Stempel echt?

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Alle Briefmarken, deren Wert gestempelt höher ist, als der für ungebraucht, ohne Gummi, sind generell stempelfälschungsgefährdet. Bei Marken nach 1933 gibt es oft nur den Wert für postfrisch. Ohne Gummi bringen die Marken von diesem Preis oft nur 5% - 15%.


Sehr häufig werden Stempel auf Marken gefälscht, die ungebraucht in Mengen zu haben sind. Das geht los bei Altdeutschland mit den Ausgaben von Thurn und Taxis, die beim Übergang des Postwesens an Preußen, noch in Massen vorhanden waren. Das geht über Bergedorf, Bremen und Oldenburg bis zu den vielfach falsch gestempelten Neudrucken von Helgoland. Die Marken der Inflationszeit des Deutschen Reiches ab etwa 1918 bis Ende 1923. Gestempelt teurer als ungebraucht sind dann, als nächste große Gruppe, die Nachkriegsausgaben. Ob Höchstwerte von Wohlfahrtsmarken, Band und Netzaufdrucke der Alliierten Besetzung oder die Berliner Ausgabe mit schwarzem Aufdruck BERLIN. Aber auch scheinbar billige Berliner Marken, wie Gedächtniskirche oder Postillion I, die massenhaft falsch gestempelt vorkommen.

Falsche Stempel sind immer zu erkennen. Der Abschlag eines Stempels wird von einem dreidimensionalen Objekt, in der Regel aus Metall, der Stempel eben, mittels Stempelfarbe ins Papier gedrückt. Die genaue Zeichnung des Stempels gibt Aufschluss über die Echtheit, aber auch die Beschaffenheit der Stempelfarbe. Wie auch die Druckfarbe, besteht diese aus Trägermaterial, meist Öl und den Farbpigmenten. Durch die Kombination der Eigenschaften und die typischen Veränderungen der Stempelfarbe im Laufe der Zeit, lassen sich eine Reihe einfacher Fälschungen schon ohne Vergleichsmaterial erkennen.

Häufige Eigenschaften falscher Stempel:

  • Fälschung aus dem Computerdrucker oder Fotokopierer: auf guten Scans sind die Pixelpunkte zu erkennen, gilt auch für so gefälschte Signaturen
  • Fälschungen von echten Poststempeln, nicht zeitgerecht ausgeführt. Nur von Fachleuten zu erkennen. Die häufigsten Methoden dafür: Beschaffenheit der Stempelfarbe, abgedruckte, spätere Veränderungen des Stempels, bzw. umgekehrt, Merkmale des Stempels die vor dem gezeigten Datum liegen.
  • Fälschungen von Zinkklisches: Eiförmige Stempel, immer dasselbe Datum, mitklischierte Quetschränder sorgen für zu breite, wellige Linien, Stempelfarbe oft grau oder zu blau und wässrig. Abdrucke ohne jegliche Quetschränder. Aussehen wie aufgetupft. Unterbrechungen in Kreisen und Linien.
  • Witzfälschungen mit Gummistempeln, oft in blauer Farbe. Bei stärker aufgedrückten Teilen breitere Linien, Zahlen und Buchstaben.
  • Primitive Fälschungen mittels des Rands einer Münze, abdrucken von Schnapsgläsern (oft nach dessen Genuss) mit Korken oder aus der Kartoffel geschnitzt. Abdrucke von Absenderstempeln, Petschaften, Datumsstempeln und ähnlichem.

Die verschiedenen Postverwaltungen haben zu allen Zeiten, großen Wert auf eine sorgfältige Ausführung der fabrizierten Poststempel gelegt. Natürlich wurden viele Stempel im Laufe der Verwendung beschädigt oder gar zum Einschlagen von Nägeln in die Wand benutzt. Aber gerade das erleichtert die Prüfung an Hand von Vergleichsmaterial. Die meisten Stempel wurden jedoch ausgetauscht wenn sie beschädigt waren. Daher kann man sagen:

