Studiomikrofon: So wird das Homerecording zum Profiauftritt

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Studiomikrofon: So wird das Homerecording zum Profiauftritt

Wer kennt das nicht: Unter der Dusche klingt man wie ein Superstar, nimmt man sich mit dem integrierten Mikrofon oder einem Headset am Computer auf, ist die Illusion dahin. Grund dafür ist nicht ausschließlich das eigene Talent, sondern auch die Qualität der Mikrofone. In diesem Ratgeber möchten wir Ihnen Wege und Möglichkeiten zeigen, mit professionellen Mikrofonen Ihren Gesang und Ihre Stimme in einem ganz neuen Licht dastehen zu lassen. Für den Bereich des Homerecordings gibt es hier viele Möglichkeiten, die wir Ihnen vorstellen möchten.

Ihre Anforderungen sind das Wichtigste: Mikrofone für Allrounder und Spezialisten

Bei der Wahl eines Mikrofons spielen nicht nur Qualität und Art des Mikrofons eine Rolle. Auch unterschiedliche Sing- oder Sprechgewohnheiten verlangen unterschiedliche Mikrofone. Nur so können die Vorzüge der jeweiligen Stimme in den Vordergrund gerückt werden. Wer von Natur aus eine klare, prägnante Stimme hat, benötigt ein anderes Mikrofon, als jemand mit einer etwas belegten Stimme. Auch kleine Sprachfehler, die im Alltag kaum auffallen, wie zum Beispiel ein zischender S-Laut, müssen bei der Wahl des passenden Mikrofons beachtet werden.

Der zweite Aspekt betrifft die Nutzung des Mikrofons. Möchten Sie einen gesprochenen Podcast aufnehmen, Menschen auf der Straße interviewen oder das Mikrofon zur Aufnahme von Gesang und Instrumenten verwenden? Um Enttäuschungen vorzubeugen, sollten Sie sich erkundigen, welches Mikrofon für Ihre Zwecke am besten geeignet ist. Es gibt sehr spezielle Mikrofone, die auf einen bestimmten Bereich ausgerichtet sind und Multi-Talente, die für jeden Einsatzbereich geeignet sind.

Technische Grundlagen: So funktioniert ein Mikrofon

Mikrofone sind Schallwandler, die den Luftschall, also das, was wir von uns geben, als Schallwechselschwingungen in ein elektrisches Signal verwandeln. Diese elektrischen Signale sind Spannungsänderungen des Wechselstroms. Genauer bedeutet das: Mit unserer Stimme, einem Instrument oder anderen Schallquellen, bringen wir eine Membran zum Schwingen. Diese Membran gibt die Schwingung an einen sogenannten Wandler weiter. Hier werden die mechanischen Schwingungen in eine Tonfrequenz-Wechselspannung umwandelt.

Mikrofone funktionieren also wie ein umgekehrter Lautsprecher, bei dem Wechselstromsignale aus einem Verstärker in Schallwellen umgesetzt werden. Aus diesem Grund lassen sich sehr empfindliche Lautsprecher auch als Mikrofon benutzen.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, den Schalldruck in ein elektrisches Signal umzuwandeln. Man unterscheidet zwischen

Das zweite Unterscheidungsmerkmal von Mikrofonen ist der Bereich, in dem Mikrofone die Töne wahrnehmen kann. Im Heimbereich sind vor allem zwei Mikrofontypen relevant:

Lassen Sie sich von der Masse an Fachbegriffen bloß nicht abschrecken. Das richtige Mikrofon finden Sie nur, wenn Sie sich über die Möglichkeiten im Klaren sind. Um Licht ins Dunkel zu bringen und Ihnen zu zeigen, welche Varianten für Sie geeignet sind, haben wir die wichtigsten Mikrofontypen übersichtlich zusammengefasst.

Für professionalle Aufnahmen lohnt sich die Investition in ein Kondensatormikrofon

Kondensatoren sind elektrische Bauelemente, bestehend aus zwei Elektroden. Sie werden in vielen verschiedenen elektronischen Geräten verwendet und kommen unter anderem auch in Verstärkern zum Einsatz.

Kondensatorenmikrofone sind die klassischen Mikrofone. Der Name ergibt sich aus der Art der Tonerzeugung: Zwischen den beiden Elektronen ist eine Membran aufgehängt. Gemeinsam bilden die Elemente einen unter Spannung stehenden Kondensator. Schallwellen bringen die Membran zum Schwingen und verändern dadurch die Spannung innerhalb des Kondensators. Diese Spannungsänderung ist das elektronische Signal, das an den Empfänger weitergeleitet wird.

