Spieluhren finden – das sind die entscheidenden Kriterien

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Spieluhren finden – das sind die entscheidenden Kriterien

Spieluhren faszinieren uns seit vielen Jahren. Sie vereinen das Optische mit dem Akustischen, da sie sowohl schöne Formen wie auch Melodien bieten. Es gibt sie in unzähligen Bauformen und Materialien - ob als Spieldosen, Spieluhren, Schmuckkästchen oder als die bekannten Dosen mit den tanzenden Ballerinas auf dem Deckel. Dieser Artikel bietet einen Ratgeber durch die Welt der Spieluhren, von alltäglichen Modellen hin zu Raritäten.

Unterschied Spieldosen und Spieluhren

Auf der Suche nach Spieluhren liest man oft den Begriff Spieldose. Wer hier einen Unterschied vermutet, liegt falsch. Die beiden verschiedenen Begriffe leiten sich aus der Entstehungsgeschichte der Spieluhren ab. Schon im frühen 16. Jahrhundert etablierten sich Taschenuhren, damals noch mit Federantrieb betrieben, zu Statussymbolen. Die damalige Uhrmacherkunst war hoch angesehen und immer edlere Uhrengehäuse sollten die meist adlige Käuferschaft auf die kleinen Uhren – die damals übrigens aufgrund der Ungenauigkeit nur einen Stundenzeiger verbaut hatten - aufmerksam machen. Ende des 18. Jahrhunderts suchte der Schweizer Uhrmacher Antoine Favre-Salomon eine weitere Möglichkeit, seine Taschenuhren zu vermarkten. Er erfand 1796 die erste Spieluhr, die mechanisch eine Melodie abspielen konnte. Dadurch wurde auch der Begriff „Spieluhr“ geprägt. In den folgenden Jahrzehnten fand diese Idee so viel Anklang, dass viele Nachbauten und auch neue Techniken erfunden wurden. Die Idee der mechanischen Musikinstrumente, die von selbst Melodien erklingen ließen, faszinierte die Menschen. Längst wurde das vom Platz her sehr begrenzte Taschenuhrformat ausgeweitet auf größere Gehäuse, meist in Form von Boxen und Schachteln, woher auch der Begriff Spieldose stammt. Doch auch Spieluhren sind weiterhin ein Synonym dieser Melodie abspielenden Schmuckstücke, weswegen meist beide Begriffe genutzt werden können.

Funktionsweise der Spieluhr

In den Anfangstagen der Spieluhren im 19. Jahrhundert wurden zwei verschiedene Typen gebaut. Zum einen die klassischen Walzen-Spieluhren, die Melodien über einen sich drehenden Zylinder – der Walze – abspielen konnten, und zum anderen Platten-Spieluhren, bei denen die Melodien auf Blechplatten gestanzt wurden. Beide Bauweisen hatten Vor- und Nachteile, obwohl sich die Funktionsweise sehr ähnelt.

Funktionsweise von Walzen-Spieluhren

Walzen-Spieluhren stellen die ursprünglichen Spieluhren dar. Sie bestehen aus einem sogenannten Tonkamm. Dies ist ein kammartiges Gebilde aus Stahl, das aus einzelnen Streifen bestand, die durch ihre unterschiedliche Länge und Dicke, in Schwingungen versetzt, unterschiedliche Töne erzeugen konnten und die auf einen gemeinsamen Balken geschraubt wurden. Man spricht hier von Tonzungen, die auf den Zungenbalken befestigt sind. Der Kamm wurde so platziert, dass die Zungen gegen eine zylinderförmige Walze stießen. Dieser Zylinder hatte einzelne, versetzte Erhebungen, die die Tonzungen zeitlich unterschiedlich zum Schwingen brachten, was in ihrer Folge eine Melodie ergab. Die Zylinder wurden dabei entweder per Handkurbel, oder – wie später üblich – von einem Federwerk, wie bei einer Uhr, gedreht. Die Geschwindigkeit dieser Drehung gab auch den Takt der Melodie an, was bei neueren Spieluhren mit einem mechanischen Geschwindigkeitsregler gesteuert werden konnte.

Eine weitere Variation war der Einsatz von zwei unterschiedlich klingenden Tonkämmen, was zu faszinierenden, zweistimmigen Melodien geführt hat. Auch gab es Bauweisen mit zwei Zylindern, die zeitlich versetzt vom Tonkamm gestreift wurden. So konnten lange Melodien, die länger dauerten als eine komplette Drehung des Zylinders, realisiert werden, da eine Melodie nach einer kompletten Drehung des Zylinders logischerweise wieder von vorne beginnen mussten. Im Schnitt passten jedoch bis zu 6 einzelne Melodien auf einen Zylinder. Es wurden auch teilweise mehrere Federwerke gekoppelt, um einen längeren Antrieb zu gewährleisten, bevor man das Federwerk wieder händisch aufziehen musste. Die Zylinder waren jedoch immer fest in der Spieluhr verbaut, was zugleich den Nachteil der Walzenvariante darstellt. Die Melodien waren an die Spieluhr gebunden. Wollte man anderen Melodien hören, musste man eine andere Spieluhr nehmen.

Funktionsweise von Platten-Spieluhren

Genau hier setzt eine weitere Variante von Spieluhren an. Die Platten-Spieluhren besitzen zwar auch einen Tonkamm, dieser jedoch ist zu einer sich drehenden Blechplatte ausgerichtet, vom Prinzip her als ähnlich wie die Nadel bei einem Schallplattenspieler. In die Blechplatte sind Löcher mit leichten Erhebungen – kleinen Haken – auf der Rückseite gestanzt. An diesen werden die Tonzungen in Schwingung versetzt, und sobald die Platte rotiert, erklingt so die Melodie. Der Vorteil bei dieser Technik ist offensichtlich und bei dem Vergleich mit dem Schallplattenspieler nahliegend: die Blechplatten konnten einfach abgenommen und ausgetauscht werden, so dass jederzeit unproblematisch neue Melodien mit nur einer Spieluhr abgespielt werden konnten. Zudem konnten die Lochplatten wesentlich günstiger produziert werden. Auch bei dieser Konstruktion wurde der Antrieb durch Kurbeln oder Federwerke realisiert.

Geschichte der Spieluhr

Nach dem Bau der ersten Spieluhr in einer Taschenuhr folgten aus der Schweiz unzählige Spieluhren aller Formen und Klänge, die weltweit exportiert wurden. Zu den bekanntesten Herstellern für Spieluhren galten die Gebrüder Nicole, deren Walzenspieluhren zwischen 1815 und 1903 hergestellt wurden und heute zu absoluten Raritäten und Sammlerstücken gehören. Selten findet man noch Spieluhren, die ein zusätzliches Glockenwerk verbaut haben und so ganz neue Akzente setzen konnten. Die Firma Mermod Frères baute erstmalig Walzenspieluhren mit austauschbaren Zylindern. Durch Käufer aus allen Teilen der Welt wurde die Schweizer Spieluhrkunst so erfolgreich, dass selbst große Münzautomaten mit Plattenspieluhren hergestellt wurden, die in Wartesälen oder Lokale aufgestellt und somit die Vorgänger der bekannten Jukeboxen wurden. Mit den ersten Phonographen und späteren Schallplattenspielern ab 1920 endete die große Spieluhrenära jedoch.

Das Gehäuse von Spieluhren und was dabei zu beachten ist

Da der Tonkamm selber keine Schallwellen erzeugt, muss er auf einen hölzernen Resonanzboden befestigt werden. Das Prinzip ähnelt bekannten Saiteninstrumenten wie der Akustikgitarre. Zum Schutz wurde das Gehäuse massiv und anfangs meist ohne große Verzierungen um das Innere der Spieluhr gebaut. Dennoch prägt das Gehäuse einer Spieluhr den Klang. Daher sollte vor der Suche nach der passenden Spieluhr entschieden werden, aus welchem Material die Spieluhr sein soll. Dies hat natürlich auch Einfluss auf die Nutzung dieser musikalischen Schmuckstücke - ob als reine Dekoration oder als Kinderspielzeug.

Spieluhren aus Holz

Die ersten Spieluhren wurden aus schlichtem, aber stabilem Holz gebaut. Es war naheliegend, neben dem hölzernen Resonanzboden auch das Gehäuse aus Holz zu fertigen. Neben der einfacheren Herstellung war es auch günstiger. Auch heute noch findet man Spieluhren aus Holz, vor allem im Bereich der Spielwaren für Kleinkinder und Babys. Das Holz kann farbenfroh und kindsgerecht lackiert und mit schönen Figuren dekoriert werden. Es gibt keine spitzen Ecken oder Kanten und das innere der Spieluhr ist ausreichend geschützt.

