Tipps für den Kauf von antiken Minerva-Puppen

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Tipps für den Kauf von antiken Minerva-Puppen

Minerva-Puppen wurden von der Firma Buschow & Beck hergestellt. Die beiden Firmengründer Wilhelm Buschow und Friedrich Beck übernahmen 1890 eine Firma für Metallpuppenköpfe in Reichenbach im Eulengebirge (Schlesien). Nach wenigen Monaten bereits verließ Wilhelm Buschow die Firma wieder. Sie wurde dann von Friedrich Beck unter demselben Namen fortgeführt. Bis 1895 wurden Metallpuppenköpfe in Schlesien gefertigt. 1896 wurde der Firmensitz in das sächsische Nossen verlegt.

Die Firma hinter der Marke Minerva

Die Marke "Minerva" (Göttin des Handwerks, der Weisheit und der schönen Künste) wurde 1900 eingetragen und fortan verwendet. Man produzierte nun Puppenköpfe aus Messingblech, die man zum Schutz mit einer Schicht aus Celluloid überzog. Das Material Blech hat die negative Eigenschaft, dass die Farbe darauf schnell abblättert und rasch zerkratzt. Bei der Suche nach einer Lösung war man auf Celluloid gestoßen. Darauf ließ sich die Farbe viel haltbarer anbringen. Bezogen wurde das Celluloid von der Firma Schildkröt-Puppen, damals Marktführer in der Puppenproduktion. Das gelieferte Rohcelluloid wurde bei Buschow & Beck durch eigene Rezepturen weiter verbessert. Schildkröt gefiel die immer stärker werdende Konkurrenz nicht und so stellte die Firma 1903 ihre Lieferungen an Buschow & Beck ein. Nach kurzer Zeit gelang es dem Unternehmen aber, das benötigte Celluloid in guter Qualität selbst herzustellen.

Aber auch in anderen Bereichen war man bei Buschow & Beck innovativ und erfinderisch. Bis zum Ersten Weltkrieg erwarb man zahlreiche Schutzrechte und meldete Patente an. Die Wichtigsten waren "Emailleüberzug für Puppenkörperteile aus Celluloid", "Feststellvorrichtung für Schlafaugen", "Kugelgelenk, insbesondere für Celluloidpuppen" und "Puppenaugenlagerung für Puppenköpfe". Aber auch ein neues Lötverfahren, um Metallteile zu verbinden, wurde patentiert. Während des Ersten Weltkriegs war Celluloid als kriegswichtiger Rohstoff selten und teuer geworden. Daher wurden in dieser Zeit die Puppenköpfe wieder nur aus Metall gefertigt. Nach dem Krieg stellte man rasch wieder auf Celluloid-Puppen um. Um 1920 waren etwa 850 Menschen für die Firma tätig, von denen circa 600 Personen Kleidung und Accessoires der Puppen in Heimarbeit herstellten. Lediglich die Puppenkörper wurden in den Werkshallen gefertigt.

Minerva Puppen waren von höchster Güte und wurden weltweit verkauft. Auf Messen und Ausstellungen wurden sie mit goldenen und silbernen Medaillen ausgezeichnet. Im Jahre 1922 verließ auch Friedrich Beck die Firma. Sein Sohn Kurt und zwei Söhne von Adam Beck wurden nun Teilhaber. In dieser Zeit wurden verstärkt Klein- und Puppenstubenpuppen gefertigt. Die Marke "Minerva" wurde 1950 gelöscht. Entgegen anderslautenden Behauptungen wurde die Herstellung von Celluloidpuppen aber nicht eingestellt. Noch bis 1972 produzierte die Firma Puppen und anderes Spielzeug aus dem Rohstoff Celluloid. Entscheidend für das Produktionsende war ein Verbot von Celluloid für Kinderspielzeug, da Produkte aus diesem Material leicht brennbar sind.

Das Warenzeichen von Minerva

Das Warenzeichen besteht aus einem halbrunden Schriftzug des Wortes MINERVA. Im Halbkreisbogen eingebettet ist ein stilisierter, römisch anmutender Helm. In einer Variante ist der Helm weniger stilisiert, sondern mehr ausgearbeitet. Außerdem wurde der Begriff "Schutzmarke" in gerader Schrift darunter gesetzt. Meist ist das Warenzeichen auf der Brustplatte eingeprägt. Darunter befindet sich eine Größenangabe als Ziffer. Der Zusatz "Germany" macht die Signatur komplett. Zu Beginn der Benutzung der Marke Minerva soll ein Bildnis einer Frau mit Helm verwendet worden sein.

