Streichen wie ein Profi: Grundierungen als Bestandteil von Anstrichsystemen

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Streichen wie ein Profi: Grundierungen als Bestandteil von Anstrichsystemen

Grundierungen nehmen beim Anstrich eine wichtige Funktion ein. Ohne sie würden alle Farben, Lacke oder gar Putz einfach von der Wand abfallen oder abblättern. Nicht alle Heimwerker sind sich der großen Unbekannten im Hintergrund bewusst. Tiefengrund und Grundierungen bekommen nicht immer die nötige Aufmerksamkeit, da das Hauptaugenmerk vielmehr auf der Wandfarbe und die optisch schöne Gestaltung liegt. Das spätere Ergebnis ist allerdings nur so gut, wie die vorher angewandte Grundierungsarbeit. Ob nackte Rigips-Platten, verputzte Wände oder andere Untergründe – für jede Oberfläche ist die richtige Grundierung zu wählen. Der folgende Ratgeber beschreibt Ihnen die verschiedenen Arten davon und zeigt Ihnen die Bedeutung der dünnen Schicht. Auf die Grundierung zu verzichten ist ein grober Fehler bei allen Anstrichsystemen.

Definition: Was ist Grundierung und welche Aufgaben übernimmt sie?

Die richtige Grundierung dient als einfacher Haftvermittler zwischen dem Material an der Oberfläche und dem Untergrund. Dabei übernimmt die dünne Schicht an der Wand mehrere Aufgaben:

  1. Sie vergrößert beispielsweise die Oberfläche, damit Farben und Lacke deutlich besser halten und nicht abblättern. Ein physikalischer Grundsatz beschreibt, dass viele kleine Unebenheiten eine größere Oberfläche bieten als weniger große. Demnach glättet die Grundierung nicht die Oberfläche, was die Annahme vieler Laien ist. Sie raut den Untergrund mikroskopisch klein auf, um das Oberflächenmaterial besser haften zu lassen.

  2. Der zweite Anspruch an die Grundierung ist die Verfestigung des Materials. Vor allem verputzte Wände sanden und besitzen kleinste lose Partikel an der Oberfläche. Grund dafür sind die Zuschlagstoffe und Sand im Mörtel. Die kleinen Körner werden an der Oberfläche nicht mehr richtig durch das Bindemittel gehalten und bröseln beim bloßen Darüberstreichen mit der Hand ab. Tiefgrund oder auch Haftgrund bindet diese sandigen Oberflächen und festigt sie.

  3. Die dritte Aufgabe einer guten Grundierung bezieht sich auf die Saugfähigkeit des vorliegenden Materials. Der Untergrund darf nicht zu annahmefähig sein, da die Farben sonst dunkler oder verändert aussehen. Die Grundierung verstopft dabei die Poren auf dem Untergrund und bindet damit die sogenannte Kapillarität der Stoffe. Oftmals besteht die Oberfläche aus mehreren Materialien, beispielsweise durch Ausbesserungsarbeiten. Bei einem Anstrich auf Kalk-Zement-Putz und gipsbasierender Spachtelmasse ziehen die Farben unterschiedlich ein und provozieren dabei eine ungleichmäßige Sättigung. Der Tiefgrund verschafft den Materialien etwa die gleiche Saugkraft, sodass Sie eine Oberfläche mit nahezu den gleichen Haftungsbedingungen vorfinden.

  4. Als letzte Funktion bietet die Grundierung eine imprägnierende oder absperrende Wirkung. Die Imprägnierung erfolgt, damit kein Wasser in den Untergrund eindringen kann. Bei Wänden in Bad und Küche oder bei Hölzern im Außenbereich spielt das eine wichtige Rolle. Bei der absperrenden Wirkung verhindert die Grundierung, dass die Inhaltsstoffe der Materialien bis zur Oberfläche durchdringen können. Andernfalls treten Flecken oder Pigmente an einer gestrichenen Wand auf.

