sie zittern wie Espenlaub beim Erhalt und Öffnen des eingeschriebenen Briefes. Nur können diese jederzeit behaupten, dass in dem Brief gar kein Inhalt war oder nur weiße Blätter. Und in Vorahnung des Inhalts verweigern viele Adressaten die Annahme von  Einschreiben, wobei das Geld für Porto und Einschreiben nun völlig aus dem Fenster fliegt. Somit war, ist und bleibt das Einschreiben leider keine gerichtlich verwertbare Möglichkeit  seine Willenserklärung zustellen zu lassen.
Ganz nebenbei: Seriöse Firmen, Vermieter oder Arbeitgeber antworten auch auf nicht eingeschriebene Briefe.
Und wer nun seine Willenserklärung auf Teufel komm raus juristisch nachvollziehbar zustellen lassen will, für den gibt es drei durchaus praktikable Möglichkeiten.
Man kann einen Gerichtsvollzieher mit der Zustellung betrauen, welcher in Kenntnis des Inhalts die Zustellung durch Einwurf in den Briefkasten bestätigt oder bei Unzustellbarkeit durch Abwesenheit bzw. Annahmeverweigerung des Adressaten ein Schriftstück beim zuständigen Amtsgericht niederlegt und dies dokumentiert, was einer Zustellung gleichkommt.
Eine ebenfalls gängige Praxis zum Überbringen von Willenserklärungen ist ein über den Inhalt jener in Kenntnis gesetzter Bote, der dann das dieses Schreiben übergibt oder in den Briefkasten, dem sog. Machtbereich des Adressaten, einwirft.
Gleiches gilt für einen bei Übergabe/Einwurf anwesenden Zeugen, welcher ebenfalls den Inhalt des Schreibens kennen muss. Diese Methode wird oft von Firmen für die Zustellung von Kündigungen verwendet, da diese Kündigung erst bei oder nach Erhalt wirksam werden kann.
Als Fazit halte ich, wenn man z.B. bei säumigen Zahlern Eindruck schinden möchte, das günstige Einwurfeinschreiben für völlig ausreichend. Kündigungen oder ähnliches dürfen gerne uneingeschrieben durch Deutschland reisen. Gerichtsvollzieher, Boten oder Zeugen sollte man nur bei Willenserklärungen mit rechtlicher Bedeutung bzw. bei Empfängern einsetzen, welche unter die Kategorie fallen „Ich habe nur einen leeren Briefumschlag erhalten!“ fallen.
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