Spione im Kleinformat – die Geschichte der Miniaturkameras

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Spione im Kleinformat – die Geschichte der Miniaturkameras

Ein ernst blickender Herr im schneidigen Anzug schreitet lautlos durch leere Flure und Gänge und verschwindet unbemerkt hinter einer Tür. Vorsichtig über einen Schreibtisch gebeugt, zückt er einen scheinbar gewöhnlichen Kugelschreiber und macht damit gestochen scharfe Bilder geheimer Akten und Dokumente. – Diese und ähnliche Szenen aus berühmten Spionagefilmen sind den meisten Filmfans bekannt. Was einst nur Stoff für Hollywood und Science-Fiction war, ist inzwischen längst Realität geworden. Hochauflösende Kleinstbildkameras in Sonnenbrillen, Schrauben oder gar Visitenkarten gibt es in vielen Fällen sogar frei im Handel zu erwerben.

Geschichte der Kleinsten unter den Kameras

Unter einer Kleinstbildkamera verstehen Fotografen und Techniker eine Kamera mit einem Bildformat unter 2 cm Kantenlänge. Diese extrem kleinen Wunder der Technik wurden bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt und kamen in den 1930er-Jahren serienmäßig in den Handel. Noch zwei Jahrzehnte später wurden die noch nicht standardisierten Miniaturkameras mit fotografischen Platten mit einer Seitenlänge von 2,5 Zentimeter hergestellt. Die damit zu gewinnenden Negative wurden anschließend erstmalig in der Geschichte der Kameras vergrößert – ein Vorgehen, das bis dahin noch undenkbar gewesen war. Mit dem digitalen Zeitalter nahm auch die Entwicklung der Kameratechnik rasant Fahrt auf. Die Formen und Formate änderten sich und konnten nun den jeweiligen Situationen angepasst werden. Auch bei der Fotografie allein sollte es nicht bleiben. Inzwischen ist es möglich, winzige Kameras an allen möglichen Standorten zu platzieren und erstklassige Bilder zu erhalten. Die Kameras können permanent laufen, einen Bewegungsmelder als Auslöser haben oder manuell per Knopfdruck bzw. über einen Sender ausgelöst werden.

Die Technik: was hinter der Linse steckt

Die vielfältigen Techniken der Kleinstbildkameras sind in der Tat erstaunlich. Sogar Filme bis zu einer Länge von über zwei Stunden sind in Farbe und mit Ton kein Ding der Unmöglichkeit. Mit einem Speicher von nur 16 Gigabyte und einer hohen Akkuleistung der Kamera können auch Sie zum Hobbyspion werden.

Filmformate werden in die Kategorien Großformat, Mittelformat, Kleinbildformat und schließlich Kleinstbildformat gegliedert. Die Bilder der letzten Kategorie haben nur eine Größe von 8 x 11 Millimetern und sind damit noch um das Zehnfache kleiner als das nächstgrößere Format des Kleinbildes. Aufgrund dieser winzigen Größe erhielten die Kameras in diesem Format den treffenden Beinamen Spionagekamera – und nicht selten werden sie tatsächlich genau dafür eingesetzt.

Die legendären Minox-Kameras

Die 8x11-Minox-Kamera wird mit einem Film versehen, dessen Breite gerade einmal 9,5 mm beträgt. Diese äußerst praktisch zu transportierende Größe spielte lange Zeit vor allen für die Spionageanwendungen eine bedeutende Rolle. Ab den 1960er-Jahren wurde eine weitere Miniaturkamera mit einem 16-Millimeter-Film vorgestellt. Da es für die Kameras jedoch keine geeigneten Filmrollen gab und zudem die Technik bereits einen Schritt weiter war, fand das Modell nur sehr wenig Verbreitung und geriet schnell wieder in Vergessenheit – den Durchbruch schafften andere. Im Jahre 1972 wurde der sogenannte Pocketfilm des Typs 110 erstmals flächendeckend auf den Markt gebracht und fand nachhaltigen Anklang unter den Profis wie auch Hobbyfotografen. Der Film in dem bekannten Format 13 x 17 Millimetern erfuhr in den 70er-Jahren eine enorme Verbreitung und wurde von seinen Herstellern stetig weiter optimiert und verändert.