Wann Sie eine Grundierung für den Untergrund brauchen

Beim Streichen von Wänden beugt die Grundierung einem saugenden und sandenden Untergrund vor. So erhalten Sie später ein optimales Streichergebnis. Durch dünnflüssige Konsistenz dringt der Tiefengrund gut in die Wand ein und hinterlässt nur einen transparenten Film. Prüfen Sie ihren Untergrund deshalb auf Saugverhalten und sandende Partikel. Drücken Sie dafür einen Klebestreifen fest auf die Wand und ziehen diesen ruckartig ab. Sobald Farbreste oder andere Partikel an dem Klebeband hängen bleiben, müssen Sie die Wand grundieren. Mit einem nassen Schwamm prüfen Sie das Saugverhalten der Wand. Drücken Sie ihn fest an den Untergrund und halten ihn ein paar Sekunden gedrückt. Sehen Sie danach eine dunkle Verfärbung an der Wand oder zieht das Wasser besonders schnell ein, benötigen Sie ebenso die richtige Grundierung. Eine generelle Regel besagt: Alle unbeschichteten Gipskarton- und Putzwände brauchen vor dem ersten Anstrich eine angemessene Grundierung.

Die richtigen Grundierungen für Wand und Putz

Eine Grundierung bereitet Wände und verputzte Flächen auf die Weiterbearbeitung vor. Mit der Vorstellung folgender Grundierungen ersparen Sie sich zeitaufwendiges Suchen oder gar kostspielige Fehlgriffe.

  • Tiefgrund: Als farblose Grundierung eignet er sich für alle mineralischen Untergründe. Das Mittel kommt im Innenbereich zum Einsatz und gleicht die Beschaffenheit der Materialien aus. Vor allem im Trockenbau spielt er eine wichtige Rolle. Hier stehen sich die feinporigen Gipskartonplatten und der grobe Fugenspachtel gegenüber. Ohne Tiefgrund besitzen die Materialien eine unterschiedliche Saugfähigkeit und ziehen Farbe oder Tapetenkleister unterschiedlich an. Das Ergebnis wären Unebenheiten nach der Fertigstellung. Außerdem verfestigt der Tiefgrund die Staubschicht auf den Platten und lässt Tapete und Farbe besser haften.

  • Sperrgrund: Der Sperrgrund wirkt dem Durchdringen von Flecken oder anderen Verfärbungen entgegen. Im Bezug zur Feuchtigkeit bildet er keine wirkliche Sperrschicht, obwohl das viele Laien annehmen. Stockflecken, Nikotin oder andere Stoffe kommen mit dieser Grundierung nicht an die Oberfläche.

  • Putzgrund: Er ähnelt dem Sperrgrund und ist besonders feinkörnig. Damit schafft er eine deutlich größere Fläche an der Wand und festigt diese gleichzeitig. Der Putzgrund kommt hauptsächlich bei einem Dekorputz zum Einsatz. Allerdings darf die Dicke nur zwischen 0,5 und 3 mm liegen. Soll ein dickerer Putz aufgetragen werden, benötigen Sie eine andere Grundierung.

  • Haftgrund: Diese Grundierung findet bei sehr schwierigen Untergründen und beim Verbund unterschiedlicher Materialien Einsatz. Dazu zählen beispielsweise Holzboden für innen oder alle nicht saugenden Materialien. Wollen Sie OSB-Platten oder Holzdielen mit einer zementartigen Masse verbinden, muss der Untergrund vorher mit einem extremen Haftgrund behandelt werden. Er verbindet die beiden Materialien und dient als Versiegelung. So quellt das Holz darunter bei der Verarbeitung nicht auf. Problemlos lässt sich Bodenausgleichsmasse oder Fliesenkleber auf Holzmaterialien anwenden.

  • Duschabdichtung: Für den Duschbereich benötigen Sie eine besonders elastische und wasserdichte Absperrung. Die Abdichtung funktioniert auf allen mineralischen Untergründen und wird mit einer Rolle aufgetragen. Sie dichten damit die Materialien unter den Fliesen gegen Spritzwasser ab und halten den Untergrund flexibel. Durch das heiße und kalte Wasser der Dusche steht er unter großer Beanspruchung.

  • Anti-Schimmel: In besonders hartnäckigen Fällen kommt eine spezielle Grundierung gegen Schimmel zum Einsatz. Als fungizide Lösung bekämpft sie bereits vorhandenen Schimmel und beugt gleichzeitig der Ausbreitung von weiteren Schimmelsporen vor. Somit sichern Sie sich gegen zukünftigen Schimmelbefall ab. Meist kommt dieser Tiefgrund in Zusammenhang mit Feuchtraumfarbe zum Einsatz. Auch sie kann spezielle Zusatzstoffe enthalten, die Sporen abtöten und beugt dem erneuten Schimmelbefall effektiv vor.

