Tipps zur Auswahl internationaler Trachten: Ozeanien

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Tipps zur Auswahl internationaler Trachten: Ozeanien

Was Trachten im eigentlichen Sinn sind

Was Trachten selbst anbetrifft, werden diese als traditionelle Bekleidung in ihrer Ganzheit oder in Teilen bezeichnet, die sich sowohl regional orientiert, ebenso wie an den Bevölkerungsgruppen innerhalb eines Landes. Theoretisch könnte man daher zum Beispiel auch Vintage-Mode mit in diese Kategorie einbeziehen. Ein wesentlicher Unterschied liegt jedoch darin, dass sich Trachtenmode langsam über Jahrzehnte hinweg entwickelt hat, während es bei der Vintage-Mode vor allem kurzfristige Trends waren, die im wahrsten Sinne des Wortes zum Tragen kamen. Bei der Alltagskleidung spielen Trachten nur noch eine untergeordnete Rolle und werden vorwiegend zu bestimmten Festen und Anlässen getragen. In manchen touristischen Gegenden sind diese noch häufiger zu sehen, um den folkloristischen Aspekt der jeweiligen Region auch optisch zu untermalen.

Wer den Ratgeber durchliest, sollte sich ein wenig von der Vorstellung typischer Trachten befreien, wie man sie vor allem aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und zum Teil auch aus slawischen Ländern kennt.

Ozeanien, der pazifische Insel-Kontinent

Ozeanien ist vor allem als ein kultureller und wirtschaftlicher Zusammenschluss zahlreicher Inseln und Inselgruppen zu verstehen, die allesamt im Pazifischen Ozean liegen - in der Kurzform auch als Pazifik bezeichnet. Diese etwa 7.500 Inseln verteilen sich auf eine Wasserfläche von nahezu unvorstellbaren 70 Millionen Quadratkilometern. Zum Vergleich: Das Staatsgebiet von Deutschland umfasst gerade etwas mehr als 355.000 Quadratkilometer. Per Definition zwar nicht exakt geklärt, wird der eigenständige Kontinent Australien zumeist dennoch Ozeanien zugeordnet.

Dies sind einige statistische Zahlen, die jedoch hilfreich sind, um sich die Vielfalt des Kontinents vorstellen zu können, gerade auch in Zusammenhang mit internationalen Trachten, die sich stark an den jeweils regionalen Wurzeln ausrichten. Um den Rahmen des nachfolgenden Ratgebers nicht zu sprengen, werden die wichtigsten Regionen mit ihren jeweiligen Eigenheiten vorgestellt.

Der sogenannte Südsee Look

Geografisch betrachtet gehören zur Südsee als Teil von Ozeanien alle Inseln, die im Südpazifik liegen. Zu den Hauptinseln zählen Französisch Polynesien, Tahiti sowie die Samoainseln und Fidschi. Hawaii, genau genommen der 50. Bundesstaat der USA zählt ebenfalls dazu. Klar verbindet man diese Namen mit endlosen Stränden, türkisblauem Wasser, strahlender Sonne ganz vielen Palmen und noch mehr Lebenslust. Mit zu diesem Bild beigetragen haben bekannte Literaten und Maler wie Paul Gauguin mit einem Ölgemälde, das den haitianischen Titel »No te aha oe riri« trägt und mit der Frage »Warum bist Du böse?« übersetzt werden kann. Auf dem Bild sieht man übrigens vier tahitianische Frauen in den für die Insel typischen Trachten: bunte Stoffe, die als luftiges Kleid um den Körper oder zumindest die Lenden gewickelt werden, in Verbindung mit einem ärmellosen Top.

Farben und Motive

Was macht die Südsee-Mode aus? Unweigerlich gehört natürlich das Hawaii Hemd dazu mit seinen typisch farbenfrohen Mustern und Motiven. Dazu zählen natürlich aufgedruckte Sonnenuntergänge, Palmen, Blüten und weitere Ornamente, die der Südsee zugeordnet werden. Ähnliches gilt für Shorts - je bunter desto besser. Zwar orientieren sich Farben und Motive durchaus an den Vorlagen der Region, aber hier trifft öfter einmal zu, dass etwas weniger durchaus mehr sein kann. Was den Südsee-Look für Damen anbetrifft, so kann durchaus das Gemälde von Gauguin als Vorbild dienen. Leichte Stoffe, unterhalb der Schultern um den Körper gewickelt oder eben in Verbindung mit leichten und vorwiegend ärmellosen Tops. Die Farben sind hier generell etwas dezenter gehalten - alles andere ist Männersache.

