Tragbare Schallplattenspieler: Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Single?

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Tragbare Schallplattenspieler: Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Single?

Ein Ratgeber zu Phonokoffern, tragbare Plattenspieler und Singles

Eine der größten Überraschungen in der Musikindustrie der letzten Jahre war das Comeback der Schallplatte. Dabei galt dieser Tonträgertyp bereits als so gut wie ausgestorben, abgesehen von seiner Nutzung in der Clubkultur. Im Verlauf seiner Geschichte spielte die Schallplatte eine bedeutende Rolle für die Entstehung der Popmusik und seiner zahlreichen Jugendkulturen. Im Nachhinein betrachtet wäre diese Entwicklung ohne das Zusammenspiel von technologischer und musikalischer Innovation mit Sicherheit anders vonstattengegangen. Können Sie sich noch an Ihre erste Single erinnern und die Freude, die Sie dabei erlebten? Bestimmt haben auch Sie gemeinsam mit Freunden zahlreiche Stunden mit dem Hören Ihrer Lieblingssänger und -bands verbracht. Und vielleicht gehörten Sie auch zu den stolzen Besitzern eines tragbaren Plattenspielers. In diesem Ratgeber erfahren Sie Informatives zur Bedeutung der Schallplatte und tragbarer Plattenspieler bei der Entstehung von Jugendkulturen und ganz neuen persönlichen Freiheiten.

Die 1960er: Geburt der Jugendkulturen

Rückblickend waren die 1960er Jahre ein Jahrzehnt, das in vielfacher Hinsicht einen großen Einfluss auf die Entwicklung von Musik- und Jugendkulturen hatte. Nachdem in den 1950er Jahren die ersten musikalischen Subkulturen und ersten Stars wie Elvis Presley aufkamen, erlebte diese Entwicklung im folgenden Jahrzehnt eine rasante Beschleunigung. Ein Musiktrend folgte dem nächsten und mit der Beatlemania erlebte die Popmusik ihren ersten Höhepunkt. Diese wurde wiederum einige Jahre später durch das Erblühen der Hippie-Kultur und Woodstock abgelöst. Dabei spielen vor allem technologische Innovationen im Bereich der Musikproduktion und -wiedergabe eine bedeutende Rolle. Zum ersten Mal war es Jugendlichen möglich, ihre Musik zu kaufen und zu hören. Denn der Siegeszug des Singleformats über das Album und besonders Schellackplatten führte zu einer Senkung des Preises. Singles waren erschwingliche Güter, die sich jeder leisten konnte. Der Markt für Popmusik versorgte die Teenager mit vielfältigen Produkten aus zahlreichen Genres. Dies hatte zur Folge, dass sich die Popmusik bereits in den 1960er Jahren in viele Subkulturen aufspaltete, die um gewisse Genres kreisten. Ein Phänomen, das bis heute ungebrochen anhält. In den Städten der damaligen Zeit trafen Beatfans auf Rocker, Hippies, Teds oder Popper. Diese Aufspaltung wurde wiederum durch neue Abspielgeräte beeinflusst, die einerseits immer preisgünstiger wurden, andererseits zum Teil tragbar waren und dementsprechend den Besitzern mehr Freiheiten boten. So war es den meisten Leuten möglich, sich voll und ganz ihrer Musik zu verschreiben.

Die erste Single: Mehr als nur ein gewöhnlicher Tonträger

Die erste meist selbst gekaufte Single hatte für viele Menschen eine ganz besondere Bedeutung. Oftmals markierte der Kauf den Eintritt in das Erwachsenenalter und unter Umständen auch die erste Liebe. Denn Stars sind Identifikationsfiguren, zu denen die Hörer eine Art Beziehung eingehen können; sei es, dass der Sänger angehimmelt oder ihm nachgeeifert wird.

Eventuell hatten auch Sie ein Poster Ihres Lieblingssängers oder Ihrer Lieblingsband im Zimmer hängen. So waren Schallplatten für die Individuation extrem wichtige Medien. Denn die Hörer definierten sich über ihre Musik und grenzten sich zusammen mit anderen Hörern dieser Musik wiederum von anderen Genres ab.

