Stereofotografie gestern und heute

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Bei eBay ist die Stereofotografie leider in der Kategorie Photographica versteckt, dabei brauchen sich weder Technologie noch Ergebnisse zu verstecken, denn es wird fleissig weiter entwickelt und 3-D Fernsehen ist keine Zukunftsmusik mehr: Digitales Stereo-Video kann, per MPEG-4 codiert, mit einer nur gering erhöhten Datenrate übertragen werden.

Im späten 19ten Jahrhundert fanden die Menschen Gefallen an der dreidimensionalen Fotografie. Voluminöse Plattenkameras nahmen Glasnegative in Originalgröße auf, die auf Fotopapier abgezogen   oder gedruckt, mit einem Stereoskop angeschaut werden - allerdings ist bei alten Stereokarten oft der Stereoeffekt in den Hintergrund getreten. Gegen Ende des 19ten Jahrhunderts wurden kompaktere Aufnahmeformate entwickelt, die im Umkehrprozess Schwarzweiss-Stereodias auf Glasplatten liefern, um im Verascope oder ähnlichen Apparaten betrachtet zu werden.

Im 20sten Jahrhundert, mit wachsender Popularität der Kinematographie [bewegte Bilder, aus denen sich unser Gehirn eine Art 3-D Wahrnehmung zusammensetzt], wurde es ruhig um die 3D-Fotografie und die Innovation stürzte sich auf die neuen 35mm Filme: Leitz's legendäre Kameras waren unter den ersten die das handliche Aufnahmeformat nutzten. Aber erst in den 50er Jahren fanden Feinmechaniker einen Weg, den 35mm Film für Stereofotos zu nutzen. Das bevorzugte Filmaterial wurden die damals neuen farbigen Diafilme Kodachrome und Agfachrome. Bei den populären Realist funktioniert die Entfernungseinstellung über Verschieben der Filmbühne. Damals erschienen viele Nachbauten und Kameras im handlichen Realist-Format. In den USA: Revere, Kodak, TDC; aus deutschen Landen: Belplasca, Iloca, teilweise mit Zeiss, Steinheil oder Schneider Objektiven. Bei den Kameras von damals ergeben sich im heutigen Betrieb häufig Probleme: Unterschiedliche Blende und Entfernung sind noch von Hand zu korrigieren, aber bei unterschiedlichen Verschlusszeiten ist ein gewiefter Mechaniker gefragt.

Gegen Ende des 20sten Jahrhunderts wurde die Stereofotografie in Form von Kinderspielzeug (Viewmaster, Rot/Grün Brillen, Loreo, Nimslo, Nishika, und ähnliche Plastikkameras mit 2, 3 oder gar 4 Linsen) am Leben erhalten, einzig die RBT Kameraschmiede verband qualitativ ansprechende Spiegelreflex von Nikon, Yashica, Ricoh sowie die Konica Hexar zu Vollformat Kleinbild Stereokameras. Gebrauchte RBT Kameras kommen schnell über 1000 Euro. Im Mittelfeld bewegen sich osteuropäische Fabrikate: Sputnik (Rollfilm), Siluet, Fed Boy Stereo, und andere, die häufig an mangelnder mechanischer Qualität kranken, deshalb Vorsicht beim Erwerb über das Internet.

Daneben gibt es eine Anzahl Tüftler die über mechanische und elektronische Systeme die gleichzeitige Auslösung von zwei separaten Kameras bewerkstelligen, und auch die manuelle Auslösung ist bei wenig bewegten Fotomotiven brauchbar, sofern man über zwei identische Kameras verfügt.

Im 21sten Jahrhundert wird die Fotografie digital, und auch Stereofreunde widmen sich der neuen Technologie, wenn auch die Projektion oder individuelle Betrachtung der digitalen Bilder (oder Video!) ein wesentliches Problem darstellt. Stereovision ohne Brillen ist möglich, spezielle Rasterfolien vor hochauflösenden LCD Bildschirmen ermöglichen einen kopfschmerzfreien Sehgenuss, allerdings zur Zeit noch zu einem heftigen Preis. Sharp hat ein spezielles Display im Angebot, es ist aber schwer zu beschaffen. Bleibt nur die Ausbelichtung auf Fotopapier und Montage auf 6x14 Karten, die dann mit Opa's Stereoskop die dritte Dimension in der modernen Fotografie offenbaren?

Womit wir wieder bei den Photographica sind ..
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