Turbolader defekt? Was Sie beim Kauf von Ersatzteilen beachten sollten

Aufrufe 1 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Turbolader defekt? Was Sie beim Kauf von Ersatzteilen beachten sollten

Deutschland gleich Autoland, die Aussage ist alles andere als weit hergeholt. Millionen Autos rollen Tag für Tag über hiesige Straßen und Autobahnen, das Automobil ist Fortbewegungsmittel Nummer eins. Reparaturen werden daher wenig überraschend prompt oder zumindest so schnell wie nur irgend möglich ausgeführt, eine gute Pflege garantiert schließlich ein langes Autoleben und den Werterhalt des Fahrzeugs.

Trotzdem ist ein Auto nicht billig, was sowohl für Anschaffung und wohl noch mehr für die permanente Wartung zählt. Manche Reparatur ist ebenfalls alles andere als preiswert. Andere Reparaturen sind obendrein ärgerlich, weil Sicherheit oder Leistung eingeschränkt sind. Gleich in beide Kategorien dürfte wohl ein defekter Turbolader gehören, was übrigens in naher Zukunft immer mehr zum Thema werden könnte. Denn immer mehr Autobauer setzen auf Downsizing und holen sich das Weniger an Leistung durch eine Turboaufladung zurück - mehr Turbos bedeutet dementsprechend wohl auch mehr Probleme oder zumindest Problemfälle.

Den geplagten Autofahrer kostet ein neuer Turbo übrigens einige Hundert Euro, was schon recht ärgerlich ist. Außerdem droht nicht nur ein mitunter deutlicher Leistungsverlust, wenn der Turbo seinen Dienst quittiert. Doch fangen wir von vorn an. Was Sie tun können - und müssen - wenn Ihr Turbo den Geist aufgibt, erfahren Sie im folgenden Ratgeber „Turbolader defekt? Was Sie beim Kauf von Ersatzteilen beachten sollten".

Kurz erklärt: Was ist ein Turbolader

Zuerst einmal ist es wohl für Sie interessant, was der Turbolader überhaupt ist. Wie funktioniert ein Turbo? Warum spricht der Fachjargon von Aufladung? Was ist dieses Turboloch? Fragen über Fragen, auf die Sie hier die Antworten erhalten sollen.

Umgangssprachlich schlicht als Turbo bezeichnet wird der Turbolader auch Abgasturbolader genannt. Gerade der letzte Begriff gibt bereits einigen Aufschluss zum Turbolader, denn der Turbo bezieht seine Energie aus den Abgasen des Motors. Daher besteht der Abgasturbo auch aus mehreren beziehungsweise zwei Teilen, nämlich einer Turbine sowie einem Verdichter. Sowohl Turbine wie Verdichter sind auf einer gemeinsamen Welle montiert. Wie aber funktioniert nun dieser Turbo?

Auch das ist gar nicht mal schwer zu erklären. Zuerst treiben die Abgasströme die Turbine an. Die überträgt ihr Drehmoment wieder auf den Verdichter oder vielmehr das Verdichterrad, wodurch im System ein Gegendruck erzeugt wird. Jener Gegendruck minimiert die abströmenden Gase, was zu einem Überdruck führt. Durch diesen simplen Trick wird der Kraftstoff mit mehr Druck in die Zylinder befördert, wodurch der Motor an Effizienz gewinnt und schlussendlich ein deutliches Leistungsplus erzielt.

Damit wäre das Prinzip des Turbos recht vereinfacht auch schon wiedergegeben. Der über den Turbolader erzeugte Druck entsteht übrigens erst ab einer gewissen Drehzahl, die in der Regel bei rund 2.000 Umdrehungen liegt. Daher arbeitet ein Turbomotor in unterer Drehzahl als normaler Sauger und erst ab der nötigen Mindestdrehzahl als „wirklicher" Turbo. Genau dieser Bereich wird als das bekannte Turboloch bezeichnet. Das gleiche „Loch" tritt übrigens auch beim plötzlichen Gas geben auf, wo der Turbo erst verspätet seine Wirkung einbringt.

Pro und Kontra: Vor- und Nachteile eines Turboladers

Die Vorteile eines Turboladers liegen somit auf der Hand. Sowohl Leistung wie Drehmoment können effizient gesteigert werden, womit ein Motor entweder mehr Power erzielt oder aber - Stichwort Umwelt - der Einsatz kleinerer Motoren ermöglicht wird. Gerade die zweite Variante erlebt seit einigen Jahren in der Autobranche als sogenanntes „Downsizing" einen regelrechten Boom, denn kleinere Motoren bedeuten weniger Durst und somit weniger Emissionen von CO2 und anderen Schadstoffen. Trotz der kleineren Bauweise erzielen die Motoren dank dem Turbo jedoch eine gleiche oder zumindest annähernd gleiche Leistung.

Der technische Aufwand ist relativ gering, trotzdem kann der Turbo für sprichwörtliche Bärenkräfte sorgen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die erste Turbo-Ära in der Formel 1, wo in den 1980ern aus nur 1,5 Litern Hubraum weit über 1.000 PS erzielt wurden. In Serienmodellen ist die Leistung selbstverständlich geringer, trotzdem zeigen diese Zahlen, was mit einem Turbolader möglich ist.

Auf der anderen Seite zeigt der Turbo aber auch einige Nachteile. Der höhere Druck belastet gewisse Motorenteile wie Zylinder, Ventile oder Kolben mehr als in einem herkömmlichen Saugmotor. Wegen des höheren Drucks und damit höheren Temperaturen muss die Kühlung angepasst werden. Gleiches gilt für die Abgasanlage, die einen größeren Querschnitt benötigt. Im Fazit summieren sich die Nachteile eines Turboladers vor allem in einem Plus an Gewicht, was wieder mehr Verbrauch und Emissionen bedeutet. Letzten Endes überwiegen jedoch eher die genannten Vorteile.

Außer Dienst: Was kann einen Turbolader zerstören

Was ein Turbo oder Turbolader ist, haben wir jedenfalls erklärt. Das genaue Prinzip ist natürlich noch etwas ausführlicher, im Groben jedoch ist der Turbo erläutert. Prompt eröffnet sich allerdings eine neue Frage. Denn was kann einen Turbolader zerstören und somit zum Turbolader-Defekt führen? Diese Frage ist sogar mehr als berechtigt und soll Ihnen ebenfalls kurz beantwortet werden.

Da der Abgasturbo aus mehreren Teilen besteht, ist wie bei anderen Ersatzteilen des Autos der typische Verschleiß Feind Nummer eins. Aufgrund der etlichen Bauteile können zudem verschiedene Teile des Turbos entzwei gehen, wobei das Fazit wohl meist das gleiche ist - der komplette Turbolader versagt seinen Dienst.

Die „Zwangsbeatmung" über den aus den Abgasen gewonnenen Mehrdruck führt obendrein zu einer höheren Belastung, was sowohl mechanisch wie ebenso thermisch gilt. Neben Ventilen, Kolben und Zylinder gilt diese Mehrbelastung für Zylinderkopf, Zylinderkopfdichtung, Kolbenringe und sogar den kompletten Motorblock. Mechanisch - nicht aber thermisch - mehrbelastet werden außerdem Pleuel und Kurbelwelle sowie der komplette Antriebsstrang, ergo Getriebe, Kardanwelle, Antriebswelle oder Differenzial. Die Mehrbelastung sämtlicher Teile bedeutet schließlich einen mehr und minder großen Mehrverschleiß und damit einen möglichen Schaden, der nicht nur allein den eigentlichen Turbolader betreffen kann.

Neben der Mehrbelastung können obendrein Fremdkörper den Turbo zerstören. Weitere „Fehlerquellen" wären außerdem eine Überdrehzahl, eine mangelnde und somit schlechte Ölversorgung des Turbos oder aber auch Öl mit minderer Qualität.

Was passiert bei einem defekten Turbolader

Die direkten Folgen eines defekten Turboladers sind übrigens prompt zu fühlen, denn die Leistung des Motors lässt sofort nach. Der Grund hierfür ist klar: Baut der Turbo keinen zusätzlichen Druck mehr auf, läuft der Motor nur noch als Sauger und kann damit nicht mehr die Leistung wie im Turbobetrieb entfalten - denken Sie an das Turboloch.

