Soundcheck für große Räume: So beschallen Sie Hallen

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Soundcheck für große Räume: So beschallen Sie Hallen

Wenn es um die Beschallung großer Räume oder gar Hallen geht, werden ganz besondere Ansprüche an die Musikanlage gestellt. Klar, dass die Hi-Fi-Anlage hier keine Chance hat. Zu gering ist die Lautstärke und zu groß ist die Gefahr, die Lautsprecher oder den Verstärker durch Überlastung zu zerstören. Wer sich mit der Aufgabe konfrontiert sieht, eine große Halle zu beschallen, muss über das richtige Equipment und über ein großes Know-How verfügen.

Ob Sie ein Konzert Ihrer Band oder ein großes Familienfest planen: In unserem Ratgeber möchten wir Ihnen das wichtigste Grundwissen an die Hand geben. Sie werden erfahren, welche Lautsprecher, Verstärker und Mischpulte Sie benötigen. Auch über wichtiges Zubehör, wie sichere Lautsprecherständer und taugliche Verkabelungsmöglichkeiten möchten wir Sie hier informieren.

Die PA-Anlage im Einsatz: Public Adress richtet sich an ein großes Publikum

Um größere Festlichkeiten mit vielen Gästen zu beschallen, benutzt man eine sogenannte PA-Anlage. PA steht für „Public Adress“, also für ein System, das sich an ein großes Publikum richtet. Je nach Größenordnung, ob kleinerer Festsaal oder großes Festzelt, wird die PA-Anlage mit unterschiedlichen Komponenten ausgestattet. Den Grundstock bilden dabei:

  • Lautsprecher
  • Verstärker
  • Mischpulte

Die Anzahl der jeweiligen Komponenten variiert je nach Größe der Veranstaltung. Bei Großveranstaltungen und Konzerten kommen nicht selten bis zu 40 Lautsprecher in verschiedenen Größen zum Einsatz. Dementsprechend groß muss die Verstärkerleistung sein. Vorverstärker kommen häufig in Form von Mischpulten. Besonders leistungsfähige Leistungsverstärker sorgen dafür, dass das Signal die Lautsprecher betreiben kann.
Wir werden nun auf die einzelnen Bestandteile der PA-Anlage genauer eingehen. Wichtig ist, dass alle einzelnen Komponenten für den Endsound mitverantwortlich sind. Eine PA-Anlage ist immer nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Daher sollte bei der Anschaffung der Lautsprecher, der Mischer und Verstärker und Kabel auf eine gleichbleibende Qualität geachtet werden.

Hier spielt die Musik: PA-Lautsprecher bilden das letzte Glied der Sound-Kette

Es gibt Lautsprecher, die in die Weite strahlen, Subwoofer und Lautsprecher, die nur für die ersten Reihen bestimmt sind. Ist eine Live-Band geplant, müssen zusätzliche Monitor-Lautsprecher auf der Bühne aufgestellt werden.

Bei einer großen PA haben die Lautsprecher verschiedene Aufgaben. Das liegt daran, dass für die verschiedenen Frequenzbereiche des Klanges unterschiedliche Voraussetzungen ideal sind. Hohe Töne benötigen kleinere Membrane und andere Chassis als tiefe Frequenzen. Doch was bedeutet das eigentlich?

Töne Klänge und Geräusche sind nichts anderes als Schallwellen. Sie unterscheiden sich nicht nur im Klang, der durch Obertöne bestimmt wird, sondern auch in der Tonhöhe. Die Tonhöhe wird in der Frequenz einer Schallwelle gemessen. Die Frequenz steht für die Anzahl der Schwingungen über einem bestimmten Zeitraum. Je höher die Frequenz, desto höher ist auch der Ton. Während hohe Töne also sehr kurze Schallwellen haben, sind Basswellen mehrere Meter lang. Die Frequenz wird in der physikalischen Einheit Hertz gemessen. Diese Aspekte sind bei der Aufstellung der Lautsprecher von großer Bedeutung. Aber dazu später.

Um die einzelnen Frequenzbereiche optimal wiederzugeben, wird das Signal des Verstärkers aufgeteilt. Das funktioniert entweder über Frequenzweichen oder über einen Controller. Während die Frequenzweiche das Signal einfach aufsplittet, bietet der Controller die Möglichkeit, die einzelnen Teile zu verändern. Zum Beispiel können so bestimmte Frequenzen angehoben oder einzelne Bereiche verzögert werden.