Vom Disc-Film zu den Vorläufern der heutigen Digitalkameras

Um immer wieder neu und frisch zu erscheinen, folgte zehn Jahre darauf eine Pocketfilm-Variante in Scheibenform – der Disc-Film. Mit seiner Bildgröße von gerade mal 8 x 10 Millimetern sollte so das Geschäft wieder neu angekurbelt werden. Allerdings blieb es nur bei einem Versuch. Professionelle Fotografen nahmen das neue Gerät nicht an, und Amateure konnten mit dem technischen Aufwand kaum arbeiten. So verschwand das Modell schnell in den Annalen der Kamerageschichte. Zum Ende der 90er-Jahre setzten sich die Kameras mit digitalen Sensoren durch – die Vorläufer der heutigen Digitalkamera. Da selbst kleine digitale Sensoren sehr teuer in der Herstellung sind, wurden diese nur für das ohnehin schon beliebte Pocketformat produziert und brachten so eine regelrechte Revolution in der Entwicklung der Fotografie. Die neuartigen Kameras fanden schnell Anklang und verbreiteten sich wie ein Lauffeuer. Erste Still-Video-Kameras zeichneten ein Analogsignal auf einer Diskette auf und läuteten somit das Kamerazeitalter der Moderne ein.

Leistung, Typ und Qualität eines Minispions

Kleinstbildkameras werden auch heute noch in der Regel als Sucherkamera angeboten. Wer sich nicht erst umständlich manuell mit dem Sucher befassen möchte, der kann auch die digitale Suchervariante auf einem Display nutzen. Eine Ausnahme unter den Kleinstbildformaten bilden tatsächlich die einäugigen Spiegelreflexkameras. Lediglich zwei Hersteller konnten sich dazu durchringen, eine Kamera dieses Typs herzustellen. Die Spiegelreflex-Pocketkameras waren und sind in Fachkreisen sehr beliebt und fanden deshalb auch eine ansehnliche Verbreitung. Dennoch blieben sie in dieser Bauart eine Ausnahme.
Weitaus bekannter und auch für den Laien nutzbarer sind die Kameratypen mit einem elektronischen Sucher. Das Display auf der Rückseite der Kamera oder je nach Machart auch zum Umdrehen wird nicht nur zur Bilderschau genutzt, sondern ermöglicht auch eine Sucherfunktion. Der große Nachteil der Sucherdisplays ist die geringere Auflösung. Wenn Sie es bei diesem Typ etwas schärfer haben möchten, können Sie sich vielleicht mit einem elektronischen Sucher mit Okular anfreunden. Die Technik ähnelt dabei der eines Camcorders. Derart außergewöhnliche Modelle sind jedoch Ausnahmeerscheinungen und haben ihren Preis.

Bei den Kleinstbildkameras gilt in der Regel: je kleiner das Format, desto höher der Preis. Die in den 70ern populär gewordene Pocketkamera mit einer Kantenlänge von nur 2 Zentimetern wird wahrscheinlich heutzutage gar nicht mehr als Spionagekamera wahrgenommen – sie ist schlichtweg zu groß. Die heutigen Digitalkameras sind um vielfaches kleiner, lassen sich leichter bedienen und erzielen beachtliche Ergebnisse. Dennoch hat das minimale Format auch seine Grenzen. Die Bildqualität hängt bei diesen Kameras nicht zuletzt vom Talent und der Routine des Fotografen ab. Je sicherer Sie das Gerät beherrschen und sich mit den Licht- und Umgebungsbedingungen vertraut machen, desto eher können Sie sogar in diesem Format beachtliche Leistungen erzielen – ein ruhiges Händchen vorausgesetzt. In der professionellen Spionage werden eher Geräte benutzt, die eine weitaus höhere Auflösung ohne störende Graustufen besitzen.

Die vielfältigen Einsatzorte kleinster Kameras

Durch die reguläre Optimierung auf die Bauweise lässt sich eine einzige Kleinstbildkamera für Sie eher schlecht als recht universell einsetzen. Eine kompakte Immer-und-überall-Lösung bietet wohl am ehesten noch die Kamera im 110-Film-Typ. Sie ist klein genug, um noch als Spionagekamera wahrgenommen zu werden, lässt sich aber trotzdem in jeder Handtasche wiederfinden. Wenn Sie jedoch eher darauf abzielen, mit Ihrer Kamera unentdeckt zu bleiben, dann sollten Sie sich vor allem die richtige Form des Modells suchen.