Um ein Kondensatormikrofon zu betreiben, ist Strom nötig. Der Strom hält die Spannung innerhalb des Kondensators aufrecht. Wie der Strom in das Gerät kommt, kann unterschiedlich umgesetzt werden. Akkus und Batterien werden häufig genutzt. Das Mikrofon kann jedoch auch über ein Mikrofonkabel direkt von einem Steuergerät, zum Beispiel einem Mischpult, betrieben werden.

Der Nachteil von Kondensatormikrofonen liegt eindeutig im Anschaffungspreis. Sie liegen deutlich oberhalb dynamischer oder elektretischer Mikrofone, bieten aber auch entscheidende Vorteile. Kondensatormikrofone haben einen sehr glatten Frequenzgang und sind daher unabhängig von der Tonhöhe und Lautstärke des eingehenden Signals zuverlässig und genau. Sie weisen kaum Verzerrungen auf und auch lästiges Rauschen ist in der Regel nicht zu vernehmen.

Aus diesen Gründen werden in professionellen Tonstudios ausschließlich Kondensatormikrofone verwendet. Wenn auch Sie professionelle Ansprüche an Ihr Mikrofon stellen, lohnt sich die finanzielle Investition bestimmt.

Klein und leistungsstark präsentieren sich Elektret-Mikrofone

Elektret-Mikrofone sind in der Funktionsweise den Kondensatormikrofonen sehr ähnlich. Der Unterschied besteht darin, dass eine unter Spannung stehende Elektret-Folie vor oder hinter der Membran angebracht ist. Daher sind diese Mikrofone auch von einer Stromquelle abhängig. Meistens wird die Stromversorgung durch eine in das Mikrofon eingelassene Batterie abgedeckt.

Elektret-Mikrofone sind günstig in der Herstellung und erlauben sehr kleine, robuste Bauweisen. Die Tonqualität ist ebenfalls sehr hoch, wenn sie auch nicht ganz an Kondensatormikrofone herankommen. Elektret Mikrofone haben eine sehr hohe Ausgangsspannung, weshalb sie vor allem für leise und normal laute Lautstärken eignen. Deswegen werden sie häufig in Handys, Headsets und anderen mobilen Aufnahmegeräte verwendet.

Dynamische Mikrofone: Bändchen- und Tauchspulenmikrofone bilden eine gute Alternative

Dynamische Mikrofone benötigen keine zusätzliche Energiequelle. Die benötigte Spannung kann das Mikrofon, ähnlich wie ein Dynamo, durch ein Magnetfeld selbst erzeugen. Physikalisch ausgedrückt arbeitet ein dynamisches Mikrofon mit dem Prinzip der elektromagnetischen Induktion. Technisch gesehen führt hier die Geschwindigkeit der Membranbewegung zum Signal. Es wird daher auch „Geschwindigkeitsempfänger“ genannt. Dynamische Mikrofone werden hauptsächlich bei Live-Events eingesetzt. Da sie technisch unempfindlich gegen große Lautstärken sind, werden sie außerdem zur Mikrofonierung von Schlagzeugen (Snares, Tom Toms, Becken und Co.) genutzt.

Tauchspulenmikrofone

Es gibt zwei unterschiedliche Arten dynamischer Mikrofone, die in verschiedenen Gebieten zum Einsatz kommen. Tauchspulenmikrofone sind in der Funktionsweise mit dynamischen Lautsprechern eng verwandt. Wie bei einem elektrodynamischen Lautsprecher ist die Membran fest mit einer Spule verbunden. Durch die Bewegung der  Membran wird die Spule innerhalb eines Dauermagnetischen Felds bewegt. Die Bewegung der geladenen Spule innerhalb des Magnetfeldes erzeugt eine Signalspannung, die an den Empfänger weitergeleitet wird.

Tauchspulenmikrofone bieten gerade im Live-Einsatz einige Vorteile. Zum einen sind sie sehr robust gegenüber mechanischen Belastungen. Laute Lautstärken können den Geräten nichts anhaben. Außerdem können Tauchspulenmikrofone hohe Schalldrücke aushalten, weshalb sie besonders bei lauten Instrumenten oder Gesang zum Einsatz kommen. Im Gegensatz zu Kondensatormikrofonen wird hier keine zusätzliche Stromquelle benötigt. So ist der Einsatz dieser Mikrofone unkompliziert. Ein weiterer Vorteil ist der günstige Preis.

Bändchenmikrofone

Bändchenmikrofone (Ribbon Microphones) sind eine weitere Bauform des dynamischen Mikrofons. Die Membran des Bändchenmikrofons besteht aus einem wie eine Ziehharmonika gefalteten, extrem dünnen Aluminiumstreifen. Dieser Aluminiumstreifen befindet sich in dem oben beschriebenen Magnetfeld und kann die Schallwellen so direkt, ohne den Umweg über eine Spule, als elektronische Signale weiterleiten. Dadurch reagieren sie empfindlicher auf Geräusche und können auch für leise Töne eingesetzt werden. Der Nachteil: Durch die Empfindlichkeit sind sie auch für Störgeräusche, wie Wind oder Erschütterungen, empfänglich.

Die Tonqualität dieser Mikrofone ist ebenfalls gut. Man verwendet sie vor allem dann, wenn die Schallquelle nah am Mikrofon liegt. Bei größeren Abständen zwischen Soundquelle und Mikrofon neigen sie jedoch zum Rauschen.

Ist man sich über die Vor- und Nachteile der verschiedenen dynamischen Mikrofone bewusst, kann man das passende Mikrofon für seine Zwecke auswählen. Wer leisere Töne bevorzugt, ist mit einem Bändchenmikrofon gut beraten. Für laute Instrumente oder Bühnengesang sind Tauchspulenmikrofone die bessere Wahl. Wenn Sie das richtige Modell für Ihre Anforderungen wählen, können dynamische Mikrofone eine preiswerte und ebenfalls hochwertige Alternative zu Kondensatormikrofonen darstellen.

Mikrofontypen: In diesen Bereichen nehmen unterschiedliche Mikrofone die Töne wahr

Neben der Art und Weise der Umwandlung des Signals unterscheidet man Mikrofone auch nach dem Bereich, in dem das Mikrofon Töne wahrnehmen kann. Diese Unterschiede sind durch den Aufbau der Geräte geschuldet. Je nach Konstruktion können die Mikrofone unterschiedliche Bereiche aufnehmen und übermitteln. Man spricht dabei von der Richtcharakteristik eines Mikrofons.

Kugel-, Nieren- und Richtmikrofone sind für die verschiedenen Einsatzbereiche unterschiedlich gut geeignet. Welches Mikrofon in welchem Einsatz die besten Ergebnisse liefert, werden wir Ihnen  im Folgenden erklären.

Für Rundum-Sounds: Kugelkopfmikrofone sind wahre Multitalente

Kugelkopfmikrofone haben einen kugelförmigen Aufnahmeradius und nehmen daher den gesamten Umkreis des Mikrofonkopfes auf. Das macht diesen Mikrofontyp nicht nur im wörtlichen Sinne zu einem echten Rundum-Talent, das universell einsetzbar ist. Spricht der Sprecher aus geringer Entfernung in das Mikrofon, klingt die Stimme sehr nah. Umgebungsgeräusche sind kaum wahrzunehmen. Entfernt sich der Sprecher von dem Mikrofon, werden die Umgebungsgeräusche lauter. So können mit einem einzigen Mikrofon sowohl Nah-Aufnahmen als auch räumlich, atmosphärische Aufnahmen gemacht werden.

Durch diese Wandelbarkeit ist das Kugelkopfmikrofon gerade im privaten Bereich sehr beliebt und verbreitet. Es bietet dem Nutzer viele unterschiedliche Möglichkeiten, mit Klang und Raum zu experimentieren.

Die Spezialisten: Nierenmikrofone für zielgenaue Aufnahmen, auch unter lauten Bedingungen

Der Aufnahmebereich des Nierenmikrofons konzentriert sich eng um den Mikrofonkopf herum. Nierenmikrofone muss man zum Sprechen näher an den Mund nehmen, als Kugelkopfmikrofone. Idealerweise spricht man direkt von oben in das Mikrofon hinein. Durch die Nähe zum Sprecher klingt die Aufnahmesituation intimer und der Zuhörer hat das Gefühl, sehr nahe am Geschehen zu sein. Nebengeräusche haben so keine Chance, die Aufnahme zu stören. Aus diesem Grund eignen sich Nierenmikrofone für Aufnahmen in lauten Umgebungen.

3 Tipps zum Schluss:
Mit Kabeln, Ständern und Musikbearbeitungsprogramme machen sie aus einem Mikrofon ein Homerecording-Studio

Wenn Sie sich nun für das passende Mikrofon entschieden haben, gilt es, das Optimum herauszuholen. Für professionelle Aufnahmen werden qualitativ hochwertige, abgeschirmte Mikrofonkabel benötigt. Diese unterdrücken störende Geräusche, wie zum Beispiel Rauschen.

Für professionelle Aufnahmen ist ein Mikrofonständer von großer Bedeutung. Er bietet Ihnen die Möglichkeit, das Mikrofon perfekt einzustellen und erhöht damit die Qualität der Aufnahmen enorm. Außerdem werden durch einen Ständer Störgeräusche durch das Anfassen des Mikrofons vermieden.

Um Ihre klanglichen Ergebnisse weiter zu verfeinern, empfehlen sich Programme zur Musikbearbeitung. Hier können Sie kleinere Patzer verbergen oder Ihre Aufnahmen mit weiteren Instrumenten unterlegen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

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