Tipps für den Kauf von antiquarischen Büchern aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

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Tipps für den Kauf von antiquarischen Büchern aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Der Schlüssel zu vergangenen Epochen 

Die Geschichte – so sagt man – ist ein guter Lehrmeister. So lassen sich bei der Betrachtung früherer Geschehnisse viele Erkenntnisse gewinnen, die auch für die heutige Zeit wertvoll sind. Besonders eindringlich und authentisch wird so ein Blick zurück allerdings nur, wenn er möglichst unverfälscht gelingt. Dies ist beispielsweise mithilfe von Literatur möglich, die in einer bestimmten Epoche entstanden ist. In solchen Werken spiegeln sich die damaligen Lebenswelten wieder und Sie können erfahren, was die Menschen damals bewegte, wie Sie dachten und weshalb sie so manche Entscheidung trafen, die uns heute nicht mehr recht nachvollziehbar erscheint.

Die antiquarischen Bücher stellen also einen wertvollen Schlüssel zum Verständnis früherer Zeiten dar. Stöbern Sie in den Angeboten eines Antiquariats, so könnte Ihre Wahl beispielsweise auf antiquarische Bücher aus der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts fallen – einer Zeit voller Umbrüche und gesellschaftlicher Veränderungen.

Die Auswahl der Werke aus dieser Zeit ist groß und reicht vom antiquarischen Roman über das historische Lexikon bis hin zum alten Kochbuch. So fällt die Entscheidung für das eine oder andere Werk mitunter nicht leicht. Mit dem vorliegenden Einkaufsratgeber erhalten Sie jedoch eine praktische Hilfestellung für Ihre Auswahl. Er informiert über die historischen Zusammenhänge und hält zahlreiche Tipps für Ihren Kauf bereit. Insbesondere erfahren Sie mehr über die Besonderheiten und Unterscheidungsmerkmale der Literatur von 1850 bis 1900.

Entdecken Sie die Epoche, in der Bücher des neunzehnten Jahrhunderts entstanden

Wer wissen will, was die Entstehungsgeschichte alter Bücher bestimmte, sollte sich immer auch mit der passenden Zeitgeschichte auseinandersetzen. Die Bücher, um die es hier gehen soll, entstanden in der Phase zwischen 1850 und 1900, die literaturgeschichtlich dem Naturalismus zugeordnet wird. Die Zeit war geprägt von der Industrialisierung, die immer weiter um sich griff und die den Alltag der Menschen maßgeblich veränderte. Während man in den Jahren zuvor oft noch in Heimarbeit oder in bäuerlichen Gemeinschaften seinem Tagwerk nachging, ging es nun darum, in den Fabriken – oft unter menschenunwürdigen Bedingungen – zu schuften. Bis zu Bismarcks Abtritt im Jahr 1890 herrschte dennoch eine gewisse politische Stabilität in Deutschland. Jedoch waren die Aufrüstung und die außenpolitischen Spannungen bereits spürbar und die Atmosphäre, die bald zum Ersten Weltkrieg führen sollte, verdichtete sich.

Die Literatur der damaligen Zeit spiegelte genau diese Situation und den Lebensalltag der Menschen wieder. Verstärkt wurden sozial- und gesellschaftskritische Themen aufgegriffen und die Romane erzählten unter anderem von Armut, Hunger und schwierigsten Lebensbedingungen von Kindesbeinen an. Gleichzeit kamen aber auch Themen wie Humanität und Toleranz auf und es gab einen starken Bezug zur Naturwissenschaft, die in dieser Phase mit bedeutenden Erkenntnissen und Erfindungen das Leben prägte. So wurde beispielsweise 1884 die Dampfturbine erfunden, der erste Dieselmotor lief im Jahr 1893 und ab 1887 gab es Schallplatten. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts, genauer gesagt im Jahr 1890 – begann literaturhistorisch betrachtet die Moderne. Nun ging es in den Werken der Zeit auch vermehrt um Individualität und Subjektivität und man ging dazu über, viel mit Metaphern, Symbolen und Bildern zu arbeiten. Die Literatur, so sagte man oft, sei nur sich selbst verpflichtet.

