Tipps zum Kauf von Briefen mit Stempeln und Handschriften aus der Vorphilatelie

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Tipps zum Kauf von Briefen mit Stempeln und Handschriften aus der Vorphilatelie

Altbriefkunde und Vorphilatelie – eine spannende Reise in die Zeit vor der Briefmarke

Die Philatelie oder Briefmarkenkunde beschäftigt sich mit Frankaturware wie Brief-, Post- und Paketmarken sowie Ganzsachen und anderen Postbelegen. Seit ihrer Einführung in England im Jahre 1840 hat die Briefmarke unzählige Sammler weltweit in ihren Bann gezogen. Die Philatelisten interessieren sich jedoch nicht nur für klassische und aktuelle Postwertzeichen, sondern auch für die Zeit davor. Diese Epoche wird auch Vorphilatelie oder Altbriefkunde genannt. Sie beschäftigt sich mit dem Portowesen vor der englischen Postreform und ihren Besonderheiten. Hier erfahren Sie interessante Hintergrundinformationen über die Vorphilatelie sowie die Geschichte des Briefportos und ihre begehrten Sammelobjekte.

Die Vormarkenzeit – ein eigenes Kapitel der Postgeschichte

Schon lange vor der Einführung der Briefmarke und der damit verbundenen Postreform werden Briefe und andere Postsendungen in ganz Europa verschickt. Ihre Wurzeln hat die Post jedoch schon in der Antike, wo wichtige Nachrichten von Herrschern, Adligen und dem Militär mithilfe von Boten versendet werden. Diese sind zuerst zu Fuß unterwegs. Unter Julius Cäsar wird das Postwesen jedoch umorganisiert und weitestgehend auf Schiffe und Pferdekuriere verlagert. Nach dem Untergang der Hochkulturen und dem Beginn des frühen Mittelalters gerät diese Art der Nachrichtenübertragung in Vergessenheit. Einzig die katholische Kirche unterhält noch ein Nachrichtennetz und richtet dazu im Laufe der Zeit Stationen in den einzelnen Klöstern ein.

Erst im Hochmittelalter beginnen schließlich die Kaufleute Europas damit, ein eigenes Postnetz einzurichten. Handelshäuser aus allen großen europäischen Städten beteiligen sich daran und versenden ihre kaufmännische Post mithilfe der Schifffahrtsrouten entlang der Küsten und im Binnenland. Die übrigen Teilstrecken übernehmen wieder Laufboten. Erst nach und nach werden hierfür wieder Pferde eingesetzt. Einmal auf den Geschmack gekommen, erkennen Europas Kaufleute jedoch bald den Nutzen der berittenen Briefboten und bauen diesen Zweig der Postbeförderung weiter aus. Bis zum Ende des Mittelalters gibt es in ganz Europa ein durchgängiges Postsystem. Auf den einzelnen Reisewegen verkehren nun regelmäßig Postreiter und Postkutschen. Neben den Postsendungen übernimmt diese Einrichtung auch den Transport von zahlenden Reisenden. Das Fernreisen innerhalb Europas ist nun relativ bequem möglich geworden.

Nur die Privatpost hat es schwer. Zuerst hapert es am Material. Da Briefe auf teurem Pergament geschrieben werden, können sich nur reiche Leute diesen Luxus leisten. Erst mit der Erfindung des Papier kommt das Schreiben von privaten Mitteilungen in Mode. Nur wollen die Postleute diese Privatpost erst nicht mit ihrem System ausliefern. Es ist speziell für kaufmännische Sendungen und den Briefwechsel der Königshäuser vorgesehen. Allerdings mischen die Leute trotzdem ihre Privatbriefe unter die Lieferungen und letztendlich wird es auch von offizieller Stelle erlaubt.

Von Porto und Franko - Postgebühren vor Einführung der Briefmarke

Auch vor der Erfindung der heutigen Frankaturwaren werden Postsendungen bezahlt. Allerdings nach einer völlig anderen Gebührenordnung. Das zu entrichtende Entgelt berechnet sich zu damaliger Zeit aus der Art der Ware (Gewicht, Anzahl der Seiten etc.) sowie der zu überbrückenden Entfernung. Diese wird mithilfe der damals noch recht ungenauen Landkarten umständlich berechnet. Viele ständig wechselnde Landesgrenzen zwischen den einzelnen Fürstentümern und Kleinstaaten machen diese Berechnung äußerst kompliziert und zeitraubend. Oft wird der Brief nur abschnittsweise von Staatsgrenze zu Staatsgrenze befördert und die entsprechenden Kosten für diese Teilstecken auf dem Umschlag vermerkt. So entstehen interessante Zeitdokumente als Belege dieser Gebührenberechnung.

