Top-Thema Arbeitsschutz: Alles für die Erste Hilfe

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Top-Thema Arbeitsschutz: Alles für die Erste Hilfe

Jährlich ereignen sich weltweit etwa 270 Millionen Arbeitsunfälle, laut Statistik passieren die schwersten von ihnen an Samstagen. Bei den meisten dieser Unfälle wird Erste Hilfe dringend erforderlich und kann nicht selten auch Leben retten. Doch nicht nur bei Arbeitsunfällen ist Erste Hilfe in Betrieben unabdingbar, ebenso lebensbedrohliche Krankheiten wie Kreislaufversagen, Herzinfarkte und Zuckerschocks erfordern am Arbeitsplatz das sofortige helfende Eingreifen umstehender Beobachter.

Erste Hilfe

Jeder Deutsche ist gesetzlich zu Erster Hilfe verpflichtet. Artikel 323, Absatz c des Strafgesetzbuches droht Bestrafung bei unterlassener Hilfeleistung an, das heißt, wer bei einem Unglücksfall vorsätzlich keine Hilfestellung leistet, obwohl er in der nötigen psychischen und physischen Verfassung dazu ist, kann bestraft werden. Hilfe ist besonders dann erforderlich, wenn der Betroffene ohne sie längerfristig gesundheitlich geschädigt würde und es dem Beobachtenden möglich ist, auf sinnvolle und hilfreiche Art und Weise in das Geschehen einzugreifen. Von jedem Bürger wird jedoch nur die sofortige Hilfe der Art erwartet, die er oder sie leisten kann. Einleuchtend ist allerdings auch, dass nur derjenige wirklich helfen kann, der über bestimmte fachliche Kompetenzen verfügt, die er im Unglücksfall abrufen und anwenden kann. Rechtzeitig kann Erste Hilfe lediglich erfolgen, wenn sichergestellt ist, dass dauerhaft und an jedem Ort bei einem Ernstfall umgehend fachlich geschultes Personal plangemäß eingesetzt werden kann und die notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung stehen.
Erste Hilfe erfolgt in der Regel, um Chancen für die medizinische Rehabilitation zu schaffen. Sie hat deshalb einen vorläufigen Charakter und muss so lange geleistet werden, bis die Heilbehandlung durch Fachkräfte einsetzt. Zur Ersten Hilfe zählen nicht nur die im konkreten Fall durchzuführenden Maßnahmen, sondern auch alle organisatorischen Vorkehrungen, Einrichtungen und Hilfsmittel, die die Hilfe vorbereiten, ermöglichen, verbessern und der Aufzeichnung dienen. Insgesamt lässt sich die Erste Hilfe als Vorbereitung der medizinischen Behandlung verstehen.

Der Notruf

Zur Ersten Hilfe gehört fast immer, und insbesondere für unzureichend ausgebildete Personen, der Notruf, mittels dessen der Unfall gemeldet und Hilfe, meist in Form eines Notarztes und Rettungswagens, angefordert wird. Der Notruf muss klar und knapp formuliert sein, um zu gewährleisten, dass Rettungskräfte ohne unnötige Verzögerung am Unfallort eintreffen können. Daher gilt die Faustregel der Fünf Ws des Notrufes. Diese besagt, dass fünf W-Fragen möglichst präzise, aber nicht zu ausführlich während des Telefonats beantwortet werden sollen. Die zu beantwortenden Fragen sind „Wo ist es passiert?“, „Was ist passiert?“, „Wie viele Verletzte gibt es?“, „Wie schwer sind deren Verletzungen?“ und schließlich die Aufforderung „Warten auf Rückfragen“ der Rettungsleitstelle. Um den Notruf jederzeit überall zu ermöglichen, ist es von großer Bedeutung, dass ein umfassendes Alarm- und Meldesystem vorhanden ist. An öffentlichen Orten, an denen es häufig zu Unglücksfällen kommen kann, wie zum Beispiel Autobahnen, sind öffentliche Notrufsäulen installiert, die eine schnelle und kostenlose Verbindung zu Feuerwehr und Rettungsdiensten gewährleisten. Auch innerhalb von Betrieben ist es wichtig, einen zeitnahen Notruf möglich zu machen.