Das Prinzip ist somit das gleiche, kein Turbo bedeutet somit keine Zusatzpower. Der Motor selbst wäre damit übrigens noch durchaus fahrbar, eine wirklich gute Idee ist das bei einem defekten Turbo jedoch nicht. Mitunter nämlich drohen durch einen defekten Abgasturbo weitere Schäden, was im schlimmsten Fall sogar in einem Motorschaden enden kann. Tatsächlich ist ein solcher durchaus möglich, wenn beispielsweise die Turbine des Turbos defekt ist und die Turbinenschaufeln in den Ansaugtrakt geraten.

Dieser Fall ist zwar nicht die Norm, aber auch nicht ausgeschlossen. Wenn also der Verdacht auf einen Turbo-Defekt besteht, sollten Sie Ihren Wagen stehen lassen. Bis zur nächsten Werkstatt ist es natürlich kein Problem, so lange Sie die Drehzahlen des Motors im unteren Bereich halten. Trotzdem wäre ein Abschleppwagen wohl die bessere ganz einfach sicherste Alternative, um weitere Folgeschäden und damit eventuelle Mehrkosten zu vermeiden.

Neben dem spürbaren Leistungsabfall bieten sich Ihnen außerdem einige weitere Anhaltspunkte, die auf einen defekten Turbo hinweisen können. Dazu gehören beispielsweise schwarzer oder blauer Rauch, wobei das erstgenannte Symptom das schlimmere scheint. Schwarzer Rauch kann nämlich auf deformierte oder undichte Saug- und Druckleitungen hindeuten, ebenso auf einen zerstörten Verdichter oder ein defektes Turbinenrad. Blauer Rauch tritt wiederum bei einer verschmutzten Luftfilteranlage auf, was Reparatur und ebenso Kosten in Grenzen hält.

In sämtlichen Fällen ist es ein guter Rat, das Auto nicht mehr zu benutzen und sofort zu reparieren. Ob Sie das eventuell sogar selber machen, entscheidet Ihr Know-how und technisches Geschick.

Selfmade: Kann der Turbolader in Eigenregie gewechselt werden

Tatsächlich ist zur Reparatur eines defekten Turbos einiges an Wissen nötig, als Hobbybastler sollten Sie vielleicht besser Abstand von einem Austausch in Selfmade-Manier nehmen. Möglich ist der Wechsel des Turboladers in Eigenregie aber durchaus; Wissen, Geschick und ebenso nötiges Werkzeug vorausgesetzt.

Zuerst einmal ist bei der Reparatur wichtig zu wissen, was überhaupt am Turbo kaputt ist. Schon hier trennt sich schnell die berühmte Spreu vom Weizen, denn allein die Fehlersuche ist nicht unbedingt einfach. Ist die Turbine des Turbos defekt? Oder doch eher der Verdichter? Ist es vielleicht sogar nur der Ansaugtrakt, der irgendwo ein Leck vorweist?

Die Ursachen für einen Schaden am Turbolader können vielfältig sein, was die Fehlersuche - vor allem ohne entsprechendes Werkzeug - nicht gerade einfacher macht. Haben Sie Glück, reicht bereits der Austausch vom Ölfilter samt Ölwechsel, was sicherlich viele selbst bewerkstelligen können. Auch eine Reinigung der Ansaugleitungen von Motor und Turbo könnte unter Umständen bereits helfen, achten Sie hier insbesondere auf Fremdkörper, die weitere Folgeschäden bewirken können.

Muss hingegen der komplette Turbolader ausgetauscht werden, hilft wohl nur noch Eigenkritik. Sind Sie wirklich fähig, den Austausch eines Turbos vorzunehmen? Haben Sie entsprechendes Werkzeug? Seien Sie ehrlich, im Zweifelsfall lassen Sie die Hände von der Reparatur und machen sich anderweitig schlau. Die nötigen Ersatzteile hingegen sind schnell im Internet zu finden. Zur Suche nach passenden Teilen reichen Ihnen Hersteller, Typ und Motor Ihres Wagens, dann dürfte eigentlich nichts schief gehen können. Für einen komplett neuen Turbolader müssen Sie übrigens mit einigen Hundert Euro rechnen, wobei die Arbeitskosten noch nicht eingerechnet sind. Viel Glück.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden