Telefonieren gegen die Uhr, der 8-Minuten Takt

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Die Eieruhr 8-Minutentakt Sanduhr ist mehr als 25 jahre alt!!

Das ist KULT!!!!!!!!!!!!!


     Telefonieren im Takt.

Vor mehr als 25 Jahren führte die Post den 8-Minuten-Takt ein.
Telefonieren bis der Arzt kommt für 23 Pfennig - die erste Flatrate der Republik starb vor 25 Jahren. Gekillt durch den 8-Minuten-Takt.

Heute ist die Auswahl an Telefontarifen, -anbietern und -geräten ein wilder Dschungel. Wer behauptet, einen Durchblick zu haben, ist entweder ein Aufschneider oder hat hauptberuflich in der Branche zu tun. Damals, 1980, war alles anders. Der Telefonmarkt war ein sehr übersichtliches Feld, auf dem nur eine Pflanze angebaut wurde. Ein schwerfälliger Monopolist, die "Deutsche Bundespost" diktierte die Regeln, und die fernquasselnde Republik war ihr ausgeliefert. Die Grundgebühr betrug 27 Mark und eine Einheit kostete 23 Pfennig. Dafür konnte man aber auch endlos lang telefonieren. Hausfrauen quatschten stundenlang mit der Nachbarin. Abgewürgt nur durch das Quengeln der restlichen Familie, die auch noch an die Strippe wollte. Das Telefonieren im Ortsbereich war spottbillig. Aber wehe, wenn Tante Erika oder die Großeltern jenseits der Stadtgrenze lebten: Ein Ferngespräch war teurer Luxus, der nicht ohne Einfluss auf die Redegeschwindigkeit blieb. Und nur in dringenden Notfällen vor 18 Uhr geführt wurde, denn tagsüber war's besonders teuer.

"Die Dauerbelegung einer Telefonleitung für 23 Pfennig ist nicht kostengerecht", sagte der damalige Bundespostminister Kurt Gscheidle (SPD). Er wusste aber auch, dass die so genannte kommunale Neugliederung der siebziger Jahre weitere Ungerechtigkeiten geschaffen hatte. Gemeinden wurden zusammengelegt und Ämter dicht gemacht. Die zuständige Behörde saß nun drei Dörfer weiter, doch der Anruf dorthin war nach wie vor ein teures Tagesferngespräch. Also zog die Post bundesweit die Grenzen für die Ortsgespräche neu. Und sie wäre keine staatliche Behörde gewesen, wenn sie dafür nicht einen sperrigen Begriff geschaffen hätte: ND-OZZ  oder auch  "Nahdienst-Ortszeitzählung" . Im Nahdienst wurden nun Orte zusammengefasst, die in einem Radius von 20 Kilometern lagen. Benachteiligte Bereiche, wie zum Beispiel die "Zonenrandgebiete" an der Grenze zur DDR hatten sogar einen Radius von 30 Kilometern und es gab 50 Gratis-Einheiten pro Kunde. In Berlin durfte sogar weiter ohne 8-Minuten-Takt telefoniert werden. Vorzugsweise mit dem "FeTAp 611", wie das damals gängigste Telefon der Post hieß: Es war ein mittelgrauer, schwerer Apparat mit Wählscheibe und hieß ausgeschrieben "Fernsprech-Tisch-Apparat." Wer seine Wohnung im Gelsenkirchener Barock eingerichtet hatte, konnte den FeTAp durch einen Stoffüberzug mit goldener Brokat-Kante "verschönern". Doch viel wichtiger wurde ab dem 03.01.1980 einganz anderes Telefon-Accessoire: Die Eieruhr, damit man mit den Kosten im 8-Minuten-Takt blieb! Wahlweise wurde die Zeit auch mit der "Gscheidle-Uhr" gestoppt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

gefunden/gelesen:wdr.de/themen/panorama 05

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