Tipps zum Kauf einer hochwertigen Violine: Diese europäischen Geigenbauer sollten Sie kennen

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Tipps zum Kauf einer hochwertigen Violine: Diese europäischen Geigenbauer sollten Sie kennen

Die Violine, oder auch Geige genannt, ist ein Streichinstrument mit vier Saiten, das in Europa seit Anfang des 16. Jahrhunderts hergestellt wird. Dabei hat sich an der Herstellung und Konzeption einer Geige im Laufe der vergangenen Jahrhunderte nichts maßgeblich verändert. Die Violine wird auch heute noch traditionell von Geigenbauern in manueller Feinarbeit aus Holz gefertigt. Es gibt nur wenige Violinen, die in Serie aus Kunststoff gebaut werden und der Klang von serienmäßig produzierten Holzgeigen wird allgemein als minderwertig betrachtet. Das liegt daran, dass die Qualität einer Geige im Wesentlichen daran gemessen wird, welcher Geigenbauer sie hergestellt hat und welche Hölzer er wie verarbeitet hat. Dieser Ratgeber soll Sie Ihnen nützliche Tipps geben, wenn Sie sich ein Exemplar dieser beliebten Streichinstrumente kaufen wollen.

Qualitätsmerkmale einer Violine – entscheidend ist der Geigenbauer

Für den Violinenbau werden verschiedene Holzarten benutzt, deren Eigenschaften, wie zum Beispiel der Faserverlauf und die Maserung, sich jeweils unterschiedlich auf Klang, Stabilität und Aussehen einer Geige auswirken. Auch hier gibt es Qualitäts- und Preisunterschiede.

Geigenbogen und Holz

Für den Geigenbogen gilt eine Holzart aufgrund ihrer Elastizität als besonders geeignet: das seltene, rote Holz Pernambuk. Da dieses sehr teuer ist, werden viele Bögen stattdessen aus Brasilholz oder Kohlefaser gebaut.

Welches Holz ein Geigenbauer für welche Teile der Geige bevorzugt, hängt jedoch schließlich sehr stark von seinem persönlichen Geschmack ab. Grundsätzlich gilt, dass das Holz einer qualitativ hochwertigen Violine entlang dem Verlauf seiner Fasern gespalten und unter der Beachtung von Umwelteinflüssen gelagert wird. Schwammige und drehwüchsige Hölzer sowie solche, die zu dichte Fasern haben oder von Pilzen befallen sind, mindern die Qualität einer Geige. Ein guter Geigenbauer ist aber durchaus in der Lage, natürliche Defizite im Wuchs des Holzes durch handwerkliches Geschick und langjährige Erfahrung im Umgang mit verschiedenen Hölzern auszugleichen.

Lack

Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist der Lack einer Geige, mit dem das Holz zu seinem Schutz bestrichen wird. Der Lack beeinflusst nicht nur den optischen Eindruck einer Violine, sondern auch ihren Klang. Ein guter Lack hat die richtige Konsistenz, ist insbesondere nicht zu hart und dringt nicht zu tief ins Holz ein, sodass dieses in seiner Schwingfähigkeit nicht beeinträchtigt wird. Der Lack einer Violine muss zudem fachgerecht, nicht zu dünn und nicht zu dick, aufgetragen werden.

Saiten

Die Geigensaiten können ebenfalls unterschiedlicher Qualität sein. In der Regel haben sie einen Kern aus Stahldraht, Kunststoff oder Darm und eine sogenannte „Umspinnung" aus Silber- oder Aluminiumdraht. Je nach Material sind Saiten mehr oder weniger empfindlich gegen Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen.

Leim

Die einzelnen Teile der Geige, zum Beispiel der Korpus und das Griffbrett, werden mit Leim zusammengehalten. Auch der Leim bestimmt die Qualität einer Violine mit. In der Regel wird Leim verwendet, der aus Tierhaut oder -knochen hergestellt wird. Qualitativ hochwertiger Leim löst sich in Wasser und weicht bei Temperaturen zwischen 50 und 60 Grad Celsius auf. Dies ermöglicht dem Geigenbauer, die einzelnen Bauteile voneinander zu trennen und gegebenenfalls zu reparieren oder auszutauschen.

Geigenbauer können zudem den Wert einer Geige dadurch erhöhen, wie sie ihren Rand mit linienförmigen Einlagen oder sogenannten Adern verzieren oder die Schnecke und den Schnitt der f-Löcher gestalten. Auch hier kommt es dabei stark auf die Kreativität und den Geschmack des einzelnen Geigenbauers an. Insbesondere anhand einer Schnecke kann man deshalb oft erkennen, welcher Geigenbauer das Instrument hergestellt hat.

