Tabak, Pfeife und Zigarette – die Geschichte der Rauchwaren und ihre Besonderheiten

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Tabak, Pfeife und Zigarette – die Geschichte der Rauchwaren und ihre Besonderheiten

Schaltete man in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts den Fernseher ein, um eine Talkshow oder eine politische Wahlkampfrunde zu sehen, kamen die Protagonisten nicht ohne Zigaretten aus. Dicke Nebelschwaden waberten durch die Aufnahmestudios – keiner störte sich daran. Das Fernsehen bildete hierbei in gewisser Weise die gesamtgesellschaftliche Realität ab. Das Rauchen war omnipräsent: in Schulgebäuden, in der Firma, im Zug und Flugzeug, selbstverständlich zu Hause, selbst in Krankenhäusern. Was sich für manchen heute schon als schlechter Witz anhört, war damals Realität.

Heutzutage wenden sich immer mehr Menschen gegen das Rauchen und den Tabakkonsum. Die gesundheitliche Gefährdung, die von Zigarettentabak, Zigarrentabak und Pfeifentabak ausgeht, ist mittlerweile jedem bekannt. Die Politik erließ eine Vielzahl von Gesetzen, die die Nichtraucher schützen sollen. Der Zeitgeist des Rauchens hat sich gewandelt. Dennoch hat der Tabak wie kein anderes Genussmittel (bzw. keine andere Droge) die Gesellschaften geprägt – und das über mehrere Jahrhunderte (Kaffee, Tee, Schnaps und Bier wären weitere Beispiele).

Wie es dazu gekommen ist, ist eine sehr interessante Frage. In einem ersten Teil soll daher ein kurzer Blick auf die Tabakpflanze selbst geworfen werden. Daran anschließend werden Sie einen kleinen Ritt durch die Jahrhunderte unternehmen, angefangen mit dem Ursprung des Tabakkonsums in Amerika und seiner von dort ausgehenden Verbreitung in der Frühen Neuzeit. Im 19. Jahrhundert, dem Jahrhundert der (zweiten) Industrialisierung, verbreitet sich das Rauchen bei den „kleinen Leuten“. Schließlich tritt die Zigarette auf den Plan, die bis in unsere heutige Zeit den Tabakkonsum bestimmt.

Was ist Tabak und woher kommt er?

Tabak gehört als Pflanze zur Familie der Nachtschattengewächse. Von ihm gibt es insgesamt 70 verschiedene Arten. Zum Rauchen wird in der Regel jedoch nur eine einzige Art verwendet, nicotiana tabacum. Diese besitzt insgesamt fünf Varianten: havanensis, brasiliensis, macrophylla, chinensis und virginia. Die einjährige Tabakpflanze besitzt behaarte und etwas klebrige Blätter. Am begehrtesten sind die Blätter im oberen Bereich der Pflanze. Diejenigen im unteren Bereich werden als etwas minderwertiger angesehen.

Die Tabakpflanze erreicht in der Regel eine Höhe zwischen 2 und 3 Metern. Zum Anbau des Tabaks ist eine Temperatur zwischen 15 und 27 Grad erforderlich. Zwischen 200 und 900 Liter Wasser benötigt sie, um 1 Kilo Trockensubstanz zu bilden. Außerdem ist die Pflanze von einem nährstoffreichen Boden abhängig, der Phosphor, Kalzium, Stickstoff, Magnesium und einige weitere Stoffe in genügender Menge aufweisen muss. Ihre ursprüngliche Region war der Süd- und Nordamerikanische Kontinent, in Europa war sie lange Zeit nicht bekannt.

Rauchen und Tabakwaren in der Frühen Neuzeit

In Amerika wurde die Pflanze lange vor der Ankunft der Europäer kultiviert und konsumiert. Die Ureinwohner der amerikanischen Kontinente hatten den Konsum bereits sehr weit ausdifferenziert. Urformen der Zigarre gab es bereits, der Tabak wurde in Pfeifen geraucht, gekaut, gekocht und geschnupft. Der Ursprung des Tabakrauchens lässt sich dabei wahrscheinlich in den Räucherzeremonien der Priester und Medizinmänner wiederfinden.

