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Übe-Tricks für Klavier und Keyboard ;-)

chriskeyb3
Von Veröffentlicht von
Übe-Tricks für Klavier und Keyboard ;-)
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Ich bin seit 20 Jahren als Klavier- und Keyboardlehrer tätig und habe ein Hochschulstudium in diesem Bereich abgeschlossen. Im Folgenden beschreibe ich ein paar Tricks, die dem ein oder anderen vielleicht helfen, beim Üben schneller ans Ziel zu gelangen ;-)

Grundsätzlich gilt: Ohne Fleiß kein Preis – im Sport genauso wie beim Musizieren. Regelmäßiges Musizieren ist wichtig. Lieber sechs Mal in der Woche 20 Minuten als am Wochenende zwei Stunden am Stück. Durch das stetige Wiederholen bleibt das Erlernte besser haften, und nach spätestens 30 Minuten sinkt die Konzentration bei den meisten Menschen bereits deutlich.

Ab einem gewissen Alter (10-12 Jahre) sollte der Schüler/die Schülerin sein/ihr eigenes Übeverhalten reflektieren und optimieren können und sich z.B. schon bevor er sich ans Klavier setzt, einige Dinge klarmachen:

- Wie geht es mir heute? Bin ich gut drauf und entspannt oder gestresst? Wie viel Zeit habe ich überhaupt zum Üben?
- Womit will ich mich heute beschäftigen? Ein Stück perfektionieren, ein ganz neues Stück beginnen oder ein Theorie-Thema vertiefen?
- Was habe ich gestern geübt und wie habe ich aufgehört? Was lief gestern schon ganz gut und was noch nicht so?

Ist man sich über diese Dinge klar geworden, stellt sich als nächstes die Frage: womit soll man sich einspielen, sprich mit dem Instrument warm machen? Muss dies unbedingt mittels Tonleitern oder gebrochenen Akkorden geschehen? Wäre es nicht viel musikalischer, stattdessen ein Stück zu spielen, das man gerne spielt, schon gut beherrscht und welches einem im wörtlichen Sinne leicht "von der Hand" geht? So stellt sich von der ersten Minute an Spielfreude ein, die zum weiteren Arbeiten an den neuen Stücken animiert.

Für effektives Üben sind besonders die Taktlimitierung und Periodik wichtig. Taktlimitierung meint, dass ich nicht das ganze Stück, sondern nur einen kleinen Teil ins Auge fasse (ein, zwei oder vier Takte) und Periodik meint, dass ich diesen kleinen Teil in kleinen zeitlichen Abständen wiederhole, im Kreis spiele. Dadurch kann man sich einen überschaubaren Bereich einprägen. Dies kann man nicht, wenn man versucht, gleich das ganze Stück zu spielen. Logisch, nicht?

Hat man sich z.B. die ersten vier Takte erarbeitet, tut man dies nun genauso mit den nächsten vier Takten. Kann man auch diese flüssig spielen, versucht man die ersten 8 Takte am Stück zu spielen. Dann kommen die nächsten 2x4 Takte dran und wir sind schon bei insgesamt 16 Takten. Man kann so nicht nur sehr strukturiert üben, sondern auch den eigenen Fortschritt messen. Ist man zeitlich flexibel, könnte die Zielsetzung künftig nicht mehr lauten: "Ich spiele heute 30 Minuten Klavier", sondern: "Ich spiele mindestens so lange, bis ich die ersten 8 Takte fehlerfrei beherrsche."

Richtiges Tempo und Timing sind ebenfalls extrem wichtig beim effektiven Üben. Der meist gemachte Fehler (nicht nur bei Anfängern!) ist, zu schnell das Übe-Tempo zu erhöhen. (Nebenbei bemerkt: Schnell spielen und schön spielen haben nicht unbedingt etwas miteinander zu tun. Mit flinken Fingern über die Tasten zu jagen mag zwar anfangs Eindruck schinden, aber Virtuosität als Selbstzweck ist auf Dauer für Spieler und Publikum langweilig.)

Ich sehe den Einsatz eines Metronoms (Taktell) eher kritisch, denn es fördert nicht die Bereitschaft des Spielers zur aktiven Kontrolle des Tempos und hat zudem einen recht einschläfernden Charakter. Manchmal wirkt dieses "an die Handnehmen" vielleicht unterstützend, meistens sorgt es aber eher für Zuständigkeitsstreitereien - nicht zwischen Schülern und mir, wohlgemerkt. Den Takt macht man selbst. Wenn es vom Gefühl her nicht geht, muss gezählt werden.

Leidiges Thema "Zählen"! Spitz gesagt: 90% meines Honorars als Klavierlehrer verdiene ich mit dem Ratschlag: "Zählen!" Die meisten Schüler scheitern nicht an den Notennamen oder ihrer Fingerkoordination, sondern an der Rhythmik und Gleichmäßigkeit! Wer in der Lage ist, sich die Rhythmik einer Melodie durch klatschen/zählen selbst zu erarbeiten ist viel selbständiger bei der Einstudierung unbekannter Stücke! Ansonsten heißt es in der nächsten Unterrichtsstunde wieder hilflos: "Können Sie mir das nochmal vorspielen?"

Zurück zum Tempo. Wie schon erwähnt, neigen die meisten Schüler dazu, das Übe-Tempo zu schnell zu erhöhen. Klar, man möchte hören, wie das Stück im Original-Tempo klingt, aber wem nutzt das? Man verrennt sich nur dauernd in unnötigen Fehlern, weil die nötige geistige Voraussicht fehlt. Ein Spielfluss kommt so nicht zustande. Wähle ich dagegen ein langsames Tempo, habe ich zwischen den einzelnen Ereignissen genügend Zeit, mich auf das einzustellen, was als nächstes kommt. Es ist extrem wichtig, einen zwar zunächst langsameren, dafür aber reibungslosen und korrekten Bewegungsablauf einzustudieren. Sitzt dieser Bewegungsablauf ist die Erhöhung des Tempos kein großes Problem mehr.

Wiederholungen: der 5-Punkte-Plan. Damit meine ich eine Art kleinen psychischen Trick, mit dem man die Konzentration deutlich erhöhen kann. Dass man ohne Wiederholung des zu übenden Stoffs nicht weit kommt, dürfte klar sein. Aber hierbei kommt es weniger auf die Häufigkeit der Wiederholungen an als vielmehr auf die 100%ige Richtigkeit der zu übenden Passage! Wenn ich sage: ich spiele das jetzt fünf Mal hintereinander, und zwar fehlerfrei, ist die Konzentration wesentlich höher, als bei willkürlichem Wiederholen ohne Zielsetzung. Hat man es z.B. vier Mal fehlerfrei gespielt und vertut sich im fünften Durchgang, fängt man wieder bei Null an!

Wenn ich diesen Trick im Unterricht anwende, merkt man sofort den Ehrgeiz des Schülers dieses übergeordnete Ziel zu erreichen, gleichsam der Bewältigung eines Levels in einem Computerspiel. Hat man es dann geschafft, ist nicht nur die Freude groß, in der Regel läuft die geübte Passage dann wirklich fehlerfrei und verlässlich...

Ich hoffe, dieser kleine Ratgeber hilft weiter! Falls dem so ist, freue ich mich über ein "JA" ;-)
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