Die Gebühr für den transportierten Brief wird auch nicht wie heute ausschließlich vom Absender, sondern in den meisten Fällen erst vom Empfänger nach erfolgreichem Erhalt der Ware entrichtet. Diese Vorsichtsmaßnahme ist nötig, um zu gewährleisten, dass die Briefe auch tatsächlich gewissenhaft zu ihrem Bestimmungsort gelangen. Denn die Briefboten werden ebenfalls erst nach Ablieferung der Sendung entlohnt. So entsteht in der Frühzeit der heutigen Post der Begriff 'Porto'. Er stammt aus dem lateinischen und bedeutet sinngemäß an der Tür. Allerdings gibt es auch frühe Belege für vom Absender bezahlte Sendungen, auch Franko genannt. Beide Begriffe besitzen heute ganz andere Bedeutungen. So ist aus dem Frank das Frankieren geworden, das Freimachen der Postsendung durch Aufkleben der entsprechenden Postwertzeichen. Auch der Name Frankaturware, der Sammelbegriff für diverse Brief- und Paketmarken, stammt von diesem Wort ab. Das Porto ist dagegen heutzutage der allgemeine Überbegriff für die Postbeförderungsgebühren.

Geordnete Verhältnisse – die Briefmarke bringt es auf den Punkt

Dieser ganzen komplizierte Gebührenberechnung der Post machte der Engländer Sir Rowland Hill ein Ende, indem er einheitliche Beförderungsgebühren für das In-und Ausland festlegte. Außerdem setzte er fest, dass Briefe von nun an ausschließlich vom Absender bezahlt werden müssen, und zwar im Voraus. Als Beleg für die Zahlung wird die Sendung mit entsprechenden Briefmarken beklebt und damit (Gebühren-) frei gemacht. Ein Begriff, der sich bis heute im Sprachgebrauch gehalten hat.

Einen Nachteil hat diese neue Gebührenordnung der Post allerdings: Der Empfänger muss den Brief nun stets annehmen. Vor der Reform war es noch möglich, die Annahme zu verweigern und die Sendung zurück gehen zu lassen.

Sammelgebiet Vorphilatelie – welche Schätze kommen ins Album?

Wenn Sie Vorphilatelie sammeln möchten, sind vor allem die kompletten Briefe mit ihren Vermerken und Stempelungen auf dem Umschlag interessant. Es gibt auch Vorläufer unserer heutigen Briefmarken, jedoch sind diese kaum oder gar nicht erhalten geblieben. Altbriefe jedoch gibt es noch in großer Menge. Vielen Leuten macht es Spaß, diese aufzustöbern, zu sammeln und zu katalogisieren. Dazu eignet sich am besten ein Blanko-Album, in das Sie Schutztaschen für die einzelnen Briefbögen und Umschläge einheften können. Denn der besondere Reiz bei Altbriefen ist ihre zum Teil sehr aufwendige Gestaltung mit verschiedenen Schriftzügen, Stempelungen und Verschlüssen mit Stempel und Siegelwachs. Die speziellen Sammelhüllen sind frei von Weichmachern und anderen Stoffen, die dem alten Papier Schaden zufügen könnten. Sie bewahren die alten Umschläge vor Beschädigungen und Verschmutzung und ermöglichen gleichzeitig das Betrachten von beiden Seiten, ohne dass die Briefe dazu aus ihrer Schutzverpackung genommen werden müssen. Wenn sie eine Sammlung planen und ein Zwischenlager benötigen, können Sie auch erst einmal ein einfaches Einsteckalbum oder einen Schuhkarton verwenden. Wichtig ist jedoch, dass die Altbriefe stets trocken, luftig und dunkel gelagert werden. Am besten senkrecht stehend und nicht liegend, um Beschädigungen durch Druck zu vermeiden.

