Taschenuhren – nicht nur etwas für Nostalgiker!

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Taschenuhren – nicht nur etwas für Nostalgiker!

Dass sich überhaupt Taschenuhren entwickeln konnten, ist einem Mann namens Peter Henlein zu verdanken, der Anfang des 16. Jahrhunderts zum ersten Mal eine tragbare Uhr entwickelte. Allerdings passte die von ihm entwickelte Uhr, die unter dem Namen „Nürnberger Ei“ bekannt ist, weder in die Hosentasche noch in Jacke oder Westen, denn sie war etwa so groß wie eine Dose. Die Dosenuhr entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte weiter. Das Uhrengehäuse wurde immer kleiner und die Ganggenauigkeit nahm zu. Die heutige flache Form der Taschenuhr entwickelte der Franzose Jean Antoine Lépine im 18. Jahrhundert. Auf ihn geht auch die runde Form der Taschenuhr zurück.

Taschenuhren wurden schnell äußerst beliebt. Schon im 16. Jahrhundert konnte der Herr von Welt in keinem Fall darauf verzichten. Die Taschenuhr galt als Zeichen für Reichtum und Noblesse, denn ein solches Stück war sehr teuer. Mit der Erfindung der Armbanduhr kamen Taschenuhren erst einmal aus der Mode, doch mittlerweile sind sie wieder stark im Kommen. Taschenuhren sind nicht nur etwas für Nostalgiker, sondern haben sich zu einem modischen Accessoire gemausert, mit dem man sich bei jeder Gelegenheit sehen lassen kann. Mit der passenden Uhrenkette ist Aufmerksamkeit in jedem Fall garantiert.

Welche Typen von Taschenuhren gibt es?

Bei den verschiedenen Bauformen der Taschenuhren wird unterschieden zwischen

  • äußerem Typus und
  • innerem Typus.

Das Gehäuse älterer Taschenuhren dient vor allem dazu, das sehr empfindliche mechanische Uhrwerk der Taschenuhr vor Berührungen, Staub oder Schmutz zu schützen. Bei modernen Taschenuhren ist das Gehäuse auch Nässeschutz für das Uhrwerk.

Der äußere Typus der Taschenuhr

1. Die offene Taschenuhr

Sie ist auch unter den Namen „Open Face“ oder „Lepine“ bekannt. Das gesamte Ziffernblatt ist bei diesem Gehäuse sichtbar. Das Ziffernblatt wird durch ein Glas, das sogenannte Lünette, geschützt. Dies ist jedoch so gut wie nicht zu sehen.

2. Die Savonette

Das Gehäuse der Savonette entspricht der laienhaften Vorstellung vom Aussehen einer Taschenuhr. Das Ziffernblatt wird durch einen Sprungdeckel geschützt, der geschlossen werden kann, wenn man die Uhr in die Tasche steckt. Das Ablesen der Uhrzeit ist bei dieser Gehäuseart nur nach dem Öffnen des Deckels möglich. Das Öffnen des Schutzdeckels erfolgt durch einen Druckknopf, der meist in der Krone der Taschenuhr angebracht ist. Im Englischen wird diese Gehäuseform auch als „Hunters Case“ bezeichnet.

3. Die halboffene Taschenuhr

In der Fachwelt werden die offene und die halboffene Taschenuhr nicht immer voneinander unterschieden, da beide einander sehr stark ähneln. Das zeigt sich auch daran, dass diese Bauform im Englischen ebenfalls als „Lepine“ bezeichnet wird. Wer eine Unterscheidung machen will, der findet auch die Bezeichnung „Halfopen Face“. Der einzige Unterschied zur offenen Taschenuhr besteht darin, dass der Lünette, also der Glasring zum Schutz des Ziffernblatts, deutlich sichtbar ist.

4. Die Halbsavonette

Bei der Halbsavonette wird das Ziffernblatt ebenfalls durch einen Sprungdeckel geschützt. Zusätzlich ist ein kleines Guckloch angebracht. Der Vorteil: Bei dieser Bauform lässt sich die Uhrzeit auch dann ablesen, wenn der Sprungdeckel geschlossen ist. Zur besseren Orientierung wird um das Guckloch herum ein Ziffernblatt angedeutet, das meist farbig abgesetzt ist. Zwar ist dieses Ziffernblatt nicht so aufwendig gestaltet wie das eigentliche Ziffernblatt der Taschenuhr, es wirkt aber trotzdem sehr edel.

Der innere Typus der Taschenuhr

So wie bei der Gehäuseform einer Taschenuhr, wird auch beim inneren Typus zwischen unterschiedlichen Typen unterschieden. Als Unterscheidungsmerkmal dient hier der Öffnungsmechanismus des Gehäuses, um an das Uhrwerk zu gelangen. Man unterscheidet:

1. Das Scharnier-Gehäuse

Diese Form des inneren Typus findet sich vor allem bei Taschenuhren, die vom europäischen Festland stammen. Die beiden Schraubdeckel, die das Gehäuse schützen, werden hierbei nach hinten aufgeklappt, sodass das Uhrwerk freiliegt und Reparaturen möglich sind.

2. Das Schraubdeckel-Gehäuse

Dieses Gehäuse ist vor allem bei amerikanischen Uhren sehr verbreitet. Der vordere Glasrand und der hintere Schraubdeckel werden hierbei einfach aufgedreht, um das Uhrwerk freizulegen.

3. Consular-Cases

Die Consular-Cases sind vor allem bei Taschenuhren aus Großbritannien typisch. Dabei muss zunächst der Glasrand mit einem Scharnier geöffnet werden. Durch das Hineindrücken eines Blockierhebels wird der Glasrand dann nach oben weggeklappt.

4. Der Sprengdeckel

Das Sprengdeckel-Gehäuse war in den 1930er Jahren überwiegend bei Schweizer Taschenuhren verbreitet. Der Deckel sitzt hierbei sehr fest auf dem Ring des Gehäuses. Zum Öffnen benötigt man einen speziellen Gehäuseöffner, der in eine dafür vorgesehene Kerbe gedrückt wird. Sprengdeckel-Gehäuse sind ein Fall für den Fachmann. Der Grund: Oft kann das Gehäuse nur mit dem entsprechenden Spezialwerkzeug wieder geschlossen werden.

Neben den Taschenuhren, die sich eindeutig einem Typus zuordnen lassen, gibt es noch viele verschiedene Mischformen. Bei manchen Uhren sind sogar mehrere Gehäuse ineinander verschachtelt, um das eigentliche Uhrengehäuse zusätzlich zu schützen. Bei britischen und amerikanischen Taschenuhren werden diese Gehäuse als „Pair-Case“ bezeichnet. Bei den sogenannten „Kutschenuhren“ aus der Schweiz oder Frankreich können es sogar drei oder vier miteinander verbundene Gehäuse sein. Besonders schick sind Taschenuhren mit durchsichtigem Gehäuse, sodass man das Uhrwerk auch von außen sehen kann.

Welches Material wird für Taschenuhren verwendet?

Bis heute bestehen die meisten Taschenuhren aus Metall, wobei die Qualität variieren kann. Gold, Silber und Platin kommen ebenso zum Einsatz wie Messing, Nickel oder Bronze. In der Regel besteht die Taschenuhr aus mehreren Metallen. Vor allem die Oberfläche wird meist zunächst künstlerisch ausgestaltet, bevor sie dann mit einem weiteren Material überzogen wird, um die künstlerische Arbeit zu schützen. Bei den künstlerischen Verzierungen kommen ebenfalls verschiedene Materialien zum Einsatz. Arbeiten aus Emaille sind ebenso anzutreffen wie besondere Verzierungen aus Perlmutt oder mit Edelsteinen. Bei besonders alten Taschenuhren findet sich sogar noch seltenes Material wie Elfenbein oder Schildplatt in den Verzierungen. Was heute als ökologisch äußerst bedenklich eingestuft wird, galt noch vor hundert Jahren als Zeichen von Wohlstand und Reichtum.

Besonders bekannt in Sachen Design sind bei Taschenuhren das Galonné-Gehäuse und das Niello-Gehäuse. Das Galonné-Gehäuse besteht aus Silber. Der vordere Glasrand sowie der Rand, der sich um den hinteren Staubdeckel zieht, sind rot vergoldet. Das Niello-Gehäuse fällt vor allem durch sein silbernes Gehäuse auf, das durch schwarze Muster kunstvoll verziert wird. Nicht selten handelt es sich dabei um ein sehr fein gearbeitetes Schachbrettmuster. Taschenuhren in beiden Designs sind auch bei eBay erhältlich.