Pflege und Erhaltung einer Geige

Die Qualität einer Geige bemisst sich aber nicht einzig an ihrer Herstellung. Insbesondere spielt die richtige Pflege und Erhaltung eine wichtige Rolle, da viele Instrumente mehrere Jahre oder gar Jahrhunderte alt werden können. Das Holz von Violinen kann sich bei unsachgemäßer Lagerung wölben, reißen oder von Würmern befallen werden, was die Qualität einer auch vormals wertvollen Geige erheblich beeinträchtigen, wenn nicht sogar zerstören kann. Auch Reparaturen können einer Violine, wenn sie nicht fachgerecht durchgeführt werden, schaden.

Geigenbau ist Arbeit aus Meisterhand

Der Bau einer qualitativ hochwertigen Violine ist also eine handwerkliche Meisterleistung, die nicht nur Talent und Präzisionsarbeit erfordert, sondern auch physikalisches Wissen und Materialkenntnisse voraussetzt. Die Qualität einer Geige hängt deshalb ganz entscheidend von der handwerklichen Fertigkeit, Erfahrung und Kreativität eines Geigenbauers ab. Es ist folglich nicht erstaunlich, dass auf dem Gebiet des Geigenbaus einige wenige Geigenbauer weltweit herausragen. Die europäischen Häuser Stradivari, Amati, Ruggeri, Regazzi, Rautmann und Schleske sollten Sie kennen, wenn Sie sich für Violinen interessieren. 

Stradivari – Hersteller der teuersten Geige aller Zeiten

Wer kennt diesen Namen nicht? Für viele gilt er als bester Geigenbauer aller Zeiten. Violinen des italienischen Geigenbauers Antonio Giacomo Stradivari, oder auch Antonius Stradivarius genannt, sind weltweit die wertvollsten und am teuersten gehandelten Geigen. Für eine Original Stradivari müssen Sie heutzutage, wenn denn eine zum Verkauf angeboten wird, Beträge im Millionenbereich zahlen. Der italienische Meister der Geigenbaukunst wurde im Jahre 1644 in Italien geboren und starb im Jahre 1737 in hohem Alter in seinem Heimatland. Seine Wirkungsstätte lag in der norditalienischen Stadt Cremona, seiner Zeit ein bedeutendes Zentrum der europäischen Geigenbaukunst.

Da Stradivari-Violinen weltweit einen so herausragenden Ruf entwickelten, richteten viele Geigenbauer ihre Kunst an dem Handwerk des Altmeisters aus. In der Folge wurde die Stradivari-Violine zu einem gewissen Maßstab und es kam im Geigenbau zu einer nicht unbeachtlichen Vereinheitlichung von Konzeption und Design von Violinen.

Heute befinden sich 144 von Stradivari gebaute Violinen, 18 Bratschen, 63 Celli und fünf Gitarren im Besitz wohlhabender Musiker, Stiftungen und Museen. Neben dem Star-Musiker André Rieu dürfen sich auch Anne-Sophie Mutter, die Stadt Cremona und die Royal Academy of Music zu den wenigen stolzen Eigentümern eines Stradivari-Instruments zählen.

Amati – eine Dynastie von Geigenbauern aus Cremona

Ebenfalls aus dem italienischen Cremona stammt die Familie Amati, die über mehrere Generationen bedeutende Geigenbauer hervorbrachte. Gründer des Traditionsunternehmens war Andrea Amati, der von 1505 bis 1577 lebte. Er erlangte bereits seinerzeit so große Berühmtheit über die Grenzen Cremonas hinaus, dass er auch den Auftrag für die Herstellung von Violinen für den französischen Königshof erhielt. Sein Enkel Nicola Amati, der im 17. Jahrhundert lebte, erlangte die größte Berühmtheit aller Familienmitglieder. Er wählte besonders wertvolle Hölzer für den Violinenbau aus, setzte auf einen weichen Lack und trug dessen oberste Schicht nach der Lackierung ab. Unter seiner Leitung wurden die Amati-Violinen auch in ihrem Aussehen verfeinert, indem Schnecke und Einlagen minutiös verarbeitet wurden. Das für Amati-Geigen charakteristische große Klangvolumen ist auch Nicola Amati geschuldet, der den Hohlkörper vergrößerte.

Nicola Amati war zudem Ausbilder. Zu seinen Schülern sollen neben vielen bekannten Geigenbaumeistern auch Stradivari und Jakob Stainer gezählt haben. Die wenigen von Amati erhaltenen Geigen befinden sich fast alle in Museen, zum Beispiel im „Musée de la Musique" in Paris sowie im „Metropolitan Museum of Art" in New York.

