Trauen Sie beim Kauf von Musikgeräten ruhig Ihren Ohren!

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Trauen Sie beim Kauf von Musikgeräten ruhig Ihren Ohren!

Sie wissen am besten, ob Ihnen eine Musikanlage gefällt

Zwar ist das Hören eine der grundlegenden menschlichen Wahrnehmungen, allerdings unterscheidet sich die Art, wie Menschen hören, zum Teil gewaltig voneinander. Hören ist ein Akt, der durch zahlreiche Aspekte und Umstände beeinflusst wird, sodass es schwierig ist, guten Klang zu verallgemeinern. Deswegen ist der Kauf eines neuen Musikgeräts eine ausgesprochen individuelle Angelegenheit – denn nur Sie können entscheiden, ob Ihnen die Klangqualität einer Anlage zusagt oder nicht. Die wichtigsten Informationen rund um das Hören finden Sie in diesem Ratgeber zusammengestellt, sodass Sie für den Kauf neuer Musikgeräte gewappnet sind.

Das Gehör und das Hören: unser 24-Stunden-Sinn

Der Mensch wird vor allem in der wissenschaftlichen Betrachtung gerne als visuelles Wesen dargestellt. Und natürlich ist der Sehsinn für uns und unser Überleben extrem wichtig. Allerdings können wir unsere Augen schließen. Das geht mit unseren Ohren nicht. Unser Hörsinn ist permanent aktiv. Im Gesamtzusammenhang wird das Hören als „auditive Wahrnehmung“ bezeichnet. Aber wie funktioniert eigentlich das Gehör?

Klang jeglicher Art – ob Straßenlärm, das Plätschern eines Bachs oder Musik – gelangt über Schallwellen in unser Ohr und wird dort in Nervenimpulse und dementsprechend in Informationen umgewandelt. Der Schall wandert über das Außenohr, bestehend aus Ohrmuschel, Ohrläppchen sowie dem äußeren Hörgang, durch das Mittelohr, das sich aus Trommelfell, Gehörknöchelchen, Steigbügel, Hammer und Amboss zusammensetzt, hin zum Innenohr mit seiner Gehörschnecke. Dort wird der Schall in Nervenimpulse übersetzt, die über den Hörnerv in unser Gehirn gelangen, um dort verarbeitet zu werden. Klang enthält essenzielle Informationen, die mitunter in früheren Zeiten zum Überleben äußerst wichtig waren – und selbst heutzutage können wir anhand eines bedrohlichen Geräusches potenzielle Gefahr erkennen und darauf reagieren. Wenn wir zum Beispiel über die Straßen gehen und das Geräusch quietschender Reifen hören, werden die meisten Menschen ihren Gang signifikant beschleunigen. Abgesehen von der Funktion, Gefahren frühzeitig erkennen zu können, kann das Hören noch zahlreiche weitere Zwecke erfüllen, die nur zum Teil dem reinen Amüsement dienen wie der Rezeption von Musik.

Die Arten des Hörens: so vielfältig wie die Menschen

Auch wenn gesunde Menschen biologisch über die gleichen Hör-Organe verfügen, gestaltet sich der Akt des Hörens vor allem von Musik bei jedem individuell anders. Die Gründe dafür können vielfältig sein – ausschlaggebend ist beispielsweise, ob grundsätzlich ein eher mangelndes Interesse an Musik besteht oder eine intensive Beschäftigung aufgrund der Beherrschung eines Instrumentes vorliegt. Dies wurde bereits vor etlichen Jahren von Theodor W. Adorno in seinem Buch „Einleitung in die Musiksoziologie“ festgestellt. Der eine ist glücklich, wenn er Musik zur Berieselung hören kann. Es findet keine aktive Auseinandersetzung mit der Musik an sich statt. Dies ist das eine Extrem. Ein anderer ist wiederum in der Lage, während des Hörens bereits die Musik zu analysieren.

Hören wird gelernt

Die Art und Weise, wie wir hören, wird maßgeblich bereits durch das Elternhaus und die Kultur des Heimatlandes geprägt. Wer in einer Familie aufwächst, die viel Wert auf die Rezeption artifizieller Musik legt, wird anders hören als Mitglieder einer Familie, die vor allem Popmusik konsumiert. Das Gleiche gilt hinsichtlich des Kulturkreises, in den ein Mensch hineingeboren wird. Wenn Sie von Kindesbeinen an mit europäischer oder westlicher Musik umgeben sind, werden Musiken aus anderen Ländern der Welt wie aus dem arabischen oder asiatischen Raum in Ihren Ohren erst einmal dissonant klingen. Der Grund ist aber nicht, dass diese Musik per se dissonant ist. Sie ist es lediglich für westliche Ohren, die nicht an solche Harmonien gewöhnt sind, die in anderen Musikkulturen Verwendung finden. Im Umkehrschluss verhält es sich durchaus ähnlich. Hören ist also nicht gleich Hören und wird schon in frühen Jahren durch diverse Faktoren beeinflusst.

Selbstverständlich spielt auch die professionelle Beschäftigung bei der Art des Hörens eine Rolle. Ein Toningenieur oder ein Musikwissenschaftler haben eine trainierte auditive Wahrnehmung, sodass ihnen direkt beim ersten Hören Dinge auffallen, die anderen auf ewig verschlossen bleiben.

