Turntables, die jedes Wohnzimmer zur Disco machen

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Turntables, die jedes Wohnzimmer zur Disco machen

Dieser Ratgeber wendet sich an alle, die im Turntable- bzw. Plattenspielerbereich noch neu und unerfahren sind. Der Ratgeber beleuchtet – trotz einer Unmenge an Gemeinsamkeiten – keine Plattenspieler, die für die heimische Hi-Fi-Anlage gedacht sind. Er setzt seinen Fokus vielmehr auf die unterschiedlichen Plattenspielervarianten im DJ-Bereich.

Der Veranstaltungs- und DJ-Bereich, so könnte man sagen, ist unter anderem dafür mit verantwortlich, dass die Schallplatte dieser Tage eine kleine Renaissance erfährt. Als Tonträger war sie fast seit ihrer Erfindung im späten 19. Jahrhundert eines der wichtigsten Medien.

Vom handbetriebenen Grammophon mit seinen Schellackplatten bis hin zu modernen Plattenspielern mit Vinylschallplatten bestimmte dieser Tonträger lange Zeit den individuellen Musikkonsum. Erst durch die Einführung neuer optischer und digitaler Tonträger – bspw. der CD – wurde die Schallplatte in den 1990er Jahren fast ganz vom Markt verdrängt.

Dauerbrenner im DJ-Bereich: Die Turntables

Nur im DJ-Bereich blieb sie ein nach wie vor gern gesehenes und genutztes Medium. In dieser Nische hat sie bis heute überlebt und – die gute Nachricht – wird auch in zunehmendem Maße wieder gekauft.

Nach den Absatzzahlen, die der Bundesverband der Musikindustrie ermittelt hat, wurden 2011 0,7 Millionen Schallplatten verkauft. Im darauf folgenden Jahr 2012 waren es bereits 1 Million. Dass diese Zahlen in keiner Weise mit den Hochzeiten der Schallplatte vergleichbar sind (noch 1984 wurden bspw. 71 Millionen Exemplare verkauft), liegt auf der Hand.

Dennoch: Der Tonträger Schallplatte erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Das kann verschiedene Gründe haben. Eine besonders interessante Erklärung besagt: Es gibt wieder einen Bedarf nach einem „entschleunigten“ Musikgenuss, den die „anfassbare“ Schallplatte bietet. MP3 & Co stehen dabei für die besonders „schnelllebige“ und flüchtige Form des Konsums.

Wie man es auch immer dreht und wendet, auch das DJing mag zur wachsenden Popularität der Schallplatte beigetragen haben. Immer mehr Menschen entdecken ihr Interesse an der „Musikunterhaltung“. Da der Plattenspieler schon immer integraler Bestandteil und wichtigstes Werkzeug eines DJs gewesen ist, könnte die Schallplatte dadurch profitiert haben.

Wenn Sie sich für diesen Bereich auch interessieren und Ihr Wohnzimmer zur Disco machen wollen, lesen Sie ruhig weiter. Der Ratgeber wird Ihnen ganz kurz erklären, woher die Schallplatte eigentlich kommt. Er wird Ihnen weiterhin viele Hinweise zur Funktionsweise des Gerätes sowie sowie Tipps zum Erwerb geben. Dabei erhebt der Ratgeber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er wird notwendigerweise lückenhaft bleiben müssen. Als Einsteiger sollten Sie jedoch am Ende über ein erstes Basiswissen verfügen, mit dem Sie weitersehen können.

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Herr Berliner erfand die Schallplatte und das Grammophon

Emil Berliner war in den 1870er Jahren aus Deutschland in die USA ausgewandert und hatte eine gute Idee. Diese Idee ließ er sich wenig später patentieren, sie hieß „Schallplatte“. Dank ihrer Hilfe konnte man etwas Ungeheuerliches bewerkstelligen: die Aufnahme und Wiedergabe von Geräuschen, Sprache und Musik. Das dazugehörige Abspielgerät nannte er Grammophon.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten und wirtschaftlichen Misserfolgen stellte sich dann doch sehr schnell der erhoffte Erfolg ein. Grammophone und Schallplatten aus Schellack fanden in den darauf folgenden Jahrzehnten reißenden Absatz.