Ruggeri – im Wettstreit mit Amati

Um zu begreifen, welche Bedeutung das kleine Städtchen Cremona für die Geigenbaukunst hatte, ist es unerlässlich, auch die Geigenbaumeister des Ruggeri-Clans zu erwähnen. Wenn Sie heute eine originale Ruggeri-Violine kaufen möchten, gilt dasselbe wie für Amati- und Stradivari-Exemplare. Vorausgesetzt, sie stünde zum Verkauf, würde ihr Preis in die Millionenhöhe gehen. Moderne Geigenbauer orientieren sich gerne und oft an Ruggeri-Geigen.

Am Anfang der erfolgreichen Geigenbauerfamilie stand Francesco Ruggeri, bzw. Franciscus Ruggerius, der im Laufe seines Lebens zwischen 1630 und 1698 in Konkurrenz zu Nicola Amati trat. Die Familien Ruggeri und Amati waren sogar über gegenseitige Patenschaften miteinander verbunden. Nicht erstaunlich ist es, dass es auch gegenseitige Stileinflüsse gibt. Die Ruggeri-Violinen zeichnen sich durch ihre schwungvoll gewölbten Klangkörper und elegant geformten f-Löcher sowie auffällig verzierte Schnecken aus. Francesco Ruggeri erfand zudem das kleinste Cello des 17. Jahrhunderts.

Roberto Regazzi – moderner Geigenbaumeister der Bologneser Schule

Auch ein moderner Meister der Geigenbaukunst kommt aus Italien, wenn auch nicht aus dem Örtchen Cremona. Roberto Regazzi, Jahrgang 1956, ist ein in Bologna ansässiger Geigenbauer, der weltweit einen exzellenten Ruf genießt. Der ehemalige Physikstudent und Autor mehrerer Bücher steht für die Fortführung von Qualitätsarbeit der Bologneser Schule der Geigenbauer Pollastri, Poggi und Bignami. Neben Violinen baut er auch Gitarren. Er ist Träger verschiedener Preise und Auszeichnungen und stand einige Jahre dem Europäischen Verband der Geigenbauer und Bogenmacher als Präsident vor. Anne-Sophie Mutter, Boris Belkin und Ruggiero Ricci sind nur einige der zeitgenössischen Musikerinnen und Musikern, die auf Instrumenten von Regazzi spielen.

Rautmann – Geigenbautradition aus Braunschweig

Deutschland hat ebenfalls eine Reihe bedeutender Geigenbauer hervorgebracht. Es sei hier das älteste Unternehmen, das im Jahre 1844 vom gelernten Tischler Carl Rautmann gegründet wurde, genannt. Die Familie Rautmann betrieb bis 2008 über fünf Generationen eine Meisterwerkstatt der Geigenbaukunst. Carl Rautmann legte besonders viel Wert auf die Auswahl seiner Hölzer und legte umfassende Vorräte ausgewählter Hölzer an. Neben Violinen entstammen auch Kontrabässe, Celli und Violen der Rautmannschen Schmiede. Auf der Wiener Weltausstellung 1873 erhielten einige Rautmann-Instrumente Preise und Auszeichnungen. Die berühmten Musiker Tibor Varga, Walter Fenske und Yehudi Menuhin kauften und spielten Instrumente der Firma Rautmann.

Martin Schleske – Stradivari unserer Zeit

Als „Stradivari des 21. Jahrhunderts" und als einer der bedeutendsten Geigenbauer der Gegenwart wird von einigen der deutsche Diplomingenieur Martin Schleske bezeichnet. 1965 in Stuttgart geboren, lebt und wirkt der studierte Physiker heute in seiner Werkstatt in Grubmühl, die jährlich insgesamt rund 20 Geigen, Bratschen und Violoncelli in meisterlicher Handarbeit fertigt. Der Werdegang von Martin Schleske ist beeindruckend. An seine Ausbildung an der Staatlichen Geigenbauschule im bayrischen Mittenwald schloss Martin Schleske ein Studium der Phsyik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft in München ab. Seine Diplomarbeit schrieb er zum Thema „Eigenschwingungen im Werdegang einer Geige". Schleske ist auch Autor des Buches „Klang" und hält regelmäßig Vorträge.

Wenn Sie eine Violine erwerben möchten, finden Sie ein großes Angebot an neuen und gebrauchten Geigen. Darunter sind nicht nur Violinen für Erwachsene, sondern auch Kinderviolinen finden. Zum Üben und Spielen stehen außerdem zahlreiche Noten für Violine zur Verfügung.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden