Stradivari und Guarini – warum historische Violinen aus Italien so wertvoll sind

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Stradivari und Guarini – warum historische Violinen aus Italien so wertvoll sind

Antonio Stradivari – der Geigenbauer und seine berühmten Geigen mit außergewöhnlichem Klang

Die Geigen des italienischen Geigenbaumeisters Antonio Giacomo Stradivari sind damals wie heute immer noch heiß begehrt. Einer der Gründe, warum die Violinen relativ kostspielig sind, mag sein, dass es von ihnen nicht unbegrenzt viele gibt und sie zudem als Instrumente aus Naturmaterialien einem gewissen Verfall unterliegen. Die Streichinstrumente von Stradivari dürften so berühmt sein, da es heute nur noch etwa 650 originale Stradivaris weltweit gibt - nicht zu verwechseln mit den nachgebauten Stradivari Geigen. Die Chance auf eBay ein solches Exemplar zu ergattern ist demnach leider gering. Jedoch können Sie von anderen hochqualitativen Herstellern Streichinstrumente kaufen. Schauen Sie sich die aktuellen Angebote an!

Wissenswertes über Antonio Stradivari - das Leben und Wirken des Geigenbaumeisters

Antonio Stradivari wurde neueren Forschungen nach im Jahr 1648 in Italien geboren. Er war in Cremona ansässig und wird als der beste Geigenbauer der Geschichte angesehen, wobei seine Saiteninstrumente die wertvollsten auf dem Markt sind. Doch er baute nicht nur Violinen, sondern auch Bratschen, Celli, Gitarren und Harfen. Unbekannt ist, wo genau Stradivari sein Handwerk erlernte, aber er zeigte anscheinend schon sehr früh großes Talent dabei. Er soll Schüler von Nicola Amati gewesen sein, was durch das Etikett der frühesten bekannten Stradivari erklärt wird. Einer anderen Theorie nach soll Stradivari das Handwerk der Schreinerei erlernt haben, bevor er Geigenbauer wurde. Diese Theorie wird damit erklärt, dass er von 1667 bis 1680 in einem Haus lebte, das dem Kunsttischler und Schnitzer Francesco Pescaroli gehörte. Stradivari verbrachte mit seiner Frau und den sechs Kindern dreizehn Jahre in dem Haus, bevor er 1680 ein eigenes kaufte, in dem er später seine berühmtesten Geigen herstellte.

Über die verschiedenen Schaffensperioden von Antonio Stradivari und seinen Söhnen

Die erste der Schaffensperioden wird nach dem großen Geigenbauer Andrea Amati als „Amatise" bezeichnet, da die Geigen Stradivaris stark an Amatis Geigen angelehnt sind. Diese Periode dauerte bis circa 1680 an. Da er in der nächsten Periode mit einem etwas längeren Modell experimentierte, wird sie auch als „long pattern" bezeichnet und dauerte von circa 1680 bis ungefähr 1700. Die nächste Periode, die bis etwa 1725 dauerte, wird als „goldene Periode" bezeichnet und die letzte, die bis zu seinem Tod im Jahre 1737 andauerte, als „Spätphase". Die Söhne von Stradivari, Francesco und Omobono Stradivari, traten um 1700 in das Familienunternehmen ein, aber erst seit 1725 lässt sich ihr Mitwirken an den Instrumenten erkennen.

Was Sie über die berühmtesten Violinen von Stradivari und ihren Verbleib wissen sollten

Zu den berühmtesten Geigen, die Stradivari in seiner Glanzzeit zwischen 1700 und 1725 erschaffen hat, zählt die „Lipinski" von 1715 und die „Messias" von 1716. Die „Lipinski" war anfangs in Besitz vom Komponisten Tartini. Später zeigte er sie seinem Schüler Salvini, der das Instrument des polnischen Geigers Karol Lipiński zerschmetterte. Dieser erhielt deswegen vom geschockten Tartini die Stradivari, die so zu ihrem Namen kam. Im Jahr 1962 kam die Violine in den Besitz von Rosalind Elsner Anschuetz, die diese für 19.000 US-Dollar erstand. Heute ist die Violine im Besitz eines anonymen Verwandten und ist an Frank Almond, dem Konzertmeister des Milwaukee Symphony Orchestra, verliehen. Die „Messias" ist nie verkauft worden und blieb im Eigentum von Stradivari. Während seiner Glanzzeit zwischen 1700 und 1725 baute Stradivari etwa 1.100 Violinen, Bratschen und Celli, einige wenige Gitarren und eine Harfe.

Die meisten Stradivaris sind im Museum von Cremona

Von diesen Instrumenten sind Schätzungen zufolge noch etwa 650 erhalten, wobei Sie die meisten Stradivaris in Cremona im Stradivari-Museum besichtigen können. Dieser Umstand erklärt auch, weswegen es nur in absoluten Ausnahmefällen Violinen von Stradivari zu ersteigern gibt und Preise von bis zu 12.07 Millionen Euro erzielen, sowie die „Lady Blunt" im Juni 2011. Allerdings finden Sie bei eBay manche andere antike Violine. Auch die „Lady-Tennant-Geige" erzielte bei einer Versteigerung den Rekordpreis von 1,53 Millionen Euro, wobei der Käufer anonym blieb. Bei der nächsten Versteigerung wurde dieser Preis übertroffen, die Geige namens „Hammer" erzielte einen Preis von 2.797 Millionen Euro.

Wer heute Stradivaris besitzt und spielt

Die größte für die Öffentlichkeit zugängliche Sammlung gehört dem spanischen Königshaus. Dieses Quintett besteht aus zwei Violinen, zwei Celli und einer Viola. Eine Besonderheit an diesem Quintett besteht darin, dass alle Instrumente reich verziert sind. Sie können die Instrumente im Musikmuseum des ehemaligen Königspalastes in Madrid besichtigen. Vier weitere verzierte Instrumente plus ein unverziertes Cello befinden sich im Besitz vom Smithonian Institut in Washington. Auch in Paris, im Musikkonservatorium, befinden sich fünf Instrumente von Stradivari und Sie können im Kunsthistorischen Museum in Wien ein Quartett besichtigen. Im Jahr 2009 gab es zwei Ensembles, die ausschließlich auf Stradivari Instrumenten spielten, zum einen die Wiener Philharmoniker und zum anderen das Tokyo String Quartett.

Die Geigenbaukunst des Meisters - wieso die Geigen von Stradivari so einzigartig klingen

Um zu verstehen, warum die Geigen von Stradivari so einmalig schön klingen, sollten Sie zunächst etwas über den Aufbau von Streichinstrumenten wissen. Die Violine, auch als Geige bekannt, wird aus verschiedenen Hölzern angefertigt. Sie hat vier Saiten, die mit einem Bogen gestrichen werden, um die Töne zu erzeugen. Streng genommen bezeichnet das Wort „Geige" alle Streichinstrumente, während „Violine" die kleine Form der Viola bezeichnet. Das Instrument ist etwa 60 cm lang und besteht aus ungefähr 70 Teilen. An dem Ende, das an das Kinn des Musikers angelegt wird, befindet sich ein schnörkelähnliches Objekt, das Schnecke genannt wird. Sie hat so gut wie keine Auswirkung auf den Klang des Instruments. Bei den sehr alten Geigen ist die Schnecke reich verziert und man erkennt an ihr das handwerkliche Geschick des Geigenbauers. Die Schnecke ist wie der sogenannten Wirbel am Wirbelkasten angebracht. Der Wirbel besteht aus Buchsbaum oder Ebenholz und dient zum groben Stimmen der Saiten, die über den Wirbelkasten laufen. Die Violine-Saiten laufen dabei über den Obersattel, der meist aus Ebenholz gefertigt ist.

Die verschiedenen Töne werden erzeugt, indem auf dem Griffbrett die Saiten bei unterschiedlichen Punkten gedrückt werden und zeitgleich der Violinbogen über die Saiten streicht. Da es keine Bundstäbchen zur klaren Abtrennung der Töne gibt, erzeugt die Geige einen weichen oder singenden Ton. Der Hals des Instruments ist auf dem Korpus angebracht, der aus Boden, Decke und Zarge besteht. Beim Geigenbau ist es sehr schwierig, das richtige Stück Holz dafür auszuwählen und es korrekt zu bearbeiten. Da Fichtenholz gute Klangeigenschaften aufweist und relativ hart ist, wird es meist für die Teile des Korpus verwendet. In den oberen Teil werden zwei sogenannte F-Löcher geschnitten, durch die der Schall nach außen tritt. Im Inneren der Geige sind auf die Unterseite der Decke sogenannte Bassbalken geleimt. Der Boden besteht meist aus Ahorn und wird mit den Zargen mit der Decke verbunden. Ein für den Klang entscheidendes Stück ist der Stimmstock, der lose zwischen Decke und Boden eingeklemmt ist. Da man das Geigenspiel bereits in der Kindheit lernen kann, gibt es kleinere Instrumente, die mit Bruchzahlen bezeichnet werden. Dabei ist aber eine ½ Violine nicht etwa halb so groß, sondern nur etwa 12 Prozent kleiner als eine herkömmliche Violine.