Verarbeitung von Grundierungen – so tragen Sie die Mittel auf

Vor dem Grundieren gilt es, den Untergrund auf Risse, Löcher oder andere unebene Stellen zu prüfen. Mit einer Fugenmasse gleichen Sie diese Bereiche aus und streichen Sie glatt. Danach kommt die Grundierung zum Einsatz. Tragen Sie die Flüssigkeit einfach mit einer großen Malerbürste auf die Wand auf. Sie bürsten somit die Grundierung tief in die Wand ein, damit sie nicht nur oberflächlich aufliegt. Beim Auftragen mit der Rolle können Sie die Flüssigkeit nicht so gut einarbeiten und spritzt deutlich mehr. Mit der Bürste haben Sie mehr Gefühl und reiben die Grundierung über Kreuz tief in die Wand ein. Vor einem neuen Anstrich muss die Grundierung komplett trockenen. Folgen Sie dabei den Angaben des Herstellers auf der Verpackung. Achtung: Ein Grundanstrich ist meist genug. Tragen Sie die Grundierung mehrfach auf die Wand auf, kann sie eine Art Trennschicht zwischen der Farbe und dem eigentlichen Untergrund bilden. Achten Sie für den Innenbereich auf eine lösungsmittelfreie Grundierung. Hier verflüchtigt sich bei der Verarbeitung und beim Trocknen lediglich Wasser. Andere Dämpfe gelangen nicht in den Raum und Sie schonen ihre Gesundheit.

Tiefgrund bei Gipskartonplatten und anderen durstigen Untergründen

Bei Renovierungs- und Ausbauarbeiten kommen meist Platten aus Gips zum Einsatz. Sie lassen sich nicht nur leicht verarbeiten, sondern sind flexibel an schwierige Bedingungen anzupassen. Nach dem Ausbau haben Sie die Wahl, die Platten zu streichen, zu tapezieren oder zu fliesen. Je nach gewünschter Oberfläche müssen sie die richtige Grundierung wählen. Gipskartonplatten sind besonders saugfähige Materialien und müssen immer vor einem ersten Anstrich grundiert werden. Auch beim Tapezieren brauchen Sie Tiefengrund auf den Platten. Andernfalls entzieht der Gipskarton den Farben oder dem Kleister die Feuchtigkeit und hinterlässt ein ungleichmäßiges Muster. Tragen Sie beispielsweise Dispersionsfarbe direkt auf den Gipskarton auf, entstehen dunkle und helle Rückstände. Zieht der Tapetenkleister zu schnell ein, geht er keine Verbindung mit der verwendeten Tapete ein. Sie löst sich schneller ab oder kann reißen. In Feuchträumen kommen die grünen imprägnierten Gipskartonplatten zum Einsatz. Auch hier müssen Sie mit einem Tiefengrund arbeiten, um die Saugfähigkeit der Platten zu regulieren.

Eine Besonderheit: Tapeziergrund erleichtert das Ablösen von Tapete

Ein spezieller Tapeziergrund erleichtert später das Ablösen der Tapete. Er kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn Sie sich nicht für Raufasertapete entscheiden. Raufaser lässt sich mehrfach überstreichen und vielseitig einsetzen. Andere Tapeten können nicht neu überstrichen werden und sind nach einigen Jahren auszutauschen. Tapeziergrund sorgt für einen guten Verbund zwischen Tapete und Untergrund. Gleichzeitig erleichtert er das Entfernen der Tapete. Auch hier handelt es sich um eine flüssige Lösung, die auf dem zu bearbeitenden Boden unverdünnt aufgebracht wird. Sie nutzen dafür einen breiten Pinsel oder eine Rolle. Doch nicht jeder Tapeziergrund eignet sich für jede Tapete. Folgen Sie den Hinweisen des Herstellers, um grobe Fehler zu vermeiden. Andernfalls kann der Tiefgrund Einfluss auf die Tapete nehmen.

Beachten Sie die Herstellerhinweise

Die einzelnen Grundierungen fallen zum Teil sehr unterschiedlich in ihrer Wirkungsweise aus. Überstürzen Sie bei der Wahl der richtigen Grundierung nichts und behalten Sie die Hinweise des Herstellers im Auge. Manche Grundierungen sind vor dem Einsatz zu verdünnen, während andere unverdünnt aufgetragen werden.

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