Wie der Tabak nach Europa kam

Europäer lernten den Tabak erst bei der Anlandung Christoph Columbus‘ auf den Bahamas kennen. Aus seinem Bordbuch weiß man, dass man zunächst nichts mit den geschenkten Tabakblättern anfangen konnte. Dies änderte sich erst, als man einige Einheimische entdeckte, die die Blätter in den Mund nahmen, ansteckten und den Rauch „tranken“. Die Spanier sendeten in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Expeditionen in das wieder neu entdeckte Amerika und gründeten Kolonien. Forschungsreisende, wie der Franzose Jacques Cartier und andere, berichteten über den seltsamen Brauch der Ureinwohner. Zu dieser Zeit, vermutlich auf den Antillen, entstand auch der Begriff „Tabak“. Hier wurde das Rauchrohr „tobago“ genannt.

Es entstand ein reger Verkehr zwischen „neuer“ und „alter“ Welt. Matrosen und Pendler gewöhnten sich dabei schnell an den Tabakkonsum und brachten die Pflanze und die Sitte des Rauchens mit in die Hafenstädte Europas. Das Rauchen fand auch hier großen Anklang und die Tabakpflanze wurde schnell zum teuer gehandelten Gut. Hierbei spielte auch die Vermutung eine Rolle, dass das Tabakbrauchen eine positive medizinische Wirkung auf den Körper habe.

Erster Widerstände gegen das Rauchen

Obwohl sich die Kultur des Rauchens schnell in Europa verbreitete, traten auch seit Anfang an Kritiker auf den Plan. Diese wendeten sich gegen den Gebrauch des Tabaks als Genussdroge. Schon 1575 erfolgte ein erstes Verbot des Rauchens seitens der katholischen Kirche in Mexiko, die darin eine Entweihung der Kirche sah. Auch in Großbritannien, in den deutschen Ländern, in Russland, der Türkei, China und vielen anderen Gebieten ergingen in der Folgezeit immer wieder Verbote gegen die „ausschweifenden und liederlichen“ Raucher.

Doch wie so oft, konnten Verbote nur wenig ausrichten. Dazu war der Tabak ein mittlerweile zu wertvolles Gut geworden, das den einzelnen Staaten große Einnahmen in die Truhen spülte. Die Folge war eine gezielte Steuerpolitik. Der Konsum stieg dabei stetig an. Man fand zu einem Tabakwirtschaftssystem, das private Pächter in den Stand setzte, das Konsumgut einzukaufen und zu verkaufen sowie selbst Steuern darauf zu erheben. Diese mussten hierfür festgelegte Summen an den Staat ableisten.

Tabakkonsum im 18. und 19. Jahrhundert

Im 18. und 19. Jahrhundert war die gebräuchlichste Form des Tabakrauchens die Pfeife. Es gab sie – je nach Region – in den verschiedensten Formen und Materialien: Wasserpfeife, Tonpfeife, Meerschaumpfeife, als Pfeife aus Bernstein, aus Porzellan usw. Neben dem Pfeiferauchen war auch das Rauchen von Zigarren populär sowie (weit ausgeprägter) das Schnupfen von Schnupftabak. Ludwig XIV von Frankreich beispielsweise besaß eine Abneigung gegen das Rauchen, weswegen sich das Schnupfen bei Hof durchsetzten konnte. Die französische Schnupftabakkultur gelangte hier zur vollen Blüte, gerade auch in der Aristokratie. Accessoires wie prunkvoll gestaltete Tabakdosen aus Porzellan mit Gold oder Edelsteinen entstanden. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren ca. 90 Prozent des verkauften Tabaks Schnupftabake. Großer Konkurrenzdruck am Markt ließ zu dieser Zeit die erste Tabakreklame entstehen. Darüber hinaus war der Tabakgenuss auch ein Politikum. Was man dachte, drückte man auch über den spezifischen Konsum von Tabak aus.

Symbol für dass Bürgertum: die Zigarre

Als die alten aristokratischen Mächte nach der Französischen Revolution zumindest zeitweise beseitigt worden waren, ging mit Ihnen auch der Schnupftabakkonsum unter. Das aufstrebende Bürgertum fand in der Zigarre einen Ersatz. Diese wurde besonders durch die Soldaten der Napoleonischen Kriege in ganz Europa verbreitet. Auch das Zigarrenrauchen wurde in der Folgezeit nicht selten argwöhnisch betrachtet. In Preußen beispielsweise sah man im Zigarrenraucher den „Volksverhetzer“, der zur Revolution aufrief. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich das Image der Zigarre erneut. Sie wurde wieder zum Symbol des Bürgertums, freilich unter anderen Vorzeichen. Die reichen, oberen gesellschaftlichen Schichten richteten sich Raucherzimmer ein und genossen Whiskeys beim Rauchen der Zigarre.

In den Vereinigten Staaten war im 19. Jahrhundert der Kautabakkonsum sehr populär. Tabak zu kauen galt als männlich und die dazugehörenden Spucknäpfe waren überall präsent. In Europa gelangte der Kautabak jedoch nur bei See- oder Bergleuten zu einer nennenswerten Verbreitung. Dies hing mit der drohenden Brandgefahr unter Tage oder auf den Schiffen zusammen. Am meisten Einfluss übte jedoch die Zigarette aus.

Der Siegeszug der Zigarette

Die Zigarette stammt eigentlich noch aus dem 18. Jahrhundert. Arbeiterinnen mexikanischer Tabakmanufakturen wickelten die Tabakreste der Zigarrenproduktion in Papier ein. Die Kenntnis und die Technik dieser sogenannten papelitos wanderten nach Spanien und von dort aus nach Frankreich, wo die Zigarette ihren heutigen Namen bekam. Besonders bei Soldaten war die „kleine Zigarre“ eine beliebte Rauchware. Man drehte Tabak in Zeitungspapier, benutze pfeifenähnlich gefaltetes Papier oder Papierrollen in Zigarrenform. Die Zigarette war dabei weitaus billiger und besser für den Kriegseinsatz geeignet als die zerbrechliche Pfeife.

Die Zigarette wird zum Statussymbol

Der Preis war dabei nicht nur für die Soldaten ein ausschlaggebendes Argument, sondern nach und nach für breite Bevölkerungsschichten. Belief sich die Produktion in Deutschland in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts noch auf 60 Millionen, war sie 1912 bereits auf 11,5 Milliarden Stück angestiegen. Mit der Zeit gewann die Zigarette ein spezifisches Image. Zigarettenentuis und Feuerzeuge wurden zu Statussymbolen, man konnte sich durch das Zigarettenrauchen abgrenzen und eine gewisse Form von Weltläufigkeit demonstrieren. Die Zigarette war dabei die Rauchware der Industrialisierung. Die hier geborene Schnelllebigkeit im Takt der Fabrikschicht findet auch in der Zigarette ihren Ausdruck (anders die Zigarre, die eher für den langsamen Genießer stand).

Die Zigarette war milder als Pfeife oder Zigarre. Sie half bei der Bewältigung von Stresssituationen, regte an oder sorgte für Entspannung. Auch die Unterdrückung des Hungergefühls war eine Eigenschaft, die die Zigarette populär machte. Daher war sie auch in Krisensituationen wie den Weltkriegen und der Weltwirtschaftskrise ein gern gesehenes Konsumgut. Mit der steigenden Zigarettenproduktion und auch der zunehmenden Werbewirtschaft in diesem Bereich wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine neue Konsumentenschicht erschlossen: die Frauen. Die schlanke Zigarette war kompatibel mit dem damaligen Schönheitsideal. Emanzipierte Frauen machten das Zigarettenrauchen bei ihren Geschlechtsgenossinnen populär.

Rauchen wird "uncool"

Rauchverbote, die sich mit den gesundheitlichen Gefahren begründeten, wurden in Deutschland erstmals während der nationalsozialistischen Diktatur erlassen, freilich immer vermengt mit rassistischer Propaganda. Der Begriff des Passivrauchens taucht in dieser Zeit ebenfalls das erste Mal auf. Der Krieg bedingte jedoch eine Lockerung der Verbote. Nach Ende des Krieges wurde die Zigarette kurzzeitig zur begehrten Währung, der Zigarettenschmuggel blühte. In den Wirtschaftswunderjahren der BRD wurde die Zigarette zeitweise als medizinisch empfehlenswert erachtet. Das „coole“ Image der Zigarette hielt noch bis zum Ende des Jahrhunderts an. Erst einhergehend mit dem durch das Rauchen bedingten Tod prominenter Personen („Marlboro-Cowboy“) sowie einem zunehmenden Bewusstwerden der starken gesundheitlichen Schäden, setzte ein allmählicher Bedeutungswandel des Rauchens ein.

Besonders im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts erfolgten in Deutschland und Europa zahlreiche Gesetze zum Schutz der Nichtraucher und zur Ächtung des Rauchens. Das Rauchen selbst bewegt sich mittlerweile weg vom herkömmlichen Tabak. Die zeitgenössische elektrische E-Zigarette beispielsweise verdampft aromatisierte Liquide und verströmt keinerlei nennenswerte Schadstoffe mehr.

 

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