Wählen Sie antiquarische Bücher aus der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts nach Genres aus

Bereits der kurze Überblick über die Entwicklungen jener Zeit wird vielleicht Ihr Interesse geweckt haben. Ist dies der Fall, können Sie sich auf die Suche nach dem Buch aus der Zeit um 1900 oder aus der Zeit davor begeben, das Sie am meisten anspricht. Diese Entscheidung kann je nach Ihrer Interessenlage ganz unterschiedlich ausfallen. Wenn Sie sich für eine bestimmte Thematik ganz besonders interessieren – beispielweise für das Kochen, für die Kunst oder für ein Handwerk – so können Sie Ihre Wahl gezielt in diese Richtung eingrenzen. So wird es Ihnen problemlos möglich sein, ein Kochbuch aus der Zeit um 1950 zu erwerben.

Weitaus mehr über die Geschichte und die damalige Gesellschaft werden Sie natürlich anhand anderer Werke erfahren. Allen voran seien hier Romane und Gedichte des neunzehnten Jahrhunderts genannt, die von Armut, Bedrohungen und der Lebenswelt einfacher Bürger berichten. Auch Sachbücher wie zum Beispiel politische Werke, Kinderbücher oder Biographien können Ihnen weiterhelfen, wenn Sie die Welt des neunzehnten Jahrhunderts verstehen möchten. Hier werden Ihnen sicherlich auch viele wichtige Themen der damaligen Geistesgeschichte begegnen wie z.B. der Darwinismus als wichtige Evolutionstheorie der damaligen Zeit oder auch der Determinismus, der besagte, dass es keinerlei freien Willen gäbe. Der oft unumstößliche Glaube an die Fortschritte der Wissenschaft ist ebenfalls zu spüren und kommt auch in so mancher Romanfigur der damaligen Zeit zum Ausdruck.

Orientieren Sie sich bei Büchern aus der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts an den Entstehungsjahren

Gerade wenn Sie sich für historische Entwicklungen interessieren, sollten Sie bei Ihrer Auswahl historischer Werke aus der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts möglichst kleinteilig vorgehen. Nur wenn Sie beim Lesen die chronologische Reihenfolge innerhalb des neunzehnten Jahrhunderts berücksichtigen, werden Sie auch die langsamen Veränderungen spüren und „erlesen“ können, die sich im Laufe der Jahre ergaben.

Dies mag weniger dann der Fall sein, wenn Sie sich für Kochbücher interessieren und beispielsweise ein Kochbuch aus der Zeit um 1900 mit einem Kochbuch von 1860 vergleichen – auch wenn sogar hier die eine oder andere Entwicklung erkennbar sein mag. Doch wenn Sie sich mit Prosa und Lyrik befassen, spielt das Erscheinungsjahr eine sehr große Rolle. So erschient beispielsweise 1851 das eindrucksvolle Werk „Onkel Toms Hütte“ von Harriet Beecher Stowe, welches das Schicksal von Sklaven in den Vereinigten Staaten darstellte und auf die dramatischen Lebensumstände derselben hinwies. In der literarischen Welt erregte seinerzeit auch das Buch viel Aufmerksamkeit, das später die Grundlage für die Oper "La Bohème" von Giacomo Puccini darstellen würde. Es handelte sich um „Les scènes de la vie de bohème“ von Henri Murger.

Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts waren eher die Werke von Henry James – unter anderem „The Turn of the Screw“ bedeutsam. In Deutschland wurde im Jahr 1898 unter anderem „Erdgeist“ von Frank Wedekind uraufgeführt. Das Stück thematisierte den gesellschaftlichen Aufstieg eines einfachen, freizügigen Mädchens und geriet aufgrund seiner damals als moralisch bedenklich eingestuften Inhalte in die Kritik.