Die geläufigsten Lautsprecher: Topteile für den gesamtem Frequenzbereich

Die geläufigste Art der Lautsprecher bilden die sogenannten Topteile. Sie geben das Tonsignal über den kompletten Frequenzbereich wieder. Daher sind sie meistens 2-Wege-Boxen oder 3-Wege-Boxen. Das bedeutet, dass sie zwei bis drei eingebaute Lautsprecher, auch Chassis genannt, in sich vereinen. Diese Chassis sind bei 3-Wege-Boxen ein Hochtöner, ein Mitteltöner und ein Tieftöner.

Um diese Lautsprecher anzusteuern, gibt es zwei Möglichkeiten. Bei ersterer leitet man das „Fullrange-Signal“ des Verstärkers mithilfe eines Eingangs in die Box. Eine eingebaute oder separate Frequenzweiche teilt das Signal den einzelnen Chassis zu. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die einzelnen Chassis einzeln anzusteuern. Ein 3-Wege-Lautsprecher hat also drei Eingänge zu verzeichnen.

Für Konzerte werden auf der Bühne Monitor-Lautsprecher aufgestellt. Über sie haben die Musiker die Möglichkeit, sich selbst zu hören, was über die nach vorne abstrahlende PA nicht möglich ist.

Subwoofer für den besonderen Tiefdruck im Saal

Subwoofer sind eine Ergänzung zu den Topteilen. Aufgrund ihrer massiven Bauweise und besonders großen Membranen, können sie auch im tieffrequenten Bereich großen Schalldruck erzeugen. Der Bassbereich beginnt etwa bei einer Frequenz von 20 Hertz und reicht bis etwa 150 Hertz. Subwoofer geben also nur den tiefen Teil des Signals wieder. Generell kann jedes Topteil durch Subwoofer erweitert werden. Die Anzahl der Subwoofer hängt ab von der Größe des Raumes und der Anzahl der Gäste.

Mehr als nur Lückenbüßer: Nearfill  und Outfill sorgen für ein einheitliches Klangbild

Nearfill- und Outfill-Lautsprecher kommen immer dann zum Einsatz, wenn der Raum sehr breit ist. Wenn die Lücke in der Mitte zwischen den Topteilen zu groß wird, liegt der Überschneidungsbereich der beiden Soundquellen von rechts und links weiter hinten. Im vorderen Bereich kann es so zu sogenannten „Löchern“ in der Beschallung kommen. Die Lautsprecher liegen auf der Vorderkante der Bühne und geben das volle Frequenzspektrum wieder. So haben auch die Menschen in der ersten Reihe ein perfektes Klangerlebnis. Outfill-Lautsprecher haben den gleichen Zweck, sind aber für äußere Randbereiche gedacht.

Für Großveranstaltungen: Die Delayline sorgt auch in den letzten Reihen für perfekten Sound

Eine Delayline ist eine komplette zweite PA-Anlage, die in einiger Entfernung zur Haupt-PA-Anlage aufgebaut wird. Eine Delayline wird nur dann benötigt, wenn der Raum besonders lang ist. Die Haupt-Pa, die rechts und links von der Bühne aufgebaut ist, kann in diesen Fällen nicht immer den ganzen Raum beschallen. Diese zusätzliche PA wird deshalb Delayline genannt, weil hier im Gegensatz zur Haupt-PA-Anlage ein Linedelay, also eine Verzögerung des Sounds, eingeschleift werden muss. Dies geschieht, um die Ortung des Sounds weiterhin nach vorne auf die Bühne zu richten. Die Verzögerung ergibt sich aus der Schallgeschwindigkeit. Da diese je nach Temperatur ca. 33 Meter pro Sekunde beträgt, muss man das Signal bei einer Entfernung von 30 Metern um 0,1 Sekunde verzögern.

Musikalische Höchstleistungen: Verstärker bilden das Zentrum der PA

Endstufen und Vorverstärker stehen bei der PA im Mittelpunkt. Vorverstärker sind dazu da, das Signal einer Soundquelle, sei es ein CD-Player, ein Computer oder eines Instruments, so umzuwandeln, dass es von einer Endstufe verarbeitet werden kann. In der Vorstufe wird ebenfalls die Lautstärke geregelt. Im PA-Bereich werden meistens viele Audio-Eingänge verlangt. Auch wenn keine zehnköpfige Band auf der Bühne steht, sind durch Effektgeräte, wie Equalizer, Delay und Halleffekte bereits viele Soundquellen vorhanden. Aus diesem Grund bildet hier meist ein Mischpult den Vorverstärker.

