Spiegelreflex-Kameras - Profis contra Amateure (Teil 1)

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Alden Neil Armstrong (57) hatte keine Wahl. Als er am 20. Juli 1969 auf den Auslöser drückte, um seinen unförmig verpackten Kollegen für die Nachwelt abzulichten, da gab es sie noch nicht: die vollelektronischen Kameras.

Der Chefpilot des Raumschiffs "Apollo 11" knipste seine geschichtsträchtigen Mondporträts mit der Sonderversion einer absoluten Profikamera und hatte somit auch alle Hände voll zu tun, Belichtungszeiten und Blenden unter einen Helm zu bekommen.

Doch der erste Mensch auf dem Mond war nebenbei Fotoprofi, optimal ausgestattet, jahrelang auch an der Kamera speziell ausgebildet und brachte deshalb von der längsten Reportage der Menschheit (über 800.000 Kilometer für Hin- und Rückflug) perfektes Bildmaterial zurück, gestochen scharfe Aufnahmen - kein Vergleich zum Fernseh-Grießbrei, der den Erdlingen damals live serviert wurde.

Nächstes Jahr ist Neil Armstrongs teurer Fototrip zwanzig Jahre alt. Und gerade die Raumfahrttechnik, die ihn auf den Mond und wieder zurück beförderte, hat zwischenzeitlich auch die Kameratechnik revolutioniert. Komplizierte Elektronik, die knapp in die Raumfähre "Adler" gepaßt hätte, sitzt heute in einem handlichen Kameragehäuse und hat neben Verschlußzeiten und Blendenöffnung auch die Entfernungsstellung, den Selbstauslöser, die Blitzhelligkeit und - leuchtweite, aber immer noch nicht den Fotografen unter Kontrolle.

Der drückt immer noch, wann es ihm paßt.

Denn auf die Qualität des verschlußendlich erzeugten Bildmaterials hatten auch zwanzig Jahre Elektronik-Entwicklung keinen Einfluß. Was sich vor den Linsen - hinter denen heute elektronische Augen messen - abspielt, ist genauso dem Fotografen überlassen, wie die Bildkomposition vor der "Camera Obscura", dem dunklen Kasten mit einem Loch an der richtigen Stelle - dem Vorläufer aller Fotokameras.

Anfangs gab es sie überhaupt nicht, die Unterschiede zwischen Amateur- und Profikameras: denn es gab keine Amateure. Wer sich eine Plattenkamera der Gründerzeit leisten konnte, versuchte als "Photograph" die Kosten so schnell wie möglich durch das Ablichten seiner Mitmenschen wieder hereinzubekommen. Erst als die immens teuren fotografischen Apparate soweit vereinfacht waren, daß sie für den knipsenden Normalbürger erschwinglich wurden, traten auch die Unterschiede zwischen einfachen, weil billig produzierten und teuren, da sorgfältig und mit bestem Material gefertigten Kameras immer deutlicher ans Licht.

Rein technisch, also vom Prinzip her, gab es zwischen beiden Lagern kaum einen Unterschied auszumachen: eine mehr oder weniger zuverlässige Mechanik öffnete dem Licht für eine bestimmte Zeit den Weg zum Filmmaterial und transportierte bei den schnell verbreiteten "Filmkameras" das Filmmaterial ein Stückchen weiter. Die Energie dafür lieferte der Fotograf: mit dem Daumen am Spannhebel oder beidhändig beim Wechseln der Platten seiner Plattenkamera.

Für die richtige Wahl der Blendenöffnung und Belichtungszeit war er ebenfalls zuständig, mit geübtem Auge oder meist vielen Versuchen mit falsch entwickeltem Filmmaterial.

Da kam die Elektronik, besser angewandte Elektrotechnik ins Spiel: mit Hilfe eines elektrischen Belichtungsmessers, einer Kombination aus lichtempfindlichem Photowiderstand oder selbst stromerzeugendem Photoelement mit einem daran gekoppelten Drehspulmeßgerät. Prinzip: je mehr Licht, desto größere Anzeige auf dem Instrument. Das Ganze mit einer Vorwahl für die Blendenöffnung und der Skala für Belichtungszeiten versehen, baumelte jahrelang vielen Fotografen zusätzlich zur Kamera um den Hals - den Amateuren wie den Professionals, die sich zeitenweise vom Lager der Sonntagsfotografen wenigstens farblich abzugrenzen suchten: vormals einheitlich metallisch silbern schimmernde Kameragehäuse und Objektive verschwanden unter "Profi-Black". Nur noch Schwarz war schön und sollte "Reflexe verhindern". Was die Hersteller von Amateurkameras nicht hinderte, sofort nachzuziehen - heute ist fast alles, was Kamera heißt oder dazugehört, mattschwarz und kaum voneinander zu unterscheiden.

