Tücher, Wasser oder Desinfektionsmittel – Hilfe für die Kamera-Linse

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Tücher, Wasser oder Desinfektionsmittel – so wird Ihre Linse wieder glasklar

Seit die Digitalfotografie allgemein verbreitet und damit das Fotografieren sehr unmittelbar und preiswert geworden ist, ist es allgemein üblich, das eigene Leben in Bildern in einem bisher nicht da gewesenen Maß zu dokumentieren. Wenn Ihnen dann ein Fussel, ein Staubkorn oder irgendwelcher andere Schmutz auf die Linse Ihrer Kamera gerät, ohne dass Sie das bemerken, werden Sie beim Betrachten der Fotos hinterher auf einem Monitor schrecklich enttäuscht sein: Der Sonnenaufgang mit einem dunklen Strich mitten durch die Sonnenscheibe, die Einschulung Ihrer Tochter durch Einsprengsel auf dem gesamten Bild total versaut oder gar Hochzeitsfotos mit Schlieren, die von einem unentdeckten Schmierfilm auf der Kameralinse herrühren – was für eine Enttäuschung!

Sensor oder Linse – woher kommt der Fleck auf Ihrem Foto?

Wenn Sie mit einer analogen Kamera arbeiten und Abzüge zeigen Flecke oder Schlieren, dann können Sie fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Ursache in einer Verschmutzung der Linse zu suchen ist. Bei einer digitalen Kamera oder einem digitalen Camcorder sieht das anders aus: Dort kann die Quelle des Übels auch in einer Verunreinigung des Sensors liegen. Sensoren von Digitalkameras werden bei aktuellen Modellen zwar automatisch gereinigt, zum Beispiel indem dort eine Vibration ausgelöst wird, die Staubpartikel buchstäblich abschüttelt, trotzdem kann nicht jede Verschmutzung des Sensors so behoben werden. Wenn Sie sicher sind, dass sich Fremdkörper bis in das Innere Ihrer Kamera vorgekämpft haben und dort für Funktionsbeeinträchtigungen sorgen, sollten Sie erwägen, ob Sie Hilfe beim Fachhandel suchen. Unsachgemäße Reinigungsversuche führen nämlich gegebenenfalls zum Verlust der Herstellergarantie für Ihr Gerät. Wenn Sie sich dafür entscheiden, selbst den Sensor reinigen zu wollen, beachten Sie unbedingt die Gebrauchsanweisung. Auch Internetforen vom Hersteller des Fotoapparates oder Benutzerforen können dann weiterhelfen.

Was die Linse Ihrer Kamera bedroht

Die Linse ist das Auge Ihres Fotoapparates. Wenn Sie eine Wimper im Auge haben, können Sie auch nicht klar sehen, es kneift und piekt, sodass das Auge tränt und Sie sofort auf den Störfaktor aufmerksam gemacht werden.

Bei einer Spiegelreflexkamera haben Sie die Chance, größere Verschmutzungen auf der Linse tatsächlich zu entdecken, wenn Sie durch den Sucher blicken. Die Spiegelreflexkamera zeichnet ja aus, dass Sie sehen, was die Kamera durch die Linse in den Fokus nimmt. Allerdings wird Ihnen ein kleiner Schmutzpartikel dabei auch nicht auffallen – schließlich ist Ihr Auge kein Mikroskop. Wenn dann allerdings das aufgenommene Bild – egal ob klassisch mit einem Film aufgezeichnet oder digital gespeichert - vergrößert wird, wächst ein Staubkorn, das sich bei der Aufnahme auf der Linse befand, auf diesem Foto zu einem größeren Schattenfleck. Es gibt Bildbearbeitungsprogramme, die so etwas korrigieren können, aber das ist aufwendig, gute Software für solche Arbeiten ist teuer und nicht jedes Bild lässt sich auf diese Weise retten.

Noch einmal anders verhält es sich bei Sucherkameras. Bei Sucherkameras, die viel kompakter und kleiner sind als Spiegelreflexkameras, hat die Oberfläche der Linse natürlich im Vergleich deutlich weniger Fläche als bei den großen Schwestern. Auf diesen kleinformatigen Objektiven Schmutz zu entdecken, ist noch viel schwieriger als bei einem großen. Aber natürlich werfen Partikel, Fusseln und Schlieren auch bei Sucherkameras unschöne Schatten auf die Bilder.