Kreisstempel haben immer runde Kreise und sehen nicht oval oder eiförmig aus. Bei mehreren Kreisen verlaufen diese parallel zu einander. Gute Falschstempel stellt man her, indem man einen echten Stempel fotografiert, die Teile außer dem Stempelabdruck selbst, wegretuschiert und von der Vorlage dann ein Zinkklischee anfertigen läßt mit dem man dann direkt stempeln kann. Oft sind diese Fotos aus einer leicht schrägen Perspektive aufgenommen. Dann sind, zum Beispiel, oben die Kreise des Stempels viel dichter zusammen, als unten. Diese Falschstempel sieht man häufig bei Berliner Marken.
Oft sieht man schiefe Buchstaben, Buchstaben oder Zahlen nebeneinander, die sehr unterschiedlich groß sind. Das kann natürlich von unterschiedlicher Menge an Stempelfarbe kommen. Oft ist es auch ein Merkmal falscher Stempel. Hier ein Falschstempel in oval statt rund. Man beachte auch den Buchstaben B von Berlin. Ein echter Witz. Trotzdem oft noch schlechter, als echt angeboten.
  Falscher Stempel
Hier ein weiterer Falschstempel mit gleich mehreren Merkmalen. N in Berlin oben tadellos im 90 Gradwinkel zur Randlinie. Das B aber, völlig schief! Beachten Sie das Wort TREFFEN unten im Stempel. Unterschiedlich hohe Buchstaben und alles krumm und schief.
Falscher Stempel

Stempel unten breiter als oben:
Falscher Stempel

unterschiedlich große Buchstaben
Falsche Marke, falscher Stempel

und weil es so beliebt ist, noch ein falscher BERLIN Stempel auf einer Marke mit falschem Aufdruck. Dieser Stempel ist von einem Zinkklischee, also Metall abgeschlagen. Die Buchstaben wurden von Hand freigestellt. Die Verquetschungen von Stempelfarbe wurden also in einem Zwischenschritt wegretuschiert. Da man natürlich nicht weiß, wir die Buchstaben wirklich aussahen, ist das Ergebnis meist rein zufällig, wie auf dem Bild unten. Man achte auf die Datumszeile. Die 2. und die 1 vom Monat "10" sehen aus, wie freihändig dazu gemalt. Alle Buchstaben sind krumm und schief.
Falscher Aufdruck, falscher Stempel

Hier ein häufiger Falschstempl, der auf allen SBZ, Thüringenausgaben vorkommt. Insbesondere auf modern nachgedruckten Ganzfälschungen. Die Fälschung ist von guter Qualität, der Abschlag gerade und klar. Trotzdem ist das kleine "z" schief, wie kursiv gedruckt. Trotz der guten Qualität der Fälschung, sind die Ringe nicht wirklich symetrisch und Rund. Die Ursache ist einfach. Originale werden auf präzisen Maschinen hergestellt. Die Kreise sind rund oder das Werkstück fliegt bereits bei der Produktion in tausend Stücke. Fälschungen werden fotografiert. Nicht der Stempel, sondern ein Abschlag davon. Der ist bereits von Hand produziert, immer irgendwo verkantet, Farbe vom Stempelkissen willkürlich und zufällig verlaufen, dann von Hand retuschiert. Wie soll das zu einem brauchbaren Ergebnis führen? Stempelfälscher wissen, dass ihr Machwerk immer von Prüfern erkannt wird. Deshalb gibt man sich nicht oft soviel Mühe, wie bei dem Erfurtstempel. Noch ein "Trotzdem". Schauen Sie auf die "2" im Monat "12". Die "2" ist viel größer, als die "4" in der Jahreszahl. Echte Stempel haben gleich große Zahlen.
Falscher Block, falscher Stempel

Ein Stück aus der Abteilung dummdreiste Fälscher sehen Sie hier:
Falscher Aufdruck, falscher Stempel

Dieser Stempel wurde nicht aus einer Kartoffel geschnitzt, auch wenn der Abschlag so aussieht. Es handelt sich um den Abschlag eines Zinkklischees. Ein echtes Briefstück "Vineta-Provisorium" kann schon 10.000,- Euro oder mehr kosten. Da versuchen sich auch Fälscher, die gar keine Ahnung haben. Es gibt extrem bessere Fälschungen dieses Stempels. Aber, kaum zu glauben, noch schlechtere, siehe hier
Falscher Aufdruck, falscher Stempel

Während der obere Stempel wie aufgetupft aussieht (immer ein schlechtes Zeichen), sieht man diesem Abschlag an, das hier kräftig von Metall abgeschlagen wurde. Nur, fragt sich auch der Laie, warum ist das "T" am Ende rechts, viel größer als das "S" davor. Die Antwort ist einfach. Der Fälscher schätzt seine Opfer als hirnlose Deppen ein, sonst würde er sich mehr Mühe geben. Denken Sie darüber nach. Der Satz klingt brutal. Sehen sie sich nochmals das Bild des schlechten Stempels an und denken Sie nochmals nach. Es ist tatsächlich so. Die Fälscher wenden sich nicht an Menschen, die Ratgeber lesen. Die Fälschungen werden produziert für Menschen denen der kurze Moment der Freude über einen vermeintlich günstigen Kaufpreis wichtiger ist, als die lang anhaltende Freude über ein schönes Stück. Schöne Stücke werden nicht auf Dachböden gefunden und schöne Stücke haben ihren Preis.

Zur Auflockerung ein echter Marine Schiffspoststempel
Echte Marke, echter Stempel

Noch ein Hinweis, falsche Stempel erkennt man nicht immer an der schlechten Ausführung, aber immer im Vergleich mit echtem Material. Spezialprüfer haben oft Abschläge eines Stempels von jedem Tag. So kann man auch oft Stempel datieren, bei denen nur Teile oder auch nichts vom Datum sichtbar ist.

Oft werden auch Stempeldaten außerhalb der Gültigkeit der Briefmarken verwendet oder Stempel rückdatiert, die während der Zeit des Datum anders aussahen oder noch nicht hergestellt waren. Oft werden Vorlagen aus der Literatur verwendet. Die Stempel zeigen dann die Merkmale der Abbildungen aus Stempelhandbüchern und nicht die von originalen Abschlägen.

Ein Blick noch auf eine Altdeutschlandmarke aus Oldenburg. Der anerkannte und kompetente Prüfer Richter, hat die Marke seinerzeit, als echt signiert. Frau Maria Brettl, Mitglied im BPP und A.I.E.P. hat den Stempel als falsch signiert. Sie hat natürlich Recht, der Stempel ist falsch. Die Fälschung ist gut, aber Herr Richter hat sich von der schönen und tatsächlich auch echten Marke, wohl blenden lassen. Der Stempel zeigt auch Merkmale von Falschstempeln die ich hier im Ratgeber genannt habe. Sehen Sie auf das Bild. Achten Sie auf das erste "E". Der bananenkrumme, untere Strich sollte jeden misstrauisch machen. Schade, die echte Marke wäre auch ohne Gummi und ungebraucht, ein schönes Stück gewesen.
Echte Marke, falscher Stempel

Zur Zeit häufige Falschstempel

FRIEDRICHSHAFEN / * BODENSEE b / 6. 6. 30 19-20, auf falscher Nothilfe 50 Pf. 1929
(1) BERLIN SW 11 / ac / 1. 12. 48 14 (auch mir anderem Datum), auf Berlin Aufdruckmarken
KAIS. DEUTSCHE / MARINE- / SCHIFFSPOST / No 27 / * 17 / 9 * / 06 (sehr dicke Sterne, ST in Post übergroß)
SCHWARZENBERG (ERZGEB) d / 17. 7. 45 12 (riesige 7)

Falsche Briefe und Karten mit eingestempelter Anschrift

Dr. Hans Mildbrand / Bln.-Lichterfelde-West (Zeppelinbelege)
Firma Bostelmann & Co. / ... Brasilien
Gebr. Röchling (auf Bayern Flugpostkarten)
Walter Kunath, Leipzig (Zeppelinbelege)

Absender: ... von Spreckelsen, Hamburg (Zeppeilnbelege)
Absender: Steinhoff & Hürkamp / Schuhfabrik (Zeppelinbelege)

(Eingeführt und Stand vom 5. 8. 2006)

Weitere Hinweise finden Sie bei den jeweiligen Rubriken.

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Allgemeine Ratgeber zum Thema Briefmarken sammeln

Ganzfälschungen der Marken des Deutschen Reiches, Zeppelin, Nothilfe und Andere
Eine Hilfe  falsche Stempel zu erkennen
Eine Hilfe falsche  Prüfzeichen zu erkennen
Fachbegriffe, Abkürzungen, dubiose Formulierungen verstehen

Ein Anleitung zum richtigen Waschen gestempelter Marken

Echtheitsmerkmale und Vergleichsbilder ECHT ODER FALSCH finden Sie in meiner Ratgeber zu den jeweiligen Sammelgebieten, folgen Sie den Links:

Altdeutschland:
     Baden
     Bayern
     Bergedorf
     Braunschweig
     Hamburg
    Hannover
     Helgoland
     Lübeck 
    Sachsen
     Thurn und Taxis
    Norddeutscher Bund,  Okkupationsgebiete

Altösterreich, der rote  Merkur
Bulgarien, erste Ausgaben

Deutsche Feldpost II. Weltkrieg

Alliierte Besetzung Band- und Netzaufdrucke

Berlin Schwarz- und  Rotaufdruck

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