Das Material Celluloid bei Minerva-Puppen

Celluloid wird als der erste Thermoplast bezeichnet. Thermoplaste sind Kunststoffe, die sich durch den Einsatz von Hitze formen lassen. Als Ausgangsmaterialien dienen Cellulosenitrat und Campher. Cellulosenitrat ist eine faserige Masse und wird umgangssprachlich auch als Schießbaumwolle bezeichnet. Campher, umgangssprachlich Kampfer, dient dazu den Kunststoff weich und geschmeidig zu machen. Celluloid wurde bis in die 1950er-Jahre für die Produktion von vielen Produkten verwendet. Bekanntestes Beispiel ist das Filmmaterial in Foto- und Filmkameras. Tischtennisbälle werden noch heute daraus hergestellt. Leider ist Celluloid schnell entflammbar und verbrennt auch bei Luftabschluss. Besonders problematisch bei Spielzeug ist die Empfindlichkeit gegen Stöße und Druck.

Ebenfalls negativ, im Hinblick auf die Haltbarkeit von Celluloid-Produkten, ist die Flüchtigkeit des Weichmachers Kampfer. Man kann davon ausgehen, dass der Kampfer bei antikem Spielzeug und Puppen aus dem Celluloid komplett verflogen ist. Das Material wird dann spröde. Lediglich die statische Form hält die Produkte heute noch zusammen. Es gibt auch kein Verfahren, den Weichmacher oder einen Ersatzstoff, wieder in das Material hinein zu bringen. Daher sollten Sie Puppen aus dem Rohstoff Celluloid ganz vorsichtig behandeln. Auf keinen Fall sollten sie in die pralle Sonne gestellt werden, zum Beispiel auf ein Fensterbrett. Eine starke Beleuchtung in einer Vitrine kann dieselbe Wirkung haben. Bei der Reinigung sollten Sie sparsam mit Wasser sein. Wasser kann die Oberflächen angreifen und matte Stellen verursachen. Auf alkohol- oder lösungsmittelhaltige Substanzen sollten Sie gänzlich verzichten. In Fachkreisen wird Rasierschaum aus der Sprühdose empfohlen, da darin kaum Wasser enthalten ist.

Grundsätzliche Aspekte beim Kauf von Minerva-Puppen

Da es sich bei Minerva-Puppen um ein Spielzeug handelt, muss man mit Beschädigungen rechnen. Hinzu kommen die besonderen Alterungsprobleme des Materials Celluloid. Nicht zu vergessen sind die Umstände der Lagerung der bis zu einhundert Jahre alten Celluloid-Puppen. War die Puppe langer oder starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt, hat ihr das ebenso zugesetzt wie häufige und starke Temperaturschwankungen durch die Lagerung in unbeheizten Kellern oder zugigen Dachböden.

Sonnenlicht fördert außerdem das Verblassen der Farben. Daher sollten Sie immer bekleidete und unbekleidete Stellen untersuchen. Gibt es starke Unterschiede in der Farbsättigung, war die Puppe lange der Sonne ausgesetzt. Eine einmal verblasste Farbe lässt sich auch nicht wieder auffrischen, da eine entsprechende Behandlung dem beanspruchten Material stark zusetzen würde. Die Färbung kann auch ein Indiz dafür sein, ob die Puppe im Originalzustand ist oder Teile ergänzt beziehungsweise ausgetauscht wurden. Letztendlich kommt es auch auf das Modell selbst an. Mängel an einem häufig vorkommenden Modell aus den 50er- und 60er-Jahren wiegen schwerer als vergleichbare Makel an einem seltenen Modell aus den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Beachten Sie außerdem, wer die Minerva-Puppe anbietet. Handelt es sich um einen seriösen Händler mit Sachverstand, wird er Ihnen gerne und bereitwillig Auskunft über das Objekt geben. Handelt es sich aber um private Anbieter, die ein Erbstück oder einen Dachbodenfund offerieren, ist häufig keine Detailkenntnis vorhanden. Umso mehr müssen Sie als Käufer wissen und die richtigen Fragen stellen. Dabei kann Ihnen entsprechende Fachliteratur bzw. ein spezielles Puppenbuch die notwendigen Detailinformationen liefern und Preisführer beim Finden eines angemessenen Kaufpreises helfen. Standardwerke sind der "Celluloid-Preisführer" von Anne Stitz und "Zelluloid-Puppen sammeln" von Angelika Lipinski. Neben Büchern gibt es auch bestimmte Puppenmagazine zum Thema Minerva-Puppen.

