Steinbearbeitung: Handwerk seit Menschengedenken

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Steinbearbeitung: Handwerk seit Menschengedenken

Steinbearbeitung: ein Handwerk mit Tradition

Das Handwerk der Steinbearbeitung ist im künstlerischen Sinne erst wieder in der letzten Zeit etwas mehr ins Gespräch gekommen. Lange Zeit wurde dieser Kunstrichtung im Gegensatz zu den anderen bildenden Künsten etwas weniger Beachtung geschenkt. Das kann daran liegen, dass diese Kunstform sehr schwer zu erlernen ist. Schließlich handelt es sich bei Steinmetz- und Steinbildhauerabeiten nicht nur um eine Kunstrichtung, sondern auch um ein solides Handwerk, das im Rahmen einer Ausbildung als Steinmetz oder Steinbildhauer erlernt werden kann. Im Gegensatz zu anderen Künsten haben die Arbeiten von Steinmetzen meistens auch einen praktischen Nutzen. Das heißt, dass im Rahmen von Steinmetzarbeiten Gegenstände geschaffen werden, die weit über den künstlerischen Wert auch einen Nutzwert haben. Dazu zählen zum Beispiel verzierte Brunnen oder auch bearbeitete Steine in Bädern. Auch Grabsteine zählen zu den Arbeiten eines Steinmetzes oder eines Steinbildhauers. Stein gilt als ausgesprochen beständiges Material. So gibt es in der heutigen Zeit noch zahlreiche sehr gut erhaltene Steinmetzarbeiten aus längst vergangenen Epochen. Dabei wird schnell klar, wie alt dieser Beruf eigentlich ist: Der Beruf des Steinmetzes gilt als einer der ältesten Berufe der Welt.  

Steinmetz und Steinbildhauer in der Antike und in darauffolgenden Zeitepochen

Schon im alten Ägypten wurden Steine professionell bearbeitet, um zum Beispiel Gebäude und Monumente zu schaffen. Verwendet wurden damals bevorzugt Kalk- und Sandsteine, die zu den sogenannten Weichgesteinen zählen. Diese damals erschaffenen Bauwerke sind zum Teil noch heute zu sehen. Zu den bekannten Beispielen zählen die Mykerinos-Pyramide, die Cheops-Pyramide oder der Tempel von Ramses. Damals wurden jedoch nicht nur Weichgesteine bearbeitet, sondern auch Hartgesteine. Hierfür war jedoch sehr spezielles und leistungsfähiges Werkzeug nötig, das noch heute in zahlreichen Museen bewundert werden kann. Mit diesen Werkzeugen wurden Statuen, Säulen und Obelisken geschaffen. Im antiken Griechenland verwendeten die Steinmetze zu großen Teilen schon Werkzeuge aus Eisen und Bronze, was ein wesentlich effizienteres Arbeiten möglich machte.

Ein bekanntes Werkzeug aus dieser Zeit ist das sogenannte Schlageisen. Mit einer runden Schneide war es möglich, auch weiche und runde Formen detailgetreu zu bearbeiten. Darüber hinaus sind in dieser Epoche die ersten Arbeiten aus poliertem Marmor zu finden. Im antiken Griechenland etablierten sich die Steinmetze zunehmend in der Gesellschaft. Sie galten in dieser Epoche als Personen, denen Hochachtung geschenkt wurde und die einen großen Einfluss auf die Politik des Landes hatten. Im antiken Rom wurden die Techniken der Griechen weiterentwickelt und optimiert. Bekannte Arbeiten aus dieser Zeit sind vor allem aus Weichgestein und aus Marmor konzipiert. Beispiele sind unter anderem die zahlreichen Büsten, die in dieser Zeit als Demonstration der Macht geschaffen wurden. Aus handwerklicher Sicht sind vor allem die Polier- und Schleiftechniken zu erwähnen. Auch in Rom waren die Handwerker und Künstler rund um das Thema Steinbearbeitung angesehene Leute.

Im weiteren zeitlichen Verlauf wurde das Handwerk von den Mönchen in den zahlreichen Klöstern vorangetrieben, es entstanden bald die ersten Steinmetzbruderschaften und Zünfte. Besonders in der Gotik wurden die Techniken wesentlich verbessert und verfeinert. Die typischen gotischen Bauwerke ab dem 13. Jahrhundert verlangten nach einer sehr präzisen Formgenauigkeit. Aus dieser Zeit stammen auch sehr viele Steinmetzzeichen, welche die qualifizierten Steinmetze in die Werksteine schlugen. Dies kann als ein Ausdruck von erheblichem Selbstbewusstsein gedeutet werden. Schließlich war der Beruf zur damaligen Zeit extrem gut bezahlt. Ein Buch über Steinmetzzeichen kann diesen spannenden Sachverhalt näher erläutern. Ein sehr bekanntes Werkzeug aus dieser Zeit ist das sogenannte Scharriereisen, das zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert erstmals verwendet wurde. Zu Barockzeiten wurden der sogenannte Stuckmarmor, ein Marmorimitat sowie der Gipsstuck erfunden, da bei Bauwerken von nun auch intensiver die Kosten betrachtet werden mussten.  

