Tolle Hechte, kranke Frettchen

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Wie schön, dass ich heute einfach mal frei habe. So liege ich auf der Terrasse, bei 23 °C im Schatten, bin allein, habe meine Ruhe... - das ist wie Urlaub. Ab und zu sehe ich mal nach (WLAN, Hängematte), was sich so in der Welt tut, bei ebay for instance....

Keine Sorge, ich schwadroniere jetzt nicht davon, wie voll mein Konto ist, wie groß und stark ich bin, wie attraktiv meine 11 Jahre jüngere Freundin, wie geil mein Motorrad oder meine drei Autos... - mein Haus, mein Auto, mein Pferd, meine Pferdepflegerin...

Nein, das überlasse ich anderen, sich damit lächerlich zu machen. Ich werde also weder meinen Beruf, noch mein Bankkonto, noch meine Bildungsabschlüsse, akademischen Grade, militärischen oder beruflichen  Dienstbezeichnungen, Ehrenzeichen oder etwaige mich anbetende weibliche Kegel-Clubs zum Gegenstand fragwürdiger Ratgeber machen (ich bin aufgewachsen mit dem Motto "no ranks, no titles"). Auch das Angeben damit überlasse ich also anderen, die das viel besser können als ich. Das erkenne ich neidlos an.

Statt dessen mache ich mir lieber Gedanken. Denn das kann ich. Und so denke ich nach über tolle Hechte, die zwar wenig auf die Reihe bringen, aber immer eine dicke Lippe riskieren. Warum eigentlich? Na ja, ich habe dazu eine...

Arbeitshypothese

"Je mehr einer angibt, desto mehr ist es gelogen."

Ein schwaches Selbstwertgefühl oder eine schwere narzisstische Kränkung wird bekanntlich oft kompensiert mit einer maßlos und sachlich durch nichts gerechtfertigten übersteigerten Selbstdarstellung. Der Unterschied zwischen einer gesunden und selbstbewussten Arroganz und einem pathologischen Überkompensieren des Minderwertigkeitsgefühls lässt sich leicht ermitteln durch Prüfen der "hard facts". Wer arrogant ist, muss nicht lügen; er ist einfach nur arrogant. Wer neurotisch ist, der stolpert jedoch über seine Lügen, irgendwann. Und das ist immer - wie gesagt - recht peinlich. Bei mir jedenfalls löst das immer ein wenig "Fremdschämen" aus...

Also komme ich lieber zu Erfreulicherem. Bei der Frage, wieso verkleidet sich ein armer Wicht als toller Hecht? Wieso schreibt er bei ebay sogenannte (hahahahaha) "Ratgeber" über Kundus? Warum schreibt er einen "Testbericht" über sein (angebliches!) neues Auto als Testbericht über ein Buch(!) zu diesem hässlichen Auto? Wieso wirft er anderen ständig "Alkoholmissbrauch" vor? Warum wirkt er so angespannt? Usw...

Bei dieser Frage fiel mir ein: auch ein toller Hecht ist manchmal krank. Womit ich bei einem schön gemachten Text wäre, den ich (mit Erlaubnis des Verfassers selbstverständlich, die Hervorhebungen sind von mir) hier gern einmal zitieren möchte:

Frettchen-Seuche

© Christian Thiels 2007

So ein Frettchen kann ziemlich krank werden - vor allem, wenn es zuviel Stress hat. Die Eckzähne können absterben, es kann Zahnstein, Viren und sogar Leptospirose (Stuttgarter Hundeseuche) bekommen. Armes Tierchen. Zuviel Stress war wohl auch nix für das VW “Frettchen”.

Mit der gepanzerten Familienkutsche in olivgrün durch Afghanistan - das wird wohl eher nix. Denn die Militärvariante des VW Touareg kam bei den Testern der Bundeswehr offenbar nicht so irre gut an . Das “Frettchen” ist der Wolfsburger Vorschlag für ein geschütztes Führungs- und Funktionsfahrzeug (GFF) für die Armee. Und dieses “Frettchen” zerbröselte dem Vernehmen nach auf der Teststrecke der Wehrtechnische Dienststelle für Kraftfahrzeuge und Panzer (WTD41) in Trier. Offiziell bestätigen wollte das natürlich erstmal keiner. Doch aus der Trierer Dienststelle hört man ein unverhohlenes Feixen. Der Militär-Touareg sei vor allem bei den Herren Generälen gut angekommen. Böswillig könnte man vermuten, weil der ein oder andere das Gefährt bereits von Zuhause kennt. Die Tester, die so eine Art “Stiftung Waffentest” betreiben, sollen den Herren gesagt haben: “Wenn sie den Touareg haben wollen, dann kaufen sie einen bei VW”.

Die Marterstrecke, auf der sich die Fahrzeuge in Trier bewähren müssen, ist ziemlich gnadenlos. Die Tester haben sie akribisch den Bedingungen in Afghanistan nachempfunden. Und auf der Strecke soll sich das “Frettchen” dann ziemlich zerlegt haben. Da half es dann auch nichts, wenn die Hersteller jammern, man “überbeanspruche” die Fahrzeuge. Der Hintergrund: viele Fahrzeughersteller haben schlicht nicht (oder im Falle von VW nicht mehr) das Know-how für den Bau militärischer Fahrzeuge. Ein eigentlich ziviles Auto zu panzern und grün zu lackieren macht daraus noch längst kein Militärfahrzeug. Die Ansprüche an Belastbarkeit und Haltbarkeit sind gewaltig. Doch bei bis zu 23.000 Fahrzeuge in den drei Klassen der “geschützten Führungs- und Funktionsfahrzeuge”, die maximal beschafft werden sollen, ist richtig Geld in der Sache.

Wir ahnten ja schon, dass ein Fahrzeug, dass den wenig martialischen Namen “Frettchen” trägt irgendwie nicht das Richtige für die Bundeswehr sein kann. Den Schützenpanzer Puma wollte man ja anfangs auch “Igel” nennen - weil das so schön zivil klingt. Doch davon haben die Militärs dann doch Abstand genommen - wäre wohl eher ein wenig unfreiwillig komisch gewesen, ein Kampffahrzeug auf Ketten und mit Maschinenkanone nach einem so putzigen Tierchen zu benennen.

Ach ja, gute Karten im Rennen um das “geschützte Führungs- und Funktionsfahrzeug” in der Klasse 1 (leichte Variante) hat ein Auto, das der Normalbürger heute vor allem als Kehrmaschine oder Hundekot-Saugmobil kennt. Der “Mungo2″ basiert auf dem Multicar - einer DDR-Entwicklung, die beeindruckend simpel, verlässlich und verdammt flexibel ist. Sie hat zwar keine Getränkedosenhalter wie das Frettchen, aber sie funktioniert - auch gepanzert.

Quelle: blog.tagesschau.de/?p=417


Schön!

So sehen gute Texte aus! Als ich das las, dachte ich an vielerlei:
  • ja, ja, der Mungo - ein Zwei-Takt-Stinker aus einer anderen Welt... 
  • Heinrich Böll, Ende einer Dienstfahrt...
  • der Touareg von VW hat eine 230-Volt-Steckdose, ist das nicht geil? 
  • Wie krank muss einer sein, der...
  • Touareg - Frettchen - Kundus - Bundeswehr - angeblicher Offizier a.D.

...tja.

Und das Beste war der Satz

"Ein eigentlich ziviles Auto zu panzern und grün zu lackieren macht daraus noch längst kein Militärfahrzeug"...


So ist es auch mit Ratgeber-Texten bei ebay. Einen eigentlich schwachsinnigen Text, der keinen Zusammenhang zu irgendetwas hat und auch für niemanden irgendwie nützlich ist, als "Ratgeber" zu veröffentlichen (anstatt als blog z.B.), macht aus solchem pubertären Geschmiere niemals einen guten Text... - und schon gar keinen "hilfreichen" Ratgeber.

Ergo:

wer Ratgeber schreibt, sollte an den Nutzen der Leser denken. Oder wenigstens an deren Erheiterung!

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