Tipps & Tricks zum Kauf von gotischem Schmuck

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Tipps & Tricks zum Kauf von gotischem Schmuck

Gothics oder Gotik? Der Unterschied liegt nicht nur im Jahrhundert

Als Gotik wird im deutschen Sprachgebrauch eine Epoche der europäischen Architektur und Kunst bezeichnet. Diese Epoche dauerte von etwa 1140 bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts. Die Gothic-Kultur hingegen ist eine Subkultur, die sich Anfang der 1980er Jahre aus dem Punk- und New-Wave-Umfeld entwickelt hat. Beide haben neben dem Namen bestimmte Stilmerkmale gemein. Heutzutage werden Sie jedoch eher Gothic-Schmuck als gotischen Schmuck finden, denn dieser ist im Laufe der Zeit entweder eingeschmolzen und umgearbeitet worden oder wird in Museen ausgestellt.  

Die Stilmerkmale der Gotik

Ein zentrales Element der Gotik ist der Spitzbogen. Die Gegenstände, die dargestellt wurden, sind von hohem Symbolgehalt, ebenso wie die verwendete Farbe, die nur als Gegenstandsfarbe verwendet worden ist. Die Raumdarstellung wurde entdeckt, aber es gab noch keine Zentralperspektive. Die Kunstwerke wurden zunehmend naturalistischer und die Materialien sind deutlich erkennbar dargestellt worden. Figürliche Darstellungen wie Madonnenfiguren bekamen durch die berühmten Faltenwürfe mehr Plastizität, da Licht und Schatten dargestellt werden konnten. Langsam vollzog sich der Wandel von den ausschließlich religiösen Themen zu den profaneren, weltlichen Inhalten. In der Gotik bestimmten tiefe, christliche Religiosität, aber auch Aberglaube und Mystik den Alltag der Menschen, die ein oft armseliges Leben hatten und sich so auf ein leuchtendes Jenseits konzentrieren konnten. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass die Vertikale als „Weg zu Gott“ betont wurde.

Das Maßwerk in der Gotik

Ein weiteres Element, das sich auch im Schmuck der Gothics wiederfindet, ist das sogenannte Maßwerk. So wird in der Architektur eine filigrane flächige Gestaltung von Balustraden oder Fenstern bezeichnet. Hierbei werden die Steine in geometrischen Mustern durchbrochen. Bekannte Formen des Maßwerkes sind dabei die Fischblase, entweder entgegengesetzt oder wie beim asiatischen Yin und Yang Zeichen gegenläufig dargestellt. Ein weiteres stilistisches Element ist der sogenannte Nonnenkopf oder der Dreipass. Bezeichnend für diese Stilelemente ist, dass sie leicht aus Kreisen und Quadraten konstruiert werden können. Auch die Fensterrose ist besonders typisch für die Gotik, so zum Beispiel bei den Glasfenstern in den großen Kathedralen wie Notre Dame oder dem Kölner Dom. Beide Gebäude sind im Stil der Gotik erbaut worden und lassen die Stilmerkmale gut erkennen. Dieses Ornament wird zudem gerne im Schmuck der Goths wieder aufgegriffen.  

Königin Viktoria und Perlenschmuck

Auch lässt sich eine gewisse Vorliebe für das viktorianische Zeitalter und die Gründerzeit nicht verleugnen. Dabei sind besonders die Gothic-Novels (Schauergeschichten) und die Schwarze Romantik beliebt. Zu den Grundeigenschaften der Gothic-Szene gehört auch die Rückbesinnung auf das Zeitalter der Gruselgeschichten, wobei aber die weniger erfreulichen Aspekte des Mittelalters wir die Pest oder Hungersnöte ausgeklammert bleiben und somit das Mittelalter romantisiert werden kann.

Vor allem im viktorianischen Zeitalter wurde es durch die Industrialisierung ermöglicht, günstigen Schmuck in großen Mengen herzustellen. Da aber in England ein Zwiespalt herrschte zwischen den Gettos in den Großstädten mit Arbeitslosigkeit, Prostitution und Kinderarbeit einerseits und einer immer breiter werdenden Mittelschicht mit wissenschaftlichen Neuerungen, Hygiene und Sicherheit andererseits, sehnten sich die Briten nach dem privaten Glück zu Hause und nach der althergebrachten ländlichen Ordnung. Deswegen wandte man sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts sogar wieder in Richtung Neogotik. Auch die Motive des Schmucks waren von der Zerrissenheit dieses Zeitalters beeinflusst. Die Frauen der Mittelschicht und sogar Arbeiterinnen konnten sich nun Broschen, Armbänder und Halsketten leisten, die preiswert und in Mengen hergestellt werden konnten. Dieser Schmuck wurde aufwendig mit Perlen und künstlichen Edelsteinen versehen. Als Kontrast zur Industrialisierung waren als Motive für die Verzierungen aber meistens Blumen und Tiere dargestellt.  

Aus viktorianischem Trauerschmuck wird Modeschmuck

Auch die viktorianische Traueretikette spiegelt sich in der Kleidung der Gothics wider. Damals musste eine Witwe mehrere Stadien der Trauer durchlaufen, während derer sie nur vollständig verschleiert und in Schwarz gekleidet das Haus verlassen durften. In der ersten Trauerzeit war auch kein Schmuck erlaubt. Nach dem ersten Jahr durfte eine Witwe wieder dezente Schmuckstücke anlegen. Diese durften allerdings nur aus einem schwarzen Stein, dem Gagat, bestehen. Dieser ist tiefschwarz und glänzend und wird oftmals durch schwarzes Glas nachgeahmt. Da Königin Victoria, nach der das viktorianische Zeitalter benannt worden ist, nach dem Tod ihres Gatten eine strenge Staatstrauer anordnete, steigerte sich auch damit der Bedarf nach Trauerschmuck.

Deswegen wurde dieser schwarze Schmuck auch bei der weniger wohlhabenden Bevölkerung bekannt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die schwarzen Schmuckstücke nicht mehr nur in der Trauerzeit getragen, sondern etablierte sich mit Hilfe von Modezeitschriften als Modeschmuck. Da aber der spezielle Stein, der nichts anderes ist als fossiles Holz im Stadium zwischen Braunkohle und Steinkohle, leicht zerbrach, wurde oft auch Glas, Emaille, Sumpfeiche oder Onyx verwendet. Weil der Trauerschmuck nun leicht verfügbar war, verschwamm die Grenze zwischen viktorianischem Trauerschmuck und Modeschmuck und auch die Trauerzeiten änderten sich damit. 

Vanitas, carpe diem, memento mori und Totenkopfschmuck – die Gemeinsamkeiten

Die die Mode der Gothics beherrschenden Themen waren häufig schon in der Gotik und im Mittelalter vorhanden, womit sich der Kreis zu schließen beginnt. Da wäre zum einen die Neigung sich zurückzuziehen und Orte der Besinnung und der Stille aufzusuchen. Dies wird in der Gotik und auch später durch den Vanitas-Gedanken repräsentiert. Dieser besagt, dass alles vergänglich ist und dass der Mensch keine Gewalt über das Leben hat. Dieser Vanitas-Gedanke besteht aber aus zwei anderen, nämlich aus „Memento mori“ und aus „Carpe diem“. Übersetzt bedeutet dies „bedenke, dass du sterben musst“ und „nutze den Tag“. Der Gedanke, sterben zu müssen, war in der von der Pest und Hungersnöten heimgesuchten Gotik allgegenwärtig, wobei besonders der Memento-mori-Gedanke für die Präsenz der Vergänglichkeit im Alltag steht.  

Die Symbole des Schmucks in der Gotik und der Neogotik

Eines der vielen Symbole für den Vanitas-Gedanken ist der Schädel, der nur noch der Form nach ein menschlicher Kopf ist. Der Gedanke dabei ist, dass der Betrachter sich selbst als vergänglich wahrnehmen soll. Auch ganze Skelette in Schmuckform sollen an die Vergänglichkeit des Menschen erinnern. Dazu symbolisieren leere Behälter, Schneckenhäuser, Ruinen und Machtinsignien die Vergänglichkeit des Menschen. Für den Vanitas-Gedanken steht auch die Sanduhr oder eine erlöschende Kerze. Auch können eine Schnittblume oder blühende Zweige für den Gedanken stehen, bald zu verwelken, ergo sterben zu müssen. Hierbei sollte besonders die Rose erwähnt werden, die als Blume der Venus gilt und somit die Liebe und die Sexualität vertritt. Die weltliche Liebe, die Liebe zu anderen Menschen statt zu Gott, galt als eitel und somit als unrein und zu verdammen. Rosen werden beim gotischen Schmuck vor allem effektvoll in halsnahen Colliers eingesetzt.

Bedeutung der Tiersymbole

Symbole aus dem Tierreich hingegen sind Ratten und Mäuse, da sie die Ernte fressen und deswegen auch die Vergänglichkeit darstellen. Zu den unreinen Tieren gehörte außerdem die Eidechse, die als Schlange mit Füßen oder als kleiner Drache und somit als Begleiter des Teufels angesehen worden ist. In der Gothic-Szene werden Drachensymbole nicht nur als Halskette, sondern auch als Ohrschmuck getragen. Natürlich gehören auch die Spinnen und andere Insekten zu den Symbolen für die Sterblichkeit. Die Spinnweben symbolisieren den Verfall und die Vernachlässigung. Aber im Speziellen die Fliegen sollen es dem Teufel als „Herrn der Fliegen“ angetan haben. Allerdings bilden die Schmetterlinge eine Ausnahme unter den Insekten, da sie sinnbildlich für Christus stehen. Zudem stehen eine Vielzahl von anderen Symbolen wie zum Beispiel Bücher, Spielkarten und Würfel für die Vergänglichkeit des Menschen, werden aber nicht als Gothic-Schmuck getragen.

Ebenfalls an die Gotik angelehnt sind die filigranen Ornamente und Verzierungen mancher Schmuckstücke. Diese Ornamente erinnern dabei an die gotischen Rosettenfenster und die Maßwerke darin. Als das Schmuckstück für Gothics schlechthin gelten natürlich die Kreuze und Kruzifixe in jeglicher Form. Diese werden entweder übergroß als Anhänger um den Hals getragen oder dienen klein und dezent als Ohrschmuck oder Piercing. Dabei sind die Kreuze oftmals reich mit Perlen, Schmucksteinen oder Ornamenten verziert.  

Der Schmuck der Gothics

Gothics gelten als ästhetisch orientierte Menschen. Sie werden oft als friedlich, unnahbar, aber auch als wirklichkeitsfremd wahrgenommen. Die Kultur lebt von einer enormen Bandbreite an Formen und ist eher retrospektiv. Da Gothics sich oft mit dem Tod und der Vergänglichkeit auseinandersetzen, bleibt es nicht aus, dass dies auch humoristisch und mit einer gewissen Portion Ironie nach außen getragen wird. Die Vorliebe für düstere Gedanken und der Erkenntnis über die Vergänglichkeit des Seins spiegeln sich auch im Schmuck der Goths wider.

Je nach Richtung, wie zum Beispiel Batcaver oder Endzeitromantiker, steht dabei mehr oder weniger der Tod im Vordergrund, was sich durch Kreuze und vor allen Dingen durch die Farbe Schwarz bei Kleidung und Schmuck ausdrückt. Mit der Farbe Schwarz wird Ernsthaftigkeit oder Nachdenklichkeit symbolisiert. Sie kann aber für Weltschmerz stehen. Beim Schmuck werden neben den Elementen der Gotik und des viktorianischen Zeitalters auch gerne Horror-Symbole im Allgemeinen verwendet. Dabei werden die verschiedenen Stilepochen oft wild durcheinander gemischt, um ein einzigartiges Erscheinungsbild zu kreieren.

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