Turntable-Comeback - warum Schallplatten wieder im Kommen sind

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Turntable-Comeback - warum Schallplatten wieder im Kommen sind

Ja, Sie haben richtig gelesen. Schallplatten, die Sie sich vielleicht in Ihrer Jugend vom Taschengeld gekauft haben, die sie gehegt und gepflegt haben wie einen Schatz, sind wieder im Kommen. Dabei hatte man den Tonträger mit der Etablierung der neuen digitalen Medien bereits abgeschrieben.

Viele verkauften Ihre Plattensammlung in den neunziger Jahren, als die CD Einzug in die Wohnzimmer hielt. Sie war immerhin kleiner, versprach einen besseren Klang und man musste sie schließlich nicht nach knapp 25 Minuten umdrehen.

Die Schallplatte als solche hat bis heute einen bereits über hundert Jahre langen Weg als Tonträger hinter sich. Sie ist bei Weitem die älteste (und immer noch gebräuchliche) Tonspeichertechnik. Langsam aber sicher scheint sie ein Comeback zu feiern.

Die Schallplatte hat überlebt

War die Schallplatte lange Jahre im einfachen Consumerbereich so gut wie nicht mehr vertreten, überlebte sie jedoch in manchen Nischen. Die bekannteste Nische war und ist diejenige des DJ- und Veranstaltungsbereichs.

Doch auch Privatpersonen lernen mittlerweile die Schallplatte wieder zu schätzen. Dabei spielt sicher eine Portion Nostalgie eine Rolle, auf der anderen Seite aber auch eine schwer zu benennende Form eines speziellen Musikgenusses, die Faszination an der analogen und mechanischen Technik sowie – wie von Schallplattenenthusiasten behauptet – der wärmere Klang.

Damit gingen auch wieder zunehmende Verkaufszahlen einher. Nicht wenige Bands und Labels bieten daher ihre Produkte auf mehreren Datenträgern an – die Schallplatte ist einer davon.

Dieser Ratgeber möchte Ihnen die Schallplatte und den Plattenspieler etwas näher bringen. Er bietet sich besonders all denjenigen an, die mit dem Kauf eines neuen oder gebrauchten Plattenspielers liebäugeln.

Dabei wird es zunächst kurz um Zahlen und die Geschichte der Vinylscheibe gehen, um einige technische Aspekte und um einige Tipps und Hinweise zur Pflege. Sollten Sie Lust bekommen haben, sich einen Überblick über die auf eBay verfügbaren Angebote zu verschaffen, klicken Sie einfach auf Angebote für Schallplattenspieler

Verkaufszahlen von Schallplatten damals und heute

Laut den Angaben des Bundesverbandes der Musikindustrie wird die Schallplatte wieder öfter gekauft. Einen ihrer Tiefpunkte besaß der alte Tonträger im Jahr 2006. Hier wurden nur noch etwa 300.000 Exemplare verkauft. Seitdem geht es wieder bergauf. Der Absatz stieg 2008 auf 500.000, 2010 auf 600.000 und im Jahr 2012 auf stolze 1 Millionen verkaufter Exemplare.

Doch das ist natürlich nichts im Vergleich zu früheren Zeiten. Kurz nach Einführung der CD zu Beginn der 1980er Jahre wurden noch mehrere Millionen Schallplatten pro Jahr verkauft. 1984 beispielsweise gingen noch sage und schreibe 71,1 Millionen Platten über den Ladentisch. Ab diesem Zeitpunkt nahm der Absatz jedoch in Riesenschritten ab.

Die Entwicklung des Plattenspielers: Wie alles begann

Die Erfindung des Schallplattenprinzips zur Audiospeicherung und -wiedergabe ist wie bei allen technischen Entwicklungen nicht nur einer Person zu verdanken. Hier könnte man Thomas Alpha Edison nennen, Charles Sumner Tainter oder Emil Berliner. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Die Geschichtsschreibung hat sich momentan auf Emil Berliner festgelegt. Er nahm die Forschungen seiner Kollegen auf und entwickelte den Prototypen, der unserer heutigen Schallplatte am nächsten kommt. Das war 1887. Und selbstverständlich baute Berliner auch das dazugehörige Abspielgerät – das Grammophon.

Im weiteren Verlauf der Jahre wurde die Schallplatte technisch weiterentwickelt. Mit der Verwendung von Schellack als Grundmaterial wurde eine weitaus bessere Klangqualität erreicht. Schon bald entwickelte sich eine florierende Schallplattenindustrie, die unterschiedliche Standards entwickelte.

Es sollte jedoch noch bis in die 1930er Jahre hinein dauern, bis das zerbrechliche (aber trotzdem sehr erfolgreiche) Schellack durch Polyvinylchlorid (PVC) als Grundstoff abgelöst wurde. In dem Jahr wurde in den USA die erste Vinylschallplatte gepresst, die einen Durchmesser von 30 Zentimetern hatte und für eine Abspielgeschwindigkeit von 33 1/3 Umdrehungen pro Minute vorgesehen war.

In den 1950er Jahren begann die Vinylscheibe zum Standard zu werden. Zu Beginn der 1960er Jahre waren die Schellackplatten aus den Läden verschwunden. Die Vinylplatte war das unangefochtene Medium Nummer 1. Und dies war sie auch noch, als bespielbare Tonbänder in Form der Audiokassette am Markt erschienen.

Erst mit Einführung der (später ebenfalls beschreibbaren) „Compact Disc“ in den 1980er Jahren verlor die Schallplatte in zunehmendem Maße den Boden unter den Füßen, bis sie Ende der 1990er Jahre nur noch in einigen Marktnischen Bestand hatte.

Falls Sie sich für den Erwerb eines neuen Plattenspielers interessieren, kann es sehr hilfreich sein, sich mit der grundlegenden Funktionsweise des Geräts auseinanderzusetzen.

Kurz gesagt: Auf der Schallplatte sind die Tonsignale in einer spiralförmigen Rille gespeichert. Dabei bilden die Flanken der Rille die Schallschwingungen des Signals ab. Die Rille auf der rotierenden Schallplatte wird dabei von der Nadel eines Tonabnehmers von außen nach innen abgefahren und abgetastet. Die Rückwandlung in hörbare Schallsignale erfolgt dann in der Regel auf elektromechanischem Wege durch elektronische Verstärkung (einer Endstufe).

Schallplattenspieler können unterschiedliche Antriebe besitzen

Für den Antrieb des Schallplattentellers gibt es zwei Arten den Antriebs: den Direktantrieb und den Riemenantrieb. Beim Direktantrieb bildet die Achse des Motors auch gleichzeitig die Achse des Plattentellers. Es gibt also keine Übersetzung. Das hat u. a. zum Vorteil, dass Schallplatten schnell beschleunigt werden können. Hohe Drehmomente sind mit dem Direktantrieb auch kein Problem.

Beim Riemenantrieb gibt es eine Übersetzung zwischen dem Plattenspielermotor und dem Plattenteller. Diese wird durch einen zumeist flachen Gummiriemen gewährleistet. Das Gummiband ist ein Verschleißteil und kann ausleiern oder abrutschen. Eventuelle Vibrationen können durch die indirekte Kraftübersetzung abgefedert werden.

Der Tonarm führt den Tonabnehmer über die Schallplatte

Am Ende des Tonarmes eines Plattenspielers ist der Tonabnehmer samt Tonnadel befestigt. Er sollte in der Höhe verstellbar sein. Darüber hinaus besitzt der Tonarm am anderen Ende eine Vorrichtung, mit dem das Auflagegewicht des Tonabnehmers bzw. der Nadel auf der Schallplatte geregelt werden kann.

Kein Wegrutschen der Nadel dank Anti-Skating-System

Ebendort am Ende des Tonarms lässt sich auch das sogenannte Anti-Skating-System (bei besseren Plattenspielern vorhanden) fein justieren. Mit Skating wird das Abrutschen der Nadel nach außen auf der Schallplatte bezeichnet. Dies soll durch die Feinjustage einer der Rotationskraft des Plattentellers entgegenwirkenden Kraft verhindert werden.