Zwar sind Schallplatten sehr robuste und langlebige Tonträger, allerdings sind auch sie nicht vor Verschleiß gefeit. Durch das jahrelange Abspielen der ersten Schallplatte wird diese zwangsläufig an Klangqualität eingebüßt haben oder sie befindet sich gar nicht mehr in Ihrem Besitz. Doch Sie haben durchaus die Möglichkeit, Ihre erste Single sowie zahlreiche andere Stücke aus Ihrer Jugend erneut zu erstehen.

Endlich frei: der erste tragbare Plattenspieler

Auch wenn es heutzutage kaum vorstellbar scheint, bei all den Klängen und Abspielgeräten, die uns umgeben, aber bis in die 1950er Jahre war der Konsum von Tonträgern eine Angelegenheit, die in den meisten Fällen in den heimischen vier Wänden vonstattenging. Allerdings stand der Konsum der Lieblingsmusik zwangsläufig unter der Beobachtung der Eltern und wurde bekanntermaßen häufig nicht goutiert. Diffamierungen sollen an dieser Stelle nicht aufgeführt werden, jedoch kann festgehalten werden, dass die Charakterisierung der Musik durch die Eltern in den meisten Fällen alles andere als wohlwollend war. Abhilfe für diesen Zustand war aber unterwegs.

Mit dem Plattenkoffer in die Unabhängigkeit

Denn in den 1950er Jahren kamen diverse Phono- oder Plattenkoffer von unterschiedlichen Herstellern wie ELAC oder DUAL auf den Markt. Diese tragbaren Geräte waren zum einen sehr handlich und konnten zum anderen leicht an die Musikanlage des Autos oder an separate Boxen angeschlossen werden. Viele Phonokoffer besaßen jedoch auch einen eingebauten Lautsprecher. Die Geräte waren in der Regel als kleine Koffer gefertigt, die für den Transport zugeklappt wurden. Ihren Strom erhielten sie durch Batterien. Jedoch sei angemerkt, dass die Verkaufspreise von damals bei ungefähr 100 DM lagen und die Geräte damit alles andere als leicht erschwinglich waren. Für die Anschaffung eines Phonokoffers musste einige Monate in Folge Geld zur Seite gelegt werden.

Pack die Badehose und den Plattenspieler ein!

Im Zusammenspiel mit dem Aufkommen einer allgemeinen Mobilisierung durch eigene Pkw war es den Jugendlichen fortan möglich, sich der Beobachtung durch die Eltern zu entreißen. So war es unter den Adoleszenten der damaligen Zeit üblich, die Freunde in das Auto zu laden und an einen Badesee zu fahren, um unter sich sein zu können. Dabei spielten tragbare Plattenspieler eine wichtige Rolle. Denn nun war es den Teenagern möglich, den eigenen Musikgeschmack und Lebensstil frei ausleben zu können. Allerdings waren in der Anfangszeit die technischen Möglichkeiten tragbarer Plattenspieler oftmals noch beschränkt. So konnten zu Beginn meist nur Singles oder 7inches auf solchen Geräten abgespielt werden. Plattenspieler für Alben waren zu der Zeit noch teurer. Dadurch war die Musikauswahl dementsprechend eingeschränkt. Entweder mussten die Jugendlichen direkt mehrere Singles mit auf den Ausflug nehmen oder gezwungenermaßen wenige Lieder in der Dauerrotation hören.

Alben lösen Singles ab

Dies ist aber nicht nur der technischen Limitierung geschuldet, sondern hat noch einen anderen Grund. Bis Mitte der 1960er Jahre war die Single der bestimmende Tonträger. Alben waren eher eine Ausnahme und wurden in der Regel für Kompilationen von erfolgreichen Stücken genutzt. Dies änderte sich jedoch zusehends durch die Beat-, Rock sowie Surfbands der damaligen Zeit. Insbesondere die Beatles, die Beach Boys sowie die Rolling Stones haben für die Aufwertung des Albumformats einen mehr als großen Beitrag geleistet und ihm den Stellenwert eingeräumt, den es heutzutage innehat. Dementsprechend konnte das Album bis Ende der 1960er Jahre an Boden gutmachen, was natürlich auch einen Einfluss auf die technologischen Innovationen ausübte. So kamen im weiteren Verlauf der technischen Entwicklung dann wieder Plattenspieler auf dem Markt, die imstande waren Alben abzuspielen.