Veränderte Rahmenbedingungen für Steinmetze und Steinbildhauer ab dem 18. Jahrhundert

Der Klassizismus läutete einen grundlegenden Wandel im Baugewerbe ein. Schließlich wurden im Rahmen der Industrialisierung zunehmend mit Maschinen gearbeitet. Die Handarbeit wurde zu großen Teilen verdrängt, was auch bei Arbeitsergebnissen teilweise sichtbar war. Für kleinteilige Arbeiten blieb oftmals keine Zeit. Schließlich mussten die Gebäude oftmals in sehr kurzer Zeit entstehen, um die hohe Nachfrage nach Flächen im Wohn- und Industriebereich zu befriedigen. Zu den Erfindungen in werkzeugtechnischer Hinsicht zählten der Stockhammer sowie Steinschleifmaschinen und Steinsägen, die über einen elektrischen Antrieb verfügten. In der Gründerzeit wurden unter anderem die elektrischen Werkzeuge zur Steinbearbeitung weiterentwickelt. Vor allem der Bearbeitung von Natursteinen wurde sehr große Beachtung geschenkt. Die Arbeiten wie etwa kunstvoll bearbeitete Säulen sowie Tür- und Fensterelemente sind heute noch bei den vielen Villen aus der Gründerzeit zu bestaunen.

Für tragende Konstruktionen wurden jedoch zunehmend andere Materialien wie etwa Stahlbeton und Stahl verwendet, was eine kleine Revolution im Bauwesen einläutete. Die typischen Steinmetzarbeiten wurden deshalb zunehmend als zierende Elemente eingesetzt. Besonders ersichtlich ist dies im Bereich der Jugendstilarchitektur. Diese wartete mit zahlreichen Ornamenten, Plastiken und Stuckelementen auf, die an den Sockeln, Fenstern, Gesimsen und Türen angebracht wurden. Erst mit der modernen und sachlichen Architektur, die das gesamte 20. Jahrhundert wesentlich prägte, verschwanden die aufwendigen Steinmetzarbeiten plötzlich von der Bildfläche. Darüber hinaus mussten nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund der großflächigen Zerstörung in relativ kurzer Zeit massenhaft neue Wohn- und Gewerbefläche entstehen. Für zierende Steinmetzarbeiten blieb daher oftmals keine Zeit. Auch fehlte für derartige Arbeiten in vielen Fällen die finanzielle Mittel.  

Unterschiede zwischen Steinmetzen und Steinbildhauern

In der Geschichte der Steinbearbeitung gibt es zwei Berufe, die immer wieder in den Vordergrund treten. Zum einen ist das der Beruf des Steinmetzes, zum anderen der Beruf des Steinbildhauers. Die beiden Berufe haben unterschiedliche Schwerpunkte. Der Steinmetz kann als sehr handwerkslastiger Beruf gesehen werden. Der Handwerker richtet sich oftmals nach strengen Plänen der Baumeister, Architekten und Ingenieure. Aus diesem Grund ist dies ein Beruf mit einem sehr bautechnischen Schwerpunkt. Der Steinbildhauer arbeitet viel freier als ein Steinmetz. Steinbildhauer zählen deshalb zu den Berufen mit künstlerischen Schwerpunkten. Steinskulpturen oder Steinbüsten werden deshalb bevorzugt von Steinbildhauern geschaffen. Die Werkzeuge der beiden Berufe unterscheiden sich jedoch nur geringfügig. So gibt es viele Steinmetzwerkzeuge und Utensilien, die auch von Steinbildhauern verwendet werden können.  

Werkzeuge und Utensilien für Steinmetze und Steinbildhauer

Gerätschaften und Utensilien für Steinmetze und Steinbildhauer können aus verschiedenen Gründen erworben werden. Zum einen können vor allem ältere Gegenstände als Sammelobjekte effektvoll ausgestellt werden, zum anderen nutzen zahlreiche Künstler und Hobbysteinmetze zum Teil die klassischen Gerätschaften, die schon seit Generationen verwendet werden. Künstlerbedarf mit dem Schwerpunkt Steinbearbeitung erhalten Sie im neuen sowie im altertümlichen Zustand. Bevor Sie sich ein altertümliches Stück oder ein Werkzeug für Ihre Tätigkeit als Steinmetz oder Steinbildhauer erwerben, macht es Sinn, sich einen Überblick über die gebräuchlichsten Werkzeuge zu verschaffen.  