Hohe Kunstfertigkeit und Mehrfarbendruck

In der polynesischen Inselregion sowie auf Melanesien und dem Königreich Tonga brachten es die Bewohner schon früh zu hoher Kunstfertigkeit, wenn es darum ging, Textilien - in diesem Fall vorrangig Rindenbaststoffe - mehrfarbig zu bedrucken. Dabei entstanden Abbildungen, die schon den Charakter von Gemälden für sich beanspruchen konnten. Zumeist wurden religiöse und gesellschaftliche sowie Motive aus der Natur verwendet.

Rindenbaststoffe

Interessant und ein gutes Beispiel für die kulturelle Vielfalt auch hinsichtlich der Bekleidung sind die Bezeichnungen Tapa und Kapa für die Rindenbaststoffe. Tapa stammt von dem Königreich Tonga, Kapa ist die von Hawaii kommende Bezeichnung. Sprachlich ist nur ein einziger Buchstabe unterschiedlich, bei der Gestaltung tun sich Welten hinsichtlich der Farbgebung und der verwendeten Muster auf - und das sind nur zwei Beispiele für den gesamten Kontinent Ozeanien.

Der Bastrock

Es stellt sich die Frage, ob der Bastrock als solcher ohne Fasching, Fasnet, Karneval und Kino ähnlich bekannt geworden wäre in unseren Regionen. Sicherlich sind die Wurzeln in Ozeanien und der Südsee zu finden, jedoch spielt speziell in diesem Fall eine große Portion europäischer Fantasie mit eine Rolle.

Accessoires - eine schmucke Sache

Auch wenn man im Zusammenhang mit Ozeanien häufig von Südseeperlen spricht, war und ist der typische Schmuck des kulturellen Insel-Kontinents weitaus vielfältiger, vor allem was die verwendeten Materialien anbetrifft. Muschelschalen, Blumen, Bast und Holzperlen werden zu wunderbaren Schmuckstücken wie Hals- und Fußketten und zu besonders prächtigem Kopfschmuck in Form von Kränzen verarbeitet. Mit dem zunehmenden Tourismus wurde diese Kunstfertigkeit leider etwas in den Hintergrund gerückt, erlebt jedoch gerade aktuell eine Art Renaissance.

Tanz und Trachten in Ozeanien

Der Tanz als Ausdrucksform gehört auf allen bewohnten Inseln Ozeaniens mit zum alltäglichen Leben. Zu den bekanntesten zählt sicherlich der auf Hawaii entstandene Hula. Es handelt sich um einen sehr eigenen Tanz, bei dem durch eine geschickt inszenierte Choreografie ganze Geschichten nacherzählt werden. Ein typisches Bekleidungsteil für Tänzerinnen ist der dazu gehörende Hula Rock, der von der Form her ein wenig an hiesige Trachten erinnert. Nur statt Edelweiß-Blüten findet man auf diesen eher Monstare-Blätter oder Tiare-Blüten. Als Oberteil wurden zumeist helle und etwas lockerere Tops getragen, um die Bewegungsfähigkeit nicht einzuschränken.

Ob der berühmte Hula Hoop Reifen in irgend einem Zusammenhang mit dem Hula Tanz aus Hawaii steht, kann durchaus bezweifelt werden und ist eher auf die Wortschöpfung eines amerikanischen Unternehmers zurückzuführen, die sich in den 50ern des letzten Jahrhunderts etabliert hat. Frühere Versionen des Hula Hoop Reifens sollen allerdings schon von den nordamerikanischen Indianern verwendet worden sein, um dem Nachwuchs alle möglichen Jagdszenarien spielerisch beizubringen. Auf jeden Fall eine nachvollziehbare These.

Internationale Trachten aus Australien und Neuseeland

Obwohl die britische Königin offiziell noch als Staatsoberhaupt von Australien gilt, wurde das Land 1901 als unabhängig erklärt. Die aktuelle Bevölkerung wird mit über 90 Prozent von ehemals europäischen Einwanderern dominiert, die meisten von ihnen kamen aus England und Irland.
Die australische Mode kennt im eigentlichen Sinn keine eigenen Trachten, vielmehr orientiert sich die Bekleidung insgesamt am europäischen Style, nur dass sie ein wenig bunter und zumeist etwas luftiger ist, was vor allem mit den vorherrschenden klimatischen Bedingungen zusammenhängt. Und noch einen Unterschied gibt es: Flip Flops gehören Down Under schon seit Jahrzehnten zum Alltag - in den unterschiedlichsten Variationen.

Die traditionelle Kleidung der Aborigines

Die Ureinwohner, die sogenannten Aborigines stellen längst eine Minderheit im eigenen Land dar. Die traditionelle Kleidung der Aborigines war aufgrund der klimatischen Bedingungen während der Sommermonate vor allem eines: Äußerst knapp bemessen. Zumeist waren nur die Lenden bedeckt und der restliche Körper mit fantasievollen Bemalungen verziert. Während der kälteren Jahreszeit wurden Felle verwendet, die nachts zudem als Decke dienten. Wer an Karneval oder bei der nächste Motto-Party als Aborigine kommen möchte, muss sich bezüglich der Verkleidung etwas einfallen lassen und improvisieren. Eine gute Vorlage bieten Bilder und Bücher, die man problemlos im Internet findet.

Die Trachtenmode der australischen Vorfahren aus Großbritannien

Wer sich mit Trachtenmode aus Australien und damit aus Ozeanien beschäftigt, muss daher auch einen Blick auf die traditionell irische und englische Bekleidung werfen.

Trachten aus Irland und Schottland

Was Irland anbetrifft, herrscht in der traditionellen Mode vor allem die Farbe Grün vor, was sehr schön am Nationalfeiertag, dem St. Patrick's Day zu sehen ist, der jährlich am 17. März gefeiert wird. Die Herren tragen dazu in der Regel knielange Hosen, die einer Knickerbocker sehr ähnlich sind und vermutlich den über die Jahrhunderte zuvor getragenen Kilt ablösten, wie er auch in Schottland weit verbreitet war oder ist. Ergänzt wurde dieses traditionelle Outfit durch einfache Hemden, passende Jacken oder Westen. Die Damen trugen dazu knöchellange, ebenfalls grüne Röcke und dazu gerne eher helle Blusen. Als weiteres Accessoire gehört ein Umhang dazu, der zusätzlich mit einer Kapuze versehen war. Wer sich intensiver mit der irischen Tracht beschäftigen möchte, findet zahlreiche Quellen im Internet.

Britische Trachtenmode

Zu den Klassikern der britischen Mode zählen verschiedene Kleidungsstücke: Ohne den berühmten Trenchcoat zum Beispiel geht so gut wie nichts, aber da gibt es noch weitaus mehr. Pullover in eher erdfarbenen Tönen zählen ebenso dazu wie auch Röcke, bevorzugt aus Tweed, die kurz über den Knien enden. Die Beine werden bedeckt durch etwas kräftiger Strumpfhosen. Abgerundet wird das Bild der britischen Damen etwa mit einer witzigen Schirmmütze, ebenfalls aus Tweed. Bei den Herren steht der Tweed-Sacko im Vordergrund - ebenfalls in erdigen Farben gehalten und gerne versehen mit einem Fischgrat oder einem Überkaro. Sehr britisch wirken dazu Cordhosen.

Neuseeland und seine Besonderheiten

Die Grundlage für neuseeländische Trachten ist die - ganz klar - gewaltige Zahl an Schafen, die den Rohstoff liefern. Grob gestrickte Pullover und Jacken aus Schafswolle sowie Taschen und Stiefel aus Lammleder prägen das aktuelle Bild. Die wichtigste Tracht der Maori als Ureinwohner der Insel allerdings sind Tattoos, die man auch als Moko bezeichnet. Diese werden im wahrsten Sinne des Wortes auf der Haut getragen. Ob man sich diese Tracht zulegt, sollte tatsächlich gut überlegt sein.

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