Weiterentwicklung der Tonarmtechnik

Ebenso wie die Plattenteller an die Größe der Formate angepasst wurden, erlebte die Tonarmtechnik einen Wandel. Während die ersten tragbaren Geräte noch ein Äquivalent zu herkömmlichen Plattenspielern hinsichtlich des Tonarms darstellten, wurde die Technik zusehends perfektioniert. Ihren Höhepunkt fand die Entwicklung in der Tangentialtechnik. Im Gegensatz zu einem normalen Tonarm, der nicht vor Vibrationen geschützt ist und daher springen kann, ist bei der Tangentialtechnik der Tonabnehmer an einem Schlitten angebracht, der wiederum an einem festen Tonarm fixiert wurde. Diese Technik ermögliche die Herstellung von Plattenspielern, welche die Platten senkrecht abspielen konnten. Die Platten wurden nicht auf den Teller gelegt, sondern durch einen Schlitz in das Gerät eingeführt. Allerdings waren diese Plattenspieler relativ teuer, sodass sie sich nie richtig durchsetzen konnten. Insgesamt wurden tragbare Plattenspieler und Phonokoffer noch verstärkt bis in die 1970er Jahre produziert. In den darauf folgenden Jahren wurden solche Geräte allerdings immer mehr von anderen Tonträgerformaten und Wiedergabetechnologien wie der Kassette oder der CD verdrängt.

Das Ende und ein Neuanfang

Zwar konnten sich tragbare Plattenspieler nicht als Massenphänomen behaupten, das zugrunde liegende Prinzip, unterwegs Musik zu hören, erlebte einige Jahre später einen Boom auf Grundlage einer anderen Technologie. Die Magnettonbandtechnik erwies sich in der Herstellung von Tonträgern und Abspielgeräten als deutlich preisgünstiger im Vergleich zur Schallplatte. So setzte tragbare Musik mit der Entwicklung des Walkmen durch Sony und den Produkten anderer Hersteller zu einem nicht gekannten Höhenflug an. Dieser wird allerdings wiederum von dem MP3-Player in den Schatten gestellt, der heutzutage in unterschiedlichen Ausprägungen das bestimmende Abspielgerät für Musik ist. Sei es als eigenständiges Gerät oder als Teil eines Smartphones. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die MP3-Technologie macht den Tonträger überflüssig, was zwangsläufig einen höheren Komfort bei größerer Auswahl zur Folge hat. So können Sie beispielsweise Ihre komplette Musiksammlung zum Joggen mitnehmen, was bei Vinyl nicht machbar wäre.

Heute mit Vinyl und USB unterwegs 

Nichtsdestotrotz besitzt jede tragbare Abspieltechnologie ihren eigenen Charme. Das Knacken einer Schallplatte, wenn der Tonarm aufgelegt wird, ist für Vinyl-Afficionados durch nichts zu ersetzen. Und selbst heutzutage gibt es zahlreiche Menschen, die den Walkmen immer noch dem MP3-Player gegenüber bevorzugen. Und ein weiterer Vorteil liegt ebenfalls auf der Hand: Tragbare Plattenspieler und Plattenkoffer können in der Regel für einen Bruchteil des einstigen Verkaufspreises erstanden werden. Darüber hinaus hat das Comeback des Vinyls auch zu einem Revival tragbarer Plattenspieler geführt. Hersteller wie Vestax oder Numark bieten solche Geräte zum Teil mit USB-Anschluss an. Auf diese Weise können DJs und Clubgänger im Freien ihrer Musik lauschen. Das gilt natürlich auch für alle anderen Musikstile. So haben Sie heutzutage die Möglichkeit, Ihre alten Musikschätze auf neuen Geräten mit einem deutlich besseren Klang wiederzugeben.

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