Wie trägt man eine Taschenuhr?

Um mit einer Taschenuhr als modischer Mann von Welt zu gelten, ist nicht nur die eigentliche Uhr entscheidend, sondern auch die Art, wie man(n) sie trägt. Natürlich könnte man sie einfach in die Hosen- oder Hemdtasche stecken. Wesentlich stilvoller ist aber eine Uhrenkette. Die hat zusätzlich den Vorteil, dass die Uhr nicht aus der Tasche rutschen und damit auch nicht so schnell verloren gehen kann.

Als Faustregel für Männer gilt für das Tragen einer Taschenuhr: Bei einem Anzug mit Weste gehört die Uhr in die Westentasche, bei einem Anzug ohne Weste ist die linke Brusttasche der Anzugsjacke der richtige Ort. Bei Jeans-Hosen gehört die Taschenuhr in die rechte Hosentasche, und zwar möglichst in die „Tasche in der Tasche“. Die Erfinder der Jeans hatten diesen Aufbewahrungsort für eine Uhr oder ein kleines Messer gedacht, was heute aber in Vergessenheit geraten ist.

Eine Frage des persönlichen Geschmacks

Welche Kette man für das Befestigen der Taschenuhr wählt, ist dem persönlichen Geschmack überlassen. Die bekannteste Uhrenkette, die man heute vor allem an Jeanshosen sieht, ist eine einfache Kette mit einem großen Federring. Er besteht meist aus versilbertem oder vergoldetem Material. Der Federclip wird an der Uhr befestigt, der größere Gürtelring findet Halt an einer Hosenschlaufe. Je nach Bedarf gibt es diese Uhrenketten mit größeren oder kleineren Federringen. Ein größerer Federring ist vor allem dann notwendig, wenn die Uhr in der Westentasche getragen wird. Dann wird der eine Federring an der Uhr, der andere unauffällig an einem Westenknopf befestigt. Etwas weniger verbreitet sind sogenannte Clip-Ketten, die sich mit einem Clip an der Kleidung befestigen lassen. Hier sollte man auf den Kleidungsstoff achten: Stoffe, die leicht knittern, eignen sich für eine solche Befestigung weniger. Robustere Stoffe halten auch der Begegnung mit einem Clip stand.

Die Albertketten

In früheren Zeiten besonders beliebt waren die „Albertketten“, benannt nach dem britischen Prinz Albert. Der Ehemann von Queen Victoria war ein großer Liebhaber von Taschenuhren. Getragen werden können diese Albertketten ausschließlich an einer Anzugweste. Am Ende mit einem kleinen T-Stück versehen, wird dieses von vorne durch eines der Knopflöcher der Weste gesteckt und sorgt so für eine sichere Befestigung der Uhr. Eine Weiterentwicklung waren die „Doppel-Albert-Ketten“. Diese werden ebenso befestigt wie die Albert-Ketten. Der Unterschied besteht darin, dass an der einen Seite der Kette wie gewohnt die Uhr befestigt wird, während an der anderen Seite ein Anhängsel oder ein kleiner Schlüssel Platz findet. Das zusätzliche Anbringen eines Anhängsels hat sich bei Uhrenketten bis heute erhalten. Der Nachteil: Viele dieser Ketten, die speziell für das Anbringen eines oder mehrere Anhänger gedacht sind, lassen sich zwar an der Uhr, nicht aber an der Kleidung befestigen. Sie dienen also weniger der Sicherung als eher der reinen Zierde.

Uhrenketten für Frauen

Deutlich mehr Zierde als die Uhrenketten für Männer wiesen die Uhrenketten für Frauen auf, denn auch Frauen konnten in früheren Zeiten durchaus eine Taschenuhr tragen. Frauen tragen die Taschenuhr meist an einer „Schieberkette“, die um den Hals gehängt wird. Der Schieber kann dann in die individuell passende Höhe geschoben werden, sodass die Uhr zwischen Brust und Bauch baumelt. Ausschließlich der Damenwelt vorbehalten ist auch die Uhr-Brosche, bei der die Uhr wie eine Brosche an der Kleidung getragen wird, meist vorne links. Ähnlich wie die Uhrenketten gibt es auch diese Broschen in allen erdenklichen Formen, Farben und Materialien.

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