Spießer: Wer, wenn nicht wir?

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Spießer sind eine bedrohte Spezies. Alles was ihnen hoch und heilig ist, haben sich Trendsetter gekrallt und für hip erklärt: Gartenzwerg, Grillparty im Kleingarten, Stadionbesuch mit Fan-Schal, Stricken fürs Guerilla-Knitting. Fassungslos wackelt der Wackeldackel mit dem treudoofen Hundekopf: Wo bleibt der Urspießer und sein Stolz auf das Bewährte? Sogar die umhäkelte Klo-Rolle im Autoheck ist in Gefahr. Zum Glück gibt es letzte Bastionen der Spießigkeit.
Spießer: Wer, wenn nicht wir?

Was den Spießer ausmacht

Der aufrechte Spießer trotzt dem ganzen Trend-Kram. Stolz zieht er sich auf seine Spielwiesen zurück: Schmückt sein Heim mit Spießigkeiten und bekennt sich mit eindeutigen Accessoires dazu. Selbstverständlich ist der Spießer auch weiblich. Aber SpießerIn zu schreiben oder „Spießer und Spießerinnen“, das geht Spießern dann doch zu weit.


Bürotasse

Das Spießigste vom Spießigen ist die Bürotasse mit dem Aufdruck: „Ich bin ein Spießer und das ist auch gut so“. Was, die haben Sie noch nicht? Trösten Sie sich solange mit anderen Exemplaren. Auf eBay gesehen: „Leck mich“ mit Langnese-Logo, „Morgen LATTE“, „Jemand muss den Job ja machen“.


Schrille Krawatte

Der Spießer steht stolz dazu, was andere einen „schlechten Geschmack“ nennen. Beispiel: Krawatte mit Mickey Mouse, Sponge Bob und der ganzen Garde der Disney-Figuren. Tierfreunde schmücken sich mit Einhörnern, Delphinen und Hundewelpen. Oder binden Heißluftballons und Motorräder um den Hals.


Socken in Sandalen

Hier hört der Spaß auf. Bitte meine Herren: keine Socken in Sandalen. Weder schwarze noch weiße Tennissocken mit Aufdruck oder Streifen. Nie, nie, niemals. Hallo Spießer, das ist so was von unsexy. Zur sommerlichen Fußbelüftung gibt es Alternativen. Zum Beispiel Turnschuhe mit Luftlöchern. Darin gehen Socken.


Zimmerspringbrunnen

Wollen Sie wissen, wo ein Spießer wohnt? Folgen Sie dem leisen Plätschern. Spießer stellen mit Vorliebe Zimmerspringbrunnen ins Wohnzimmer. Gut für die Raumluft, keine Frage. Der Öko-Spießer versteckt sich hinter sprudelnden Bambusrohren, der Normalo-Spießer steht zu seinen wasserspuckenden Delphinen.


Alles Apricot

Das Betätigungsfeld der Spießerin ist die Heimdekoration. Ihre Mutter setzte auf die Wirkung von Häkeldeckchen. Die Tochter arbeitet mit Gardinen in Apricot und Pfirsich-Duftkerzen. Ihre geliebte Wendeltreppe beklebt sie mit halbrunden Stufenmatten: Apricotfarben, versteht sich. Ton in Ton, das ist zwanghaft bei der Spießerin.


Hollywoodschaukel

Sie war der Inbegriff der Spießigkeit in den öden 1970ern: orange-braun-gestreift. Dann erinnerte sich die Enkelgeneration an Schaukel-Arien in Omas Garten und unterzog die Hollywoodschaukel einem Relaunch. Jetzt gibt es das Gartenmöbel wieder im Edelstyle oder basic. Spießigkeit ist keine Frage des Geldbeutels.


Volksmusik

Helene Fischer ist gefährlich. Weil sie Volksmusik und Schlager vermischt und attraktiv rüberbringt: Selbst Nicht-Spießer verfallen dem Drive von „Atemlos“. Ihr Spatzi Florian Silbereisen sorgt mit seinen Spießer-Festen der Volksmusik für Top-Einschaltquoten. Sie wissen, wer da auftritt? Upps, jetzt haben Sie sich als Spießer geoutet.


Kombi

Die gute Seite am Spießer: Er ist praktisch veranlagt und mag das Wertkonservative. Also fährt er einen Kombi als Familienkutsche. Da passt der Wochenendeinkauf rein oder der Hund kann hinten sitzen. Der Umstieg auf das Großraumfahrzeug SUV wäre nichts für ihn. Ist nur was für Angeber. Der Spießer aber bleibt bescheiden.


All-Inclusive

Im Sommerurlaub reiste der Spießer früher nur bis Österreich. Dann wurde der Ballermann erobert. Seitdem es All-Inclusive gibt, wagt sich das Spießer-Pärchen bis nach Kenia und in die Dominikanische Republik.
In der Hotelburg kaserniert, markiert mit Bändchen am Arm, genießt es sein Wienerschnitzel und das deutsche Bier. Prost.

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