Alarm- und Meldeeinrichtungen

Es ist notwendig, dass Alarm- und Meldeeinrichtungen in ausreichender Zahl im Unternehmen vorhanden, rasch erreichbar und funktionsfähig sind. Ein Notruf dient im Rahmen der Ersten Hilfe der raschen und zuverlässigen Benachrichtigung und Einsatzsteuerung der benötigten Rettungseinheiten. Die am häufigsten verwendete Meldeeinrichtung ist das Telefon. Es kann diese Funktion des Notrufes allerdings nur erfüllen, wenn die Notrufnummer für jeden sichtbar angebracht ist. Handelt es sich um ein innerbetriebliches Telefon, mit dem die öffentliche Notrufzentrale nicht direkt angewählt werden kann, wenn also zum Beispiel eine während der Arbeitszeit ständig besetzte Meldestelle als Vermittler erforderlich ist, um die eigentliche Notrufstelle zu erreichen, bieten es sich an, auch hier spezielle Notrufmelder, vergleichbar mit einem Feuermelder, zu installieren. Das empfiehlt sich auch in besonders gefährdeten Bereichen. Durch Betätigung dieser besonderen Notrufmelder wird unmittelbar ein Alarm ausgelöst, beispielsweise durch eine Werkssirene. In der Leitzentrale des Unternehmens, der betrieblichen Ambulanz, bei der Werksfeuerwehr und dem Pförtner auf Monitor oder Leuchttafeln wird dann automatisch sofort der Einsatzort angezeigt und die Art des Geschehens erkennbar. Darüber hinaus sollte das innerbetriebliche System so eingerichtet sein, dass der Ort, von dem aus der Notruf getätigt wird, in der Zentrale erkennbar ist.

Die Pflichten des Unternehmers

Abgesehen von einem funktionsfähigen Meldesystem sind noch weitere Einrichtungen innerhalb eines Betriebes nötig, um die Voraussetzungen für die Leistung Erster Hilfe zu schaffen. Hierbei ist gesetzlich festgelegt, dass es der Unternehmer ist, der für die Ermöglichung der Ersten Hilfe in seinem Betrieb verantwortlich ist. Seine Aufgabe ist es, die organisatorischen, sachlichen und personellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Beschäftigten seines Unternehmens bei einem Arbeitsunfall Erste Hilfe erhalten und entsprechend ihrer jeweiligen Verletzung behandelt werden können. Diese grundlegende Verpflichtung des Arbeitgebers ist in verschiedenen Gesetzen normiert und festgelegt und hat zum Ziel, die im Betrieb tätigen Beschäftigten vor einer Gesundheitsgefährdung durch die Arbeit und bei der Arbeit umfassend zu schützen. Der Unternehmer hat Maßnahmen dafür zu treffen und seinen Betrieb so einzurichten, dass die Sicherheit der Versicherten vor Unfällen, Vergiftungen und Erkrankungen auf Grund des Beschäftigungsverhältnisses gewährleistet ist.

Die im Betrieb erforderlichen Einrichtungen

Alarm- und Meldeplan

Der Alarm- und Meldeplan für die Erste Hilfe bildet die Grundvoraussetzung für den Einsatz der notwendigen Rettungseinheiten binnen kürzester Zeit am Unglücksort. Der Alarmplan muss gewährleisten, dass sich jeder Hilfesuchende im Unternehmen in der Lage sieht, ohne unnötigen Zeitverlust über die im Betrieb installierten Alarm- und Meldeeinrichtungen einen Notruf zu tätigen und so die nötige Hilfe durch geschultes Rettungspersonal zu erlangen. Alle Zuständigkeiten und Aufgaben müssen im Plan so festgelegt sein, dass jeder Verantwortliche auf Grund der empfangenen Meldung seine Pflicht ohne Verzögerung und zielsicher erfüllen kann. Dabei muss der Plan jede Art eines potenziell möglichen Unfallgeschehens berücksichtigen.

Ersthelfer

Der Ersthelfer ist ein meist in einem zweitägigen Kurs ausgebildeter Laie, der als Erster am Ort des Geschehens Maßnahmen ergreifen kann, um akute Gefahren für Leben und Gesundheit des Verunglückten abzuwenden. Ersthelfer müssen jedes Jahr an einer Weiterbildung teilnehmen, damit ihr Wissen nicht in Vergessenheit gerät und sie im Ernstfall richtig handeln können. Trotz seiner Ausbildung bleibt der Ersthelfer Laie. Er darf im Bereich der Ersten Hilfe ausschließlich das tun, was seinem Ausbildungsstand entspricht und hat stets zu beachten, dass Erste Hilfe durch Laien nur erste Hilfestellung zur Gefahrenabwendung, aber kein Ersatz für ärztliche Maßnahmen ist. In dem durch Aus- und Weiterbildungen gestellten Rahmen ist er verpflichtet, bei Notfällen die notwendigen lebensrettenden Sofortmaßnahmen zu ergreifen und den Verletzten so lange zu betreuen, bis ihn ein Sanitäter oder der Arzt ablöst.
Es ist zwar die wichtigste Aufgabe des Ersthelfers, bei einem Notfall einsatzbereit zur Stelle zu sein und zu helfen, aber es ist nicht seine einzige. Der Ersthelfer hat auch in weniger schwerwiegenden Fällen, bei denen der Betroffenen nicht in Lebensgefahr schwebt, Hilfe zu leisten. In Betrieben, in denen es weder einen Betriebsarzt noch einen Betriebssanitäter gibt, muss der Ersthelfers auch Verletzte mit leichteren Verletzungen im Rahmen der Ersten Hilfe zu versorgen und gegebenenfalls für den Transport zu einem Arzt sorgen. Für Notfälle muss gewährleistet sein, dass genügend ausgebildete Ersthelfer im Betrieb vorhanden sind. In verwaltenden, kaufmännischen und unternehmerischen Bereichen muss mindestens jeder 20., und bei handwerklichen, baulichen und praktischen Tätigkeiten jeder 10. anwesende Beschäftigte Ersthelfer sein.