Das Klima, unter dem die Hölzer wuchsen ist prägend für den Klang

Eine der Erklärungen, warum Stradivaris Instrumente so außerordentlich schön klingen, sollen die klimatischen Verhältnisse beteiligt sein, unter denen die verwendeten Hölzer wuchsen. Durch die niedrige Temperatur hatten die Hölzer geringere Abstände zwischen den Jahresringen, was wiederum den Klang beeinflussen soll. Diese Theorie hielt sich aber nicht lange, da die Geigen der anderen Geigenbauer aus demselben Holz waren, aber nicht die Klangqualität erreichten. Untersuchungen zeigten aber, dass Stradivari ein akustisch besonders gutes Material zum Bau seiner Instrumente zur Verfügung stand. Auch die Grundierung und der Lack haben eine auffallend gute Qualität.

Das Stradivari-Spiel: "sich bewegend und wie Kerzenlicht flackernd" 

Doch die Violinen aus der Hand Stradivaris sind nicht nur bei den Sammlern hoch begehrt, auch und gerade Musiker wissen sie sehr zu schätzen.  Eine echte Stradivari hat zudem die Eigenschaft, dass sie vor allem im Bereich zwischen 2.000 und 4.000 Hertz spielt. Für diese Tonlage ist das menschliche Gehör am empfindlichsten, was dazu führt, dass auch in einem großen Konzertsaal eine Stradivari sehr gut wahrgenommen werden kann. Für den Klang sind spezielle Abweichungen in der Symmetrie des Klangkörpers wichtig, so beruht nach Aussage des Physikers und Geigenbaumeisters Martin Schleske der Klang nicht nur auf der Handwerkskunst, sondern auch auf einer präzisen Beobachtungsgabe Stradivaris. Daneben fand der Physiker Heinrich Dünnwald heraus, dass das Klangspektrum einer Stradivari der menschlichen Stimme ähnelt, wenn das „E" oder das „I" ausgesprochen werden. Durch diese Ähnlichkeit wirkt der Klang des Instruments besonders angenehm, vertraut und beruhigend. Daneben wirken andere Geigen oft dünn und grell. Falls jedoch an den antiken Violinen an einer bestimmten Stelle in der Mitte des Stegs ein kleines Gewicht von weniger als 1/10 Gramm geklebt wird, kann man den Klang erheblich verbessern.

Nicht nur Stradivaris klingen perfekt

Bei einem Test am Lehrstuhl für musikalische Akustik der Pariser Universität Pierre und Marie Curie wurde allerdings ein Blind-Hörtest durchgeführt. Bei diesem Test wurden von zwei Geigern vier unterschiedliche Violinen gespielt. Viele der Zuhörer erkannten dabei nicht die Stradivari als das emotional meistbewegende Instrument, sondern hielten eine andere moderne Violine für eine echte Stradivari. Der Test, der von den Machern einer Fernsehsendung durchgeführt wurde, zeigte laut den Sprechern der Sendung auf, dass Zweifel daran besteht, dass nur die Geigen von Stradivari den perfekten Klang erzeugen würden. Zudem vertritt man in dem Film die These, dass sich im Laufe der Zeit die Preise der Stradivarigeigen verselbstständigt hätten. Da es auch viele Legenden über Stradivari gibt, kam es neben den exorbitanten Preisen zu einem Instrumentenspekulantentum, das auch der Grund sein könnte, warum die Geigen des nahezu unbekannten französischen Geigenbauers Joseph Guarini hohe Preise erzielen.

Ein weiterer berühmter Geigenbauer: Emile Mennesson, besser bekannt als Joseph Guarini

Über diesen Geigenbauer ist sehr wenig überliefert. Er wurde 1842 in Reims geboren und nannte sich Joseph Guarini. Er kam aus einer Familie, die mit Musikinstrumenten handelte und Pianos herstellte, aber er interessierte sich besonders für die Streichinstrumente. Er produzierte unter dem Label „St. Cecilia" viele verschiedene Instrumente, von High-End-Geräten bis hin zu günstigen Lerninstrumenten für Studenten. Die Mitarbeiter seines Betriebs folgten dabei dem traditionellen französischen Modell nach dem Vorbild der Instrumente von Jean-Babtiste Guillaume.  

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