Grundsätzlich gilt: Im Freien, also wenn Sie draußen fotografieren, gerät schneller Schmutz auf das Linsensystem Ihrer Kamera als bei Indoorarbeiten. Stellen Sie sich nur einmal folgende Situation vor: Sie befinden sich auf Safari in Afrika, fahren im offenen Jeep – und dann kommt Ihnen auf der Sandpiste ein anderes Fahrzeug entgegen. So schnell kann kaum jemand die schussbereite Kamera, die nichts verpassen will, vom Schoß in einer staubsicheren Kameratasche verstauen, um ein Malheur zu vermeiden. Besonders gefährdet sind Kameras auch am Strand durch Sand, der ja bekanntermaßen überall hin kriecht, ohne dass Sie es, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, vermeiden können. Sandkörner sind nicht nur extrem störend für die Optik Ihres Fotoapparates, die können auch mechanische Teile blockieren, sodass plötzlich Linsensysteme unbeweglich werden und beispielsweise das Zoomen nicht mehr funktioniert.

Vorbeugen ist besser als Ärgern: Die Kamera regelmäßig reinigen

Staub ist überall. Sie können also, egal, was Sie tun oder wie sorgsam Sie sich verhalten, gar nicht vermeiden, dass Ihr Fotoapparat in der einen oder anderen Weise verschmutzt. Grundsätzlich gilt: Regelmäßig und vorsorglich reinigen – so vermeiden Sie die Enttäuschung angesichts verdorbener Bilder. Lassen Sie den Kameradeckel nur offen, wenn Sie auch tatsächlich fotografieren wollen. Reinigen Sie den Deckel regelmäßig auch auf der Innenseite. Stecken Sie ihn nicht, während Sie knipsen, in die Hosentasche, denn von dort wird er Flusen mitbringen und unter Umständen auf die Linse übertragen. Stauben Sie das gesamte Kameragehäuse regelmäßig mit einem weichen, sauberen Pinsel ab – und saugen Sie den mit dem Staubsauger aus, bevor Sie erneut Ihren Fotoapparat damit reinigen. Eine staubsichere Kameratasche ist ebenfalls eine große Hilfe, wenn Sie Verunreinigungen Ihrer Fotoausrüstung vermeiden wollen.

Die trockene Reinigung Ihrer Kameralinse

Natürlich gibt es eine Menge Maßnahmen, die Ihnen zur Verfügung stehen, wenn die Linse Ihres Fotoapparates trotz sorgfältiger Handhabung einmal verschmutzt. Druckluft, die es einfach in Spraydosen abgefüllt gibt, ist ein wunderbares Reinigungsmittel. Partikel, die nicht fest auf der Linse anhaften, können damit so einfach entfernt werden, wie sie aufgetaucht sind: Sie werden fortgeblasen und das Beste an dem Verfahren ist, dass das schnell und völlig rückstandslos geschieht. Kleinere Gummibälle, die in eine düsenartige Spitze auslaufen, können Druckluft aus der Spraydose nicht wirklich gleichwertig ersetzen, aber ihr Reinigungseffekt kommt dem aus der Dose schon recht nahe: Mit einem festen, ruckartiges Pressen des Gummiballes erzeugen Sie wie mit einem Blasebalg einen ganz ordentlichen Luftausstoß durch die Düse, sodass Schmutzpartikel fortgeblasen werden können.

Staubpinsel mit so konstruierten weichen Borsten, dass aufgrund hoher Adhäsionskräfte der Pinselhaare Partikel optimal daran gebunden werden, gehören ebenfalls zur Grundausstattung jedes Fotoprofis.

Es gibt auch Kombinationen aus Staubpinsel einerseits und Blasebälgen andererseits: Die Düse des flexiblen Balles läuft dann direkt in den Staubpinsel aus: Dessen Haare bürsten Schmutzpartikel los, die Druckluft pustet sie weg.