Eine andere Idee zur professionellen Aufbewahrung von Vorphilatelie ist eine Kartonbox mit Pergaminhüllen, die auf stabilen Karton geklebt werden. Pergamin besteht aus lebensmittelechtem, lösemittelfreiem Transparentpapier. Hüllen aus Pergamin werden speziell für die Aufbewahrung empfindlicher Produkte wie Röntgenbilder, Filmmaterial, Fotos oder Philatelie verwendet.

Das Handwerkszeug der Vorphilatelisten

Neben einem geeigneten Sammelalbum, -ordner oder -karton sind auch die üblichen Hilfsmittel des Philatelisten für Altbriefsammler nützlich. Dazu gehören feine Pinzetten ebenso wie eine gute Lupe und eine helle Lampe. Damit können Sie die einzelnen Stücke vorsichtig aufnehmen, genau untersuchen und etwaige Beschädigungen erkennen. Die wichtigste Ausrüstung für Vorphilatelisten ist allerdings eine gut sortierte Bibliothek. Denn anders, als bei der Philatelie gibt es für Altbriefe und Postgeschichte kaum Kataloge, an denen sich die Sammler orientieren können. Um jedoch ein Teilgebiet der Vorphilatelie wirklich verstehen und beurteilen zu können, benötigen Sie als Sammler ein umfangreiches Hintergrundwissen. Dazu gehören sowohl Kenntnisse über die Postgeschichte des jeweiligen Landes und Kontinents als auch die dazu gehörige Geografie und Geschichte. Sie müssen die damaligen Postwege kennen, die für diese Epoche geltenden Landesgrenzen sowie den Einfluss von Kriegen und politischen Bündnissen auf das Postwesen, seine Routen und die Gebührenabkommen. Sammler von Altbriefen tauchen daher quasi komplett in das jeweilige Zeitalter ein und forschen gewissenhaft nach den postgeschichtlichen Hintergründen. Bei eBay finden Sie beispielsweise jede Menge Literatur zur Geschichte einzelner Epochen sowie Kunst & Kultur der Länder für ein detailliertes Selbststudium. Auch ein Besuch in den Stadtarchiven bedeutender Handelsposten kann Aufschluss über historische Hintergründe der Vormarkenzeit geben.

Stempelkunde

Auch die verwendeten Poststempel der damaligen Zeit sind ein Fachgebiet für sich. Da sie in der Vormarkenzeit die Postwertzeichen ersetzen, ist Stempelkunde für Vorphilatelisten ein absolutes 'muss'. Einen ersten Überblick über die gebräuchlichen Stempelungen gibt zum Beispiel der Sammlerkatalog 'Michel Deutschland – Spezial'.

Sammlerstücke aus der Vormarkenzeit aufspüren

Da Briefe aus der Zeit vor Einführung der Briefmarken seltener gesammelt werden, als Frankaturware und Ganzsachen neueren Datums, sind sie auch relativ schwer zu beschaffen. Allerdings können Sie auf eine große Auswahl an Vorphilatelie-Material aus Altdeutschland, Europa und Übersee zurückgreifen. Außerdem ist es manchmal hilfreich, die Augen nach geeigneter Kiloware oder Dachbodenfunden aufzuhalten. Manchmal verkaufen Hinterbliebene Ganzsachen aus der Vormarkenzeit, weil sie einen Haushalt oder die Sammlung von Verstorbenen auflösen. Hier können sowohl Einsteiger als auch Profis fündig werden und ihre Sammlung unter Umständen um manch ein schönes Stück erweitern.

Fazit

Die Vorphilatelie oder Vormarkenkunde beschäftigt sich mit der Postgeschichte vor der Einführung der Briefmarken. Dieser Bereich der Philatelie ist in Sachen Recherche sehr aufwendig, da er Kenntnisse in der Landeskunde, Geschichte und der Postbeförderung der damaligen Zeit und des jeweiligen Gebiets voraus setzt. Durch die intensive Beschäftigung ist die Vormarkenzeit jedoch auch eines der spannendsten in der Briefmarken- und Postgeschichte. Die Hintergrundinformationen machen die Epoche äußerst lebendig und interessant. Auch die vielfach gestempelten und beschrifteten Briefsachen sind äußerst dekorativ und erzählen jeweils eine ganz eigene Geschichte. Daher ist Vorphilatelie ein Hobby, in dass Sie einiges an Zeit und Geduld investieren müssen. Dafür werden Sie jedoch auch mit ganz besonderen Fundstücken und persönlichen Schriftstücken belohnt.

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