Suzuki GSF 600, 650, 1200 oder 1250 – die Bandit hat viele Gesichter

Aufrufe 1 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Suzuki GSF 600, 650, 1200 oder 1250 – die Bandit hat viele Gesichter

Die Bandit-Serie von Suzuki umfasst Allround-Motorräder mit Alltagsqualitäten und Sportpotenzial, die Sie sowohl für kurzweilige Ausflüge auf kleinen, winkligen Landstraßen oder auch für längere Reisen nutzen können - wahlweise auch zu zweit. Sie erkennen diese Reihe an der Modellbezeichnung GSF, die nachfolgende Zahl betrifft das Hubraumvolumen und ein zusätzliches „S" weist auf eine Halbverschalung hin, ansonsten handelt es sich um ein „Naked Bike" ohne Verkleidung.
Die Modelle zwischen 1996 und 1999 tragen den inoffiziellen Beinamen „Kult", die nachfolgenden bis 2004 heißen „Pop", jene aus dem Jahr 2006 werden „Neo" genannt und alle seit 2007 „Evo". Zu Beginn hatten die Bandit-Motorräder den Ruf als „Hooligan-Bikes", konnten sich aber zunehmend in der Sporttourer-Szene etablieren und sind seit Jahren in den Hitlisten der Motorrad-Zulassungsstatistiken vertreten. Bei eBay finden Sie zahlreiche Gebrauchtmodelle und eine Vielzahl von typenspezifischen Aufrüst- und Ersatzteilen. Suzuki ist nach Honda der weltweit größte Exporteur von Motorrädern und hat sich zudem auf Autos und Außenbordmotoren spezialisiert. Der japanische Hersteller mit Sitz in Hamamatsu betreibt 35 Hauptproduktionsstätten in 24 Ländern und beschäftigt rund um den Globus circa 51.500 Mitarbeiter.

Suzuki GSF 400 Bandit - der Raubzug kann beginnen

Für den leicht holprigen Start der Bandit-Erfolgsgeschichte war die zwischen 1991 und 1995 produzierte Suzuki GSF 400 Bandit verantwortlich. Diese war mit ihrem Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor samt 59 PS in Japan sehr populär, dieser wurde jedoch aus Versicherungsgründen für den europäischen Markt auf 50 PS gedrosselt. Die Verkäufe liefen eher schleppend, da Straßenmaschinen hierzulande erst ab 500 ccm Hubraumvolumen als „erwachsen" gelten. Die Optik wusste hingegen schon damals zu überzeugen: Das Triebwerk ist trotz Wasserkühlung dezent verrippt und präsentiert sich unverhüllt im runden Gitterwerk. Mit ihrem feuerrot lackierten Rahmen, den weißen Felgen und den kleinen Finessen genießt die GSF 400 unter Liebhabern nach wie vor den Ruf, die edelste aller Banditen zu sein. Somit lohnt sich aus ästhetischen Gründen ein Gebrauchtkauf, dank guter Bremsen und Dämpfung sowie einem Gewicht von 190 kg kommt auch der Fahrspaß nicht zu kurz.

Suzuki GSF 600 Bandit - ein Gauner dank guter Führung auf Freigang

Ab 1995 startet der Siegeszug der Bandit-Familie: Basierend auf der GSF 400 kommt die Suzuki GSF 600 Bandit auf den Markt. Die Maschine ist mit einem luft- und ölgekühlten Viertakt-Vierzylinder-Reihenmotor ausgestattet, der mit seinen 78 PS, 599ccm Hubraum und einem 6-Gang-Getriebe flottes Kurvenräubern ermöglicht. Das relativ hohe Gewicht von 230 kg und die ebenso hohen Drehzahlen fordern Tribut - der Normalbenzinverbrauch liegt bei knapp fünf Litern pro 100 Kilometer Landstraße, Vollgasjagden erfordern bis zu drei Liter zusätzlich. Eine saubere Lackierung, Chromverzierungen und eine Auspuffanlage aus poliertem Edelstahl runden das Gesamtbild stimmig ab.

Die „Kult"-Serie des Typs GN77 und die „Pop"-Serie des Typs WVA8

Es lassen sich zwei Modelle unterscheiden: Die „Kult"-Serie des Typs GN77 wird zwischen 1995 und 1999 hergestellt und ab 2000 von der „Pop"-Serie des Typs WVA8 abgelöst, die samt vergrößertem Tank sowie breiteren Felgen und Reifen eine weitreichende Modellpflege bedeutet. Die rahmenfeste Halbverkleidung der S-Variante wirkt dank Doppelscheinwerfer deutlich dynamischer und sorgt für einen besseren Windschutz. Die Spiegel sind nicht mehr am Lenker, sondern an der Schale montiert und erlauben so eine bessere Rücksicht. Die Auspuffanlage besitzt zwar keinen Katalysator, dank eines umweltfreundlichen Sekundärluftsystems hält sich der Schadstoffausstoß dennoch in Grenzen.

