Umstieg auf Seewasser

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Der Umstieg auf Seewasser
 
Vorwort:
Im Internet gibt es viele Seiten und unzählige Tips für "Anfänger". Nachdem ich einige Seiten gelesen hatte, bemerkte ich schnell, daß die Zielgruppe, also der Leser, bunt gewürfelt wurde. Da werden wirklich die einfachsten Dinge vermischt mit komplizierten Ratschlägen und leider sehr selten wird die Ausgangslage des Interessierten bedacht.
Daher nun diese Seite, in der erfahrene Süßwasseraquarianer eine Hilfe finden sollen. Die Seite ist nicht (!) für den Anfänger gedacht, Anfänger sollten m.E. niemals mit Seewasser ihren Einstieg in die Aquaristik versuchen. Ich setzte aus diesem Grund auch bestimmtes Wissen voraus und werde hier niemanden erklären, daß Aquarien/-Zubehör nicht mit Spülmittel gereinigt wird!

Aller Anfang ist schwer

Der Entschluß
Von nicht unerheblicher Bedeutung beim Umstieg auf Seewasser ist die Entschlußphase. Der Aquarianer, der mit dem Gedanken spielt auf Seewasser "umzusatteln" erfährt aus seiner Umgebung zahlreiche Hinweise, Tips, Abneigungen bis hin zur Drohung des u.U. vorhandenen Lebenspartners "... da mache ich nicht mit,... weißt Du überhaupt...",etc.
Mein Tip an dieser Stelle:
Informationen sammeln ist hilfreich. Lassen Sie sich nicht "abschrecken". Wenn ein Lebenspartner vorhanden ist, sollte unbedingt Einigkeit herbeigeführt werden. Es hilft nichts, wenn so ein Hobby im "Alleingang" durchgezogen wird. Die Vorwürfe und der Ärger sind vorprogrammiert. Gerade im Seewasser sind nun einmal Verluste zu erwarten, so schmerzlich das klingt. Die "Schuld" muß dabei noch nicht einmal beim Aquarianer zu suchen sein, ein in Gefangenschaft nicht lebensfähiges Tier wird erworben, ein mit Gift gefangener Fisch wird erworben..., etc.

Planen Sie Ihr neues Becken. Ruhig mal eine Zeichnung oder Skizze fertigen, auch wenn sie noch so schlecht ist. Stellen Sie eine Kostenplanung auf. Was habe ich schon? Was benötige ich noch?
Sie werden sehen, es ist gar nicht so dramatisch.
Vorsicht bei "Hilfestellung" durch ansässige Händler. Ich möchte diesem Personenkreis nichts nachsagen, nur laufen Sie Gefahr einseitig zu starten. Das kann derart aussehen, daß sie einen Händler erwischen, der die "natürliche" Art favorisiert und Ihnen das Becken mit "Minimal-Technik" ausstattet. Später kommt bei Ihnen die große Fischliebe auf und dann klappt's hinten und vorne nicht mehr.
Wenn Sie sich entschlossen haben, dann ziehen Sie es durch. Keine halben Sachen. Seewasser toleriert keine Kompromisse. Denken Sie immer daran, andere haben's schon versucht....
 
Die Planung
 

Planungsphase:
 Wie oben bereits erwähnt sollten Sie Ihr neues Becken planen. Dazu gehört die wirklich detaillierte Betrachtung aller Komponenten.
Ohne auf die einzelne Bereiche näher einzugehen, möchte ich kurz erwähnen, was auf jeden Fall beachtet werden sollte.
Ich gehe im nachstehenden Beispiel mal davon aus, daß bereits ein Süßwasserbecken im Besitz ist und erfolgreich betrieben wurde.

1. Aquarium & Unterschrank:
Beide müssen "seewasserfest" sein, vor allem in drei Punkten: Das Becken selbst (nur Besitzer von antiquaren Rahmenbecken müßten an dieser Stelle nachdenken), der Unterschrank (offener Holzbau oder rostanfällige Konstruktionen - Seewasser bringt im Umfeld immer geringe Salzablagerungen) und für beide, besser insgesamt gesehen, die höhere Gewichtsbelastung. Rechnen Sie grob: bisheriges Gewicht x 1,5. An die Deckenkonstruktion denken (Altbau??). Und letztendlich natürlich die Größe: Kein Behälter unter 200 liter, als absolute "Schmerzgrenze, besser kein Becken unter 300l.

