Tragbare Sacknähmaschine Siruba AA-6

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Neue Erkenntnisse zur tragbaren Sackzunähmaschine "Siruba AA-6".

Im Oktober 2010 hatten wir eine tragbare Sackzunähmaschine der Taiwan-Marke Siruba AA-6 in unserer Werkstatt - den damaligen Werkstattbericht finden Sie weiter untenstehend.

Im Lauf des vergangenen Jahres sind weitere Reparatur- bzw. Wartungsaufträge hinzugekommen, wodurch wir uns ein besseres Bild von der "Siruba AA-6" machen konnten.

Grundsätzlich stellen wir fest, daß diese Maschine einer der wenigen als brauchbar zu bewertenden Fischbein-Klone ist. Sie ist hinsichtlich der mechanischen Komponenten gut verarbeitet, gut ausgewuchtet und kann als vollauf genügend für kleinwirtschaftliche Anwendungen beurteilt werden. Mechanisch, d.h. insbesondere hinsichtlich der Wartungsfreundlichkeit, ist die Siruba AA-6 nicht so ganz auf der Höhe der Zeit. Das Design der Maschine ist "ausgeborgt" bei der guten alten Fischbein "D"; verändert wurden ein wenig die Garnführung sowie Handgriff und Schmierung (die Fischbein "D", nebenbei gesagt, gab es von 1961 - 1969).

Allerdings, und das ist als positiv zu bewerten und hebt sich von den anderen Fernost-Maschinen ab, trägt die Siruba AA-6 ihr CE-Kennzeichen zu recht. Andere Billigmaschinen aus der VR China sind zwar auch samt und sonders "CE"-markiert, aber so etwas kann ja auch in "Heimarbeit" erfolgen....

Uns gefiel im Herbst 2010 überhaupt nicht, daß wir bei einer externen Prüfung der elektrischen Ausrüstung bei fast allen Siruba-Maschinen durchgefallen wären. Bei den Siruba-Maschinen (Skl I) lag die Messung des zulässigen SL-Widerstandes in allen Fällen zu hoch.

Dieser Mangel ist herstellerseitig offensichtlich erkannt worden. Die neueren Siruba AA-6, die wir in der Werkstatt hatten, sind elektrisch O.K. und würden ohne Probleme die Prüfung nach Betriebssicherheits-VO -ehemals BGV A3- bestehen.

Wie bei allen Kopien des Originals (FISCHBEIN) fehlt das eine oder andere - in disem Zusammenhang lassen wir außen vor den unsäglichen Ramsch aus der VR China mit den diversen Typenbezeichnungen, welche stets die Nummer "26" enthalten, z.B. "GK26", "ZJ26", "AS26" usw.usw. 
Diese 50-Dollar-Geräte aus der VR China sind plumpe Kopien der japanischen NEWLONG NP-7A. Die Newlong NP-7-Serie ist äußerlich der Fischbein-Maschine sehr ähnlich, hat jedoch einen vollständig anderen Greiferantrieb. Den Kopierern aus der VR China ist es bis heute nicht gelungen, den Greiferantrieb so nachzuahmen, daß er zuverlässig funktioniert.

Aber zurück zur Siruba AA-6:

Vorzüge bzw. Vorteile:

+ recht robust
+ gut ausgewuchtet
+ mit knapp 300 € + MWSt sehr preiswert

Nachteile:

- nur bedingt zu empfehlen für die Industrie / Dauergebrauch
- schwer zugänglich für Wartung / Instandsetzung

Fazit:

OK für kleinwirtschaftliche Anwendungen, z.B. Saisonarbeiten oder auftragsbezogene Näharbeiten
OK als Reservemaschine in der Industrie (wenn die Union Special oder Fischbein plötzlich streikt und die Arbeit weitergehen muß)

In Industrie und Gewerbe: ja, aber mit Einschränkungen. Für den rauhen Betrieb und/oder Dauergebrauch insbesondere in der Industrie sollte es doch lieber eine Fischbein oder eine Union Special sein.

Hier noch unser erster Erfahrungsbericht von Okt. 2010, der z.T. auf Grund neuerer Erkenntnisse überholt ist:

Werkstattbericht über die Reparatur einer tragbaren Sackzunähmaschine Marke "SIRUBA TYP AA-6"
(Made in R.O.C. = Taiwan)

In unserer Werkstatt hatten wir kürzlich eine tragbare Sacknähmaschine Fabrikat "SIRUBA", Typ AA-6 zur Reparatur.
Der Besitzer ist ein Landwirt, der damit verschiedene Näharbeiten in seinem Betrieb durchführt. Es werden Planen genäht, Lederartikel, Säcke usw.

Die Maschine wurde uns zur Instandsetzung gebracht, weil sie nach Aussage des Benutzers "nicht mehr funktioniert". Wie üblich, sollte die Reparatur am liebsten vorgestern fertiggestellt sein und am besten möglichst nichts kosten. Naja, welche Werkstatt kennt das nicht...?
Die Maschine hatte deutliche Abnutzungs- und Gebrauchsspuren, was man an den Kratzern in der Lackierung und abgestoßenen Stellen sehen konnte. Sie war auch nicht sonderlich gepflegt.

Die Siruba kannte ich bis dato nur von Abbildungen und einmal habe ich sie vor drei oder vier Jahren auf der "Pakex" in Birmingham als Vorführmaschine gesehen. (Pakex ist eine große Fachmesse für Verpackungsmaschinen und verwandte Industriezweige). - Ich war damals nicht sonderlich beeindruckt. Halt noch ein Fischbein-Klon, habe ich mir gedacht.

In unserer Nähmaschinenwerkstatt sind defekte Nähmaschinen aus China unser täglich Brot. Es sind zu 95 % sogenannte Nähmaschinen, die irgendwo in ihrer Typenbezeichnung die Zahl "26" tragen. Das sind Nachahmungen der japanischen Newlong NP-7A Die Schwachstellen am Typ "26" kann ich inzwischen im Schlaf herbeten, und das ist ein recht langes "Gebet"!

Umso überraschter war ich, als wir die Siruba-Maschine zur Reparatur hereingereicht bekamen. Äußerlich sieht sie aus wie die gute alte Fischbein "D", jedoch mit zeitgemäßem isolierten Kunststoff-Handgriff und einem Ölbehälter mit Handpumpe. Das Innenleben jedoch unterscheidet sich von den "26"-Möchtegern-Maschinen  aus China in äußerst positiver Weise: Qualitäts-Werkstoffe, wo man hinsieht, alle beweglichen und beanspruchten Teile sind aus gehärtetem Stahl, wie es sich gehört. Die Verarbeitungsqualität ist rundherum besser als bei allen China-"26"-Maschinen.

Alles in allem kann ich mit gutem Gewissen sagen, daß die Qualität der Siruba-Maschine durchaus mit der Newlong NP-7A vergleichbar ist.

Die Newlong NP-7A ist ein Fischbein-Klon aus Japan und galt bislang als die beste Fischbein-Kopie. Allerdings ist die Newlong-Maschine komplizierter aufgebaut als Fischbein und dessen Klone. So hat die Newlong-Maschine einen komplett abgeänderten Greiferantrieb, der zwar sehr zuverlässig arbeitet (wenn die regelmäßige Schmierung nicht vernachlässigt wird), aber mehr bewegte Teile beinhaltet und die Maschine dadurch schwerer und zuweilen vibrationsstärker macht.Wie schon weiter oben erwähnt, haben es die Kopierer in der VR China bis heute nicht hinbekommen, den Greiferantrieb der Newlong NP-7A so nachzuahmen, daß er zuverlässig arbeitet

Die Siruba AA-6 hingegen folgt dem einzigartigen und patentierten Fischbein-Prinzip: die Greiferwelle ist schräggestellt, wodurch die axial Auf- und Abbewegung des Greifers überflüssig wird.

Der "Schaden" an der Reparatur-Siruba war übrigens gar keiner. Die Siruba AA hat, wie die Fischbein und die Newlong auch, eine Schutzabdeckung über dem Fadentrennmesser (solch ein Schutzblech sucht man bei den "26"-Chinamaschinen vergeblich). Der Hohlraum unter dem Schutzblech hatte sich dermaßen mit Fadenresten zugesetzt, daß auch das Greifergehäuse bis obenhin voll war mit Fadenketten und Ölsumpf und der Greifer dadurch keine Fadenkette mehr bilden konnte.

"Reparatur"-Zeit: 10 Minuten, Teile zu ersetzen: null.

Wer eine solide tragbare Industrienähmaschine sucht und dafür deutlich weniger als 400 € (einschließlich Mehrwertsteuer) ausgeben kann oder will, ist mit der Siruba AA nach meiner Auffassung gut bedient.


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