Kaltstarts und Kurztrips setzen dem Motor zu, das Bandit-Aggregat mit seinem großen Ölvorrat von 3,8 Litern will behutsam warm gefahren werden. Die GSF 600 verlangt häufiges Schalten - sollte Ihnen das nicht liegen, ist womöglich der hubraumstärkere Nachfolger eher für Sie geeignet. Einsteiger sollten auch die auf 34 PS gedrosselte Variante bei eBay in Betracht ziehen, die kaum teurer als die offenen Modelle mit 78 PS gehandelt wird.

Lassen Sie sich beim Kauf nicht von hohen Laufleistungen abschrecken, diese sind dank der ausgefeilten Technik unbedenklich, sofern sämtliche 6.000-Kilometer-Serviceintervalle belegt sind. Anfällig für Rost sind vor allem Schrauben, Schweißnähte und die Verbindung zwischen Krümmer, Sammler und Endrohr. Bei Maschinen der ersten Jahrgänge haben Bremsscheiben, Federbein und Lenkkopflager oftmals ihre jeweilige Schuldigkeit getan und müssen ausgewechselt werden.

Suzuki GSF 650 Bandit - Luft oder Wasser?

Seit 2004 ist der Nachfolger namens Suzuki GSF 650 Bandit auf dem Markt und hat nichts von seiner angenehmen Handhabung eingebüßt - trotz serienmäßig montiertem Hauptständer sind tiefe Schräglagen möglich. Die Verbesserungen betreffen vorerst Kleinigkeiten: Sitzbank und Lenker sind nun höhenverstellbar, ABS erhöht serienmäßig ab 2005 die Fahrsicherheit und der altbewährte Motor besitzt keine untere Aufhängung mehr, überträgt somit weniger Vibrationen auf den Rahmen und fühlt sich ruhiger an. Gemäß des Namens wurde das Hubraumvolumen durch eine einfache Erhöhung der Zylinderbohrungen auf 656 ccm gesteigert - Sie müssen daher weniger oft schalten, diese Maschine rollt im sechsten Gang selbst durch eine 30er-Zone ohne zu ruckeln und begnügt sich bei dosierter Fahrweise mit rund 5 Liter Normalbenzin auf 100 Kilometern.

Das S-Modell bringt mit seinen Doppelstock-Scheinwerfern mehr Licht ins Dunkel und wirkt beim Fahren - speziell auf verwinkelten Landstraßen und mit hoher Geschwindigkeit - stabiler als die Naked-Version, was auf die unterschiedliche Abstimmung der Federungselemente und die verschiedenartigen aerodynamischen Voraussetzungen zurückzuführen ist.

Die erste größere Modifikation geschieht im Jahr 2007

Aufgrund der Abgasnorm „Euro 3" sieht sich Suzuki gezwungen, das luft- und ölgekühlte Triebwerk zu wechseln und stattdessen einen wassergekühlten, 85 PS starken Motor samt Benzineinspritzung und Doppeldrosselklappensystem einzubauen. Zwei Jahre später erfolgt das nächste Upgrade samt neuem Design bezüglich Heck und Front, einer eingebauten 12-Volt-Steckdose und einer Ganganzeige im Cockpit, das zudem mit zwei Ablagefächern ausgestattet ist.

Somit stellt sich für Sie die Frage, ob Luft oder Wasser: Für eine luftgekühlte Bandit sprechen die niedrigen Gebrauchtpreise und die traditionelle Optik der fein verrippten Zylinder, fahrdynamisch können diese Modelle den wassergekühlten Einspritz-Banditen jedoch nicht das Wasser reichen. Diese sind jedoch wiederum schwerer, was sich speziell in forciert angefahrenen Kurven bemerkbar macht. Die Motoren - ob luft- oder wassergekühlt - machen in der Regel auch bei hohen Laufleistungen über 50.000 Kilometer keinerlei Probleme. Dennoch gibt es viele zweifelhafte Billigangebote von älteren Modellen mit geringer Laufleistung - hier ist Vorsicht geboten. Im Idealfall kaufen Sie eine werkstattgepflegte GSF 650 direkt bei einem Händler, bei dem sie der Vorbesitzer in Zahlung gegeben hat. Für alle Baujahre sind 34- und 77-PS-Drosselvarianten erhältlich.

Suzuki GSF 1200 Bandit - mit Kult-, Pop- und Neo-Maschinen auf Kurvenjagd

Die Suzuki GSF 1200 Bandit wurde zwischen 1996 bis 2006 produziert und zeichnet sich durch ein handliches Fahrwerk sowie moderne Optik samt konservativ-klassischen Linien aus.

Das „Kult"-Modell GV75A

1996 kommt das „Kult"-Modell mit der Werksbezeichnung GV75A auf den deutschen Markt, dessen Motor aus einer Suzuki GSX-R 1100 stammt und entsprechend modifiziert ist - ein luft- und ölgekühlter Vierzylinder-Viertaktmotor mit 98 PS, 1175 ccm Hubraum und einem 5-Gang-Getriebe. Bei Fahren im Landstraßentempo liegt der Spritverbrauch bei knapp 5 Litern. Die optischen Highlights sind die Edelstahl-Auspuffanlage sowie Alu-Schwinge und -Kettenschutz. Ab 1997 ist eine ABS-Variante samt längerer Schwinge und größerer Bremsscheibe erhältlich.