2. Filterung
Die meisten Filter lassen sich problemlos übernehmen. Berechnen Sie die Leistung und ergänzen Sie durch Strömungspumpen. Trennen müssen Sie sich von Bodenfiltern/Bodenflutern.
Das Thema Filter wird an anderer Stelle noch diskutiert.
 

3. Beleuchtung
Eine Gewissensfrage. Neonbeleuchtung läßt sich übernehmen, ggf. muß sie aufgewertet werden, indem man Röhren hinzufügt und gute Reflektoren einbaut. Auch die Frage der Beleuchtung wird nachstehend noch näher erläutert. Für die "Selbstbauer": Vorsicht bei Eigenbau aus Metall und nicht versiegeltem Holz: Die Leuchte zerfällt u.U..... und dann in's Becken!
HQL: können Sie verkaufen, ist nicht geeignet!
 

4. Bodengrund und Rückwände, Dekoration
An dieser Stelle werden Sie sich trennen müssen. Fast alle Bodengründe aus dem Süßwasserbereich sind ungeeignet. Versuchen Sie es dennoch, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Ebenso verhält es sich mit Dekomaterial, große Vorsicht bei Lava, auf keinen Fall behalten.
 
5. Heizung
Problemlose Übernahme. Eventuell sogar überflüssig.
 

6. CO 2 - Anlage:
Entgegen verschiedener Literatur hat der Einsatz von CO2 im Seewasser wenig Sinn. Die Anlage behalten Sie dennoch, denn damit können Sie wunderbar Ihren zukünftigen Kalkreaktor betreiben.
 

7. Der "Inhalt"
Nun ja, entweder einem Bekannten schenken oder verkaufen. Wenn Sie sich nicht trennen wollen: Vorsicht bei der Anhäufung von Aquarien. Viele Aquarien sind wie viele Kinder. Jedes raubt Ihnen Aufmerksamkeit!
 Wenn Sie diese Faktoren einmal zusammenrechnen und gegenüberstellen, werden Sie sehen, daß es gar nicht so teuer sein muß.

Klar, da fehlt natürlich noch einiges!
Was Sie brauchen werden
Was Sie benötigen werden - und was Sie mit Ihrem Gewissen vereinbaren müssen:

Zunächst erst mal die unumgänglichen Anschaffungen:
1. Salz ;-)
2. Neuer Bodengrund, aber lange nicht so viel, wie für ein Süßwasserbecken
3. (Eiweiß)-Abschäumer
4. Strömungspumpe/n
5. Riffgestein ("totes" und lebendes)
6. Dichtemesser
7. Oberflächenabsaugung
8. Literatur
9. Neue "Bewohner"
.... was Sie mit Ihrem Gewissen (=Geldbeutel) vereinbaren müssen:
1. HQI-Beleuchtung
2. Ablaufschacht im Becken
3. (für später) Kalkreaktor
4. Umkehr-Osmoseanlage (situationsabhängig)
5. Meßtechnik
6. Dosierpumpe/n
7. noch mehr Literatur....
 