Diese Makel bei Minerva-Puppen sind noch akzeptabel

Haben Sie ein Modell ins Auge gefasst, das Abstoßung aufweist, gilt es zwischen heiklen und akzeptablen Befunden zu unterscheiden. Deformationen, Risse und Löcher an den Beinen sind relativ einfach zu beheben. Lohnt eine Reparatur aufgrund der Schwere des Schadens nicht, sind ganze Puppenteile problemlos zu ersetzen, da ausreichend Ersatzteile in guter Qualität verfügbar sind. Für zerstörte Rümpfe gilt Ähnliches. Sind die Augen der Puppe in den Kopf gefallen oder das Schlafaugengestell aus der Verankerung gegangen, repariert Ihnen das ein guter Puppen-Doktor leicht wieder. Allerdings sollten Augen und Mechanik nicht schadhaft sein. Ein Puppenkopf, der fest am Korpus verankert ist, macht die Sache zwar schwieriger, aber nicht unmöglich. Problematischer ist der Ersatz von Schlafaugengestellen und einzelnen Augen. Diese im Original wieder zu beschaffen ist oft schwierig und dadurch teuer. Möchten Sie eine Minerva-Puppe mit einem solchen Handicap erwerben, sollten Sie das unbedingt einkalkulieren. Um den Charakter der Puppe zu erhalten, sehen Sie von Flickschusterei und Billiglösungen wie beispielsweise einfachen Plastikaugen ab.

Bei diesen Fehlern ist Vorsicht geboten

Der Kopf ist für den Charakter und das gesamte Erscheinungsbild einer Puppe enorm wichtig. Daher wiegen Beschädigungen am Kopf schwerer als beispielsweise an den Gliedmaßen. Finden sich nur geringe Blessuren, kleine Löcher oder Risse, ist das von einem geübten Restaurator leicht zu beheben. Bei großen Verformungen, zahlreichen Rissen und großen Löchern entscheidet die Position am Kopf über Reparaturwürdigkeit oder Totalschaden. Ist der Hinterkopf betroffen, ist es einfacher und weniger aufwendig, fehlende Teile nach zu modellieren. Muss jedoch die Gesichtspartie rekonstruiert werden, lohnt eine Reparatur nur bei extrem seltenen Stücken. Zwar kann ein sehr geübter Restaurator Nasen, Münder und Ohren nachbilden aber häufig wird der ursprüngliche Gesichtsausdruck nicht ganz erreicht. Außerdem sind solche Arbeiten sehr zeitintensiv und damit teuer.

Auf die Bekleidung der Celluloid-Puppen müssen Sie ebenfalls achten. Ist diese stark verschmutzt, zerrissen oder fehlt muss Ersatz beschafft werden. Leider ist die Ersatzteilversorgung im Bereich Kleidung schlecht. Daher kann es sehr zeitaufwendig bis unmöglich sein, Originale zu finden. Als Notlösung kann Neuware dienen. Achten Sie dabei aber unbedingt auf stimmiges Material und Design der Kleidung. Im Zweifel recherchieren Sie in der Fachliteratur, wie die Puppen von Minerva beim Verkauf ausgestattet waren. Grundsätzlich sollten Sie Reparaturen nur vom Fachmann ausführen lassen. Er weiß, was er tun darf und was nicht. Außerdem verfügt ein guter Puppen-Doktor über die notwendige Übung, um Modellierarbeiten sauber auszuführen. Keinesfalls sollten Sie mit handelsüblichen Klebern vermeintlich kleinere Reparaturen selbst vornehmen.

Die wichtigsten Punkte für den Kauf einer Minerva-Puppe zusammengefasst

Achten Sie beim Kauf darauf, ob Arme, Beine, Kopf und Rumpf dieselbe Färbung aufweisen. Gibt es dort Unterschiede, kann dies ein Hinweis auf ersetzte Teile oder Reparaturen sein. Auch sollten sie die gleiche Größenangabe haben. Der Originalzustand ist preislich höher zu bewerten. Ebenfalls preismindernd sind Beschädigungen und fehlende oder beschädigte Originalkleidung. Greifen Sie dann zu Neuware oder schneidern Sie selbst. Achten Sie dabei aber auf passendes Material wie Leinen oder Baumwolle. Der Schnitt der Kleidung sollte möglichst der ursprünglichen Ausstattung nachempfunden sein.

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