Bald wurden die Geräte elektrifiziert, der teure Naturstoff Schellack wurde durch Vinyl ersetzt. In den 1960er Jahren bekam die Schallplatte, die bis dahin eine Monopolstellung am Tonträgermarkt besaß die erste Konkurrenz. Die Audiokassette trat auf den Plan. Die CD besiegelte seit den 1980er Jahren das Schicksal der Schallplatte, die nur noch in kleinen Nischen überlebte. Eine davon ist der DJ-Bereich.

Der Plattenspieler

Der Plattenspieler funktioniert nach einem einfachen Prinzip. Die spiralförmige Rille der rotierenden Schallplatte wird durch eine Tonnadel abgetastet. Die darin enthaltenen Schallinformationen werden durch die Schwingung der Nadel an den Tonabnehmer weitergeleitet.

Hier wird die Schwingungsbewegung in elektrische Spannung gewandelt. Der Tonabnehmer ist dabei am Ende des Tonarms befestigt, der über die Schallplatte geführt wird. Moderne Plattenspieler drehen die Schallplatte mit einer Geschwindigkeit von 33 1/3 oder 45 Umdrehungen pro Minute. Für das Abspielen älterer Plattenformate sind manche Geräte auch mit der Möglichkeit für 78 Umdrehungen pro Minute ausgestattet.

Damit sich der Plattenteller dreht: Motor und Antrieb

Für den Motor eines DJ-Turntables lässt sich sagen, dass dieser möglichst leistungsstark sein sollte. Das gilt zwar auch für „normale“ Plattenspieler. Der DJ-Turntable ist aber noch im höheren Maße davon abhängig, dass der Motor möglichst wenig Gleichlaufschwankungen aufweist.

Bei Plattenspielern haben sich zwei Antriebsarten entwickelt, die beide unterschiedliche Vor- und Nachteile für den DJ bieten. Auf der einen Seite ist hier der Direktantrieb zu nennen, auf der anderen Seite befindet sich der Riemenantrieb.

Beim Direktantrieb besteht kein Unterschied zwischen Motorachse und Achse des Plattentellers. Der Plattenteller ist somit integraler Bestandteil des Motors. Der Vorteil dieser Betriebsart: Es gibt keine längeren Anlaufzeiten des Plattentellers. Die Bauweise ist ziemlich robust, sodass der Direktantrieb gerade für das manuelle Scratching sehr gut geeignet ist.

Beim Riemenantrieb hingegen sind Motor und Plattenteller voneinander getrennt. Für die Übertragung der Motordrehung auf den Teller sorgt ein flacher Gummiriemen. Für Scratching und Spinning ist dieser Antrieb relativ ungeeignet, zumal der Riemen ausleiern kann und die Anlaufzeiten höher sind. Durch die Entkoppelung von Motor und Teller ist es allerdings auch leichter, mögliche Vibrationen besser abzufedern.

Sorgt für die richtige Führung in der Rille: der Tonarm

Der Tonarm eines Plattenspielers dient zum einen für die Befestigung des Tonabnehmers. Zum anderen ist er mit dafür verantwortlich, dass die Nadel des Tonabnehmers auf korrekte Weise in der Spurrille der Schallplatte geführt wird.

Bei DJ-Turntables werden Radialtonarme verwendet, die um einen Punkt herum drehbar sind. In der Hip-Hop- und Scratch-Szene haben sich dabei in den Jahren gerade geformte Tonarme durchgesetzt. Im Techno- und Housebereich werden eher gebogene Tonarme verwendet.

Wenn Sie überprüfen wollen, ob der Tonarm richtig eingestellt ist, legen Sie eine Platte auf und legen Sie Tonarm bzw. Tonabnehmer darauf ab. Von der Seite gesehen, sollten Schallplatte und Tonarm genau parallel zueinander verlaufen. Sollte das nicht der Fall sein, können Sie den Arm in der Höhe nachjustieren.

Wandelt Schwingung in Spannung: der Tonabnehmer

Der Tonabnehmer besteht aus verschiedenen Bauteilen: die Nadel (s. u.), der Nadelträger, der Wandler und das Gehäuse. Tonabnehmer gibt es in zwei Bauweisen. Zum einen gibt es Tonabnehmer mit einem Direktanschluss, auch „SME-Bajonettanschluss“ genannt. Mit dessen Hilfe lässt sich der Tonabnehmer schnell und einfach am Tonarm installieren.