Für Kleinspione und Hobbyagenten haben sich die Hersteller die unterschiedlichsten Ideen einfallen lassen, um Ihre Kamera möglichst natürlich verschwinden zu lassen. Je nach Situation können Sie sich bequem das geeignete Modell aussuchen. Eine besonders elegante Variante à la James Bond bildet dabei die unsichtbare Spionagekamera in der Krawatte. Der winzige Videorekorder steckt dabei in dem edlen Mode-Accessoire und verfügt praktischerweise über einen USB-Anschluss. Die so aufgezeichneten Daten können ohne viel Aufwand an Ihren Rechner übertragen werden.

Kuli, Brille und Teddybär

Ganz ähnlich haben auch die Hersteller der Miniaturkamera in der Armbanduhr gedacht. Ein alltäglicher unauffälliger Gegenstand, den so gut wie jeder immer und überall bei sich hat. Der Clou: Die besondere Uhr mit dem integrierten Geheimnis ist sogar wasserdicht. Sollte es also auch einmal brenzlig für Sie werden und Sie sich gezwungen fühlen, abzutauchen, dann sind Ihre Bilder und Filme auch bis zu einer Wassertiefe von bis zu zehn Metern geschützt. Ein echter Klassiker darf in dieser Reihe natürlich auf gar keinen Fall fehlen: die versteckte Kamera im Kugelschreiber. Hochwertige Bilder und Videos sind selbst in dieser winzigen Größe kein Problem mehr. Allerdings ist der Kuli als Kamera inzwischen schon so weit ins kulturelle Bewusstsein eingedrungen, dass Sie sich überlegen sollten, ob Sie damit wirklich unerkannt bleiben können.

Ein wenig zeitgemäßer und noch nicht ganz so verbreitet ist die Kamera im falschen Feuerzeug. An der unteren Kante befindet sich ein USB-Stick. So können Sie die Filme und Bilder sofort auf Ihrem Computer sichern. Eines ist jedoch zu beachten. Das Feuerzeug ist nur eine Attrappe. Spätestens nach der ersten Frage nach Feuer kann der Schwindel schnell auffliegen. Ähnlich sieht es mit der Kamera im Autoschlüssel aus. Zwar können auch hier sehr gute Bilder umgesetzt werden, jedoch ist ein Autoschlüssel in der Hand nicht gerade in allen Lebenslagen natürlich und kann schnell Misstrauen erwecken, wenn Sie Ihn permanent auf bestimmte Gegenstände oder gar Personen richten.

Wenn Sie sich im Dunkeln an Ihre Spionagearbeit machen wollen, dann sollten Sie auf die Kamera an der Taschenlampe nicht verzichten. Neben der tatsächlichen Funktion als Taschenlampe sind sehr gute Bild- und Tonaufnahmen möglich. Suchen Sie nach einem unauffälligen Gegenstand, um immer mal einen Blick auf Ihre eigenen vier Wände haben zu können, eignet sich der Wecker und Bilderrahmen mit integrierter Kamera oder der genauso aufgebaute Teddybär. Letzterer ist vor allem durch zahlreiche Kinofilme berühmt geworden und sollte nun auch in der realen Welt in die Kinderzimmer einziehen. Die Teddys und Bilderrahmen können bequem über eine Fernbedienung ein- und wieder ausgeschaltet werden.

Auf Beobachtungsposten mit Miniaturkameras – was ist legal?

So spaßig die kleinen Spionagespielzeuge auch sein mögen, die Rechtslage ist dahin gehend eindeutig: Sie dürfen in Deutschland nicht ohne Einwilligung oder unbemerkt Bild- und Tonaufnahmen von Privatpersonen machen. Tun Sie es doch, ist es oftmals nicht mit einer Geldstrafe getan. Je nachdem, wie tief in die Privatsphäre eingedrungen wurde, können sogar langjährige Haftstrafen folgen. Auch Händler können sich unter Umständen strafbar machen, wenn Sie die Geräte verkaufen.

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