Spitzeisen und Hundezahn eignen sich für grobe Steinarbeiten

Das sogenannte Spitzeisen eignet sich zum groben Abarbeiten von Gesteinsmasse. Verwendet wird dieses Werkzeug sowohl für Weich- als auch für Hartgestein. Die Größe der Spitze kann dem jeweiligen Bearbeitungsgrad angepasst werden. Der Handwerker hat deshalb in der Regel eine ganze Palette mit Spitzeisen in den verschiedensten Größen parat. Der Durchmesser der Werkzeuge liegt dabei in einem Bereich zwischen 10 und 25 Millimetern. Geschmiedete Spitzeisen weisen in der Regel eine sehr harte Spitze auf, was für eine gute Haltbarkeit spricht. Der sogenannte Hundezahn ist ein Spitzeisen mit Doppelspitze. Mit diesem Werkzeug kann sehr weiches Material gut und schnell abgetragen werden.  

Mit Zahneisen können große Überstände im Stein bearbeitet werden

Mit dem sogenannten Zahneisen können Überstände im Bereich der Kanten bearbeitet werden. Besonders charakteristisch bei diesem Werkzeug ist die zahnartige und feingliedrige Schneide. Das Werkzeug eignet sich für die grobe Bearbeitung und kann bei Weichgesteinen angewendet werden. Es kann jedoch nicht nur für grobe Arbeiten verwendet werden, sondern auch zum Herstellen bestimmter Oberflächenstrukturen. Zahneisen wurden schon in der Antike verwendet, um Marmorskulpturen zu bearbeiten.  

Krönel eignen sich für die Oberflächenbearbeitung von Stein

Der Krönel ist ein relativ modernes Werkzeug zur Steinbearbeitung. Die ersten Krönel wurden ab dem 17. Jahrhundert benutzt. Dieses Werkzeug besteht aus mehreren aneinandergereihten Werkzeugspitzen, die an einem stabilen Griff angebracht sind. Es kann zum Beispiel zum Einebnen und Glätten von Gesteinsoberflächen verwendet werden. Zudem können mit diesem Werkzeug spezielle Strukturen auf der Oberfläche geschaffen werden. In der Regel wird der Krönel bei weichen Gesteinsarten eingesetzt.  

Das Scharriereisen ist seit dem 15. Jahrhundert zur Steinbearbeitung bekannt

Das Scharriereisen wurde erstmals in der Gotik von den Steinmetzen verwendet. Dieses Werkzeug zählt zu den Meißeln und kann zur Bearbeitung von Flächen eingesetzt werden. Bevorzugt wird mit dem Scharriereisen Weichgestein bearbeitet. Scharriereisen gibt es in verschiedenen Schlankheitsgraden und Schneidenbreiten. Die Form der Schneide kann zudem kelch-, glocken- oder herzförmig sein. Das Scharriereisen gilt als Werkzeug für die feinere Bearbeitung und wird auch als Breiteisen bezeichnet.  

Der Steinmetzhammer gehört zum Basisrepertoire

Ein Steinmetzhammer ist ein universell einsetzbares Werkzeug, sowohl für grobe als auch für feinere Arbeiten. Der sogenannte Stockhammer kann zum Beispiel zum Stocken sowie zum Einebnen verwendet werden. Besonders gut kann damit sehr hartes Gestein wie Marmor bearbeitet werden. Für sehr weiche Gesteinsarten eignet sich der Stockhammer weniger, da es bei der Bearbeitung zu Abplatzungen kommen kann. Der Stockhammer wartet mit einer Schlagplatte auf, die mit regelmäßig angeordneten Zähnen versehen ist. Die pyramidenförmigen Zähne wurden damals angeschmiedet, um eine gute Härte aufweisen zu können. Stockhämmer gelten ebenfalls als relativ neue Werkzeuge für Steinmetze. Ab dem 17. Jahrhundert wurden diese Spezialhämmer verwendet. Hämmer werden im Steinmetz- und Steinbildhauerwerk jedoch auch in Kombination mit den meißelähnlichen Werkzeugen verwendet. Zu diesen Hämmern zählen unter anderem der Fäustel und der Knüpfel. Mit diesen Hämmern wird auf die Meißel geschlagen.  

Raspeln für Steinbildhauer und Steinmetze eignet sich für die Feinarbeit

Mit einer sogenannten Raspel können sehr filigrane Arbeiten erledigt werden. Aus diesem Grund werden Raspeln auch bevorzugt von Steinbildhauern verwendet. Raspeln werden auch benutzt, um die Oberfläche für einen Farbauftrag vorzubereiten. Besonders Specksteine können mit den feinen Raspeln sehr gut bearbeitet werden.

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