Thema Herrenwesten: Diese Hemden eignen sich für drunter

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Thema Herrenwesten: Diese Hemden eignen sich für drunter

Beim Begriff „Weste" kommt den meisten Männern ein wohl eher praktisches Kleidungsstück in den Sinn. Anglerweste oder Sportweste vielleicht, aber kaum die ursprüngliche Variante einer Weste, nämlich Bestandteil eines klassischen Dreiteilers zu sein. Dabei handelt es sich um einen relativ aus der Mode gekommenen Anzugtypen, der heutzutage im Grunde nur noch im Rahmen von festlichen Anlässen wie Opernpremieren eine Rolle spielt. Der Dreiteiler besteht neben dem obligatorischen Jackett und der passenden Hose zusätzlich aus einer Weste. Meist aus dem gleichen Stoff wie die beiden anderen Utensilien gefertigt, rundet die Weste ein dermaßen gehobenes Outfit nicht nur ab, sondern erfüllt zugleich die Funktion, einige Accessoires zu befestigen bzw. mittels Kontrastfarben für eine zurückhaltende Farbpalette zu sorgen.
Ihren Ursprung findet die Weste wie häufig im Bereich der Herrengarderobe weit zurück in der europäischen Geschichte: Das ärmellose Oberteil existiert seit dem 17. Jahrhundert und nahm von Anfang an einen bedeutenden Rang ein. Dank hochwertiger Verzierungen und der Verarbeitung aus edlen Stoffen wie Samt oder Seide drückte der Träger damit seinen Wohlstand aus. Je bunter die Weste gestaltet war, desto mehr Aufsehen war dem Tragenden sicher und dementsprechend hoch fiel sein Renommee aus. Allerdings betrug die Gesamtlänge der Westen damals ein Vielfaches der heute üblichen, die ersten Westen waren nicht selten komplette Unterröcke, die bis zu den Waden reichten.
Erst mit Ende des 19. Jahrhunderts etablierte sich die deutlich kürzere, maximal bis zum Hosenbund reichende Weste als Kleidungsteil des modebewussten Mannes. Ihren Rang von Geltung büßte die Weste aber rasch wieder ein. Bereits in den Zwanziger Jahren tauchten immer häufiger Anzüge in Manier des Zweiteilers auf und verdrängten schließlich den dreiteiligen Anzug gänzlich aus den Kleiderschränken. So facettenreich die Geschichte dieses spannenden Accessoires auch sein mag, so marginalisiert ist sie heute. Das ist allerdings kein Grund, der Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten schon im Vorfeld eine Absage zu erteilen. Gerade die klassische Kleidung bietet mit ihrer langen Vergangenheit die Aura des Originellen, die es ansprechend in den eigenen Stil einfließen zu lassen gilt. Entdecken Sie mit diesem Text die Möglichkeiten, mit einem kleinen Eingriff Ihre Garderobe aufzuwerten und im richtigen Ambiente Stilbewusstsein zu beweisen.

Früher praktisch, heute besonders: die Weste zum Anzug

Neben dem ästhetischen Aspekt kam der Weste auch ein praktischer zugute. Die lange Zeit übliche und unverzichtbare Taschenuhr wurde an der Weste befestigt. Immer auf Brusthöhe griffbereit und dank Kette solide befestigt, erfüllte das Überprüfen der Uhrzeit stets auch einen modischen Nutzen. Der Gentleman zog die Uhr heraus und zeigte gut sichtbar seinen Westenstoff. Zwar hatte sich ein gewisser Trend herausgebildet, allzu auffällige Dessins lediglich zu bestimmten Anlässen aufzutragen, ausschließlich zum Frack oder Smoking, doch konnte mit einer raffinierten Musterung oder einem seltenen Farbton nach wie vor für Aufmerksamkeit gesorgt werden. Auftragen durfte die Weste natürlich nicht, eine zusätzliche Einschubtasche war und ist das höchste an zusätzlichem Komfort. Die Frontpartie der Weste hat glatt zu sein.
Ein interessantes Detail in der Entwicklung und Popularisierung der Weste stellt die Erfindung der Smokingjacke dar: Um sich nach dem Essen im Rauchersalon aufhalten zu können, ohne danach übermäßig nach Rauch und Tabak zu riechen, wechselten die Herren vor dem Betreten ihre Anzugjacke. Die Reserve-Jacke diente alleine zum Rauchen und war stets griffbereit zu halten, ihr Begriff lag auf der Hand: Smoking. Aber nicht nur das Abhalten des Gestanks war ihr Zweck, ein weiterer Punkt gab den Ausschlag, der heutigen Westenträgern nur noch schwer in den Sinn kommen mag. Das Tragen einer Weste ohne Oberteil, sozusagen nackt, galt als modischer Fehltritt par excellence. Deshalb war das Rauchen im Hemd undenkbar und die Herren streiften regelmäßig den Smoking über. Der Grund für den möglichst zu vermeidenden Auftritt nur in Weste ist einfach erklärt, schließlich ist die Rückseite einer Weste aus Futterstoff gefertigt und unterscheidet sich damit deutlich von der mitunter edlen Verarbeitung der Frontfläche.