Wichtig ist: Denken Sie daran, dass Glas empfindlicher ist, als es meist scheint. Eine Linse kann durch Schmutzpartikel zerkratzen, wenn die Teilchen fahrlässig oder mit zu viel Kraft entfernt werden. Kontaktlose Reinigungsverfahren sind diesbezüglich risikolos – Druckluft macht keine Kratzer. Aber schon weiche Pinsel sind in der Lage, wenn sie ungeschickt bedient werden – wie ein Schrubber zu wirken und ein Linsensystem ein für alle Mal zu ruinieren. Verursacht eine Verschmutzung erst einmal Kratzer auf der Linsenoberfläche, sollten Sie sich im Fachhandel einen Kostenvoranschlag erarbeiten lassen, was der Austausch der Linse und was eine neue Kamera kostet.

All diese Verfahren nützen Ihnen nur, wenn sich ausschließlich trockener Schmutz auf Ihrer Kameralinse abgesetzt hat. Sobald Feuchtigkeit oder gar Fett ins Spiel kommen, müssen Sie auf andere Tricks zurückgreifen, um wieder klare Sicht zu haben. Fettschmutz ist besonders hartnäckig. Da unsere Haut ständig nachfettet, stellen Ihre eigenen Fingerkuppen bedauerlicherweise eine echte Gefahr für Ihre Kameralinse dar.

Weiche und speziell für den Fotobedarf ausgelegte Mikrofaserreinigungstücher sind ebenfalls dazu geeignet, die Linse sauber zu wischen. Mikrofasertücher können sogar Fettschmutz beseitigen. Allerdings reinigen sie nur, wenn die Wischbewegung mit leichtem Druck ausgeführt wird – und schon der kann ein Sandkorn so über die Linsenoberfläche ziehen, dass es zu einem Kratzer führt. Deshalb: Setzen Sie auf kombinierte Verfahren, wenn Sie auf der sicheren Seite bleiben wollen. Zunächst Druckluft oder Blasebalg verwenden, dann einen Staubpinsel und anschließend erst Verfahren anwenden, die mit mehr Kontakt zur Linsenoberfläche verbunden sind.

Verschiedene andere Reinigungsverfahren für Objektive

Da alle Fotografen vor der Frage stehen, wie sie ihre Kameralinsen sauber halten sollen, gibt es auf dem Markt zahlreiche Angebote, um das zu erreichen.

Einzeln wie Brillenputztücher verpackt, werden auch feuchte Reinigungstücher für Kameras angeboten. Übrigens: Brillenputztücher tun es im Notfall zum Reinigen einer Kameralinse auch, wenn Sie nichts anderes zur Hand haben. Diese Einwegtücher werden unter anderem von einigen Kameraherstellern verkauft.

Wenn Sie zu denen gehören, die reines Wasser für das beste Putzmittel halten, können Sie eine Kameralinse mithilfe eines feuchten Mikrofasertuches säubern. Aber verwenden Sie dazu nie Leitungswasser, denn das enthält unter Umständen Salzkristalle, die wiederum zu neuen Verunreinigungen oder gar Schäden auf der Linsenoberfläche führen können. Benutzen Sie destilliertes Wasser oder hauchen Sie das Objektiv behutsam an: Das Kondenswasser des Atems ist sauber. Nur müssen Sie wirklich behutsam hauchen – es darf bei dem Vorgang kein Speichel aufs Glas gelangen, denn den komplett zu entfernen, ist wirklich schwierig.

Manche Gerüchte halten sich hartnäckig. So zum Beispiel wird immer wieder behauptet, dass Desinfektionsmittel Objektivoberflächen gut reinigen. Zwar enthalten Desinfektionsmittel eine Menge Alkohol, verdampfen dadurch schnell und lösen auch Fett von Oberflächen ab, aber insgesamt sind sie zur Kamerareinigung ungeeignet. Die meisten Desinfektionsmittel enthalten Duft- oder Farbstoffe, die Schlieren auf der Oberfläche eines Objektivs zurücklassen. Auch verdunstet der Alkohol so schnell, dass trotz allem gern Rückstände auf dem Objektiv verbleiben.

Zur Kamera-Grundausstattung gehören unbedingt Reinigungsutensilien

Reinigungsutensilien werden gern bei der Anschaffung einer Kamera schlichtweg vergessen - da zählen Objektive, Stative, Blitzgeräte. Aber da Sie unbedingt prophylaktisch und regelmäßig Ihre Fotoausrüstung putzen sollen: Denken Sie rechtzeitig daran, alles Nötige für die Reinigung daheim und unterwegs zu besorgen!

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