Spieluhren aus Porzellan

Das wohl klassischste Gehäuse für Spieluhren ist das Porzellan. Es ist robust und wirkt edel. Porzellanspieluhren genießen seit jeher den Status der wunderschön und liebevoll ausgearbeiteten Dekorationen, die jeden Schrank und jede Kommode bereichern. Durch das Material selber sind Form und Detailreichtum schier unendlich, weshalb diese Spieluhren oft einen Sammlerstatus genießen. Bei vielen Vertretern dieser Dekorationen ist die Melodie meist zweitrangig und die Verzierungen und Figuren auf der Spieluhr ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Jedoch sollten Porzellanspieluhren mit Vorsicht behandelt werden. Aufgrund ihres brüchigen Gehäuses gehören sie nicht in Kinderhände und nach Stürzen enden diese Spieluhren meist in Scherben.

Spieluhren aus Metall

Wesentlich stabiler, dafür jedoch auch wesentlich schwerer und unpraktischer sind Spieluhren aus Metall. Sie sind seltener zu finden, die Verzierungen sind hier wesentlich schlichter und beschränken sich meist auf aufgeklebte Motive und Bilder. Durch das robuste Gehäuse und mögliche, scharfe Kanten können schnell Verletzungen entstehen, weshalb auch diese Spieluhren nicht als Kinderspielzeug geeignet sind.

Spieluhren aus Kristall

Sehr edel und teuer sind Spieluhren, deren Gehäuse mit Kristallen verziert sind. Diese Sammlerstücke dienen auch ausschließlich der Dekoration und sind eher als Schmuck anzusehen. Sie funkeln im Licht und ziehen schnell die Aufmerksamkeit auf sich. Somit dienen sie als Aufwertung jeder Ablage.

Spieluhren aus Polystone

Viele Spieluhren sind aus Kunststein, sogenannter Polystone hergestellt. Sie vereinen die Gestaltungsmöglichkeiten von Porzellan mit der Bruchsicherheit von Holzspieluhren und sind somit ideal für unachtsame Kinderhände. Sie sind meist wunderschön verziert und angemalt und verzaubern jedes Alter.

Bekannte Spieluhren für Sammler

Berühmte Spieluhren, die nur kurz erhältlich und somit längst vergriffen sind, genießen Kultstatus. Zu ihnen gehören sicherlich auch die Enesco-Spieluhren, die mit liebevollen Motiven aus bekannten Kinderfilmen Berühmtheit erlangt haben. Die kindgerechten Figuren sind sorgsam ausgearbeitet und weisen unzählige Details auf. Wesentlich teurer, dafür aber klanglich auch weit qualitativer sind die Kunstwerke der Firma Reuge. Ihre Modelle richten sich jedoch klar an erwachsene Liebhaber dieser mechanischen Musikinstrumente, bieten jedoch auch faszinierende Motive und Formen. Der deutsche Porzellanhersteller Hutschenreuther erlangte mit seinen Porzellanspieluhren Aufmerksamkeit und stellt heute noch Spieluhren mit schönen, meist weihnachtlichen Motiven her. Ganz klassisch und auch weltberühmt sind Spieluhren in Schatullen. Sie bieten neben ihrer Melodie und ihrer Optik zudem einen praktischen Nutzen als Aufbewahrungsbox für Schmuck oder Vergleichbares und verzieren jeden Schminktisch. Allgemein bestimmen die dargestellten Motive meist die Nachfrage, vereinen sie doch verschiedenste Spieluhren zu wertvollen Sammlungen. Beispielhaft seien hier die typischen Karussell-Spieluhren sowie die Engel-Spieluhren genannt. Auch Kombinationen aus Spieluhren und den bekannten Glaskugeln sind sehr gefragt.

Spieluhren selber bauen

Versierte Bastler können Spieluhren auch selber bauen. Passende Bausätze für Walzen- und Plattenspieluhren sind zwar selten, bieten jedoch die Möglichkeit, eigene Motivideen mit bevorzugten Melodien zu kombinieren und Gehäuse und Farben selbst zu gestalten. Die eigentliche Technik ist meist fertig und muss nur in Eigenregie verbaut und verziert werden, weshalb der vermeintliche Aufwand letztendlich gar nicht so groß ist.

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