Entscheiden Sie sich für wichtige Buchtitel aus der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts

Wie der Blick auf die Jahre und Jahrzehnte des späten neunzehnten Jahrhunderts bereits zeigt, waren es auch literarische Werke, die die Menschen beeinflussten. Bücher gehörten seinerzeit noch zu den wichtigsten Medien und wurden viel und gerne als Grundlage für gesellschaftliche Diskussionen genutzt.

Wichtige und besonders schöne Ausgaben aus der damaligen Zeit können Sie auch anhand des Titels auswählen. Einige wichtige Romane und Theaterstücke wurden vorausgehend bereits erwähnt, doch das Angebot an historischer Literatur ist natürlich sehr viel größer. Während einige Bücher wie beispielweise eine Bibel aus der Zeit um 1900 eher wegen ihrer Herstellungs- und Druckart eine historischer Rarität sein können, spielen bei anderen Werken auch die der Zeit entsprechenden Inhalte eine große Rolle.

Beide Variablen – Herstellungsart und Inhalt – können allerdings auch in ein und demselben Buch besonders vorteilhaft kombiniert sein. Ein Beispiel hierfür sind die vielen Jules-Verne-Prachtausgaben, die noch bis in die heutige Zeit erhalten geblieben sind. Über die damalige Einschätzung zeitgenössischer und älterer Kunst geben dagegen historische Werke aus dem Deutschen Kunstverlag Aufschluss. Darüber hinaus sind auch alte Lexika bezüglich ihres geschichtlichen Werts nicht zu unterschätzen. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts erschienen gleich zwei wichtige lexikalische Werke, nämlich das Brockhaus Konversationslexikon von 1895 und Meyers Konversationslexikon von 1890. Blättern Sie heute die Bände dieser Lexika durch, so werden Sie vieles über den damaligen Kenntnisstand in ganz unterschiedlichen Wissensgebieten erfahren. Gerade deswegen, weil die Naturwissenschaften und die Technik in dieser Phase der Geschichte entscheidende Impulse erhielten, ist ein solcher Blick in die Geschichte sowohl für Laien als auch für heutige Fachleute der einzelnen Sparten sehr interessant.

Entdecken Sie antiquarische Bücher aus der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts nach Verlagen

Eng verbunden mit der Auswahl antiquarischer Werke nach den wichtigsten Buchtiteln ist auch die Wahl anhand der Verlage und Herausgeber, die für die Bücher verantwortlich waren. Viele kleine und auch mehrere große Verlage waren in der damaligen Zeit in Deutschland aktiv und einige von ihnen konnten hervorragende Umsätze generieren, weil sie sich die Rechte an wichtigen Werken sicherten.

Ein Beispiel dafür sind antiquarische Werke aus dem Verlag Braun-Schneider. Bei diesem Verlag handelt es sich um das Unternehmen, das beispielsweise das Buch „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch verlegte. Der Verlag wurde im Jahr 1843 gegründet und war in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts sehr aktiv in verschiedenen literarischen Sparten tätig. Vorausgegangen war dem Verlag eine sogenannte „Anstalt für Holzschneidekunst“, was wohl auch den Weg für die eindrucksvollen Illustrationen von „Max und Moritz“ ebnete. Autoren und Illustratoren, deren Werke bei Braun & Schneider verlegt wurden, waren auch Moritz von Schwind, Carl Spitzweg und Ludwig Bechstein.

Auch historische Werke aus dem Stalling Verlag könnten Ihre Aufmerksamkeit erregen, wenn Sie sich für Bücher aus dem neunzehnten Jahrhundert interessieren. Der Verlag wurde 1789 gegründet und war bis 1983 in Oldenburg aktiv. In der Anfangszeit wurden hier vor allem Schulbücher, aber auch belletristische Werke und plattdeutsche Erzählungen verlegt. Darüber hinaus wurde auch die „Oldenburger Zeitung“ in dem Verlag verlegt und es erschien seit dem Jahr 1902 auch die Fachzeitschrift „Buchdruckerwoche“, deren Lektüre einiges über die Geschichte der Printmedien eröffnen kann.

 
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