Der Anfang
 
Wenn Sie alles vorbereitet haben und das gute Buch zum Seewasser Ihrer Ansicht nach erschöpfend gelesen haben, kann's losgehen - nur leider geht's eigentlich gar nicht los!
Denn die Anfangsphase erfordert im Seewasser wesentlich mehr Geduld, als im Süßwasser.
Waren es da noch drei Tage (Minimum), so sind es hier drei Wochen.
Ich hör schon das Geschrei! Ich meinte Minimum, gnadenloses! Besser sind natürlich Einlaufzeiten von 2 - 3 Monaten.
Dennoch, bereits nach zwei bis drei Wochen kann man schon lebendes Gestein einsetzen und man wird dann sehr schöne Entwicklungsprozesse beobachten können. Schwämme bilden sich, Krebsgetier und kleine Artemiaarten besiedeln ohne "Zutun" das Becken. Besorgen Sie sich nach Möglichkeit altes "versifftes" Filtermaterial von einem befreundeten Seewasseraquarianer und setzten Sie dieses in Ihren Filter.
In der vierten Woche kann man Caulerpa einsetzen, sie wird in der Anfangszeit dankbar wachsen.
Und noch etwas: Da lese ich bei irgendwelchen Anfängertips, daß in der Einlaufphase kein Abschäumer laufen muß oder einer schrieb sogar, daß die Beleuchtungsphase auf zwei-vier Stunden begrenzt werden kann.
Unsinn! Gerade die Beleuchtung ist lebenswichtig. Da stehen wir vor einem "toten" Becken und wundern uns, daß sich nichts entwickelt. Ohne Licht, kein Leben! Und wenn es nur die ersten Algen sind.
Der Abschäumer wird unbedingt zur Entfernung organischen Müll's und Schwermetallen benötigt. Zudem kommt die Tatsache, daß eine Veränderung in der Technik während der Einlaufphase auch Veränderungen des Biotops bringen.
Also: Wie will man die Entwicklung beurteilen, wenn nicht alle Geräte laufen?!
Seien Sie in der Anfangsphase nicht zu "überreinlich". In machen Büchern wird sogar Wasserwechsel und ähnliches in der Einlaufphase empfohlen. Nichts dergleichen!
Im zweiten Monat kann der erste "Testfisch" eingesetzt werden. Der Händler kann Ihnen "harte" Arten benennen. Auf keinen Fall mit empfindlichen Fischen beginnen. Und selbst wenn ein paar Fadenalgen Ihr Schmuckstück zieren, lassen Sie sich keinen Doktorfisch verkaufen!
Funktioniert alles gut, kann nun allmählich mit dem Besatz von Wirbellosen begonnen werden. Auch hier gilt: Zunächst stabile und leicht zu pflegende Tiere einsetzten, vielleicht ein kleines Steinchen mit ein paar Scheibenanemonen.

Das Becken wird älter
 
Richtig, im Grunde hat das hier nichts zu suchen, aber es ist dennoch ein "Anfängertip".
Wiegen Sie sich nicht in Sicherheit. Es hat bis dato alles geklappt, Wirbellose stehen gut, Caulerpa wächst, Fische fühlen sich wohl.... und auf einmal möchte eines der Wirbellosen sich nicht mehr so richtig öffnen, die Caulerpa wächst nicht mehr (ausglasen), die Tiere vermehren sich kaum noch.
Panikmache? Nein, gar nicht. Was ich damit sagen will ist, daß jedes Seewasserbecken eine gewisse Entwicklung durchmacht. Diese Entwicklung stoppt nicht und Sie sind angehalten die Abläufe zu beobachten.
Viele neu eingerichtete Becken "stehen" am Anfang sehr gut. Nach einem Jahr werden die Systeme instabil. Das Puffersystem ist verbraucht, es beginnt der allmähliche und schleichende "Tot" durch Säuresturz und verbrauchte Spurenelemente.
Wenn Sie an diesem Punkt angelangt sind, ist jedoch der "Anfängerstatus" vorbei und Sie werden wissen, was zu tun ist.Vielleicht haben Sie bis dahin auch schon vorgesorgt ;-)
 Soweit zum ungefähren Ablauf, nun zu den Einzelheiten.
 

Das Wasser
 Sinnvoll ist es das hiesige Wasserwerk oder die Gemeinde anzurufen. Dort gibt es einen zuständigen Beamten, der zur Auskunft verpflichtet ist! Fragen Sie nach den Wasserwerten, vor allem die Belastung durch Nitrat, Pestizide und vergleichbarem. Er kann Ihnen zudem Auskunft geben, wie hoch die Karbonathärte ist und durch welches Verfahren der PH-Wert in den Leitungen (ist meistens zum Schutz der Leitungen notwendig) gesteigert wird. Leider ist der Gehalt an Silicaten (Kieselsäure) nicht Gegenstand von Untersuchungen gemäß der Trinkwasserverordnung. Das müssen Sie demnach selbst herausfinden und werden Sie auch an hartnäckigem Befall von Kieselalgen zu spüren bekommen. Haben Sie das Glück, daß die Werte gut sind (z.B. Nitrat unter 15 mg/l), können Sie es wagen, ohne eine Umkehrosmoseanlage in's Rennen zu gehen.
Sollten Sie Zweifel haben und das Geld investieren oder gar bereits eine U-Osmoseanlage besitzen, nehmen Sie auf keinen Fall ausschließlich U-Osmose gefiltertes Wasser.
Sie schaffen ansonsten ggf. ein "klinisch" reines Becken, es entwickelt sich gar nichts.

Das Salz

Beim Salz verhält es sich wie mit Motoröl. Leider haben wir kaum Möglichkeiten die Qualität zu kontrollieren oder gar zu bestimmen. Die meisten Produkte erfüllen jedoch die Anforderungen. Halten Sie sich an die Angaben des Herstellers und versuchen Sie eine Dichte (bei 25 °C) zwischen 1,022 min und 1,025 g/cm3 zu erreichen. Das Salz muß später vor dem Einsatz belüftet werden, beim Erststart können Sie es im Becken anrühren. Achten Sie unbedingt darauf, die Tiere reagieren auf frisch angesetztes Salz sehr empfindlich.
Die Behauptung, daß Salz nach dem Grad der Löslichkeit zu beurteilen sei, kann ich so nicht bestätigen.
 
 
Der Abschäumer
 
Ich möchte hier gar nicht die genaue Funktionsweise erläutern. Das lesen Sie in jedem guten Buch oder schauen Sie sich meine gesonderten Ausführungen zu Position und Funtionsweise an.
Aber: Der Abschäumer ist das "Herzstück" Ihrer Anlage.
Er ist wie die menschliche Leber & Niere. Sparen Sie also nicht an der falschen Stelle. Zur Not ein gebrauchtes Gerät kaufen. Es gibt so viele Aquarianer, die (leider) aufgeben. Kaufen Sie diesen Leuten so ein Gerät ab.
Vorsicht mit den kleinen luftbetriebenen Innenabschäumern, von leistungsfähig kann im Zusammenhang mit diesen Geräten nicht gesprochen werden. Sie werden Sie später entsorgen müssen - schade ums Geld.
Eine Orientierung über das Marktangebot an dieser Stelle wäre Unsinn. Es gibt ständig neue Hersteller und Geräte, schauen Sie sich beim Händler um und vergleichen Sie selbst. Den Unterschied zwischen den Geräten stellen Sie schnell selbst fest.

Der Filter
Sie wollten nicht wie ein Anfänger behandelt werden? Also spar ich mir Erläuterungen zum Abbau von Ammoniak zu Nitrit und Nitrat.
Also, was ist anders, als im Süßwasser?
Sie werden weniger "Grobschmutz" haben. Im Süßwasser gibt's mehr Pflanzenreste, etc. Der Seewasseraquarianer hat mehr Sedimente. Dies sollten Sie bei der Bestückung des Filters beachten. Grobe Schwämme sind zur Entfernung von Sedimenten ungeeignet, sie können jedoch bestens eingesetzt werden, um die Ansaugung von reinen Strömungspumpen zu schützen.
Strömungspumpen sollten ihren Namen gerecht werden, hängen Sie keine riesigen Patronen daran und Pumpen mit erbärmlicher Leistung von bis zu 600l/h sollten Sie verkaufen. Nicht alle Strömungspumpen sind teuer, verzichten Sie ein wenig auf Komfort und setzten Sie auf Technik und Leistung.
 

Die Filterarten:
 
Kammerfilter:
Jegliche Art von Kammerfilter ist grundsätzlich ideal, am besten vor allem, wenn sie gut zugänglich sind. Sie können dann nämlich nach Bedarf und bequem Kohle einsetzen, Schwämme schnell reinigen, etc. Achten Sie darauf, daß ein rein submerser Kammerfilter Sauerstoff braucht! Sitzt der Kammerfilter nicht hinter einem vorgeschalteten Rieselfilter, müssen Sie ihn belüften.
 
Der gute "alte" Außenfilter
Sie wollten sich nicht von ihm trennen?
Gut! Er hat im Grunde nur ein Problem: Die Filterfläche ist ein Witz und die Wartung müßig. Wenn Sie's trotzdem möchten, bitte! Dann aber die Anzahl verdreifachen. Für den Außenfilter gilt das gleiche, wie für den Kammerfilter. Sorgen Sie dafür, das sauerstoffreiches Wasser einfließt. Soviel, wie er verkraften kann (Problem der Förderpumpe).
 
Innenfilter:
Sie sind nur sehr bedingt einsetzbar. Lediglich, wenn sie einen kammerfilterähnlichen Aufbau haben können sie genutzt werden und auch bei ihnen muß die Sauerstoffversorgung gewährleistet sein. Ansonsten sind sie nur "Schnellfilter".
 
Die "Schnellfilter"
Ich mag schon den Begriff nicht! Es gibt keine Schnellfilter. Im Grunde ist ihr "Schnellfilter" nur so schnell, wie Sie es selbst sind. Entweder Sie lassen eine Pumpe als Strömungspumpe laufen oder Sie möchten filtern. Die erste Kammer Ihres Filtersystems sollte Ihr Schnellfilter sein. Ansonsten sind Sie schnell mit Ihrem Fleißeinsatz am Ende. Wer möchte schon ständig drei bis vier "Schnellfilter" reinigen?
Wenn Sie die Strömungspumpen mit sehr groben Schwämmen schützen, ist der Reinigungsbedarf geringer, eine Zusetzung oder gar "Umfunktionierung" findet dann kaum statt.
 
Der Rieselfilter:
Der umstrittene Rieselfilter. Manche behaupten, daß er Nitrat "produzieren" würde. Das ist natürlich Unsinn. Es siedeln sich im Rieselfilter nur so viele Bakterien an, wie das System es zuläßt. Also unbeachtet der dramatischen Diskussionen: Der Rieselfilter bietet die einfache Möglichkeit eine große Fläche an Bakterien zu "unterhalten", da beste Sauerstoffversorgung gewährleistet ist. Das war's dann auch schon. Nicht mehr und nicht weniger. Ich halte eine Kombination von Rieselfilter und nachgeschaltetem Kammerfilter für ideal, insbesondere, wenn eher die Fischhaltung im Vordergrund steht. Entscheiden Sie sich von Anbeginn für ein Mixed-Becken oder haben schlechthin mehr Interesse an Wirbellosen, sollten Sie auf den Rieselfilter verzichten und Ihr Schwergewicht auf den Abschäumer legen.
 
Das Material:
Besetzten Sie Ihren Filter wie bereits oben stellenweise erwähnt.Wenn Sie Kohle einsetzten, dann nur spezielle Aktivkohle und beachten Sie, daß die Standzeiten nun kürzer sind. Korallenbruch soll gut geeignet sein, aber bedenken Sie die Möglichkeit der Entfernung nach einem halben Jahr. Natürlich haben typische Süßwasserfiltermaterialien, wie z.B. Torf, nichts im Seewasser zu suchen. Investitionsfreudige können Siporax einsetzten, sollten sich aber keine Nitratreduzierung davon erhoffen.
 
Der Nitratfilter:
Nur interessant für reine Fischbecken und selbst da noch mit Argwohn zu betrachten. Der Nitratfilter ist das gefährlichste Element im System. Kippt er, kippt alles. Bessere Alternative: leistungsfähiger Abschäumer, der zieht auch Nitrat, besser gesagt, er entfernt die Schadstoffe bereits vor der Endabbaustufe Nitrat.
 
UV + Ozonisator:
Haben nichts mit natürlichen Biotopen zu tun. Sie wollen alles abtöten und entkeimen?
Bitte! Aber wundern Sie sich nicht, wenn anschließend nichts lebt.... (und das ist es doch letztendlich, oder?)
Die Strömung
 
Versuchen Sie den Beckeninhalt mindestens 6-8 mal umzuwälzen. Die Wasseroberfläche sollte an allen Stellen "gekräuselt" erscheinen, am besten von unten zu sehen. Versuchen Sie alle Bereiche zu erfassen und setzten Sie später die Tiere so geschickt, daß Wirbellose, die keine starke Strömung lieben, "gedeckt" sind.
Die Oberfläche sollte zur Verhinderung der Bildung einer "Kahmhaut" angesaugt werden. Dazu gibt es Oberflächenabsauger oder Sie bauen in das Becken einen Ablaufschacht ein.
 