Material für die Erste Hilfe

Der Erfolg der Ersten Hilfe hängt oft davon ab, dass die richtigen Hilfsmittel eingesetzt werden. Zum Material für die Erste Hilfe gehören Verbandsmaterial, Antidote, medizinische Geräte und Instrumente und sonstige Hilfsmittel. In der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung ist genau festgelegt, welches Verbandsmaterial in jedem einzelnen Kraftfahrzeug mitgeführt werden muss. Doch weder die Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ noch die Arbeitsstättenverordnung bestimmen exakt, welches und wie viel Erste-Hilfe-Material im Einzelnen in den Betrieben bereitzustellen ist, sondern enthalten lediglich Richtlinien. In einem Betrieb ist es somit die Aufgabe des Unternehmers, zu entscheiden, wie viel er im Detail an Erste-Hilfe-Material zur Verfügung stellen möchte. Die Entscheidung über die Menge wird auch von der Art der verrichteten Arbeit und der durch diese entstehenden Gefahren für die Gesundheit beeinflusst. Dabei ist besonders wichtig, dass das notwendige Material bei einem Unfall unmittelbar griffbereit und verfügbar sein muss. Die Richtlinien für Art und Menge sowie Aufbewahrungsorte des Erste-Hilfe-Materials richten sich unter anderem nach der Betriebsgröße, den vorhandenen potenziellen Gefahren, der Tätigkeit und der Art des Erste-Hilfe-Personals.

Erste-Hilfe-Sets

Der genau Inhalt eines Verbandkastens ist in Deutschland genormt:

Kleine und große Verbandskästen

Der kleine Verbandskasten (DIN 13157) dient für einen bis fünfzig Beschäftigte in der Verwaltung und bis zu zwanzig Beschäftigte in der Produktion. Der große Verbandskasten (DIN 13169) wird dementsprechend bei über fünfzig Beschäftigten in der Verwaltung und bei über zwanzig Personen in der Produktion nötig. Ein großer Verbandskasten kann durch zwei kleine ersetzt werden. Beide Verbandskästen sind mit dem gleichen Material in unterschiedlichen Stückzahlen ausgestattet. Zum Erste-Hilfe-Material zählen Heftpflaster, Wundschnellverband, Dreiecktücher, Verbandstücher, Verbandspäckchen, Fingerverband, Kompressen, Augenkompressen, Kältekompressen, Fixierbinden, eine Verbandschere, Folienbeutel, Tücher aus Vliessstoff, Einweghandschuhe nach DIN EN 455 und eine Rettungsdecke, außerdem eine Erste-Hilfe-Anleitung und ein Inhaltsverzeichnis.
Mit dieser Ausstattung lässt sich üblicherweise überbrückende Hilfe leisten, bis der Notarzt am Unglücksort eintrifft. Der Inhalt des Verbandskastens muss regelmäßig auf Vollständigkeit und Haltbarkeitsdaten geprüft und gegebenenfalls erneuert oder ausgetauscht werden, um die erforderliche Erste Hilfe zu keiner Zeit einzuschränken.

Werden alle gesetzlich festgelegten Bestimmungen befolgt, so sind optimale Bedingungen für die Ermöglichung der Ersten Hilfe geleistet. Jedoch stellt die bloße Anschaffung und Bereitstellung der Einrichtungen und Materialien noch lange keine Garantie für den Erfolg der Sofortmaßnahmen dar. Dafür grundlegend sind Schulungen und Fortbildungen der im Betrieb Beschäftigten auf dem Gebiet der Ersten Hilfe, sodass möglichst viele Personen wissen, wie sie sich im Ernstfall zu verhalten haben und mögliche Gefahren abwenden können.

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