Von Tonabnehmern gibt es verschiedene Bauformen

Der am Ende des Tonarms montierte Tonabnehmer integriert gleich mehrere Bauteile. Er besteht aus dem Gehäuse, der Tonnadel, dem Nadelträger und einem Wandler. Er überträgt die mechanischen Schwingungen der Platte über die Nadel in den Wandler, wo sie zu elektrischer Spannung verwandelt werden. Es existieren zwei Bauformen. Zum einen Headshell-Tonabnehmer, zum anderen Tonabnehmer zur Direktmontage.

Die Nadel stellt den direkten Kontakt zur Schallplatte her

Die Tonnadel kann ihrerseits zwei verschiedene Bauformen aufweisen, die unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Sphärisch geschliffene Nadeln sind sehr spitz. Sie liegen tiefer in der Spurrille und springen weniger schnell hinaus, was sie für das Scratching prädestiniert.

Tonnadeln mit einer elliptisch geschliffenen Form sollten bei einem Maximum von Tonqualität gewählt werden. Der Schliff ist zwar stumpfer als derjenige bei sphärisch geschliffenen Nadeln. Dafür werden allerdings die Bässe, Mitten und Höhen viel besser abgetastet.

Der Plattenteller lässt die Schallplatte rotieren

Der Plattenteller sollte schon etwas schwerer sein. Auf ihm liegt die Schalplatte auf. Ein schwerer Teller sorgt durch sein Gewicht für eine gleichmäßige Umlaufgeschwindigkeit. Der Plattenteller sollte daher möglichst aus Metall gefertigt sein.

Die Slipmat sorgt für die richtige Haftung

Die Slipmat liegt auf dem Plattenteller auf und besitzt einen Durchmesser von 30 Zentimetern. Zumeist besteht sie aus Filz oder Neopren. Sie schont das Vinyl auf der unteren Seite und ist vor allen dingen zum Scratchen geeignet. Dabei verringert sie die Reibung der aufliegenden Schallplatte auf dem Plattenteller.

Ein weiteres wichtiges Bauteil: die Füße

Um einen einwandfreien Betrieb mit einer hohen Klangqualität zu gewährleisten, sollte der Plattenspieler als Gerät vollkommen in der Waage stehen. Dadurch nehmen Nadel und Vinyl keinen Schaden. Wenn es der Plattenspieler auf einer unebenen Position steht, sollten die Füße in der Höhe verstellbar sein. Ein weiteres wichtiges Merkmal der der Füße: Sie sollten aus einem weichen Material (bspw. Gummi) bestehen. So lassen sich eventuell am Standort entstehende Vibrationen etwas dämpfen.

Mit dem Pitch-Fader die Geschwindigkeit regulieren

Mithilfe eines Pitch-Schiebereglers lässt sich die Geschwindigkeit einer Platte stufenlos regulieren. Meistens lässt sich die Geschwindigkeit zwischen 8-10 Prozent schneller oder langsamer regeln. Für DJs ist der Pitch-Regler wichtig, um die Geschwindigkeiten zweier Platten eines Mixes aneinander anzugleichen.

Schallplatten, ein weiterer Vorteil, sind in ihrer Vinylbauweise einer der langlebigsten Tonträger überhaupt. Digitale Medien sind im Vergleich am kurzlebigsten. Um die auch in mehreren Jahren noch die eigene Lieblingsplatte anhören zu können, bedarf es nur einiger weniger Schritte bzw. einer adäquaten Pflege.

Zur Reinigung steht Ihnen beispielsweise eine spezielle Karbonbürste, ein Mikrofasertuch sowie Reinigungsflüssigkeit zur Verfügung. Sollten Sie über das nötige Kleingeld verfügen, können Sie auch über die Anschaffung einer speziellen Schallplattenwaschmaschine nachdenken.

Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, Musik per Schallplatte zu hören, dann kann man Sie nur beglückwünschen. Momentan ist es jedenfalls so, dass sie neben den unzählig vielen gebrauchten Schallplatten auch eine Menge an neu produzierten Schallplatten am Mark finden.

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, einen neuen Plattenspieler zu erwerben, dann schauen Sie sich ihn genau an. Dieser Ratgeber vermittelt Ihnen für diesen Fall einige Hinweise und ein minimales Grundwissen, auf dem Sie aufbauen können.

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