Die Beleuchtung:
Keine Versuche mit HQL! Das gibt Fadenalgen ohne Ende.
HQI bietet einfach das momentan beste Lichtspektrum. Neonröhren sind nun mal die "zweite Wahl", vor allem, wenn Sie Wirbellose pflegen möchten. Vielleicht können Sie auch in diesem Fall ein gebrauchtes Gerät erwerben. Die meisten HQI-Leuchten sind qualitativ, handgearbeitete, hochwertige Lampen, die im Grunde niemals "kaputt" gehen können. Lediglich einzelne Teile müssen ggf. erneuert werden. Die Diskussion um die verschiedenen Brennerarten sollte der Anfänger zunächst einmal zurückstellen. Beachten Sie den natürlichen und optischen Bedarf an blauem Licht, wenn Sie mit Neonröhren arbeiten. Auf keinen Fall irgendwelche "Pflanzenröhren" aus der Süßwasseraquaristik einsetzten.

Das Riffgestein
 
Das Riffgestein dient zum einen für den Aufbau IHRES Riffs und zum anderen, wenn es sich um lebendes Gestein handelt, um die Ansiedlung von Algen, Bakterien und vielem mehr. So können Sie schöne Kalkalgen und viel Kleingetier in das Becken bringen. Lebende Steine, wie sie genannt werden, bringen zudem viele nützliche Bakterien mit in das Becken, unter anderem auch die wichtigen Filtrierer.
Es gibt inzwischen ob dieser Erkenntnis wahre Verfechter der "biologischen" Filterung. Leute, die demnach behaupten, daß das bloße Einbringen einer gewaltigen Menge an Riffgestein schon als Filterung ausreicht. Auch wenn es einige gibt, die jetzt aufschreien werden, ich halte dies für puren Unsinn. Unbestritten der wichtigen Funktion von lebenden Gestein - Sedimente und Grobschmutz entfernen diese Steine nicht und die wichtige Funktion des Abschäumers können sie nie ersetzten. Der berühmte "goldene" Mittelweg dürfte hier wohl richtiger sein.
Beachten Sie beim Kauf von diesen Steinen, daß Sie sich nicht alles mögliche in's Becken bringen. Oft sind Krebse in den Steinen, manchmal sitzen Glasrosen darauf. Die Steine sollten auch "lebend" sein. Totes Gestein in einem belüfteten Schaubecken ist nicht gleich lebendes Gestein...., also genau betrachten.

Die Literatur:
 
Es gibt viele Bücher! Manche Autoren sind studierte Biologen, andere begeisterte Aquarianer, andere haben vorwiegend den natürlichen Lebensraum beobachtet. Ich glaube mit ruhigen Gewissen die Werke von Peter Wilkens empfehlen zu können. Bei ihm ist eine gesunde Mischung von allem zu erkennen. Andere Literatur mag genauso gut sein, aber es ist auch Vorsicht geboten. So gibt es einschlägige Süßwasseraquarianer, die es sich nicht nehmen ließen, auch in den Bereich Seewasser "einzudringen". Dem entsprechend ist die Literatur....
Da alle Bücher teuer sind, ist dies kein Qualifizierungsmerkmal. Man sollte auf jeden Fall ein gutes Nachschlagewerk zu Hause führen, allein, um bei Problemen nachlesen zu können. Lesen Sie das Buch nicht nur einmal .... später werden Sie es mit anderen Augen und anderem Verständnis lesen!

Das Füttern
 
In vielen Büchern und Anfängertips immer wieder das gleiche: Weniger Füttern! Aber wieso?
Ganz einfach: Neben dem bereits bekannten Problem der Anhäufung von Nitrat, Phosphat, Fischkot, etc. ist dem Süßwasseraquarianer vielleicht ein spezielles Phänomen am Anfang nicht bewußt. Im Seewasser bilden sich (wie bereits weiter oben erwähnt) UNMENGEN von kleinen Krebschen, Artemia, etc. und unsere Fische sind nicht "blöd", sie suchen sich ihr Futter selbst. Natürlich kann man sich darauf nicht generell verlassen, aber es gibt Seewasserfische, die sich fast auschließlich von diesem Besatz ernähren. Zum Beispiel der schöne Mandarinfisch. Er verschmäht meist das eingeworfene Futter und sucht sich selbst seine Nahrung.
DAS gibt es im Süßwasser halt nicht und wer mal nah am Glas seines Beckens gesessen hat und sich das bunte Treiben im Bodengrund mit der Lupe näher betrachtet hat, wird mir zustimmen: Seewasser ist ein Erlebnis!

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