Der Vorverstärker bzw. das Mischpult ist also die Schaltzentrale der gesamten Anlage. Hier werden alle Soundquellen zusammengetragen und verwaltet. Das Mischpult verteilt die Signale an die Endstufen, die ebenfalls eine tragende Rolle innerhalb der PA einnehmen.

Der Endverstärker verstärkt die Signale so, dass sie einen dynamischen Lautsprecher mit genügend elektrischer Spannung betreiben können. Je nachdem, welche Arten von Lautsprechern betrieben werden sollen, werden unterschiedliche Endstufen benötigt. Diese müssen nicht nur genug Leistung übermitteln können, sondern müssen auch von Widerstand her kompatibel mit den Lautsprechern sein.

In der Regel kann man pro Verstärker-Kanal zwei Lautsprecher anschließen. Entscheidend hierfür ist der Widerstand bzw. die Impedanz, für die Lautsprecher und Verstärker ausgerichtet sind. Normale Lautsprecher im PA-Bereich haben eine Impedanz von 8, schließt man also zwei Lautsprecher an, sinkt die Impedanz auf 4. Dies bedeutet eine zusätzliche Belastung für den Endverstärker.
Es ist also von großer Wichtigkeit, dass die Impedanz der Lautsprecher mit der Impedanz des Verstärkers übereinstimmt. Bei einer dauerhaften Überlastung des Endverstärkers kann dieser gerade in lauten Bereichen wie bei einer PA-Anlage schnell überhitzen. Die Elektronik der empfindlichen Geräte nimmt dadurch Schaden und der Verstärker ist im schlimmsten Falle irreparabel geschädigt.

Die PA-Anlage im Einsatz: So ist Ihre Anlage optimal aufgestellt

In diesem Kapitel soll es um die Aufstellung der PA-Anlage gehen. Durch schlechtes Aufstellen kann man den Sound schnell verschlechtern und das ganze System anfällig für Rückkopplungen machen. Besonders bei Veranstaltungen mit Live-Musik kann dies schnell passieren.

Zunächst sollte man sich den Abstrahlwinkel der einzelnen Lautsprecher vor Augen führen. Der erste entscheidende Punkt bei der Aufstellung ist also die Höhe der PA. Tieftöner, wie Subwoofer, kommen nach unten, während die Topteile oberhalb der Köpfe der Menschen platziert werden sollte. Dies hat folgenden Hintergrund: Lange Basswellen werden nicht so schnell von Menschen absorbiert und kommen auch dann, wenn der Lautsprecher auf Bodenhöhe angebracht ist, am hinteren Ende des Raumes an.
Kurzwellige, hohe Töne hingegen können schneller vom Publikum absorbiert werden. Damit also nicht nur die erste Reihe die volle Beschallung abbekommt, während im hinteren Bereich keine Höhen mehr zu vernehmen sind, sollten die Topteile unbedingt höher angebracht werden.

Wurde die gewünschte Höhe erreicht, solle man den Winkel der Lautsprecher beachten. Da Lautsprecher auch seitlich in einem gewissen Winkel abstrahlen, ist es sinnvoll, die rechts und links stehenden Topteile leicht zueinander anzuwinkeln. So wird die bereits beschriebene Lücke im mittleren vorderen Bereich möglichst klein gehalten.

Achten Sie auf Details: Verkabelung und Lautsprecherständer runden die PA-Anlage ab.

Um die Qualität der einzelnen Komponenten der PA-Anlage voll ausschöpfen zu können, spielen die Verbindungen der einzelnen Geräte eine große Rolle. Hochwertige PA-Kabel sorgen für geringe Signalverluste und verringern auch das Verzerren und Rauschen. Lautsprecherkabel und Audio-Kabel sollten also ebenfalls einer Qualitätsprüfung unterzogen werden.

Um die Lautsprecher wie oben erläutert optimal zu platzieren, sind in kleinem und mittlerem Rahmen Lautsprecherständer die optimale Lösung. Sie unterstützen nicht nur den Sound, sondern sind auch ein großer Sicherheitsaspekt bei großen und schweren Topteilen.

Denken Sie einfach daran: Eine Anlage ist nur so gut, wie das schwächste Teil. Eine PA-Anlage besteht nicht nur aus Lautsprechern und Verstärkern, sondern benötigt auch hochwertiges Zubehör.

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