Die „Pop"-Bandit des Typs WVA9

2001 erfolgt die erste große Modellpflege, die 116 Modifikationen mit sich bringt: Die „Pop"-Bandit des Typs WVA9 erhält einen schlankeren Rahmen, Gabelfedern mit höherer Federrate, ein Federbein mit stärkerer Dämpfung sowie Tokico-Sechskolbenbremssättel am Vorderrad. Das Tankvolumen steigt von 19 auf 20 Liter, die Lichtmaschine leistet nun 550 statt 320 Watt und im Cockpit hält das Digitalzeitalter Einzug. Der Motor wird durch neue Vergaser, ein Sekundärluftsystem und einen größeren Ölkühler aufgewertet. Das S-Modell wartet durch Doppelscheinwerfer und eine neue Frontverkleidung samt besserem Windschutz auf.

Typ WVA9 ist sehr gefragt, aber auch ältere Modelle des Typs GV75A sind trotz hoher Laufleistungen um 30.000 Kilometer begehrt, da durch Umrüstung mittels legalen Nachrüstschalldämpfern eine deutliche Leistungssteigerung erzielt werden kann. Scheckheftgepflegte Gebraucht-Motorräder mit Laufleistungen um 10.000 Kilometer sind eine gute Alternative zu einem Neukauf. Bei Probefahrten sollten Sie auf mechanische Geräusche achten, da das Getriebe durch heftige Ampelstarts oder Wheelie-Einlagen des Vorbesitzers in Mitleidenschaft gezogen sein könnte. Immer eine Prüfung wert ist das Lenkkopflager, das selbst bei normaler Beanspruchung nach rund 20.000 Kilometer gewechselt werden muss. Die GSF 1200 wird häufig umgebaut - sollten bei Ihrem Wunschmodell Fremdprodukte wie Lenker oder Auspuff verbaut sein, prüfen Sie, ob diese auch zugelassen sind.

Der Typ WVCB der „Neo"-Serie

Die optische Aufbesserung findet 2006 im Typ WVCB der „Neo"-Serie ihre Fortsetzung, der als Zwischenmodell mit altem luft- und ölgekühlten Motor sowie neuer Optik des wassergekühlten Nachfolgemodells Suzuki GSF 1250 Bandit fungiert.

Suzuki GSF 1250 Bandit - Modern, handlich und umweltschonend

2007 bedarf es eines neuen Motors, der nicht nur mit 1.255 ccm ein größeres Hubraumvolumen aufweist: Zur Einhaltung der „Euro 3"-Limits wird eine Einspritzanlage, G-Kat samt Lambdasonde im Auspuff und das Suzuki-eigene Sekundärluftsystem PAIR erforderlich. Zudem wird dank digitalem Motormanagement Kraftstoff gespart und der Verbrauch unter die 6-Liter-Marke gedrückt. Durch die Wasserkühlung verschwinden die echten, Bandit typischen Kühlrippen und machen angedeuteten Rippen Platz. Eine Ausgleichswelle sowie ein 6- statt 5-Gang-Getriebe sind weitere Veränderungen - der sechste Gang dient bei einem derart durchzugsstarken Motor lediglich als Schongang und zum Spritsparen, zwingend notwendig ist er nicht. Eine straffere Gabel und ein Showa-Federbein sorgen für mehr Fahrdynamik. Die Benzinpumpe entschwindet in den Tank und verringert dessen Volumen um einen auf 19 Liter.

Das klassische Doppelschleifen-Layout bleibt erhalten, ansonsten wird 2010 das Design kräftig überarbeitet: Der bisher runde Frontscheinwerfer und die Blinker erhalten neue Formen, das Rücklicht und die Heckverkleidung sind schlanker und wirken moderner. Das Instrumentengehäuse ist nun aerodynamisch gestaltet, Motor und Fußrastenhalter glänzen in schwarzem Lack. Serienmäßig sind ein Hauptständer, eine höhenverstellbare Sitzbank und ABS an Bord, das den Bremsdruck bei Bedarf elektronisch regelt und im Trockenen nicht zu früh eingreift.

Die halbverkleidete S-Version ist gebraucht bei gleicher Laufleistung teurer und seit jeher beliebter als das Nacktmodell, das 2012 aus dem Programm genommen wird. Die Verkleidung vermag jedoch nicht, die Hände ausreichend vor dem Fahrtwind zu schützen - hierfür empfiehlt sich als Umbaumaßnahme eine Tourenscheibe, die auch bei eBay erhältlich ist. Trotz durchwachsener Lackqualität und schlechter Erstbereifung bleibt das positive Gesamtbild bestehen.

Bei einem Gebrauchtkauf bei eBay können Sie sich auf Kleinigkeiten und die klassischen Prüfpunkte wie Unfallschäden konzentrieren. Die wenigen Umbauten, die diese Modelle in der Regel aufweisen, betreffen Endschalldämpfer, Superbike-Lenker und einen besseren Windschutz.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden