Sony ICD-MS1: Diktiergerät mit hoher Aufnahmequalität

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Hallo,

ich habe im letzten Jahr digitale Diktiergeräte mit Speicherkarten-Slots verschiedenster Hersteller durch Kauf bei eBay mit einem Budget von unter 70 Euro nacheinander ausprobiert. Ich bin allerdings kein "typischer Diktierer" sondern nehme Vorlesungen in der Universität mit den Geräten auf. Das Sony ICD-MS1 hat sich dabei für mich durchgesetzt:

  • Hervorragende Aufnahmequalität
    Sony verwendet in ihren Diktiergeräten verschiedene Codecs und obwohl das ICD-MS1 den hauseigenen Edelcodec LPEC (gewissermaßen das Gütesiegel für gute Sony-Diktiergeräte) nicht besitzt, ist die Qualität phantastisch. Soll heißen, daß das Gerät auch alles mitbekommen würde, wenn man es hinter den Rücken hält. Es gibt im Netz einen sehr guten Test (Google-Suche:  ISCB) des Geräts und dort wird auch die große Variabilität des Mikrofons demonstriert. Wenn ich beispielsweise meine Vorlesungen aufnehme, ist der Dozent klar und deutlich zu hören und auch Zwischenfragen aus vielen Metern Entfernung sind klar verständlich. Dabei tritt nur ein sehr geringes Rauschen auf. Ich habe noch kein Gerät in der Hand gehabt, daß das besser macht.
  • Lautsprecher
    Aufnahmen aus der Entfernung (wie eben in einer Vorlesung) klingen freilich nicht ideal, aber die an sich gute Wiedergabequalität für ein so kleines Gerät zeigt sich bei Aufnahmen aus geringerer Entfernung.
  • Gute Software
    Manche Hersteller liefern zu ihren Geräten keine oder absolut unpraktische oder veraltete Software aus. Sony entwickelt ihren "Digital Voice Manager" noch immer weiter und das ICD-MS1 wird noch immer unterstützt. Das Programm macht die Synchronisation und Archivierung sehr einfach und dürfte für "normale Anwender" genügen.
  • Bedienung
    Das Gerät ist wirklich sehr kompakt und so sind die Tasten teilweise auch sehr klein geraten. Wer sie nicht mit hoher Frequenz bedient, wird trotzdem gut zurechtkommen.
  • Speichermedium und Anschluß an den PC
    Leider unterstützt es nur die klassischen Memorysticks - also maximal 128 MB. Wer die jetzt noch nicht besitzt, darf sich auch bei eBay über saftige Preise für die großen Vertreter mit 64 oder 128 MB freuen. Der Anschluß an den PC ist hier nicht gegeben, man benötigt einen Cardreader.
  • Batterielaufzeit noch in Ordnung
    Wenn man Batterien verwenden möchte, sollten es gute sein. Einfache Exemplare reichen oft nur für reichlich eine Vorlesung, also vielleicht 2 Stunden. Mit NiMH-Akkus wird's erheblich besser und es sollten mehr als 8 Stunden drin sein. Vergleichbare Geräte laufen aber oft sehr viel länger.

Leider baut Sony diese Geräte schon lange nicht mehr und die einzige Entsprechung in der jetzigen Produktpalette (März 2007) ist das MX20. Wie dieses hat das MS1 seinerzeit wirklich richtig Geld gekostet, ich vermute etwa 250 Euro. Das liegt aber auch schon ein paar Jahre zurück, man sollte also bedenken, daß jedes dieser Geräte schon einige Jahre auf dem Rücken hat. Auf den englischen Seiten vom Amazon gibt es auch ein paar Berichte über spontane Elektronikdefekte bei Sony-Diktiergeräten. Wer das Risiko eingeht, bekommt allerdings ein Gerät mit unschlagbarer Aufnahmequalität für vergleichsweise wenig Geld (bei eBay im Mittel 70 Euro).

 

Im Test hatte ich noch die folgenden Geräte:

  • Sanyo ICR-B150
    Ein Profi-Diktiergerät mit durchdachter und wirklich einfacher Bedienung (phantastische Schiebeschalter). Flexibler SD-/MMC-Speicherkarten-Slot für Karten bis zu 64 MB. Lange Batterielaufzeit, gute Aufnahmequalität (Mikrofon auf "Konferenz", "Vorlesung" und "Diktat" einstellbar) und viele weitere Profi-Funktionen wie regelbare Empfindlichkeit der Voice-Activation. Leider sehr schwacher Software-Support von Sanyo, der einem das Gerät gehörig vermiest.