Die Weste heute: lässig und doch elegant

Von diesen Herausforderungen der Vergangenheit sind modebewusste Herren unserer Zeit nicht mehr betroffen. Gerade das Tragen ohne Jackett gilt gemeinhin als souveräne Methode, mit den Traditionen der Herrenkleidung auf verspielte und moderne Weise umzugehen. Dabei steht die gleiche Anzahl an Varianten zur Verfügung wie anno dazumal. Je nach finanzieller Ausstattung sind extrovertierte Modelle möglich, aber auch die soliden Schurwoll-Westen als wärmende Unterstützung an kalten Tagen erfreuen sich großer Beliebtheit – zumindest innerhalb des doch überschaubaren Kreises der Westenträger. Das muss nicht sein, denn mit der passenden Weste gelingt dem Großteil der Männer eine eindeutige Stilverbesserung. Unvorteilhaft, weil unnötig eine eventuell vorhandene massive Figur betonend, nehmen sich Westen bei kräftigen Herren aus, ähnliches gilt für den doppelt geschlossenen Anzug, den sogenannten „Zweireiher". Auch hier ergibt die körperbetonte Linienführung einen eher negativen Eindruck. Das Gros der Anzugträger jedoch sollte zumindest einen Versuch wagen und zur Weste greifen – das breite Angebot an diversen Teilen der anspruchsvollen Herrenmode auf eBay gibt diesbezüglich zahlreiche Anreize.

Gegen das Vorurteil der Spießigkeit: die Weste klug kombiniert

Vor der Weste scheuen die meisten Männer als einem zu einengenden Utensil zurück, und zwar nicht nur im Sommer. In der Tat wirken sich hohe Temperaturen alles andere als angenehm aus, doch ermöglichen die heute weitgehend individuell auslegbaren Kleidungsvorschriften einen großzügigen Spielraum – die Weste erfüllt ihre Rolle in erster Linie im Herbst und Winter. Der interessierte Träger sollte sich dabei nicht von der vermeintlichen Dominanz der gehobenen Outfits beeindrucken lassen, denn ebenso gelingt mit der Weste ein frischer und unverkrampfter Auftritt - ohne Gefahr, als altbacken angesehen zu werden. Westen aus robuster Baumwolle, etwa in der besonders widerstandsfähigen Moleskin-Webart, erweisen sich als verlässliche Begleiter im Freizeitbereich. Hier lohnt das Ablegen des Jacketts oder gleich ein Aufzug ohne Jacke besonders, die richtige Kombination mit einem Paar rustikaler Hosen vorausgesetzt. Cordhosen oder Jeans dürften die erste Wahl sein.
Längst haben auch die Hersteller gehobener Freizeitmode die Vielseitigkeit der einst streng daherkommenden Weste erkannt und mit entsprechenden Versionen in ihre Repertoires aufgenommen. Ob betont sportlich in der Synthetikausführung oder im Landhausstil mit Tweed-Vorderseite, die Weste als wirksames Kleidungsteil gegen das Frieren ist dem Markt nicht unbekannt. Gerade bei den legeren Varianten ist allerdings darauf zu achten, dass eine mögliche Musterung mit dem dann vorzugsweise griffigerem Material harmoniert. Die feinen Schurwoll- oder gar Seidenverarbeitungen gehören ausschließlich in die festliche Garderobe. Eine Mischung aus beiden anlassbezogenen Stilen ergibt meistens wenig fruchtbare Resultate, der hin und wieder angeführte „Stilbruch" als besonders kreative Auslegung der klassischen Herrengarderobe ist vorsichtshalber abzulehnen. Hier besteht die akute Gefahr der Blamage.

Raffiniert auf den zweiten Blick: die Details als Statement

Je feiner das Outfit, desto ausgewählter sollte sich auch Ihre Weste ausnehmen. Neben dem verarbeiteten Stoff spielt die Anfertigung das Zünglein an der Waage. Ist die Weitenregulierung auf der Rückseite ein noch relativ unsichtbares Detail, so verhält es sich mit der Knopfleiste bzw. den Knöpfen ganz anders. Unterschiedlich in ihrer Anzahl sorgt deren Beschaffenheit für das ästhetische Ausrufezeichen. Ob Büffelhorn oder gar Metall, mit der Auswahl einer entsprechenden Qualität verleihen Sie Ihrer Weste das Merkmal der Unterscheidbarkeit – im Hinblick auf die meistens in schlichtem Schwarz getragenen Westen offenbart sich das kleine, aber komplexe Potenzial, das alleine die Knöpfe bergen. Hier dürfen gerne persönliche Vorlieben ausgelebt werden, solange an der eigentlichen Weste keine Veränderungen vorgenommen werden. Abstand sollte der gut gekleidete Mann von kuriosen Kombinationen nehmen, die des Öfteren im Handel angeboten werden. Eine Stilmischung aus Weste und Wollpullover oder eine im Smokingjackett bereits vernähte Weste stehen außerhalb der Konvention, derartige Experimente schaden mehr als sie nutzen. Grundsätzlich sollten die klassischen Stücke einer Garderobe in ihrer Gestaltung nur marginal verändert werden, die Knopfleiste oder eine dezente Musterung erfüllen diesen Anspruch voll und ganz.

Oben die Weste, darunter das Hemd: So gelingt die richtige Wahl

Zur förmlichen Weste kommt einzig das förmlichste aller Oberhemden, nämlich das weiße zur Geltung. Ob reinweiß oder leicht cremefarben spielt keine große Rolle, einzig der helle Ton muss stimmen. Für den immer noch häufigsten Anlass, die Weste zum Anzug zu tragen, also im Rahmen einer smokingpflichtigen Veranstaltung bedarf es allerdings eines entsprechenden Smokinghemdes. Dieses unterscheidet sich deutlich von den üblichen Businesshemden, da es über eine spezielle Frontfläche verfügt. Diese nennt sich „Plissee" und besteht aus vertikal angebrachten Linien. Eine weitere für den Smoking typische Variante ist der Einsatz einer Hemdbrust, diese wird unmittelbar auf dem Hemd angebracht und trägt meist aufwendige Verzierungen. Die darüber angezogene Weste ist wahlweise ein- oder zweireihig, besteht aber immer aus dem gleichen Material wie die übrigen Komponenten. Ebenfalls unverzichtbar bei einem Smokinghemd sind die Umschlagmanschetten, die nicht - wie weit verbreitet - mit einem angenähten Knopf, sondern mit einem exklusiven Paar Manschettenknöpfen geschlossen werden. Die Wahl fällt traditionell auf einen dunklen Farbton, jedwede farbige Gestaltungen innerhalb eines Smokings werden nicht toleriert.

In der Freizeitkleidung nimmt sich die Wahl des Hemdes deutlich lockerer aus. Zur Weste eines handelsüblichen Anzugs stehen Ihnen sämtliche Interpretationswege offen. Beliebt ist zum Beispiel das Setzen farblicher Akzente mit einer betont auffälligen Weste – bei aller Farbenfreude sollten Sie jedoch die richtige Größe nicht außer Acht lassen. Zwar sind Westen wie alle anderen Kleidungsstücke konfektioniert, doch fallen Westen grundsätzlich in der Länge kürzer aus, schließlich dürfen sie nicht unter dem Sakko hervorschauen. Ein solides Augenmaß ist hier ausreichend: Sobald der Saum der Weste gerade so über dem Gürtel endet, haben Sie zu einem passenden Exemplar gegriffen.

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