Tatsächlich hat die technische Entwicklung der letzten Jahrzehnte die "mögliche Qualität" in der Fotografie immer weiter perfektioniert, zuletzt in immer kleineren Schritten, die für viele gar nicht mehr nachvollziehbar waren. Wo liegen denn die ausschließlich technischen Differenzen zwischen einer zwanzig Jahre alten Fotografie und der heutigen? Wohlgemerkt solche, die nur auf die Kamera, nicht aber aufs Filmmaterial und andere äußeren Einflüsse zurückzuführen sind.

Es gibt keine. Mit einer Einschränkung: höchste technische Qualität ist durch verbesserte Produktionsmethoden und Erkenntnisse wesentlich billiger geworden. Die Welten der Amateur- und Profikameras, zu Neil Armstrongs Zeiten noch himmelweit voneinander entfernt, haben sich qualitativ immer mehr angenähert. Optisch ist bei Kameras aus beiden Welten kaum noch ein Unterschied erkennbar, wohl aber im Preis und in der Ausstattung. Also 'ran ans Detail und rein ins Innere zweier außergewöhnlicher Kameras, die jeweils ihre Welt repräsentieren - aber willkürlich und nicht nach Qualitätsmaßstäben ausgewählt wurden.

Die Minolta 7000 hat den Anspruch, die erste "vollelektronische" Spiegelreflex-Kamera der Welt zu sein, bewußt mit der Vorgabe konstruiert, gerade für schnelle Schnappschüsse beste Voraussetzungen zu liefern, also automatische Wahl von Blende und Belichtungszeit, "Autofocus" (automatische Scharfeinstellung) und kompletter motorischer Filmtransport. Und das alles ohne Einschränkungen der manuellen Möglichkeiten. Für das "Profi"-Lager steht die Nikon F3, als Nachfolgemodell der legendären "F2" schon ein Schritt hin zur Elektronik, die von vielen Professionals immer noch als "amateurhaft", weil unzuverlässig belächelt wird.

Auf den ersten Blick fällt vor allem eines ins Gewicht. Eben dies: mit 555 Gramm ist die Minolta fast 50 Prozent leichter als das 720 Gramm schwere Kameragehäuse der Nikon. Was zum einen heißen kann, daß bei Minolta eben an Gewicht gespart wurde, um so wenig wie möglich in der Hand halten zu müssen - andererseits aber auch klarlegt, daß die Wandstärke der Nikon an keiner Stelle unter 1,4 Millimeter geht und der Kern der Kamera aus einem besonders stabilen und korrosionsfesten Metall besteht. Die Teile, die das Kamerabajonett aufnehmen, sind solide zwei Millimeter dick, eben auf die rauhe Behandlung von Profis zugeschnitten, die ihr Handwerkszeug schon mal zum "Nägeleinklopfen" mißbrauchen, statt gutgepolsterter Fototasche einen praktischen Beutel zum Termin schleppen und gerade mal dafür sorgen, "daß die Kiste läuft". Ordentlich funktionieren muß sie, Kratzer schaden nicht.

Die wären dem peniblen Amateur schon zuwider, der seine Kamera mit dem Staubpinsel säubert und auf die filigranen Elektroniktasten oben auf der Minolta sowieso achtgibt. Für allzu rohe Beanspruchung sind die nämlich nicht ausgelegt, mit Handschuhen über den kalten Fingern geht gar nichts: der Druckpunkt beträgt kaum zwei Millimeter.

Da hat die Nikon mit dem großen Einstellrad Griffigeres zu bieten, es aber auch notwendig: im Gegensatz zur Minolta, die "normalerweise" gar keine Einstellfinger braucht, verlangt die Nikon wenigstens eine Blendenvorwahl. Sie führt dann aber die Belichtungszeit automatisch nach, von 1/2000 Sekunde bis zu vollen acht Sekunden. Das reicht zwar auch für die meisten Lichtverhältnisse, ist aber nicht so optimal gelöst wie bei Minolta, die gleichzeitig Blende und Belichtungszeit justiert.

Dazu kommt die automatische Entfernungseinstellung, das "ins Gehäuse intergrierte Autofocus-System". Obwohl von der Elektronik bis zum Einstell-Mikromotor alles im Kameragehäuse sitzt, also kein zusätzlicher Motor im Objektiv erforderlich ist, passen trotzdem nur Minolta-Autofocus-Objektive ans Bajonett der 7000. Keine zwingende technische Nowendigkeit also, wohl eher eine Marketingüberlegung, die den eigene Zubehörhandel forciert.

Weiter in Teil 2...

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