Was wir hören, prägt wie wir hören

Zu guter Letzt beeinflussen auch die Art der Musik und ihre Wiedergabe die auditive Wahrnehmung. Fast jedes Musikgenre wird nach anderen Maßstäben im Tonstudio gemischt. So ist es bei Rock- und Metalalben beispielsweise üblich, den Mittenbereich klanglich stark auszulasten, während Bass und Höhen weniger stark betont werden. Wenn Sie nun über Jahre hinweg gewisse Genremusik hören, wird ihre auditive Wahrnehmung in derlei Hinsicht ebenfalls gefestigt. Hinzu kommt die Art, wie Musik gehört wird. Besitzen Sie eine Stereoanlage oder sind Sie eher ein Freund von MP3-Playern? Das technische Hören beeinflusst nämlich ebenfalls unser Gehör.

Technisches Hören: Wie Musikgeräte unser Hören beeinflussen

Neben dem rein organisch-biologischen Hören hat sich im Laufe der Zeit ein weiteres Hören herauskristallisiert, nämlich das technische Hören. Dies beschreibt den Prozess des Hörens mithilfe von Musiktechnologien wie Tonträgern, Wiedergabegeräten und Lautsprechern oder Kopfhörern. Technisches Hören bedeutet oftmals eine Limitierung aufgrund der Konstruktionsweisen und Formate der Geräte. Der für den Menschen hörbare Frequenzbereich liegt in frühen Lebensjahren zwischen 20 Hz und 20 kHz. Dabei ist die sogenannte Hörschwelle zwischen 2 kHz und 5 kHz am niedrigsten. Mit der Hörschwelle wird der Aufwand an Lautstärke bezeichnet, der betrieben werden muss, um einen Ton hörbar zu machen. Dies bedeutet, dass Menschen in dem Bereich zwischen 2 kHz und 5 kHz am besten hören, was unter anderem dem Umstand geschuldet ist, dass sich in diesem Spektrum die Stimme und damit auch die Sprache bewegt.

Hören Sie den Unterschied?

Allerdings sind zahlreiche Musikgeräte aufgrund ihrer Konstruktion nicht dazu imstande, den vollen Frequenzumfang von Musik wiederzugeben. Dies ist oftmals bei günstigen Kompaktanlagen, Kopfhörern oder MP3-Playern der Fall. Im Zusammenhang mit MP3 muss darauf hingewiesen werden, dass musikalische Kompression immer mit einem Verlust an Klangqualität einhergeht. Ein geschultes Ohr hört den Unterschied. Allerdings gilt auch an dieser Stelle das Gesetz der Gewöhnung. Wenn Sie Zeit Ihres Lebens ausschließlich Schallplatten auf guten Anlagen hören, werden Sie direkt bemerken, wenn ein MP3-File über eine eher minderwertige Box abgespielt wird. Besteht Ihre Musiksammlung wiederum nur aus MP3s, ist die Anschaffung einer teuren High-End-Anlage nicht unbedingt sinnvoll, da die volle Leistung der Anlage aufgrund der limitierten Frequenzen des MP3-Musikformats nicht ausgeschöpft werden kann. Ebenso ist es fraglich, ob ein MP3-geschultes Ohr den Unterschied überhaupt hören könnte.

Vertrauen Sie Ihrem Gehör: Es weiß sofort, was ihm gefällt

Das Hören ist also eine vollkommen individuelle Angelegenheit. Dementsprechend kann es keine einheitlichen Empfehlungen für Musikwiedergabetechnologien geben. Denn jeder Mensch nimmt den Klang einer Anlage aufgrund seiner eigenen Hörerfahrung unterschiedlich wahr. Was für den einen Menschen völlig in Ordnung geht, stellt für andere eine auditive Katastrophe dar. Lassen Sie sich dementsprechend immer von Ihrem Geschmack und Ihren Vorlieben beim Kauf einer Musikanlage leiten. Ihr Urteilsvermögen wird Sie nicht täuschen. Von daher sollten Sie auch blumigen Versprechungen bei der Bewerbung von Musikgeräten skeptisch gegenübertreten. Es kann zum Beispiel sein, dass eine Anlage mit hoher Brillanz in den Höhen beworben wird. Kommt es aber zum persönlichen Test, klingt das Gerät keineswegs brillant, sondern vielmehr glasig und kreischend. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn das Gehör nur an den stark komprimierten Sound von MP3-Files gewöhnt ist und plötzlich mit einer analogen Aufnahme konfrontiert wird, die in den Höhen nicht abgeschnitten ist. Auf der anderen Seite klingen digitale Musikformate auf Anlagen, die für analoge Abspielgeräte gedacht sind, ebenfalls sehr höhenlastig und können schnell als unangenehm empfunden werden.

Der persönliche Musikgeschmack entscheidet

Wie erwähnt, spielen auch die persönlichen Musikpräferenzen eine Rolle bei der Entscheidung, ob ein Musikgerät gefällt oder nicht. Wenn Sie beispielsweise Clubmusiken wie Dance, Techno oder Dubstep gerne zu Hause hören, dann sollten Sie sich um eine Anlage kümmern, die über eine solide Bassleistung verfügt und präsente Mitten hat. Bei Folk und Country hingegen ist der Bassbereich weniger relevant, der Fokus liegt vielmehr auf Mitten und Höhen.

Viele Aussagen über den Klang von Musikanlagen, die auf ein ungeübtes Ohr zutreffen mögen, gelten für ein geschultes Gehör in keinster Weise. Guter Klang hat seinen Preis. Es ist an Ihnen zu entscheiden, ob dieser Ihnen die Anschaffung Wert ist. Denn für den Fall, dass Sie gewöhnlich eher Radiomusik im Hintergrund hören, wäre eine Musikanlage aus dem oberen Preissegment vielleicht überdimensioniert.

 

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