Etwas komplizierter in der Montage sind die sogenannten „Unterdecksysteme“ oder auch Headshell-Systeme. Dabei wird der Tonabnehmer mit der Headshell des Tonarms verschraubt. Der Vorteil: Bei diesem System ist eine viel genauere Justierung des Tonabnehmers und der Nadel möglich.

Bei der Justierung ist darauf zu achten, dass der Tonabnehmer gerade justiert ist und keinen Überhang aufweist. Zur Feinjustierung des Tonabnehmers gibt es spezielle Schablonen, mit deren Hilfe sich Kröpfungswinkel und Überhang überprüfen lassen.

Wichtig ist auch die Auflagekraft des Tonabnehmers. Damit ist das Gewicht gemeint, mit dem die Nadel in der Spurrille der Schallplatte sitzt. Diese lässt sich mit einem Drehregler einstellen. Bei normalen Tonabnehmern hat sich eine Auflagekraft zwischen 1,5 und 1,75 Gramm bewährt.

Liest das Schallabbild von der Platte: die Nadel

Die Tonnadel gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Die Spitze der Nadel kann aus unterschiedlichen Materialien stammen (Saphiersplitter, Diamantsplitter etc.). Darüber hinaus kann sie verschiedenartig geschliffen sein.

Elliptisch geschliffene Nadeln bilden ein größeres Frequenzspektrum ab. Das heißt: diese Nadelform liest mehr Audioinformationen aus der Platte heraus. Dafür verschleißt sie die Platte schneller.

Sphärisch geschliffene Nadeln sind spitzer und liegen tiefer in der Spurrille als sphärisch geschliffene Nadeln. Dadurch ist die Gefahr geringer, dass sie aus der Rille der Schallplatte springt. Das macht sie für die manuelle Scratching-Akrobatik besonders interessant.

Bei den Tonnadeln ist darauf zu achten, dass sie genau senkrecht in der Rille liegen (Nadelazimut). Dafür muss man den Tonabnehmer in eine entsprechende Ausrichtung bringen. Hierbei bietet sich ein kleiner Spiegel an, den man auf den Plattenteller legt und den Tonabnehmer darauf absenkt. Sind Tonabnehmer und Spiegelbild genau gerade zueinander, ist das Bauteil richtig justiert.

Gute Plattenspieler bieten weiterhin einen Regler zum Einstellen der Anti-Skating-Kraft. Diese entsteht, wenn die Nadel durch die Spurrille nach innen gezogen wird. Um zu verhindert, dass sie dadurch aus der Rille springt, wird eine regulierende Kraft eingestellt, die den Tonarm nach außen zieht.

Als Faustformel gilt dabei: ist die Nadel sphärisch geschliffen, sollte die Anti-Skating-Kraft genauso hoch eingestellt sein, wie die Auflagekraft des Tonabnehmers (s. o.). Bei elliptischem Schliff sollte das Anti-Skating etwas höher eingestellt werden.

Für den DJ unverzichtbar: der Pitch

Der DJ kann nicht ohne ihn arbeiten: der Pitch-Controller stellt eine der wichtigsten Funktionen des DJ-Turntables dar. Mit seiner Hilfe lässt sich die Geschwindigkeit des Plattentellers regulieren. Damit ist man beim Mixen in der Lage, unterschiedlicher schnelle Tracks miteinander zu überblenden.

Mit dem sogenannten „Pitchbereich“ ist Folgendes gemeint. Der Wert gibt an, um wie viel Prozent die Platte schneller oder langsamer wiedergegeben wird. Ausgangspunkt ist dabei die eingestellte Umdrehungsgeschwindigkeit der Platte (33 1/3, 45, oder 78 UpM).

Der Ratgeber konnte Ihnen einige Hinweise zur Funktionsweise und zu Besonderheiten eines DJ-Plattenspielers liefern. Er hat Sie mit grundlegenden Informationen zu Motoren und Abtrieben, Tonarmen, Tonabnehmern und Nadeln ausgestattet. Mit diesem Grundwissen können Sie nun etwas orientierter auf die Suche nach dem für Sie geeigneten Turntable gehen.

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