  • Philips Pocket Memo 9300
    Das Gerät ist für den professionellen Einsatz sicher gut geeignet, wirkt robust. In meinen Augen ist es aber praktisch kaum nutzbar, weil nur 8 MB-Smartmedia-Speicherkarten verwendet werden können, die für nur knapp 2 Stunden ausreichen. Mich persönlich hat die Bedienung in den Wahnsinn getrieben.  :-)

  • Grundig Digta 4010
    Hier bei eBay werden manchmal sehr große Beträge auf diese Diktiergeräte geboten, was ich persönlich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Das Gerät hat den Charme (und das Gewicht) von einem Stein und wer schon einmal die filigranen Geräte von Sony oder Olympus in der Hand hielt, wird sich sehr wundern. Dafür erscheint das Digta 4010 aber ausgesprochen alltagsrobust und von hoher Verarbeitungsqualität. Die Aufnahmequalität ist sehr gut und insbesondere sehr rauscharm. Grundig liefert zwar nur Steinzeit-Software mit, hat aber die Firmware sehr lange gepflegt und so werden MMC- und SD-Karten bis zu 64 MB unterstützt. Die Bedienung mit dem Schiebeschalter ist intuitiv und in meinen Augen sinnvoll gestaltet.

Die weiteren Geräte besitzen keine Speicherkarten-Slots sondern "nur" internen Flash-Speicher. Es handelt sich auch um eher preiswertere Geräte und der Vergleich ist zugegenermaßen nicht ganz fair:

  • Grundig Diginotice Life
    Die guten Diktiergeräte tragen bei Grundig den Namen "Digta" und dieses ... ist keines davon. Die Verarbeitung wirkt sehr schwach und die Tasten sehr billig. Die Aufnahmequalität war sehr schwach (auch nachdem ich ein externes, besseres Mikrofon angeschlossen habe) und das Gerät ist mir einmal komplett abgestürzt und das Filesystem des Geräts war danach inkonsistent. Nach dem Formatieren war der korrekte Betrieb wieder möglich, aber für mich ist dieses Gerät gruselig schlecht.
  • Sony ICD-P320
    Sehr filigran, wirkt aber trotzdem robust. Sehr kompakt und leicht, dabei gut durchdachte Bedienung (wenn auch nicht für Vieldiktierer geeignet, weil nicht wirklich ergonomisch). Ordentliche Aufnahmequalität, aber nicht so gut wie die beim ICD-MS1. Die eingebauten Lautsprecher leiden sehr unter der Kompaktheit des Geräts.
  • Olympus VN-480PC
    Ebenfalls sehr leicht und kompakt, dabei aber ebenfalls robust. Absolut phantastische Aufnahmequalität auf kurze Distanz und trotz der kleinen Bauform sehr gute Lautsprecher. Extrem einfache, praktische Bedienung. Es wird eine einfache, aber funktionelle Software zur Synchronisation mitgeliefert. Die Batterien halten extrem lange! Für mich der absolute Geheimtip, wenn man nicht gerade Vieldiktierer ist oder auf große Entfernungen (wie bei Vorlesungen) aufnehmen möchte. Sehr preiswert!
  • Olympus VN-2100PC
    Die Nachfolgerserie vom VN-240/480/960PC:  Die guten Eigenschaften bleiben erhalten und die Geräte sind m.E. noch einmal etwas besser geworden. Möglicherweise hat der Hersteller hier und da etwas mehr gespart, aber die Geräte sind einfach phantastisch für ihren geringen Preis.

 

Noch erwähnenswert:  Proprietäre Codecs

Die meisten Diktiergeräte benutzen zur Aufnahme einen herstellerspezifischen Codec, der schon einmal sehr lästig sein kann. Möchte man - wie ich - z.B. seinen Kommilitonen die Aufnahme als MP3-Datei zur Verfügung stellen, kann das sehr aufwendig werden, wenn diese Codecs mangelhaft sind. Ich habe diesbezüglich nur Erfahrungen mit den Codecs von Sony und Sanyo gesammelt, das genügt aber:

Die mitgelieferte Software bei Sanyo wirkt unausgereift und der Codec scheint fehlerhaft zu sein. Ich halte mich für einen fortgeschrittenen Anwender und trotzdem war es mir nicht möglich, mit gängigen Tools aus den Aufnahmen aus dem Diktiergerät saubere MP3-Dateien herzustellen. Die hergestellten MP3-Dateien hatten also kürzere Laufzeiten als die Aufnahmen auf dem Recorder und liefen in den Abspielprogrammen manchmal über ihr Ende hinaus oder wurden von diesem nur zur Hälfte erkannt. Dies konnte nur vermieden werden, wenn das mitgelieferte Konvertierungsprogramm verwendet wird und aus jeder Aufnahme eine riesig große WAV-Datei generiert wird, die man dann wieder konvertieren muß ...

Bei Sony gibt es derlei Ärger nicht. Um die Dateien zu konvertieren, müssen sie aber dennoch aus dem mitgelieferten "Digital Voice Editor" erst in WAV-Dateien und dann mit externen Tools in MP3s umgewandelt werden.

Man sollte also bedenken, daß ein Diktiergerät eben keine "fertigen" MP3-Dateien ausspuckt und man durchaus noch viel Ärger haben kann, wenn man die Dateien nicht auf Basis des herstellereigenen Codecs archivieren will.

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